Falko Hennig

Trabanten

Roman
Cover: Trabanten
Piper Verlag, München 2002
ISBN 9783492043816
Gebunden, 287 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Ein tragikomischer deutscher Held und seine ebenso hintergründige wie amüsante Lebensgeschichte - Falko Hennigs Buch ist Schelmenroman und ungewöhnliches Deutschlandbild zugleich...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.01.2003

Ein schönes Stück "Kulturgeschichte der ostdeutschen beziehungsweise osteuropäischen Automobilherstellung" hat Falko Henning hier mit der Geschichte seines Protagonisten verknüpft, schreibt Aimee Torre Brons und stellt bei der Lektüre fest, dass die "Obsessionen für Automobile viel mehr über Menschen und ihr Land verraten, als man zu wissen meint". Insofern sei dieses Buch auf jeden Fall eine spannende Reise in die Vergangenheit, doch manche Dinge bleiben für die Rezensentin unklar. Zum Beispiel fragt sie sich, weshalb Falko Henning in seiner Geschichte auch den Spuren des Physikers und Raketenkonstrukteurs Wernher von Braun folgt. Die Motivation dafür bleibt unklar: "soll damit die Autorität des historisch Belegten heraufbeschworen werden" oder ein ironischer Kommentar zu dem "Spannungsfeld zwischen technischem Größenwahn und kleinkrämerischen Stasi Bericht" geleistet werden ? - so lauten die offenen Fragen der Rezensentin nach der Lektüre dieses offenbar unterhaltsamen Buches.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.2002

Nicht in seinen Figuren, sonders in seinen "originellen Fahrzeugen" erkennt Wolfgang Schneider die wahren Protagonisten dieses Romans über das "Autoland DDR". Er attestiert dem Roman ein gewisses Potential und hat auch einige "gute Ansätze" gefunden. Aber, so der Rezensent enttäuscht, das reicht über einen "kabarettistischen Gemischtwarenladen" einfach nicht hinaus. Er kritisiert, dass der Autor mit seiner "munteren Skrupellosigkeit" allzu gewagte Verknüpfungen seiner Handlung mit der deutschen und der globalen Geschichte einbaut. Hier habe Hennig mit "Holzhammer-Plausibilität" beispielsweise Papiere Wernher von Brauns auf einem Dachboden auftauchen lassen, so der Rezensent unwillig. Dass diese Figur, die schließlich fast ein Drittel des Buches als Ich-Erzähler fungiert, dann eigentlich nicht viel mehr als ein zusammengelesenes Referat ergibt und blass bleibt, stört den Rezensenten ungemein. Überhaupt findet er, dass "Willkür" diesen Roman dominiert und zudem über allem eine "gewisse Belanglosigkeit" schwebt. Das, so Schneider streng, liegt daran, dass der Autor nicht über erzählerische "Virtuosität" verfügt wie beispielsweise ein Thomas Brussig und sowohl in der Figurenzeichnung wie auch im Aufbau des Buches nicht zu überzeugen vermag.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.04.2002

Rezensent Gerrit Bartels verteidigt die junge ostdeutsche Literatur gegen pauschale Vorwürfe in den Medien, wonach die alte Schriftstellergarde wie Christa Wolf, Hermann Kant oder Volker Braun Maßstäbe für eine glaubwürdige Auseinandersetzung mit dem DDR-Staat gesetzt habe, während die Jungen wegen ihres "leichteren, mitunter auch zynischeren Tons" des Geschichtsrevisionismus verdächtigt würden. Statt einer "persönlichen Verstrickung" Erwachsener mit dem Unrechtsstaat, findet Gerrit Bartels bei jungen Autoren wie Falko Hennig das "Wesen der DDR" in "abseitigen Nebensächlichkeiten". "Mit viel Hingabe und Detailfreude" erzähle Hennig die Lebensgeschichte eines motorbegeisterten Heranwachsenden unter besonderer Berücksichtigung des Sandmanns und seines Mondmobils sowie sämtlicher Familienfahrzeuge. An Erich Honecker, die Mutter und Christa Wolf knüpfen sich Erinnerungen, die deren Autoritätsanspruch deutlich machen, so Gerrit Bartels. Doch seine Schwierigkeiten habe der Autor Falko Hennig, wenn er versuche die private Geschichte mit der "amtlichen Geschichte" zusammen zu bringen. Der Rezensent kann nur rätseln, was der Raketenbauer Wernher von Braun plötzlich im Roman zu suchen hat. Dafür kennt sich der Rezensent im dritten Kapitel und dem Traum einer supermobilen Gesellschaft wieder umso besser aus, denn Hennigs arbeitet mit dem Archiv seines ersten Romans "Alles nur geklaut". Passt irgendwie, findet Bartels: "In Treue fest zu sich selbst und dem eigenen Archiv."

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.03.2002

Es handelt sich hier um die Geschichte einer DDR-Jugend, also geht's bei den Trabanten des Titels ums Automobil. Alle "Ostfahrzeugtypen" kennt der Held Täufler auswendig, Anekdoten gibt es und den ersten Sex auf den umgeklappten Sitzen dazu. Nützen tut es alles nichts, schon bis dahin (und das ist, wie einem gleich klar wird, noch der bessere Teil) findet's Rezensent Oliver Seifert nur "mäßig unterhaltsam". Ohne besseren Grund aber als den, dass Täufler im Haus der von Brauns wohnt, wird einfach so die Biografie des Raketenbauers Wernher von Braun in den Roman hinein erzählt. Die Konstruktion kommt damit natürlich, wie der Rezensent ächzend und ätzend feststellt, unter die Räder. Die Unfähigkeit des Lektorats (ein Lothar Müller ist "an anderer Stelle" Lothar Schulz) hätte es schon gar nicht mehr gebraucht für die entschiedene Rezensenten-Warnung vor diesem Buch: "Also rechtzeitig Handbremse ziehen! Und aussteigen."
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