Chico Buarque

Vergossene Milch

Roman
Cover: Vergossene Milch
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2013
ISBN 9783100463319
Gebunden, 208 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Aus dem Portugiesischen von Karin von Schweder-Schreiner. Hundert Jahre Leben - hundert Jahre Geschichten: Eulálios Tage sind gezählt. Während die Zeit der Zukunft immer knapper wird, werden die Erinnerungen immer lebendiger: seine einzige Liebe Matilde mit der zimtfarbenen Haut, die Kakaoplantagen des Großvaters in Sao Paulo, der Ururgroßvater, der einst mit dem portugiesischen König nach Brasilien kam, die Sommer mit seinem Vater in Paris, wo ihn die Prostituierten in die Liebe einführten und das Kokain noch rein war, der Sklave Balbino, den er neben all den schönen Frauen auch noch gern verführt hätte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2014

Brasilien hängt bei diesem Autor zwar in einem schiefen Rahmen, für Katharina Teutsch ist gerade das jedoch Garant für Schönheit. Der von Sérgio Buarque de Holandas, dem Vater des Autors, einst geprägte Begriff der Plastizität für Brasiliens Selbstverständnis als bunte Nation wird laut Teutsch in diesem verdichteten Buch erkennbar. Sozialgeschichtlich schließt der Text von Chico Buarque der Rezensentin das Land und seine Geschichte im 20. Jahrhundert auf, indem er der Erinnerung einens bettlägerigen Greises die Sporen gibt. Dichtung und Wahrheit geraten durcheinander - für Teutsch ein Fest der Literatur.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.11.2013

Als Meisterwerk des brasilianischen Bücherherbstes bezeichnet Andreas Breitenstein den schmalen, im Original 2009 erschienenen Roman des Musikers und Romanciers Chico Buarque, der laut Breitenstein in "formidabler" Übersetzung vorliegt. Der Autor erzählt darin die Geschichte Brasiliens aus der Sicht eines alten verarmten Mannes mit aristokratischen Wurzeln. So ambitioniert das dem Rezensenten bei gerade mal 200 Seiten erscheint, so sehr ziehen ihn die sich verschachtelnden Erinnerungen an Erinnerungen des Erzählers in Bann und er erliegt dem morbiden Charme des Textes. Zwar entdeckt Breitenstein immer wieder auch Ironie im Text, die im Buch niedergelegte Lebensbilanz scheint ihm insgesamt aber doch pessimistisch. Für Breitenstein gelingt dem Autor hier das Kunststück, die von Gewalt, Armut und Ungleichheit geprägte brasilianische Geschichte mit fragmentarischer Eleganz und sprachlicher Magie zu fassen, ganz so, wie in einem seiner Jazzstücke.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.10.2013

Lobend hat Eva-Christina Meier diesen Roman des brasilianischen Musikers Chico Buarque aufgenommen. Der Autor verknüpft für sie in "Vergossene Milch" überzeugend die Geschichte des verspielten Lebens Eulálios, eines Nachfahren brasilianischer Großgrundbesitzer, mit dem Wandel der brasilianischen Gesellschaft im letzten Jahrhundert. Die Geschichte Brasiliens und vor allem die rasanten Veränderungen Rio de Janeiros wird gespiegelt in den Erinnerungen Eulálios, der hundertjährig in einem Krankenhaus sein Leben Revue passieren lässt und zugleich Pläne für die Zukunft schmiedet. Der als packend geschilderte Roman vermittelt für Meier einen tiefen Einblick in die widerstreitenden Kräfte, die Brasilien bis heute bestimmen.