Evelyn Grill

Der Sammler

Roman
Cover: Der Sammler
Residenz Verlag, Salzburg 2006
ISBN 9783701714421
Gebunden, 236 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Sammeln als Besessenheit: die Geschichte eines "Messie" im Widerstand gegen die Wegwerfgesellschaft.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.09.2006

Wahrhaft verlockende Worte findet Anton Thuswaldner für diesen Roman von Evelyn Grill. Der Leser, schreibt er, laufe nicht Gefahr, "sich zu entleiben". Wunderbar. Dabei scheint das Buch auch kein ganz locker-leichtes Lesefutter zu sein. Eher regiert hier Skepsis und Depression angesichts der Verhältnisse. Den Helden aber, einen sonderbaren Wächter der Dingwelt, finden wir gleich sympathisch, wie der Rezensent ihn schildert und wie Grill ihn offenbar entwirft. Thuswaldner erklärt, woran das liegt: Die Autorin ist "besessen" von ihrer Figur. Dass sie ihn dennoch in den Abgrund stößt, ist wohl Gesellschaftskritik, Thuswaldner nennt es "finstere Diagnostik", gepaart mit "heiterer Satire". Unterhaltsam findet er den Roman nämlich auch noch, gewinnt Grill auch stilistisch keinen Blumentopf. Der Reiz liegt in einem "bedeutsamen" Stoff, einem "klaren" Konzept und einer "zartbitterbösen" Evelyn Grill.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.08.2006

Evelyn Grills neues Buch erzählt die Geschichte von einem ungewöhnlichen Sammler, Alfred Irgang, der in seiner Wohnung alles aufbewahrt, was das Leben so abwirft, vom Joghurtbecher bis zu ausgefallenen Haaren. Dieser "Archivar des Lebens" fühlt sich ganz glücklich mit seiner Neigung, stößt aber auf die Unverständlichkeit seiner Umgebung, die ihn als krankhaften Fall betrachtet. Mit diesem Buch befasst sich die Schriftstellerin mit einem ihrer Lieblingsthemen, dem Sonderling, meint Jörg Magenau, der ihren "grotesken" und "unterhaltsamen" Roman und seine Figur in der Nähe von Jakob Heins "Herr Jensen" und Jan Faktors "Schornstein" platziert. Das Hauptmotiv dieses Buchs sieht der Rezensent in dem Verhältnis von Wirklichkeit und Kunst, weil Irgang seine Wohnung nach ästhetischen Prinzipien zumüllt. Ein "hinterlistiger" Roman über die Entstehung von Kunst also, der laut Magenau mit "dezenter Ironie" und "kalkulierter Boshaftigkeit" glänzen kann. Nur zu ordentlich ist ihm die Geschichte über einen Müllsammler manchmal konstruiert, die Figuren zu effizient eingesetzt, die Namen und Szenen zu deutlich symbolisch aufgeladen.