Wo sind wir, wenn wir reisen? David Wagner schreibt in seinem neuen Buch über Hotelzimmer, wie jeder sie kennt und so noch nie gesehen hat.
Ein Mann reist von Stadt zu Stadt, quer durch Deutschland und Europa bis nach China und in den Iran, aber Augen hat er immer nur für das: Hotelzimmer. Er kann sich nicht sattsehen an ihnen, bestaunt mit nie erlahmender Neugier, was es da alles gibt: Erdbeeren in einem Schüsselchen. Liegt neben dem Telefon ein Bleistift - spricht seiner Erfahrung nach für ein besseres Hotel - oder ein Kugelschreiber? In wildgemusterte Teppichböden sind Flecken offenbar schon eingearbeitet worden. Energiesparfunzeln, er müsste Glühbirnen dabei haben.
Einmal mehr gelingt David Wagner das Kunststück, einem faden Stoff großen Reiz abzugewinnen, versichert Rezensenten Ursula März. Sie begleitet den Schriftsteller in seinem neuen Buch auf Lesereisen von Herdecke, Basel, Rom bis Teheran oder Peking, erfährt nichts über die Auftritte, dafür allerdings umso mehr über die Zimmerausstattung der jeweiligen Hotels. Wenn Wagner die dortigen Schreibutensilien oder Böden beschreibt, eine Theorie des Unterschieds zwischen cellophanverpackten Miniseifen und Flüssiglotionen ersinnt, ist die Kritikerin wieder einmal fasziniert von der erstaunlichen Beobachtungsgabe des Autors, der mit viel Originalität, "buchhalterischem" Witz und beachtlicher Präzision ganz neue Blickrichtungen erschließt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.01.2017
Ulrich Rüdenauer reist mit David Wagner von Hotelzimmer zu Hotelzimmer, von Offenburg über Turin bis nach Kairo. An Joseph Roth erinnert, sucht er allerdings vergebens nach einem irgendwie erhellenden Ausgreifen der Texte über das idiosynkratische Erleben des Autors und das mal luxuriöse, mal bescheidene Zimmerinterieur hinaus. Wagner ist vor allem ein Drinni! Erkundet Einrichtung, Atmosphäre und allenfalls die Frühstücksnachbarin. Das macht er elegant, poetisch. Mehr als eine Fingerübung ist das Buch für Rüdenauer aber nicht.
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