Burkhard Spinnen

Belgische Riesen

(Ab 9 Jahre)
Cover: Belgische Riesen
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN 9783895610349
Gebunden, 291 Seiten, 15,24 EUR

Klappentext

Was ist schrecklicher? Ein Umzug, Mädchen oder Belgische Riesen? Und wenn alles zusammenkommt? Dann braucht man Grips, Mut und eine gehörige Portion Frechheit. So wie Konrad!

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.01.2001

In einer Sammelrezension bespricht Elisabeth von Thadden vier Bücher, die sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit den Bedürfnissen von Kindern befassen und die die Rezensentin alle für durchaus empfehlenswert hält.
1.) Unicef (Hrsg.): "Der Start ins Leben" (Fischer)
Dieses Buch hat vor allem die "vergessenen" Kinder der ärmeren Länder im Blick, so die Rezensentin, die hier weniger das Buch bewertet als vielmehr die Hauptforderungen der Autoren wiedergibt. So sei die Entwicklung des Gehirns in den ersten drei Jahren von besonderer Bedeutung, weshalb gerade den Bedürfnissen von Kleinkindern in Entwicklungsländern - etwa durch bessere Ernährung - stärker Rechnung getragen werden sollten. Zwar sind diese Forderungen nicht neu, so Thadden. Doch ihrer Ansicht nach kann es durchaus nicht schaden, immer wieder daran zu erinnern. Insgesamt handelt das Buch nach Thadden jedoch nicht ausschließlich von Kindern, sondern auch vom "losen Zusammenhang aller Weltbürger", was gerade beim Thema AIDS ganz deutlich werde.
2.) John T. Bruer: "Der Mythos der ersten drei Jahre" (Beltz)
Der These, dass die ersten 36 Lebensmonate eines Menschen für die Entwicklung des Gehirns entscheidend sind, widerspricht der Autor hier vehement, betont von Thadden. Diese These führe nach Bruer lediglich zu einer starken Verunsicherung bei Eltern, doch Kinder bräuchten keine Unsicherheiten, sondern "vor allem emotionale Gewissheit". Bruer vertritt diesen Standpunkt in seinem Buch, so von Thadden, "fast liturgisch und mit feiner Ironie". Zuwendung ist das wichtigste für Kinder, referiert die Rezensentin weiter, doch mache der Autor bei seinen Ausführungen einen deutlichen Unterschied zwischen "Zuwendung und Überversorgung". Der Autor stelle sich in seinem Buch deutlich gegen die derzeit sehr populären Thesen von der Bedeutung frühkindlicher Hirnentwicklung und plädiert im Großen und Ganzen eher für eine stärkere Erwachsenenbildung, weil für ihn das lebenslange Lernen im Vordergrund steht.
3.) Toni und Slade Morrison: "Die Kinderkiste" (Rowohlt Taschenbuch)
Nach von Thadden ist das Thema dieses Kinderbuchs die "Käfighaltung von amerikanischen Mittelstandskindern". In ihrer Kiste haben die Kinder all die teuren Spielsachen, die ihnen ihre Eltern bei ihren mittwöchlichen Besuchen abliefern. Doch Freiheit haben diese Kinder nicht, und auch an Zuwendung fehlt es. Sie werden weggesperrt, um die Erwachsenen nicht zu stören. Von Thadden sieht in dem Buch eine "groteske Zuspitzung", bei der die "übersättigte Verwahrlosung" diese Mittestandskinder - wenn auch bisweilen etwas klischeehaft - aufgezeigt wird.
4.) Burkhard Spinnen: "Belgische Riesen" (Schöffling)
Eigentlich gehört Konrad, der Protagonist dieses Romans, zu den privilegierteren Kindern, stellt die Rezensentin fest: Er lebt in einer heilen Familie und hat einen Papa, der ihm abends selbst ausgedachte Geschichten von der Schlange Anabasis erzählt. Doch Konrads kleine Nachbarin Friederike hat weniger Glück, denn ihr Vater hat die Familie gerade wegen einer Geliebten verlassen. Von Thadden gefällt es sehr, wie die bei Konrad aufkommenden Trennungsängste nun Eingang in die abendlichen Erzählungen des Vaters finden, weil der Junge anfängt, Fragen zu stellen: Ob etwa der Schlangenforscher auch von der Familie getrennt lebt oder ob er eine Geliebte hat. Von Thadden sieht die Gefahr, dass dabei der Eindruck einer "neuen Vatersentimentalität" entsteht, doch würde man ihrer Ansicht nach damit dem Buch unrecht tun. Vielmehr steht für die begeisterte Rezensentin hier das Thema "Zuständigkeit füreinander" im Vordergrund.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.11.2000

In einer Doppelrezension bespricht Gerda Wurzenberger zwei "besonders gelungene" Romane für Jugendliche. Gemeinsam ist beiden, wie die Rezensentin erläutert, dass es um eine zerbrechliche Freundschaft zwischen einem Jungen und einem Mädchen geht, und vor allem aber, dass hier das Thema "Ausgrenzung" eine bedeutende Rolle spielt.
1.) Burkhard Spinnen: "Belgische Riesen" (Schöffling & Co.)
Obwohl hier auch ernste Themen angesprochen werden, wie etwa die Trennung der Eltern eines Mädchens, so betont die Rezensentin doch die "Leichtigkeit", die in diesem Buch vorherrschend sei. Anscheinend ist es dem Autor recht gut gelungen, sich in die Kinder-Perspektive hineinzuversetzen. Wurzenberger betont jedoch, dass auch "mit ein wenig ironischer Distanz" die Sicht der Eltern nicht zu kurz kommt. Nicht zuletzt scheint es der Rezensentin zu gefallen, dass auch ein Gewissenskonflikt eine Rolle spielt, dort nämlich wo der kleine "ehrliche" Konrad seiner Freundin Fridz helfen soll, der Geliebten ihres Vaters eins auszuwischen.
2.) Jutta Richter: "Der Tag, als ich lernte die Spinnen zu zähmen" (Hanser)
"Die humoristische Seite des Seins ist nicht die Sache" der Autorin, stellt Wurzenberger fest. Dennoch scheint ihr das Buch zu gefallen. Hier wird Kind-Sein nicht als immer schön dargestellt, wie der Leser erfährt, sondern es ist auch von Ängsten und Druck die Rede. Wurzenberger erklärt, dass sich hier ein Mädchen mit einem Außenseiter anfreundet, der weiß "wie man die Angst besiegt" und sie völlig ernst nimmt, "obwohl sie ein Mädchen ist". Doch plötzlich wird auch das Mädchen zur Außenseiterin und fängt an, sich Fragen zu stellen. Richter gibt auch Antworten, betont die Rezensentin. Allerdings seien diese Antworten "keineswegs schmerzlos".