Seit frühester Kindheit ist der Zirkus für Alexander Kluge ein Faszinosum und ein Phänomen seiner Zuwendung, die sich über sein filmisches Werk (Die Artisten in der Zirkuskuppel, ratlos) bis in die jüngsten seiner literarischen Arbeiten erhalten hat. In ihm findet er das "Schattenbild der Arbeit" und zugleich das Inbild menschlicher Spitzenleistung von Liebe über Krieg bis zur Revolution. Denn die im Zirkus vorgeführten Leistungen sind Projektionsflächen von Utopien, bieten ein fassliches Bild für Entwicklungen der Zivilisation mit ihren fast unendlichen Möglichkeiten und zwischenzeitlich unvermeidlichen Abstürzen - gleich ob der Beifall aufrauscht oder die Artisten auf dem Boden der Manege ihre Glieder zählen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.02.2022
Rezensent Paul Jandl lässt sich in die Tiefen von Alexander Kluges Erinnerung führen, zum Zirkuserlebnis des Kindes, in dem alle späteren Muster und Motive vorgeprägt scheinen, wie Jandl erkennt. Nur dass aus dem Robbengeschwader im Zirkusaquarium die Bomberformationen des Krieges wurden. Triumph und Sturz. Dass die Texte im Band nicht episch daherkommen, sondern eher als "Fußnote der Gegenwart", stört Jandl nicht. Kluges Werk ist eh ein großes Ganzes, weiß er. Der Leser kann die Bilder dazu anschauen oder QR-Codes scannen und mit Kluge schweifend weiterdenken, vom Hundertsten ins Tausendste, freut sich der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.02.2022
Rezensent Lothar Müller streunt mit Alexander Kluge durch eine Kindheit in Halberstadt, lauscht den Schritten des Vaters im Haus, besucht den Zirkus. Die Form des hier angewandten Kommentars scheint Müller gut zum Juristen Kluge zu passen. Auch wenn dabei keine Konfession entsteht, sondern eher ein "vertikales Berichten", das sämtliche Lebensphasen gleichzeitig erscheinen lässt, ist die Lektüre für den Rezensenten gewinnbringend, als "Wahrnehmung des Sozialen" und wegen Kluges immer wieder erstaunlicher "Entzündbarkeit", meint er.
Rezensentin Julia Schröder empfiehlt Alexander Kluges Buch, das sie über einen Abgesang auf den Wanderzirkus (in der Pandemie) tief hineinführt in Kluges Kosmos. Wie der Autor neu Erlebtes und Gedachtes zurückbezieht auf seine Arbeit, findet sie aufschlussreich auch für den Leser. Die 170 Seiten bieten der Rezensentin die Erkundung so unterschiedlicher Themen und Motive wie die Französische Revolution, die Schinderkarren, den Luftzirkus der Bomber, die Völkerschauen und den Faschismus. Alles garniert mit reichlich Bildmaterial und Verweisen auf Kluges Filmproduktionen, freut sich Schröder.
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