Anke Stelling

Glückliche Fügung

Cover: Glückliche Fügung
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783596159741
Kartoniert, 186 Seiten, 10,00 EUR

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.12.2004

Thematisch wie formal, meint Ulrich Rüdenauer, passe Anke Stellings erster Erzählband (nach zwei Romanen, die sie mit Ronny Dannenberg veröffentlicht hat) ausgezeichnet in die "Collection S. Fischer", in der auch Judith Hermann vor ein paar Jahren debütierte. Rüdenauer sieht bei Stellings zwölf Erzählungen noch andere Ähnlichkeiten mit Hermann gegeben: von ähnlich "diffusen atmosphärischen Störungen" ist die Rede, von ähnlich verhuschten Gestalten, noch nicht so alte, aber auch nicht mehr ganz junge Menschen, die entweder von ihren Ängsten beherrscht werden oder aber in bestimmten Lebenssituationen feststecken. Rüdenauer unterteilt Stellings Geschichten in zwei Kategorien: in diejenigen, die von Menschen unter dreißig, und solche, die von Menschen über 30 handeln. Glücklich seien die Vertreter beider Kategorien nicht, bei den einen entstünden die ersten Irritationen, bei den anderen stelle sich Resignation ein. Eine "Glückliche Fügung", wie der Titel suggeriert, könne man dies in den meisten Fällen nicht nennen, widerspricht der Rezensent. Stelling pflege einen sehr lakonischen Stil, der jedoch oft zu bedeutungsschwer gerate, kritisiert Rüdenauer. Und noch einmal der Vergleich mit Hermann: durch Reduktion erhielten ihre Protagonisten mehr Kontur, während sie bei Stelling "schemenhaft verwischt" wirkten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.03.2004

Gisa Funck hat ja nichts gegen Trostlosigkeit, aber sie müsse doch, bitteschön, einen Grund haben. In Anke Stellings neuem, ihrem ersten allein verfassten Buch dagegen wirken der Liebeskummer "herbeizitiert" und das Unglück gewollt, jedenfalls nach Ansicht der Rezensentin. Liegt es daran, dass die Frauen um die dreißig, um die es in den Geschichten geht, eigentlich unglücklich sein wollen? Fällt ihnen nichts anderes ein? Zumindest, so Funck, verlieben sie sich alle geflissentlich in Männer, die ganz klar die falschen sind, weshalb das ganze Buch "wie ein Prosanachklapp zu Paul Watzlawicks 'Anleitung zum Unglücklichsein'" lese. Merke: "Schmerz allein aber bürgt noch nicht für Tiefgründigkeit - mag er auch noch so detailliert und gekonnt nüchtern erzählt sein."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.03.2004

Ijoma Mangold hat sich bei der Lektüre dieser ersten eigenständigen Publikation Anke Stellings schlichtweg gelangweilt. Der Band mit Erzählungen, deren Protagonisten "in eine Atmosphäre apathischer Bewegungslosigkeit eingelegt" sind, wie in "Aspik", und die immer wieder denselben (kaum vorhandenen) Plot repetieren - nämlich wie Menschen nicht glücklich miteinander werden -, zeugt für Mangold keineswegs von einer feinfühligen Verdichtung des postmodernen, unbehausten Lebensgefühls und der Zeitstimmung, die eine ganze Generation in "Tatschwäche" festzurrt. Vielmehr erahnt er hinter der zur Schau gestellten Ereignislosigkeit eine "imaginative Einfallslosigkeit" Stellings, deren Figuren derart oberflächlich angelegt seien, dass ihnen gar keine Entwicklungsmöglichkeiten gegeben sind. So müssen eben die Dinge herhalten, meint der Rezensent gähnend, und "wenigstens das ächzende, uralte Außenklo für ein wenig Unheimlichkeit sorgen".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.02.2004

Um Frauen, "die nicht mehr jung sind, die aber auch noch nicht erwachsen werden wollen", geht es in Anke Stellings zwölf Erzählungen. "Subtil" schildert die Autorin ihre Figuren, die sich so häuslich in jenem Provisorium zwischen "Nichtmehr und Nochnicht" eingerichtet haben, dass sie es nur unter größten Schwierigkeiten wieder verlassen können, berichtet Susanne Messmer durchaus wohlwollend von Stellings Erstling.
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