Mit 750 Abbildungen. Im späten 18. Jahrhundert ist Berlin neben Wien das bedeutendste Zentrum der Möbelherstellung im deutschsprachigen Raum. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts stand die Möbelkunst in diesem durch fortschrittliche Gewerbepolitik gekennzeichneten großstädtischen Raum in Qualität und Umfang an der Spitze ihrer Zeit. Mit der vorliegenden Untersuchung wird die einst glanzvolle Berliner Möbelkunst erstmals gewürdigt, nachdem sie durch Nationalsozialismus, Krieg und Teilung der Stadt nahezu in Vergessenheit geraten war. Achim Stiegel hat den überlieferten Bestand gesammelt und die Möbelkunst unter kulturgeschichtlichen, sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen sowie material- und technikgeschichtlichen Aspekten erforscht. Grundlage hierfür bildet die methodische Reflexion darüber, wie die Möbelgestaltung als Ausdruck der genannten Aspekte zu beschreiben ist: In die Interpretation des Möbels gehen der kennerschaftliche Blick des Kunsthistorikers und das kulturhistorische Wissen um den Kontext ein. Im Anschluß erfolgt die Rekonstruktion dieses Kontextes hinsichtlich Herstellung, Verkauf und Gebrauch der Möbel. Im Hauptteil wird die Berliner Möbelkunst mit ihren besonderen Merkmalen und Qualitäten vorgestellt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.11.2004
Camilla Blechen freut sich über ein neues Grundlagenwerk zur Möbelkunst, das zwar vermutlich mehr von Fachleuten und Bibliotheken in Anspruch genommen werden wird, das aber einen wertvollen Beitrag zur Geschichte der Berliner Möbelhersteller leistet. Neben Wien war nämlich einst Berlin, man höre und staune, das Zentrum der europäischen Möbeltischlerei. Der Band basiert auf der Dissertation des Autors, so Blechen, und leidet deshalb unter einer schwerfälligen Diktion und einem wenig gefälligen Layout. Dafür bietet er ein umfangreiches Verzeichnis von 37 Berliner Möbelherstellern, mit Angaben zu Lebenslauf, Werkstätten, künstlerischem und Kundenprofil sowie zum schicksalsvollen Weg vieler Meisterstücke. Im Mittelpunkt stünden die Berliner Schreibmöbel aus dem Zeitraum 1790 bis 1848, verrät Blechen, zu denen einige Sekretäre gehörten, die heute in verschiedenen Museen zu besichtigen sind. Doch auch anonyme Stücke könnten anhand dieses Bandes näher bestimmt werden, meint Blechen. Insofern dürfte der Band sowohl Antiquaren wie auch Liebhabern alter Möbelstücke deutlich von Nutzen sein.
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