Don DeLillo

Null K

Roman
Cover: Null K
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2016
ISBN 9783462049459
Gebunden, 288 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Frank Heibert. Ross Lockhart ist ein Milliardär in den Sechzigern mit einer viel jüngeren Frau, Artis Martineau. Sie ist schwer krank. Ross ist Großinvestor eines im Verborgenen agierenden Unternehmens, das den Tod ausschalten will. Das Projekt: Sterbende lassen sich einfrieren und erst wieder zum Leben erwecken, wenn Medizin und Technik so weit sind, dass der Mensch ein ewiges Leben ohne Krankheiten führen kann. Als Artis sich diesem Prozess unterziehen will, reist Ross' Sohn Jeffrey an, um Abschied von seiner Stiefmutter zu nehmen, auf unbestimmte Zeit. "Wir werden geboren, ohne eine Wahl zu haben. Müssen wir auch genauso sterben? Macht es den Menschen nicht gerade aus, dass er sich weigern kann, ein bestimmtes Schicksal anzunehmen?" Diese Fragen treiben Ross um, der mit aller Macht in eine andere Dimension menschlichen Lebens vorstoßen möchte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.11.2016

Don DeLillos verstörende Romane sind längst Kult, erklärt Rezensent Harald Jähner und weiß auch weshalb: Weil DeLillo-Leser auf drängende gesellschaftliche Fragen keine einfachen Antworten erwarten, sondern Vielschichtigkeit schätzen, fährt der Rezensent fort. Der neue Roman "Null K", der aktuelle terroristische Anschläge, Krieg und Katastrophen ebenso verhandelt wie die Möglichkeit des Einfrierens menschlicher Körper, mit dem Ziel, in einer späteren, besseren Epoche wiederzuerwachen, stellt dies einmal mehr unter Beweis, versichert der Kritiker, der bewundert wie geschickt DeLillo gängigen politischen Debatten neue Wendungen verleiht. Und dann ist da natürlich noch DeLillos faszinierender Umgang mit Sprache, so Jähner: Stringenz möchte er dem Autor zwar nicht unbedingt attestieren, aber die Art und Weise, wie DeLillo in herrlich "schrägen" Sätzen Wichtiges mit Nebensächlichem kombiniert, erscheint dem Kritiker wie ein "mit Erkenntnis gestreckter Wein".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.10.2016

Angela Schader kann den neuen Roman von Don DeLillo schon allein aufgrund einiger weniger Sätze empfehlen, Sätze, die sie als gleichzeitig fremd und fordernd empfindet, die ihr die Sprachartistik des Autor eindrucksvoll vor Augen führen und die die Erzählkonstruktion des Buches tragen, wie sie staunend erkennt. Das kryonische Projekt im Buch, mit dem DeLillo einmal mehr die Themen Verlust und Tod umkreist, wie Schader schreibt, erscheint der Rezensentin so vor allem als Futter für den überragenden Intellekt des Autors, Anlass, etwa die Frage nach dem Sinn ewigen Daseins zu stellen und es sprachlich in "stupenden" Bildern real werden zu lassen. Eine allzu realistische Lesart möchte Schader jedenfalls nicht empfehlen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2016

Jörg Häntzschel zeigt sich als großer Bewunderer Don DeLillos und zeichnet eingängig dessen große poetologische Wandlung nach, um sein eigenes Befremden über den neuen Roman zu veranschaulichen: DeLillos frühere Romane wie "Underworld" oder "White Nois" strotzten vor Komplexität, sie zelebrierten Schönheit und Irrsinn der Welt so sinnlich wie sie sie zugleich messerscharf analysierten. Doch davon sein "Null K" denkbar weit entfernt. In dem Roman erzählt DeLillo mit dem heiligem Ernst, den er seit seiner großen Konversion zum literarischen Asketen pflege, von einer "esoterischen Tiefkühlsekte" in Kasachstan, die Milliardären Unsterblichkeit verheißt und verkauft. Wo jeder andere Autor nur "grotesken Trash" zustande gebracht hätte, schafft DeLillo aus dem "ersten inneren Monolog einer Tiefgefrorenen in der Literaturgeschichte" ein wahrhaft berührendes Stück. Aber kann es das sein?, fragt sich Häntzschel. Wie soll dieser "bestürzende Ernst" zusammengehen mit den albernen Visionen vom ewigen Leben? Das bleibt Häntzschel ein Rätsel.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.10.2016

René Hamanns Rezension zu Don DeLillos neustem Roman liest sich fast wie eine Trostrede auf den wieder einmal nicht gewonnenen, obwohl doch ewig erwarteten Nobelpreis. Dass er den Autor für einen würdigen, ja längst überfälligen Preiskanditaten hält, ist nicht zu überlesen. Neues findet Hamann nicht unbedingt in "Null K", aber auch das Altbewährte findet er hier in keiner Weise angestaubt. Seinem postmodern berechnenden, pointierten Stil bleibe der Autor treu, genau wie einigen Motiven aus früheren Büchern. Auch der "große Weltzusammenhang", der Blick von ganz oben, fehle nicht in DeLillos "Alterswerk", das trotz dieser Bezeichnung und dieses Themas nicht der Vitalität entbehrt, findet Hamann. Worum es geht? Natürlich um den Tod oder eben Nicht-Tod.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2016

Für den Rezensenten Andreas Platthaus ist Don DeLillo ein Moralist. Einer, der in seinem neuesten Roman mit größtmöglicher Nüchternheit den Tod resümiert und sich jeder Skandaliserung enthält. Wie der Autor sich hier erstmals dem unmittelbaren Jetzt zuwendet und die Idee der Kryonik umkreist mittels zweier gegensätzlichen Figuren, aber Vater und Sohn, scheint ihm meisterlich konstruiert. Und meisterlich übersetzt von Frank Heibert, der DeLillos lapidaren Ton genau trifft, wie Platthaus versichert.
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