Kaum war ihre Uraufführung im Jahre 1824 verklugnen, das machte sich Beethovens "Neunte Sinfonie" auf den Weg, zum politisch erfolgreichsten Musikwerk der westlichen Welt zu wernden. Die Wahl der "Ode an die Freude" zur Europahymne ist nur ein vorläufiger Höhepunkt dieser Karriere. Politische Gruppierungen jeweder Couleur - ob französische Republikaner oder deutsche Nationalsozialisten - haben sich des furiosen Finales der "Neunten" bedient, Olympiaden wurdem mit ihm eröfnet, und das einstige Apartheid-Regime Rhodesiens erkor es zur Nationalhymne. Der Musikwissenschaftler Esteban Buch hat sich die reizvolle Aufgabe gestellt, die politische Biografie dieser berühmtesten aller Sinfonien zu schreiben. Er nimmt uns mit auf eine faszinierende Reise durch zwei Jahrhunderte europäische Musikgeschichte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.08.2000
Die "Geschichte einer Vermarktung" nennt Friedemann Kluge das Buch des französischen Autors Esteban Buch, das ein aufregendes Kapitel politischer Musikgeschichte beschreibe. Beethovens Neunte wurde eigentlich von Anbeginn, seit ihrer Uraufführung 1824, ideologisch okkupiert, von französischen Republikanern ebenso wie von englischen Freimaurern oder deutschen Wagnerianern, später von den Nationalsozialisten oder dem rhodesischen Apartheidsregime. `So hatte (...) jeder seinen Beethoven`, zitiert Kluge den Autor über den gesamteuropäisch und heute weltweit beanspruchten Komponisten - nur von Schillers Text sei nie die Rede gewesen. Sehr aufschlussreich findet der Rezensent außerdem den beigefügten Aufriss über die Entstehung der modernen Staatsmusik. Zur Erinnerung: 1972 wurde die Neunte zur textlosen Europa-Hymne erklärt. Es soll Menschen geben, und zu denen zählt sicher auch der Rezensent, die können sie nicht mehr hören.
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