Daniel Kehlmann

Wo ist Carlos Montufar?

Über Bücher. Essays
Cover: Wo ist Carlos Montufar?
Rowohlt Verlag, Reinbek 2005
ISBN 9783499241390
Kartoniert, 152 Seiten, 12,00 EUR

Klappentext

Wie geht ein Romancier mit Historie und Erfindung um? Hat der Roman als Gattung Zukunft? Welche eigenen Werke würde man auf eine einsame Insel mitnehmen? Und ist "Der Herr der Ringe" große Literatur? Mit eigenen und fremden Büchern beschäftigt sich Daniel Kehlmann in diesen Essays, mit Autoren aus Europa und Amerika, mit dem Handwerk des Schreibens und dem Abenteuer des Lesens.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.12.2005

Daniel Kehlmann schreibt über Kafka, Celine, Helmut Krausser, Updike, Voltaire, Hamsun, von Humboldt, insgesamt 18 Stücke - und erregt damit das Entzücken von Gustav Seibt: "Klärende Stellungnahmen, die ganze Epochen beleuchten". Sogar eines Besseren belehrt sieht der Rezensent sich - hat er selbst doch einmal Krausser, für den Kehlmann eine Lanze bricht, verrissen. Auch dass Humboldts "Kosmos", jenes Enzensberger-Großprojekt, bereits bei seinem Erscheinen auf überholten, hinfälligen wissenschaftlichen Ansichten basiert habe, macht Kehlmann en passant klar. Diese Form von gelehrter Subversion gefällt Seibt sehr. Und wenn der "grandiose Überblicker" mit seinen gerade mal 30 Jahren den "Herrn der Ringe" auf denPunkt bringt, erweckt das im Rezensenten endlich die Leselust, die Tolkien in ihm bis dahin nicht erzeugt zu haben scheint. Überhaupt, merkt Seibt dankbar und anerkennend an, vermag der junge Schriftsteller es, den Griff zum Originaltext zu provozieren, und sei es zum Zwecke des Nachprüfens.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.10.2005

Franz Schuh verbringt einen Großteil der Besprechung damit klarzustellen, was man bei Essays alles falsch machen kann, um dann triumphierend indirekt zu verkünden, dass Daniel Kehlmann hier alles richtig macht. Er unterlasse alles "Schwafeln" und versuche sich an einer "öffentlichen Intervention", einem Aufruf, der geeignet ist, die "vorherrschende Dumpfheit" zu beseitigen. Ein Paradebeispiel dieser Erweckungsliteratur ist für Schuh der Text "Gott begrüßt seine Opfer", den der Rezensent während der Tsunami-Katastrophe allen Medienkommentaren vorgezogen hat. Kehlmann erfasse in all den hier versammelten Stücken das Essenzielle einer Fragestellung und dringe zu ihrem "Kern" vor. So leiste er auf "seine kluge Art" einen Beitrag zum "Problembewusstsein", zumindest des Rezensenten.
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