Das "Schwarze Frankreich" ist heute ein selbstbewusster Teil der französischen Gesellschaft, der über die Zukunft des Landes mitentscheidet. Die Zeit des französischen Kolonialismus prägt Frankreich und Westafrika bis heute: In Westafrika hat sie wirtschaftlich abhängige Klein- und Kleinststaaten mit autoritären Führern hervorgebracht. In diesen postkolonialen Verhältnissen scheint eine umfassende Freiheit - verstanden als individuelle Selbstbestimmung und Überwindung von Knappheit - auch viele Jahre später unmöglich. Vielen Westafrikaner:innen bleibt als Weg zur Freiheit nur die Migration. In Frankreich ist seither eine große Schwarze Minderheit entstanden. Bei den Wahlen im Jahr 2024 scheiterte der rechtsextreme Rassemblement National (RN) überraschend eindeutig - dazu beigetragen haben auch migrantische Bevölkerungsgruppen, die mehrheitlich Parteien der Mitte und der Linken gewählt haben. Rechtspopulisten, Rechtsextreme und Faschisten wollen indes die Zeit zurückdrehen und ein weißes Europa schaffen, in dem Schwarze Menschen nur geduldet sind. Im Kontext der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Systemkrise und der Weigerung der alten politischen Klasse, neue Wege zu gehen, kommen sie einer möglichen Machtübernahme immer näher. Das "Schwarze Frankreich" wird in Bündnissen der liberalen Mitte und der Linken darüber mitentscheiden, ob die Lust auf Freiheit über die Furcht vor ihr siegt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.06.2026
Weniger eine Studie über eine historische Entwicklung als eine "Materialaufarbeitung" ist Armin Osmanovics Buch über Frankreichs Beziehung zu Westafrika über die Jahrhunderte - als solche kann man das Buch aber durchaus mit Gewinn lesen, meint Rezensent Joseph Hanimann. Frei von moralischem Furor schreibt Osmanovic über die Kolonialzeit, der von Sklavenhandel geprägt war, gleichzeitig gewährte Frankreich den Eliten der Kolonien allerdings volle Bürgerrechte. Später spielte sich das Land, mehr als andere europäische Kolonialmächte, als Erzieher der Kolonisierten auf, eine Ansicht, die auch von Intellektuellen wie Victor Hugo geteilt wurde. Besonders interessant findet Hanimann die Passagen des Buches, die sich mit der Neuordnung Westafrikas nach der Kolonialzeit beschäftigen; nachdem sich Frankreich lange darum bemühte, den alten Einfluss auch nach der formalen Unabhängigkeit der ehemaligen Kolonien zu behalten, wendet sich die Region derzeit dezidiert von allem Französischen ab. Der Rezensent ist beeindruckt von der Materialfülle, die das Buch ausbreitet, vermisst aber doch eine Analyse der größeren historischen Zusammenhänge.
Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen…