Lässt es sich in einem Totenhaus nicht vielleicht noch am besten leben? Nur ein paar Wochen hatte Odra Decker im Haus ihrer Kindheit bleiben wollen, um es aufzulösen. Doch nun ist seit dem Tod des Vaters schon der zweite herrliche Sommer ins Land gegangen, und noch immer ist nichts geschehen. Völlig bewegungsunfähig holt sie den ihr gänzlich unbekannten Josef von Házy ins Haus, der als ihr Sekretär an ihrer Stelle handeln soll. Der lernt jedoch schnell, der dritte im Bunde zu sein, sich ebenso mit der erstarrten Tochter wie mit dem Geist des toten Vaters - einem Kunsthistoriker, der an der deutschen Vergangenheit verzweifelt war - zu arrangieren. Statt es aufzulösen, nisten sich die beiden ein im Hause Decker, in dem doch eigentlich nicht länger gelebt werden kann. Und so droht das listige Haus, seine neuen Bewohner selbst aufs Angenehmste aufzulösen...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.02.2022
Katharina Teutsch empfiehlt die etwas abseitigen Geschichten von Angelika Meier. Meiers neuer Roman führt sie in eine Professorenvilla im Ruhrpott und zu einer Tochter, die widerwillig den Nachlass ihres Vaters und eigene Erinnerungen sichtet. Wie Meier die "Trutzburgen moderner Ichbildung" erkundet beziehungsweise dekonstruiert, findet Teutsch gekonnt und vor allem komisch genug, um nicht trocken zu sein. Die verhandelten Neurosen, Anfälle, versehrten Biografien und auch noch eine Liebesgeschichte erzählt die Autorin so plastisch wie glaubhaft, versichert Teutsch.
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