Das pralle Leben in seiner ganzen Fülle hat Einzug gehalten auf 160 Zeichen. Da aber nicht jeder, der will, bekanntlich auch kann, findet er/sie viele Möglichkeiten, die eingefahrenen SMS-Pfade zu verlassen, und originelle, witzige, überzeugende, anregende, aufregende Mitteilungen zu verschicken, die nicht schon zum eintausendundsten Mal auf dem Display aufgetaucht sind. Vom ehrenwerten Catul bis zu rotzfrechen, jungen Poeten kann man sich anregen lassen, seine Mitmenschen (wenn, dann wenigstens) geistreich zu nerven.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.05.2003
"Völlig aus dem Zusammenhang gerissen" sind die SMS-kompatiblen lyrischen Botschaften nach Meinung des Rezensenten mit dem Kürzel tin., die Anton G. Leitner hier zusammen getragen hat. Das einzig einigende Kriterium ist, dass die Texte nicht länger als 160 Zeichen lang sind und so kommt es zu einem bunten Sammelsurium: "raffinierte Sprachspiele stehen neben traurigen Exilgedichten, poetische Perlen neben lyrischen Fingerübungen" - so lautet die leicht befremdete Beobachtung des Rezensenten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.2003
"Dem Herzen allernächstes Fernmedium" sei nicht mehr die E-Mail, geschweige denn ein papierner Brief - nein, der "Short Message Services (SMS) der Handys hat auch den Liebesdienst übernommen, meldet der mit "rik" zeichnende Rezensent. Streng formal begrenzt sei das Genre durch die "Umständlichkeit der Eingabe und die durch Speicherknappheit bedingte Kürze" und natürlich durch die Flüchtigkeit ihres nicht festzuhaltenden Daseins. Die von Anton G. Leitner herausgegebene Anthologie enthält neben Tanja Dückers "Urszene der Kurznachricht" ("denke so oft an dich / schreibend schreibend / einmal pro stunde ein leises / stolpern der finger") auch Klassiker wie Goethe, Brecht und Fried. Verbunden in einem Büchlein seien so "Wortwitz mit ewiggültigen Einsichten in das Wesen der Liebe", findet "rik", und Lebensweisheiten findet des öfteren auf den Punkt gebracht, zum Beispiel Richard Doves "Die Liebe ist lang / der Akku ist leer."
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…