Klappentext
Wie hielt es die SPD früher mit den christlichen Kirchen in Deutschland und wie hält sie es heute? Übersichtlich fasst Bernd Weber eine 160-jährige Geschichte zusammen, die feindselig begann, tiefe Fremdheit überwand und sich zu respektvoller Annäherung entwickelte.Über Jahrzehnte hinweg standen sich Sozialdemokratie und Kirche äußerst kritisch gegenüber. Warum war das so? Welche weltanschaulichen und politischen Gründe führten zur Ausgrenzung - und was ermöglichte später ein neues Verhältnis auf Augenhöhe?Fundiert und gut lesbar analysiert Bernd Weber zentrale Stationen der Partei- und Kirchengeschichte: von der Ablehnung religiöser Institutionen durch frühe Sozialisten bis hin zu einer sozialdemokratischen Politik, die sich auch an christlichen Werten orientiert. Zugleich zeigt das Werk, wie beide Institutionen - trotz unterschiedlicher Grundlagen - gemeinsam zur Stabilisierung der Demokratie beigetragen haben und heute beitragen können.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.03.2026
Rezensent René Schlott lernt einiges bei der Lektüre dieses Buches, mit dem er gleichwohl nicht komplett zufrieden ist. Der Theologe Bernd Weber beschäftigt sich darin mit dem einst problematischen, heute weitgehend harmonischen Verhältnis der beiden großen Kirchen in Deutschland zur SPD. Ein besonderer regionaler Fokus ist dabei das katholische Münsterland - eine spezifische Perspektive, die Schlott gut gefällt. Obwohl beide von Bismarck bekämpft wurden, waren sich die katholische Kirche und die Sozialdemokratie in der Zeit vor der Weimarer Republik fremd bis spinnefeind. Zu ersten Annäherungen kam es in der Weimarer Republik dank politischer Koalitionen der Sozialdemokraten mit der Zentrumspartei, eine wirkliche beidseitige Öffnung erfolgte erst in den 1950ern. Ab da wurde, zeigt Weber, die SPD auch mehr und mehr zu einer Partei der Protestanten, nicht zuletzt aufgrund von Persönlichkeiten wie Gustav Heinemann. So weit, so interessant, findet Schlott, der sich aber einerseits an ein paar sachlichen Fehlern stört; und andererseits kritisch anmerkt, dass die zunehmende Verflechtung von SPD und Kirche von Weber zwar beschrieben, aber nicht problematisiert wird. Denn vielleicht, vermutet Schlott, tut die gegenseitige Nähe beiden Seiten gar nicht mal so gut.
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