Ander Izagirre

Der Berg, der Menschen frisst

In den Minen des bolivianischen Hochlandes
Cover: Der Berg, der Menschen frisst
Rotpunktverlag, Zürich 2022
ISBN 9783858699626
Kartoniert, 224 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Grit Weirauch. Der rohstoffreiche Berg Cerro Rico de Potosí in Bolivien ist Teil einer globalen Kette, die außergewöhnlichen Reichtum mit bitterster Armut verbindet. Am Anfang der Kette steht ein vierzehnjähriges Mädchen, das in einer Silbermine arbeitet. Für zwei Euro pro Nacht schiebt die Halbwaise Alicia einen Wagen voller Steine durch die unterirdischen Stollen, um die Familie mitzuernähren. Der giftige Staub der Mine schwebt in der Luft, die sie einatmet, und sickert ins Wasser, das sie trinkt. Anhand von Alicia, ihrer Familie und des Ortes, an dem sie lebt, erzählt der anerkannte, investigativ arbeitende Journalist Ander Izagirre die Geschichte des "Rohstoffsegens" in Bolivien: von den Conquistadores, die Mineralien in Sklavenarbeit abbauen ließen, über den Aufstieg einer lokalen Oligarchie im 19. Jahrhundert bis hin zu einer Reihe von Militärdiktaturen, oft installiert mithilfe der USA, um die Rohstoffversorgung des Nordens zu sichern. Izagirre zeigt, wie die Arbeitsbedingungen und fehlende Sicherheitsvorkehrungen in den Minen ein patriarchalisches Gesellschaftssystem hervorgebracht haben, in dem traumatisierte und durch Alkohol betäubte Bergleute erlittene Gewalt an Ehefrauen und Kinder weitergeben.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 30.09.2022

Die Lektüre von Ander Izagirres Buch über die Geschichte und Gegenwart von Boliviens Rohstoffhandel lässt den Rezensenten Wolfgang Schneider desillusioniert und gleichzeitig voller Bewunderung zurück. Diese Bewunderung gilt vor allem dem Geschick, mit dem der spanische Journalist die Geschichte Boliviens mit der seiner Ökonomie verbindet und beides wiederum durch seine persönlichen Reportagen ergänzt. Packend und berührend, so der Kritiker, berichtet Izagirre von seinen Besuchen bei einer der vielen Familien, die immer noch vom Bergbau leben und macht so die erschütternden ausufernden Folgen des spanischen Rohstoff-Kolonialismus in Bolivien sichtbar: Ausbeutung, Armut, Kinderarbeit, zerstörte Familien, die Reihe wäre noch lange weiter zu führen, und Hoffnung gibt es offenbar wenig. Ein "überaus welthaltiges" Buch, das zu lesen sich trotz, oder gerade wegen seiner ernüchternden Wirkung lohnt, resümiert der Rezensent.

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