Albert Ostermaier

Seine Zeit zu sterben

Roman
Cover: Seine Zeit zu sterben
Suhrkamp Verlag, Berlin 2013
ISBN 9783518423820
Gebunden, 305 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Die "Streif" in Kitzbühel, das gefährlichsten Abfahrtsrennen der Welt, ein Höllenritt auf blankem Eis. Die Stadt im alljährlichen Ausnahmezustand: Alle Augen sind auf den Hahnenkamm, diese schneeglitzernde Welt und den Zielschuss gerichtet. Ein atemberaubender Tag, Wilderkaiserwetter, die Stimmung könnte nicht ausgelassener sein. Bis plötzlich ein Kind auf der Piste verschwindet, was nicht ins Bild passt und schon gar nicht in die Bilderbuchregie der Veranstalter, des Ortes und der Feiernden. Was ist passiert? Ein Unfall? Eine Entführung? Missbrauch? Ein Familiendrama? Ein böser Scherz? Die Suche beginnt. Doch ein verschwundener Junge stört nur die Party, die Politik, die Promis. Zu allem Unglück zieht auch noch aus heiterem Himmel ein Schneesturm auf, der alle Illusionen, alle Lügen wegfegt, den Schnee von gestern aufwirbelt und den Tod anweht …

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.12.2013

Ein wahres Horrorpilzgericht hat Till Briegleb da für uns verkostet. Resultat: Magengrimmen. Das kommt, weil Albert Ostermaier doch nicht ganz an Jelinek und Bret Easton Ellis heranreicht, wie Briegleb erläutert. Weil Ostermaier mit seinem wintermärchenhaften "Pseudokrimi" aus Golden Kitzbühel, seiner Komplettzombifizierung der Hautevolee dort, nicht glaubwürdig ist. Erstens bleibt die Handlung eine Reihung von Verdachtsmomenten, meint der Rezensent. Zweitens sind die Bilder selbst pathetisch beziehungsweise kitschig. Und drittens wirkt der Hass, der aus dem Text spricht, auf Briegleb gefallsüchtig wie die vom Autor vorgeführten "Silikonseelen" und Geldchipschwänze. Nur ganz am Schluss spürt der Rezensent etwas wie eine Geschichte und Atmosphäre.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.11.2013

Gehörig viel Spaß hat Judith von Sternburg an dieser Räuberpistole aus der Thriller-Kiste, die mit obskuren Figurennamen und allem, was das Genre an Verbrechensvarianten hergibt, bis zum Rand vollgestopft ist. Eine Parodie also? Fast, aber eben nicht ganz, meint die Rezensentin, die dem Buch in erster Linie Experimentcharakter bescheinigt: Ostermaier, schreibt Sternburg, erforscht die Grenzen des Genres zur Lächerlichkeit, überschreitet diese aber nicht. Zu diesem Zweck trägt der Autor zwar gewaltig dick auf, strapaziert manches Bild ganz ungeheuer und lässt ein umfangreiches Ensemble antreten, das auf ständige Tuchfühlung mit dem Tod geht, erklärt die Kritikerin weiter. Die Sprache ist dem Genre entsprechend markig, es mangelt nicht an kernigen, aber im Grunde hirnverbrannten Sentenzen: "So ein schöner Blödsinn", lacht von Sternburg auf. Doch ist das im Großen und Ganzen "gelungen", meint sie weiter und freut sich über die erfrischende Leichtigkeit dieses Romans.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.09.2013

Etwas zu sehr, bei aller Kunstfertigkeit des Autors, haut Albert Ostermaier laut Jan Wiele in diesem als Roman beworbenen, doch besser noch als Bühnenstück durchgehenden Buch auf die Pauke. Der Hansi-Hinterseer-Idylle an der Kitzbüheler "Streif" als Handlungsort vermag Ostermaier zwar jede Menge parodistische und auch krimitauglichen Lesegenuss zu entlocken, Wortspiele à la Streifreizwäsche, Rasputin und Putinraster, Wodka und Wotan inklusive. Allein, die vom Autor strapazierten Namenskalauer (die Kommissarin im Buch nennt sich Bonnie Klaid!), die bunte Themenvielfalt von Medienkritik bis Pädophilie, der bisweilen pathetische hohe Ton des Textes und die vielen Steilvorlagen, die die Landschaft mit erogenen Zonen verbinden, lassen Jan Wiele am doch sehr trashigen Lesegenuss mitunter zweifeln. Glücklich ist er da, wenn Ostermaier neben aller Drastik, ob motiviert oder nicht, auch mal in Bewusstseinsabgründe schauen lässt und sprachlich immerhin höchst versiert verdichtet.
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