Cynthia Zarin

Inverno

Roman
Cover: Inverno
Suhrkamp Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783518225554
Gebunden, 192 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem amerikanischen Englisch von Esther Kinsky. Inverno ist die Geschichte einer Liebe, die sich über Jahrzehnte erstreckt. Inverno ist auch die Geschichte von Caroline, die in einem Schneesturm im Central Park steht und darauf wartet, dass ihr Handy klingelt; sie steht nur wenige Meter von der Stelle entfernt, an der sich Alastair dreißig Jahre zuvor als Junge in den Bäumen versteckte. Wird Alastair sie nun also anrufen? Und wie sie da steht und wartet, rauschen die Jahre an ihr vorbei - mal gerät Caroline in eine gefahrvolle Märchenwelt, mal strandet sie in einer Kindheit aus Kummer und harschen Worten, mal wandelt sie durch ihre frühen Erwachsenenjahre, voller Aufbruch und Sehnsucht nach Alastair. Flüchtig, das alles, und kaum zu greifen: Von Dauer scheinen einzig die vertrackten Verhandlungen der Herzen. Wie erschafft und zerstört die Liebe ein Leben?

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.08.2024

Für Kritikerin Andrea Köhler ist dieser Roman von Cynthia Zarin ein intensives Leseerlebnis, eigenwillig und schwer zu fassen: Im Zentrum steht die Protagonistin Caroline, die viel Zeit mit Warten verbringt, Warten auf Alastair, der sich unregelmäßig meldet. So ist das Buch fast eher eine "Stillstandsbeschreibung" als ein Roman, findet Köhler, aber eine, die mit "etwas altmodischer Diktion" eine Liebesgeschichte schreibt, die das Votum "toxisch" verdient und sich damit einreiht in einen aktuellen Trend, über Frauenleben im mittleren Alter zu schreiben.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 12.07.2024

In Cynthia Zarins "Inverno" wird die berührende Liebesgeschichte, um die es geht, durch ihre Steigerung ins Märchenhafte und die vielen Referenzen auf andere Texte eher überdeckt als nahegebracht, findet Rezensent Ulrich Rüdenauer. Der in New York sich über mehrere Jahrzehnte erstreckenden On-und-Off-Liebe zwischen Caroline und Alastair liegt laut dem Kritiker Hans Christian Andersens "Schneekönigin" als Vorbild zugrunde, es wird aber auch auf zeitgenössische Literatur und Musik angespielt. Die als Vor- und Rückblenden angelegten Episoden sind, so Rüdenauer, assoziativ verknüpft, ihre Anordnung scheint ihm aber teils beliebig. Obwohl die Komposition des Textes auf den Rezensenten etwas artifiziell wirkt, begrüßt er Esther Kinskys deutschsprachige Übersetzung dieser rätselhaften Liebesgeschichte sehr.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 03.07.2024

Rezensentin Meike Feßmann liest begeistert Cynthia Zarins Debütroman, der sie zugleich an Sylvia Plaths "Die Glasglocke" erinnert und als "modernes Märchen" erscheint. Zarin erzählt darin von der jungen Frau Caroline, von ihrem Aufwachsen in der russisch-jüdischen Gemeinde New Yorks, wo sie von ihren Eltern nicht gewollt und entsprechend behandelt wurde, und von ihrem Leben mit diesen Resten in der Erinnerung. Es geht auch um eine alte Liebe, die Caroline irgendwann verlassen hat und die nun wieder auftaucht und alles durcheinanderbringt.  Die schwierige Gratwanderung zwischen Grausamkeit und "poetischem Zauber", mit der Zarin durch Carolines Lebenserfahrungen navigiert, macht für Feßmann den Reiz des Romans aus, dessen Erzählstil die Rezensentin ausdrücklich würdigt. Besonders schön findet Feßmann, wie viel Raum Zarin der Beschreibung von Dingen lässt und trotz dieser materiellen Genauigkeit weiß man an keiner Stelle, erzählt Feßmann enthusiastisch, an welchem Tag und an welchem Ort sich die Erzählung gerade befindet. So schwebt in diesem Roman alles zwischen Realität und Fantasie, woher das Märchenhafte der Lektüre für Feßmann entspringt.
Stichwörter