Der Morgen gehört uns
Roman

Kjona Verlag, München 2024
ISBN
9783910372290
Gebunden, 240 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Italienischen von Jan Schönherr. "Bei mir fing es mit Liebe an. Der Hass kam später." Warum wählt die Jugend rechts? Dieser Roman versucht, eine Antwort zu geben. In diesem Sommer wird Ettore 18. Mit seinen Eltern, die verlernt haben, miteinander zu reden, lebt er in einem kleinen Ort bei Mailand. Der einzige Mensch, dem er sich anvertraut, ist seine Großmutter Elsa. Das ändert sich, als er die Schule wechselt. Dort lernt er den charismatischen Giulio kennen, der ihn in den Kreis der Federazione, einer faschistischen Jugendorganisation, aufnimmt. Gemeinsam gehen sie zum Demonstrieren auf die Straße und wirken an etwas Großem, Gerechten mit, wie Ettore denkt. Als es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung mit der Gegenseite kommt, ist er wie elektrisiert. Und verheimlicht Elsa erstmals etwas. Aus Angst, dass der Weg, den andere für falsch halten, für ihn der einzig richtige sein könnte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2024
Rezensent Roman Bucheli resümiert in seiner kurzen Kritik von Davide Coppos Debütroman zunächst vor allem den Inhalt: Der junge Ettore, inzwischen geläutert, blickt auf sein bisheriges Leben zurück, um zu verstehen, wie aus ihm, dem labilen, vernachlässigten Jungen, ein rechtsradikaler Schläger werden konnte. Mit dem Tiefpunkt, nachdem sich Ettore nicht nur in rechter Literatur und Gewalttaten verloren hatte, kommt mit der Verurteilung zu halbjährigem Hausarrest der Wendepunkt in seinem Leben, erfahren wir. Dass Coppo alles in der Schwebe lässt, keine Erklärungen liefert, sondern sich herantastet an diese "Anatomie der Radikalisierung", erachtet Bucheli als Gewinn. Und so empfiehlt er eine berührende Lektüre.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.09.2024
Rezensent Gustav Seibt ist begeistert von David Coppos Roman, in dem dieser die Radikalisierung eines neunzehnjährigen, italienischen Jugendlichen zum rechten Schläger "Schritt für Schritt" nachzeichnet. Die Figur Ettore erzählt seine Geschichte aus der Rückschau, nachdem er nach einer Schlägerei einen Hausarrest verbüßt. Ettore ist in den Achtzigerjahren geboren und lebt in einem Mailänder Vorort, ist schlecht in der Schule und hat wenige Freunde, resümiert Seibt. Deshalb sucht er nach einer größeren Idee, nach einer Welt, in der alles funktioniert und wird in einem "Ablaufmuster von Normalität" mit rechtem Gedankengut "infiziert", lesen wir. Coppo hat dabei bis ins kleinste Detail recherchiert: Nicht nur das Gefühl beim Tragen einer Fahne auch in die Literatur der italienischen Rechten hat er sich eingelesen. Ein "beeindruckendes, erkenntnisstiftendes" Buch über die neue Rechte in Italien, "vorzüglich" von Jan Schönherr ins Deutsche übertragen, schließt der Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 07.08.2024
Mit großem Interesse liest Rezensent Marc Reichwein Davide Coppos Buch über die rechte Jugend im Italien der 2000er Jahre. Dem Teenager Ettore ist die "linke Antiglobalisierungsfolklore" zu Mainstream, weshalb er sich einer rechtsextremen Gruppe anschließt, mit deren Ideen er sich in der Folge auseinandersetzt, resümiert Reichwein. Eine abschließende Erklärung liefert Coppo für die Motivation Ettores Anschluss an eine faschistische Gruppe nicht, die Themen Sexualität und Gewalt spielen aber eine markante Rolle, bemerkt der Kritiker. Dass der Roman aus der Sicht des geläuterten, älteren Ettores geschrieben wird, macht das Buch "unterrichtstauglich", findet er. Jedoch widerlegt Coppo in seinem Buch, dass das Lesen von Büchern vor rechten Ideen immunisiert, da der Postfaschismus mit der "neuen Rechte" auch in den intellektuellen Bereich eingedrungen ist, erfahren wir. Die deutsche LeserInnen lernen bei Coppo in jedem Fall einiges über den italienischen Postfaschismus, schließt Reichwein.