Luftschacht Verlag, Wien 2026
ISBN
9783903422742 Gebunden, 259 Seiten, 11,99
EUR
Klappentext
Ein siebenjähriger Junge liegt nach einem Unfall im Krankenhaus und ringt nach einer letzten Operation um sein Leben. Wie es zu diesem furchtbaren Unfall kommen konnte und welche Rolle sein Vater Jakob und dessen Gesichtsblindheit (Prosopagnosie), die schon einmal für den Tod eines Menschen verantwortlich zeichnete, dabei spielen, ist auch Monate nach dem Vorfall noch Gegenstand behördlicher Ermittlungen. Der Mutter und Ich-Erzählerin bleibt einstweilen nur, sich selbst auf die Suche nach Antworten zu begeben. Aus Bruchstücken versucht sie Jakobs Leben zu rekonstruieren, um zu erfahren, welche Verantwortung er für den Unfall des Jungen trägt und sie stößt dabei auf ein Leben ohne Kontinuität, ohne Verbindlichkeiten, ohne Halt, als immer andere Person.
Einen faszinierenden Roman liest Rezensentin Nora Karches. Die Psychologin Anna Felnhofer hat in diesem Buch eine literarische Entsprechung für das Phänomen der Gesichtsblindheit gefunden. Bezeichnet wird damit ein Krankheitsbild, bei dem die Betroffenen Gesichter nicht klar wahrnehmen und zuordnen können, sie nur als eine Ansammlung disparater Merkmale wahrnehmen. Gesichtsblind ist in diesem Fall Jakob, erzählt wird dessen Geschichte von Johanna, die ein gemeinsames Kind mit ihm hat, das bei einem Unfall stirbt, während Jakob in unmittelbarer Nähe war. Der Roman kehrt immer wieder zu dieser Schlüsselszene zurück, ergibt aber ansonsten kein Ganzes, ist formal ebenso disparat wie Jakobs Wahrnehmung. Vor allem die Erzählperspektive fasziniert die Rezensentin: Johanna ist keine neutrale Beobachterin, wir können ihr nicht komplett trauen. Eben deshalb gelingt es Felnhofer, einen Eindruck zu vermitteln von der Wahrnehmungswelt eines Gesichtsblinden, dessen Welterleben uns in mancher Hinsicht für immer fremd bleiben wird. Insgesamt wird das zu einem starken Stück hochreflexiver Literatur, heißt es am Schluss, zu einem Buch, das "stets neue Interpretationen seiner selbst anbietet".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2026
Rezensentin Daniela Strigl lobt Anna Felnhofers Erzählen für seine souveräne Psychologie und Bildwucht, aber auch für seine Subtilität. Die Familiengeschichte über Gesichtsblindheit und die Folgen für die Beteiligten ist laut Strigl einerseits getragen vom klinischen Interesse der Psychologin Felnhofer, andererseits von Empathie und der Frage, wie ein Verhaltensdefekt sich für den Betroffenen anfühlt. Dass die Autorin den fatalen Ausgang ihrer gewaltvollen Fallgeschichte vorwegnimmt, schmälert für Strigl nicht die "untergründige" Spannung des Romans.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Das große Buch vom Gemüse Herausgegeben von Odette Teubner, Andreas Miessmer und Hans-Georg Levin. In diesem umfangreichem Band findet sich das Wichtigste über Gemüsearten, Anbaumethoden, Garmethoden… Ben Lerner: Transkription Aus dem amerikanischen Englisch von Nikolaus Stingl. Er reist an die US-amerikanische Ostküste, um das letzte Interview mit seinem neunzigjährigen Mentor Thomas zu führen,…