Für die einen war er ein politischer Rebell, für die anderen der Messias und Gottes Sohn. Die Erwartungen an ihn waren riesengroß. Doch nicht nur seine Eltern und engsten Freunde verzweifelten manchmal geradezu an ihm, weil er ihre Vorstellungen nicht erfüllte. Dennoch oder gerade deswegen haben er und seine Lehre Sprengkraft bis heute. Wie ist das möglich? Um das Geheimnis dieses Mannes zu ergründen, nimmt Alois Prinz den Leser mit in die damalige Zeit. Wir erleben hautnah, unter welchen Lebensumständen und in welch politisch aufgeheizter Zeit Jesus aufwuchs, wie er handelte und was ihm wichtig war.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.05.2013
Die meisten Autoren, die bisher über Jesus von Nazareth geschrieben haben, haben sich recht deutlich als Gläubige oder Ungläubige positioniert, weiß Matthias Drobinski. Manche haben Jesus als "Sozialrevolutionär" dargestellt, andere als "verkitschtes leidendes Gotteslamm". Alois Prinz vermeidet in seiner Jesus-Biografie das Bekenntnis zu jedweder Seite, erklärt der Rezensent. Er setzt Leben und Werk in einen Zusammenhang und überlässt es dem Leser, den Wahrheitsgehalt einzelner Geschichten für sich zu bestimmen, das Buch schwebt frei "zwischen Mythos und Entmythologisierung". Besonders hat Drobinski deshalb gefallen, dass Prinz viele Fragen stellt, die zum selbst Denken und Urteilen anregen. Das Buch eignet sich für philosophisch, geschichtlich und religiös interessierte Jugendliche gleichermaßen, ist aber auch eine gute Quelle für Erwachsene, die "schamhaft verschwiegene Bildungslücken" ausmerzen wollen, bekundet der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.04.2013
Rezensentin Stephanie von Selchow schätzte bereits Alois Prinz' Biografien über Hannah Arendt, Ulrike Meinhof und Hermann Hesse - nun aber ist ihm ihrer Meinung nach das Unmögliche gelungen: eine gebildete, erkenntnisreiche und dennoch einfach zu lesende Biografie über Jesus von Nazareth zu schreiben. Die Kritikerin liest nicht nur vom harten ländlichen Leben in Nazareth und der politisch brisanten Stimmung zwischen Römern und Juden zur Zeit von Herodes, sondern erhält neben historischen Erkenntnissen auch "souveräne" Einblicke aus Theologie, Philosophie, Literatur, Kunst und Film. Insbesondere lobt die Rezensentin jene interessanten Passagen, in denen Prinz Geschichte und Gleichnisse der Evangelien deutet. Selten hat Selchow Jesus so "greifbar" erlebt wie in diesem sehr empfehlenswerten Buch.
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