Christoph Günther

Ein zweiter Staat im Zweistromland?

Genese und Ideologie des
Cover: Ein zweiter Staat im Zweistromland?
Ergon Verlag, Würzburg 2014
ISBN 9783956500367
Gebunden, 254 Seiten, 58,00 EUR

Klappentext

Mit 2 Abbildungen, 1 Karte und beigelegter DVD-ROM. Zehn Jahre nach dem Einmarsch amerikanischer Streitkräfte in den Irak 2003 kommt das Land immer noch nicht zur Ruhe. An dem Ringen um politische Macht zwischen schiitischen und sunnitischen Irakern beteiligen sich auch Gruppierungen, die sich die Errichtung einer alternativen Gesellschaftsform auf die Fahnen geschrieben haben. Das vorliegende Buch widmet sich einer dieser Gruppierungen: dem "Islamischen Staat Irak". Es untersucht die Entstehung dieses irakischen Zweiges von al-Qaida, der von Abu Mus'ab az-Zarqawi, dem "schlachtenden Fürsten", gegründet wurde und seit 2004 für die schwersten Bombenattentate im Irak verantwortlich ist. Die chronologisch-systematische Analyse deckt hier auf, wie ein "Islamischer Staat" denn gestaltet sein soll und mit welchen kommunikativen Mitteln sie die Öffentlichkeit von der Notwendigkeit einer solchen Gesellschaftsform überzeugen will.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.06.2015

Einige Einsichten teilen alle ernst zu nehmenden Bücher, die in der letzten Zeit über den Islamischen Staat herausgegeben wurden, berichtet Martina Doering: der IS ist nicht urplötzlich auf der Bildfläche erschienen, die USA sind mitverantwortlich an seinem Anwachsen, und er wird so schnell nicht wieder verschwinden. Der Leipziger Orientalist Christoph Günther beschreibt in seinem Buch "Ein zweiter Staat im Zweistromland?", was den IS so anziehend macht, so die Rezensentin. Der Bewegung gelingt es, sich als Front gegen die "neokoloniale, westliche Herrschaft über den Nahen Osten" darzustellen und ihren Terror als ein notwendiges Mittel, wobei sie sich auf altbekannte Feindbilder verlassen können, erfährt Doering. Außerdem wird das Versprechen der Einführung eines Kalifats als positive Utopie eingesetzt, erklärt die Rezensentin. Nur schade, dass Günther bei der Fertigstellung seines Buches das Kalifat von Abu Bakr al Bagdadi noch nicht berücksichtigen konnte, findet Doering.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.02.2015

Christoph Günthers Buch "Ein zweiter Staat im Zweistromland?" ist eine umsichtige Untersuchung über die Ursprünge des Islamischen Staates, lobt Wolfgang Günter Lerch. Entscheidend sei das Ungleichgewicht konfessioneller, tribaler wie politischer Mächte im Irak, das vor allem durch die diversen Kriege der letzten Jahrzehnte verursacht wurde und die Unterdrückung der sunnitischen Minderheit im Irak zur Folge hatte, was letztlich zur Gründung einer Gegenbewegung, des "Islamischen Staates im Irak und in der Levante", geführt habe, aus der später der aktuelle IS erwuchs, fasst der Rezensent zusammen. Gründlich untersucht Günther auch die Konstruktion der Narrative einer "amerikanisch-schiitischen Verschwörung" und eines "idealen islamischen Staats", der in einer quasi-mythischen Vorzeit verortet wird, so Lerch.