Adam Thirlwell

Der multiple Roman

Vergangene und zukünftige Abenteuer der Romankunst, verortet auf fast allen Kontinenten, in zehn Sprachen & mit einem gigantischen Ensemble von Schriftstellern, Übersetzern & anderen Phantasiewesen
Cover: Der multiple Roman
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2013
ISBN 9783100800497
Gebunden, 532 Seiten, 24,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Hannah Arnold. Adam Thirlwell lässt uns teilhaben an seinen Ideen und Gedanken: über das Glück des europäischen Romans, die Tücken des Übersetzens, die Freude am Lesen und am Leben an sich. Wir erfahren, warum die Übersetzung von Madame Bovary ins Englische einer gewissen Miss Herbert verloren ging, was es mit Nabokovs Lieblingsreisetasche auf sich hat und wieso uns die eigene Erfahrung stets überholt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.01.2014

Großartig findet Paul Ingendaay die Verve dieses jungen Autors. Dass Adam Thirlwell sich in diesem Buch einmal nicht mit einem eigenen Plot beschäftigt, sondern mit dem Abenteuer des Schreibens an sich, lässt den Rezensenten zwar zunächst skeptisch prüfen, was dabei Neues herauskommt (nicht sooo viel). Am Ende aber spielt das für Ingendaay keine große Rolle. Denn Thirlwell ist kein akademischer Langweiler. Das Umwerfende am Buch ist für Ingendaay gerade die Unerschrockenheit, mit der der Autor postmoderne Denbatten wieder aufgreift, um sie spielerisch seinen eigenen Steckenpferden anzupassen. Es geht um Poetik und die Anverwandlung fremder Texte als genuinen Teil des literarischen Prozesses, um Übersetzungsarbeit und ausdauernden Stil, um das Mikroskopische bei Kafka und die Häuslichkeit Flauberts. Für Ingendaay aber geht es nicht zuletzt darum, wie hier ein junger neugieriger Schreiber die Literaturgeschichte liest. Das geschieht zwar mitunter wolkig, kess und auch unvollständig, doch auch und vor allem mit Leidenschaft, erklärt der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.12.2013

Adam Thirlwells "Der multiple Roman" ist eine geist- und liebevolle Erkundung der Eigenarten des Romans, wie über gemeinsame Freunde spricht Thirlwell mit dem Leser über große und kleine Romane und deren Autoren, aber nie mit dem Anspruch, unbedingt Recht zu behalten, berichtet Burkhard Müller. Diese Schreibform Thirlwells kann einem wenig handfestes beibringen, meint der Rezensent, das soll und muss sie aber auch gar nicht: es macht Müller schlicht Spaß, den Gedankengängen des Autors zu folgen, ihm bei der Erkundung der "listig-liebevollen" Praxis zu beobachten, die wir Romanschreiben nennen, und die sich so oft über ihre eigenen Prinzipien erhebt. Ja, große Romane sind prinzipiell unübersetzbar, großartig übersetzt werden sie auf beinahe magische Weise trotzdem, die Unmöglichkeit wird ausgetrickst - Thirlwells Buch ist dafür selbst ein tolles Beispiel, findet der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.12.2013

Lothar Müller bespricht Adam Thirlwell Buch im Aufmacher der zweiten Literaturbeilage. Auch wenn er letzten Endes nicht ganz überzeugt ist von den Gedanken des britischen Autors zum wandernden Wesen der Weltliteratur, so ist er doch sehr fasziniert. Wenn wir den Rezensenten richtig verstehen, folgt Thirlwell in seinem Essay über die Weltliteratur den Abenteuern, die Romane bei ihren Reisen durch die Zeit und die Sprachen zu bestehen haben. Von Cervantes und Laurence Sterne über Diderot, Flaubert und Balzac zu Beckett und Borges folgt Müller Thirwells Ideen zu Literatur, Sprache und Original so vergnügt wie dem Don Quixote. Dass Thirlwell dabei die Vorstellung des Originals über Bord wirft und sogar Übersetzungen von Übersetzungen gelten lässt, verursacht Müller zwar Bauchschmerzen, aber gefallen hat ihm trotzdem die Geschichte von Witold Gombrowicz, der in seinem Exil in Buenos Aires enthusiastischen Laien, die kein Wort Polnisch sprachen, bei der Übersetzung seines Romans "Ferdydurke" half - ohne Spanisch zu können.
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