Edna O'Brien

Das raue Land

Roman
Cover: Das raue Land
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2001
ISBN 9783455057263
Gebunden, 320 Seiten, 20,40 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Kathrin Razum. Ein Dorf in Irland. Die hübsche Breege sieht einer Zukunft auf dem elterlichen Hof an der Seite ihres Bruders entgegen, als die Ankunft eines Fremden schlagartig ihr Leben verändert. Michael Bugler, Nachfahre verarmter, nach Australien ausgewanderter Iren, ist zurückgekehrt, sein Erbe anzutreten und im Land seiner Wurzeln ein neues Leben zu beginnen. Mit der gleichen Zielstrebigkeit des Gewinners, mit der Bugler Breege den Hof macht, verfolgt er auch seine Erbansprüche. Er ignoriert, dass er damit nicht nur das Generationen alte Sozialgefüge des Dorfes auf den Kopf stellt, sondern vor allem die Existenzgrundlage Joseph Brennans angreift, Breeges Bruder, der auf Buglers Land sein Vieh weidet. Als der fürchtet, auch noch seine Schwester an den Nebenbuhler zu verlieren, wird der schwelende Konflikt zu unversöhnlichem, tödlichem Hass.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.11.2001

Das "alte Irland", fern von aller globalisiert-kapitalistischen Gegenwart, findet der Leser in den Büchern Edna O'Briens, so auch in diesem. Der Schauplatz: ein "von Zivilisation und Frauenemanzipation offenbar kaum berührtes Dorf im mittleren Westen", an dem große Worte, mythische Geschehnisse, "alttestamentarische Wucht und epische Größe" offensichtlich noch recht am Platze sind. Der Rezensent Martin Halter jedenfalls hat gegen die Steigerung eines Kampfes zwischen zwei Männern um Land und die Schwester des einen zur "antiken Tragödie" nichts einzuwenden. Nur ganz gelegentlich streift das Buch, wenn man Halter glaubt, die "Blut-und-Boden-Mystik", sonst aber ist es meist "kraftvoll, poetisch, dampfend vor erdiger Sinnlichkeit und Leidenschaft". Dass die Natur dabei das siegreich weibliche Prinzip verkörpert, dass die Frauen als die Gebärenden den die Kämpfe austragenden Männern überlegen sind, das beschreibt der Rezensent zwar, findet es jedoch "nur selten verkitscht". Er ist, es lässt sich nicht leugnen, beeindruckt von diesem Roman, den er eine "schwerblütige, vormoderne Saga" nennt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.08.2001

Dieser Roman wird Edna O'Brien in Irland "wieder Ablehnung und Kritik eintragen", schreibt Bruno von Lutz, und lobt den Roman uneingeschränkt als "großen Wurf". Verstörend sei das Werk der im Nordirland-Konflikt als Vermittlerin engagierten Autorin und greife ein von ihr bevorzugtes Thema auf: "das Leiden der Frauen in der von Männern beherrschten Welt". "Stilistisch und gestalterisch hervorragend" zeichne die Autorin dabei "Naturbilder von urtümlicher Schönheit", die in einem "eigentümlichen Spannungsverhältnis zu der Selbstzerfleischung" der vor ihr agierenden Menschen stünden. Dabei reite die Autorin weder auf der "Nostalgie- und Rührungsschiene" der verklärt zurückblickenden irischen Auswanderer-Literaten, noch fehle ihr die kritische Sicht auf die Dinge, findet der Rezensent. Das gezeichnete Irlandbild ist das einer archaischen Gesellschaft, schreibt Lutz, und "die Kirche als moralische Institution ... kommt ... gar nicht vor". "Kein politischer Roman, jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinne", urteilt Lutz und schließt, dass bei aller Kritik, die dieses Buch zu erwarten habe, niemand der Autorin die Anerkennung für die Naturschilderungen und die Einfühlung in die Obsessionen der Protagonisten wird absprechen können.
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