Jürgen Schröder

Deutschland als Gedicht

Über berühmte und berüchtigte Gedichte aus fünf Jahrhunderten in fünfzehn Lektionen
Cover: Deutschland als Gedicht
Rombach Verlag, Freiburg 2000
ISBN 9783793092308
Broschiert, 441 Seiten, 34,77 EUR

Klappentext

Das Jahr 1989/90 ist das erste annus mirabilis der deutschen Geschichte, auf das die Deutschen - verglichen mit den Jahren um 1813, um 1848, mit 1870/71 und 1914 - nicht mit einer Flut patriotischer Gedichte reagiert haben. Das ist ein gutes Zeichen, ein Zeichen dafür, dass die poetische Deutschland-Sprache, wie sie sich seit fünf Jahrhunderten zunehmend verformelt und bis zum chauvinistischen Kulminationspunkt der Hitler-Diktatur verschärft hat, an ein unwiderrufliches Ende gekommen ist. Das Buch analysiert und veranschaulicht im Rückblick die nationale poetische Sprachgeschichte, um das immer noch schwierige Deutschland-Gespräch - wie rede ich über Deutschland, ohne mich in unabsehbare Verstrickungen hineinzureden - von alten Erblasten befreien zu helfen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.10.2000

In einer Doppelrezension bespricht Jan Wagner einen Band zu und einen mit deutscher Lyrik.
1) Schröder "Deutschland als Gedicht"
Einen Ritt durch fünf Jahrhunderte deutscher Dichtung unternimmt Jürgen Schröder am Leitfaden des Themas der deutschen Nation. Kaum auszuhalten sind, befindet der Rezensent, viele der zitierten Werke. Die deutschen Nationalhymnen und eine Möchtegern-Variante (von Rudolf Alexander Schröder) sind da noch die harmloseren Fälle bloß mangelnder literarischer Qualität, schlimm aber die Erzeugnisse des Ersten Weltkriegs. Täglich bis zu 50 000 Gedichte aufrechtester patriotischer Gesinnung sollen im ersten Kriegsmonat täglich (!) verfasst worden sein. Der Autor deutet Deutschtümelei als "Kompensationsphänomen", der einzige Trost aber ist da nur die ironisch-gewitzte Gegentradition, für die zuallererst Heinrich Heine steht. Nach 1945 war dann "sprachlich eine Stunde null" erreicht.
2) Görner "Unerhörte Klagen"
Rüdiger Görner versammelt in diesem Band deutsche Klagegedichte des 20. Jahrhunderts. Er folgt dabei der Chronologie, unternimmt aber eine Einteilung in fünf Kapitel. Es geht von Rilke über Loerke und Hesse bis zu Paul Celans "Todesfuge", Brechts "Buckower Elegien" und Erich Frieds "Klage um eine Klage". Für den Rezensenten Jan Wagner zeigt die Sammlung eine Entwicklung "von der Entwöhnung pathetischen Sprechens hin zu einer neuen Nüchternheit und Sprachskepsis".
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