Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren und Thomas Gunkel. Um das Leben des Philip Roth ranken sich unzählige Gerüchte und Geschichten - sicher auch inspiriert von den autobiografischen Spuren, die er in seinen Romanen legte. Noch zu Lebzeiten engagierte er Blake Bailey als seinen Biografen, dem er in langen Gesprächen Rede und Antwort stand und dem er exklusiven Zugang zu seinem Archiv gewährte. Roths Geschichte des Aufstiegs aus kleinen Verhältnissen zu literarischem Weltruhm zeigt sein Werk in einem neuen Licht und erzählt dazu von den großen politischen und kulturellen Debatten seiner Zeit - ein biografisches Meisterwerk und spannendes Gesellschaftsbild einer ganzen Epoche.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.04.2023
Die Biografie von Blake Bailey hat Rezensent Michael Hesse noch mal deutlich gemacht, wie sehr der vor fünf Jahren verstorbene Philip Roth den Literaturnobelpreis verdient hätte. Denn Bailey, der selbst Schriftsteller ist, sei es gelungen, nicht nur zu erklären, warum die Erzählkraft von Roth so meisterlich war. Er schildere auch, woher sie sich speiste - nämlich aus der elterlichen Disziplin, die dazu führte, dass man nicht nur nach Kant, sondern auch nach Roth die Uhr stellen konnte. Dass der von Leid und Tragik bestimmte Lebensweg des amerikanischen Juden Roth anschaulich und angemessen unterhaltsam erzählt werde, gefällt Hesse ausgesprochen gut. Nicht nur in der Episode über den Zorn von Rabbinern, als "Portnoys Beschwerden" 1969 erschien, hat Bailey dem Rezensenten die "Dialektik zwischen Wirklichkeit und Fiktion, zwischen Dichtung und Wahrheit" berührend nahegebracht.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.03.2023
Rezensent Thomas David findet ironisch, dass Philip Roth sich mit seinem neuen Biografen Blake Bailey, den er nach einem gescheiterten Versuch mit einem anderen engagiert hatte, nur noch größeren Ärger eingehandelt habe: In den USA sei die Biografie nach Vorwürfen des sexuellen Belästigungen gegenüber dem Autor aus dem Handel genommen worden. Trotzdem ist das Buch nun auf Deutsch erschienen, und trotzdem kann der Kritiker ihm etwas abgewinnen - wenngleich das Spannende sich schon von ganz allein aus Roths Leben ergebe: Antisemitismusvorwürfe, Ehedramen, verschrien als "Manipulator und Machiavellist", rekapituliert David. Dabei präsentiere Bailey den Lebensverlauf des Schriftstellers in mustergültiger Lückenlosigkeit und mit "akribischem Insistieren auf Faktizität", was eine wirkliche Einfühlung in die Person leider erschwere. Auch den "Kurzschluss" von Roths Figuren mit realen Vorbildern findet David als Herangehensweise etwas dürftig. Am Ende, vermutet er, ist vielleicht doch Roths bester Biograf er selbst - und der eigentliche Star nicht der Schriftsteller, sondern die "charismatische Intensität" seiner Prosa.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.03.2023
Rezensent Paul Ingendaay scheint Blake Baileys Biografie über Philipp Roth durchaus ihrem Gegenstand angemessen: etwas überbordend, geschwätzig viellleicht sogar, kumpelhaft, machomäßig. Dass Bailey weniger tief im Werk schürft als in Roths Frauengeschichten zu schwelgen, kann Ingendaay verkraften. Ebenso die "wenig prickelnden" Passagen zur Kindheit und Jugend des Schriftstellers. Und wenn man das Buch mit seinem Riesenregister häppchenweise liest, so Ingendaay, sind der "teigige" Stil und das dauernde Hochstapeln des Autors ohne Synthesen gar nicht so schlimm.
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