Andrea Köhler

Lange Weile

Über das Warten
Cover: Lange Weile
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783458173748
Gebunden, 104 Seiten, 15,00 EUR

Klappentext

"Warten ist eine Zumutung. Und doch ist es das Einzige, was uns das Nagen der Zeit fühlbar und ihre Versprechen erfahrbar macht." In unendlich vielen Formen sind wir, meistens überraschend, dem Warten ausgeliefert: Wir warten auf den anderen, auf eine Antwort, auf den Richtigen, auf den Befund, auf eine Nachricht, auf das Ende der Schmerzen, auf die Sportergebnisse, auf das Ende des Regens, auf den nächsten Tag, auf die Geburt des Kindes ... Das Warten ist eine Herausforderung. Im Aufgabenheft der verplanten Stunden die leere Seite, die es zu füllen gilt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.12.2007

Angetan zeigt sich Rezensent Burkhard Müller vom "anmutigen Gang" dieses Essays über das Warten, den die NZZ-Autorin Andrea Köhler vorgelegt hat. Die Frage, ob das Warten überhaupt ein lohnendes Thema sei, scheint ihm das Buch mit einem klaren Ja zu beantworten. Ihm selbst scheint das Warten gar "Abglanz und Vorübung" des Todes. Köhlers Essay verdeutlicht für ihn, dass es über das Warten tatsächlich unendlich viel zu sagen gibt. Besonders begrüßt er den Ansatz der Autorin, das Thema in kleinen Szenen, die seines Erachtens allesamt schon den "Keim eines weiteren Essays" in sich tragen, zu umkreisen und aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, ein Vorgehen, das er als anregend schätzt, weil es dazu einlädt, die Gedanken selber weiterzuspinnen. Einen ernsthaften Einwand gegen das Buch hat er nicht. Allenfalls ist ihm die Nennung von Referenzgrößen wie Foucault, Beckett, Baudelaire, Goethe, Flaubert, Handke Johann Peter Hebel und zahlreichen anderen ein wenig zu viel für ein so schmales Bändchen. Andererseits lobt er Köhlers Ausführungen über Freuds "Jenseits des Lustprinzips", in denen sie zeige: alle Beklemmung des Wartens habe ihre Wurzel in der Panik, die Mutter könnte womöglich für immer wegbleiben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.12.2007

Mit hohem Lob bedenkt Kurt Flasch diese Meditationen über das Warten von Andrea Köhler. Die bekundete Absicht der Autorin (und NZZ-Korrespondentin), der Pause, dem Warten, der Langsamkeit auch eine erfreuliche Seite abzugewinnen, hält er für zu bescheiden. Er sieht in dem Buch mehr den Versuch einer "Selbstvergewisserung des Menschen als eines wartenden Wesens" und einen "philosophischen Traktat" über menschliche Zeiterfahrung. Etwas später relativiert er letztere Einschätzung, scheint ihm das Buch für einen Traktat doch zu individuell, zu konkret. Köhlers transparenten theoretischen Überlegungen folgten nämlich immer "Intermezzi", in denen ein - fiktives - Ich von Warteschleifen des Büros und der Liebe, des Märchens und des Schlafs erzähle. Brillant findet Flasch, wie die Autorin die Ambivalenz, die Zweideutigkeit des Wartens aufrecht erhält. Beeindruckt hat ihn zudem die kundige, feinsinnige Darstellung. Sein Fazit: ein Buch von "hoher Intelligenz" und "seltener Schönheit".

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