Aus dem Amerikanischen von Detlev Ullrich. Ein jüdischer Junge beobachtet mit großem Staunen Aufstieg und Fall eines Rebellen an einer Hebräischen Schule - und muss in dunkle Abgründe in der eigenen Familiengeschichte schauen ... In "Cosa Minapolidan" geht Joe de Louie, ein kleiner fetter Mafioso, seinen Geschäften nach, und das ausgerechnet in der ganz unmafiosen Stadt Minneapolis - eine eigenartige Wahl ... Ein Mann mittleren Alters enthauptet seine Frau und erklärt dann in aller Seelenruhe, wie sie ihn zur Tat getrieben hat ... Willkommen in der Welt von Ethan Coen!
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.07.2005
Susan Vahabzadehs anfängliche Angst, dass Ethan Coens Kurzgeschichten nicht an seine Drehbücher, unter anderem für "Fargo", heranreichen, stellte sich ihr schnell als unbegründet heraus. "Die Erzählungen beschädigen die Filme nicht, sie vervollständigen sie", wie sie zufrieden festellt. Der Drehbuchautor erschaffe nicht nur Figuren, die "genauso komisch" sind wie das Personal in seinen Filmen, sondern gibt ihnen darüber hinaus noch ein wenig "Anteilnahme und Verzweiflung" mit, die in den fast zynischen Umsetzungen der Drehbücher durch das Brüderpaar manchmal fehlt, frohlockt die Rezensentin. Ihr dienen die Geschichten, deren Spektrum von der "bizarren" Krimi-Story bis zu unheimlichen Erinnerungen aus der Kindheit reicht, als "Hintertür zum Coen-Universum", mit der nicht nur die Einstellung der Regisseure zu ihren Figuren besser nachvollziehbar wird, sondern auch die Filme insgesamt "zugänglicher" erscheinen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.06.2005
Sehr bedauerlich findet Rezensent Peter Körte, dass man Ethan Coens Geschichten nur "in kleinen, homöopathischen Dosen" lesen könne, denn im Grunde verfügten sie über alles, was eine gute Geschichte brauche, vom Stoff bis hin zur Sprache. Woran es allerdings hapere, seien die Figurenschilderungen. Über seiner Begeisterung, Alltagsituationen in Absurditäten und witzige oder abgründige Pointen aufzulösen, vernachlässige er seine Charaktere derart, dass die Lektüre keinen nachhaltigen Eindruck hinterlasse. Da Coen es dem Leser kaum ermögliche, sich in die Figuren einzufühlen, bleibe "von dem, was sie erlebt und durchgemacht haben ... nicht viel übrig", meint Körte. So erblickt der Rezensent, der die Filme der Coen-Brüder sehr schätzt, im vorliegenden Band vor allem das unausgeschöpfte Potenzial eines erzählerischen Genies. Das Cover der Neuedition (vor vier Jahren waren die Erzählungen schon einmal auf deutsch erschienen) sei immerhin "eindeutig schöner" als beim ersten Mal.
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