Wilde Wanda
Wiens einzige Zuhälterin: ein Leben zwischen Emanzipation, Exzess und Zerstörung

Christian Brandstätter Verlag, Wien 2025
ISBN
9783710609039
Gebunden, 208 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Gefürchtet, geächtet, gefeiert: Wanda Gertrude Kuchwalek, besser bekannt als die "Wilde Wanda", war eine Ikone der Wiener Unterwelt. Ein Leben zwischen Macht und Ohnmacht, zwischen Exzess und Verzweiflung, zwischen Emanzipation und Abgrund - und eine Legende, die bis heute fasziniert. Wanda Kuchwalek, die sich als einzige Frau in der Männerdomäne der Zuhälterei behauptete, war nicht nur eine der gefährlichsten Persönlichkeiten ihrer Zeit, sondern auch eine provokative Rebellin gegen gesellschaftliche Konventionen. Die Namensgeberin der Popband Wanda verkörperte ein Leben, das gleichermaßen von anarchischer Selbstbestimmung wie von zerstörerischen Abhängigkeiten geprägt war. Von ihrer Kindheit als Tochter einer Schlangentänzerin und Missbrauch in Heimen über ihren Aufstieg in der Unterwelt bis hin zu ihrem tiefen Fall: Auf Basis jahrelanger Recherche, akribischer Archivarbeit und intimer Gespräche mit Zeitzeugen enthüllt Clemens Marschall die Wahrheit hinter den Mythen. Das Psychogramm einer Frau, die aus allen Rollen fällt - und eine Einladung, über die Dynamiken von Macht, Verletzlichkeit und Rollenbilder nachzudenken.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.12.2025
Rezensent Paul Jandl ist fasziniert von dieser Mischung aus Biographie, Milieustudie und Wien-Reiseführer, die der Journalist über die lesbische Zuhälterin und österreichische Legende Wanda Kuchwalek vorlegt. Jandl liest wie die 1947 geborene Tochter einer Seiltänzerin und eines russischen Besatzungssoldaten ihre sich über ihr gesamtes Leben erstreckende Auseinandersetzung mit der Justiz bereits im Alter von 14 Jahren begann, als sie in ein Haus einbricht und den darauf erscheinenden Polizisten mit einem Klappmesser bedroht. Stets gewaltnah und mit einem feinen Gespür für die Nutzbarmachung hierarchischer Verhältnisse, wird sie in eine Anstalt für schwer erziehbare Mädchen eingewiesen, die jedoch ihren Rebellionsdrang kaum bändigen kann, erfahren wir. Der aufwendig recherchierte Text erzählt von ihrem Leben als einzige weibliche Zuhälterin und entwickelt laut Jandl so auch die eindrückliche Biographie einer Wiener Parallelwelt, in der sich neben den bekannten Literatencafés auch "Verbrechercafés" verstecken. Ein anregender Einblick in das Leben einer letztlich ungreifbaren, vielgesichtigen Person, schließt Jandl.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 12.11.2025
Mit viel Freude stürzt sich Rezensent Manfred Rebhandl in das Leben Wanda Kuchwaleks, bekannt als "Wiens erster weiblicher Zuhälter", das der Journalist Clemens Marschall in diesem Buch aufbereitet. Rebhandl teilt uns gleich zu Beginn mit, dass er Marschalls Buch fabelhaft findet, der Rest der Besprechung besteht dann aus einer lebendigen, knallbunten, mit einigen Austriazismen angereicherten Nacherzählung des Lebens Kuchwaleks . Entlang der Lektüre des Marschall-Buchs schreibt Rebhandl darüber, wie Kuchalwek in der Halbwelt der Wiener Nachkriegszeit aufwuchs, in einer Erziehungsanstalt von alten Nazis geknechtet wurde und später zur Zuhälterin avancierte, auch weil sie selbst als Lesbe und passionierte Männerhasserin keineswegs auf den Strich geben wollte. Von der schillernden Persönlichkeit, der Marschalls Buch gewidmet ist, ist der Kritiker alles in allem ziemlich fasziniert.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 27.10.2025
Das "grindige, gefährliche Grauzonen-Wien" steht der Rezensentin Andrea Roedig leibhaftig vor Augen, wenn sie Clemens Marschalls Biografie der Zuhälterin Wanda Kuchwalek liest, 1947 in prekäre Verhältnisse hineingeboren und als Jugendliche schnell auf die schiefe Bahn geraten. Mehr Legenden als belegbare Fakten gibt es zur "wilden Wanda", erfahren wir, sexuell war sie freizügig unterwegs, aber auch aufbrausend, gewalttätig, unberechenbar. Roedig lobt sowohl die aufwändigen Recherchebestrebungen Marschalls als auch die genaue und so respektvolle wie ehrliche Weise, mit der er die Biografie dieser außergewöhnlichen Frau schreibt.