Es sind bekanntlich nicht die Maschinen, die Maschinen einstellen, sondern Menschen, die Maschinen bauen und einsetzen. Daher ist es nicht länger hinzunehmen, dass Maschinen die Lebensverhältnisse zunehmd verschlechtern, obwohl sie im Ursprung dazu gedacht waren, diese zu verbessern. Selbst in den reichsten Ländern ist von Lebenserleichterung durch Technik nicht mehr viel zu merken: Der kreative Computerdienstleister fristet das Dasein eines biblischen Tagelöhners; die High-Tech-Ärztin schreibt Gutachten über die Almosenberechtigung kranker Unterstützungsempfänger; jede Modernisierung der Produktion bedeutet Massenentlassungen statt Arbeitszeitverkürzung. Aber nicht einmal den Anschluss an diese noch vergleichsweise luxuriösen Formen des Jammers gönnt man den ärmeren Gegenden; dorthin wird bloß alles ausgelagert, was man mit den Lohnabhängigen des Westens einstweilen noch nicht machen kann. Wie soll man die Maschinen stürmen, um sie in Besitz zu nehmen?
Recht spöttisch betrachtet Rezensent Matthias Bröckers, wie sich Dietmar Dath, einstiger Spex- und FAZ-Redakteur, aufmacht, Mensch und Maschinen zu befreien und zu einer "sozialistischen Demokratie voranzuschreiten". Wer hier genau von wem befreit werden soll, können wir der eher kursorischen Besprechungen nicht ganz entnehmen, wir lernen aber von der maschinenstürmenden Tradition der Luddisten, die von Ned Lud begründet wurde, der als erster im Jahr 1779 in Leicestershire einen Strumpfstrickapparat zerstörte. Rezensent Bröckers scheint nicht ganz zu verstehen, wie Dath noch Hoffnung in die Organisation der Linken setzen kann, belächelt den "Lenin 2.0" aber eher milde.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 21.04.2008
Einfach rührend findet Christian Schlüter Dietmar Daths Versuch einer Streitschrift zum Thema Kapitalismus und die Alternativen. Dass Dath vor lauter Vorbehalten gegenüber dem eigenen Denken nicht zu Rande kommt und Schlüter auch keinen Adressaten für den Text ausmachen kann, nagt allerdings etwas an den Sympathien des Rezensenten für den Autor. Was Dath da demokratietheoretisch kritisierst, ist ja völlig richtig, so will Schlüter ihm beispringen, doch voll "handelsüblicher Plattitüden" ist es leider auch. Für eine echte Streitschrift, findet Schlüter, reicht das leider nicht, höchstens für ein "von allerlei Vorlieben geprägtes Bekenntnis".
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