Aus dem Russischen von Johanna Marx und Sabine Grebing. Der Bienenzüchter Sergej lebt im Donbass, wo ukrainische Kämpfer und prorussische Separatisten Tag für Tag aufeinander schießen. Er überlebt nach dem Motto: Nichts hören, nichts sehen - sich raushalten. Ihn interessiert nur das Wohlergehen seiner Bienen. Denn während der Mensch für Zerstörung sorgt, herrscht bei ihnen eine weise Ordnung und wunderbare Produktivität. Eines Frühlings bricht er auf: Er will die Bienen in eine Gegend bringen, wo sie wieder in Ruhe Nektar sammeln können.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 01.08.2019
Andrej Kurkow lebt in Kiew, weiß Rezensentin Sigrid Löffler, und er ist trotz seiner Zugehörigkeit zur russischsprachigen Bevölkerung, ein beharrlicher Kritiker von Wladimir Putin und dessen aggressiver Ukraine-Politik. In seinem Roman "Graue Bienen" widmet sich der Autor dem vom Krieg geprägten Alltag der Menschen im Donbass: Der Bienenzüchter Sergejitsch repräsentiert den ukrainischen Bevölkerungsanteil des Donbass, sein Erzfeind Paschko steht exemplarisch für die Separatisten. Im alltäglichen Überlebenskampf sind die beiden jedoch auf Zusammenarbeit angewiesen und kommen einander darüber näher, erzählt Löffler. Als endlich der Frühling anbricht, beschließt Sergejitsch seine Bienen einzupacken und in den Westen zu fahren, in der Hoffnung, sie irgendwo fernab vom Krieg frei fliegen lassen zu können. So erhält die zweite Hälfte des Romans laut Löffler Züge einer Road Novel, während der wohlorganisierte Bienenstaat immer deutlicher als Kontrastmodell zum politischen Chaos in der Ukraine hervortrete. Dieses Chaos in einem allgegenwärtigen Krieg wollte Kurkow literarisch darstellen, und das ist ihm in Löfflers Augen auch gelungen.
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