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Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Magazinrundschau

Der beste Bach, den du je hörtest

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
27.11.2012. Les inrockuptibles porträtiert den schwulen Muslim Ludovic-Mohamed Zahed, der in Frankreich eine Moschee für alle eröffnen möchte. The New Republic lernt Bach. Claudio López de Lamadrid von Random House erklärt in Jot Down, wie der Lektor der Zukunft aussieht. Bloomberg warnt vor dem Kursverfall Damien Hirsts. Nepszabadsag fürchtet für die Ungarn, wenn die Briten ihr Mediengesetz verschärfen. Newsweek stellt die befreite Schwulen- und Lesbengemeinde Indiens vor.

Les inrockuptibles (Frankreich), 26.11.2012

Ludovic-Mohamed Zahed ist der Muslim Frankreichs, der sich offen zu seiner Homosexualität bekennt, berichtet Ann Royer in den Inrocks. Nun will er eine Moschee eröffnen. "Das Konzept: ein 'inklusiver' Ort der Gottesdienste, offen für Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle, Imaminnen, Frauen mit und ohne Kopftuch. Heißt das nicht einfach 'Kommen Sie, wie Sie wollen'? 'Genau so ist es', antwortet Ludovic-Mohamed und lacht." Der Artikel erzählt Zaheds wahrlich nicht uninteressante Geschichte: Er stammt aus einer nicht sehr gläubigen Familie, entdeckte seine Homosexualität ausgerechnet im salafistischen Milieu in Algerien, fiel vom Glauben ab, studierte kognitive Psychologie - und wurde wieder gläubig!

New Republic (USA), 06.12.2012

Der Konzertpianist Jeremy Denk schreibt einen genialisch mäandernden, aber lesenswerten Artikel über alles, was er je über Bach sagen wollte, bei dem es ab und zu auch um Paul Elies Buch "Reinventing Bach" (Leseprobe) geht, das den Anlass des Artikels bildet. Anders als Elie sucht Denk die Wahrheit über Bach, den er selbst einen Komponisten der Wahrheit nennt, nicht in berühmten Plattenaufnahmen, sondern in den Noten: Denn "wenn du einer Aufnahme lauschst, dann lauschst du der Wahrheit eines anderen über die Wahrheit in Bach. Du magst staunen, dass du Wahrheiten hörst, die du nie vermutet hättest, Möglichkeiten von denen du nicht zu träumen wagtest - und doch lauschst du der Wahrheit einer anderen Person. Und darum sage ich allen Ernstes: Nimm ein Instrument, falls du noch nicht spielen kannst, nimm Stunden, nimm dir die Zeit.... Habe keine Angst, wir leben zu sehr in Ehrfurcht vor den perfekten Aufnahmen, die uns umgeben. So schwach deine Technik sein mag, ich verspreche dir, es ist der beste Bach, den du je hörtest." Elies Buch wurde auch in der New York Times besprochen.

Hier erklärt und spielt Denk die "Aria" aus den Goldberg Variationen:



Außerdem schreibt Noreen Malone einen recht skeptischen Artikel über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter.
Archiv: New Republic
Stichwörter: Crowdfunding

Jot Down (Spanien), 24.11.2012

Claudio López de Lamadrid, Literaturchef der Verlagsgruppe Random House Mondadori (die wohl schon bald Penguin Random House heißen wird) spricht im Interview mit dem neuen spanischen Internetmagazin Jot Down u. a. über die Zukunft des Lektorenberufs: "Das Internet und und die sozialen Netzwerke haben dafür gesorgt, dass zwischen Autoren und Lesern heutzutage fast kein Abstand mehr besteht. Wenn wir Lektoren, die bisherigen Vermittler, unsere Haltung nicht radikal ändern, sind wir in großer Gefahr, zu verschwinden. Lektoren machen Vorgaben und wählen für andere aus - unsere Zukunft hängt davon ab, dass wir in einen unmittelbaren Dialog mit den Endverbrauchern, den Lesern, treten. Die klassische Vorstellung vom Lektor als einem Intellektuellen, der abgeschieden von der Welt nur umgeben von seinen Büchern existiert, hat sich überlebt. Ein Lektor muss heutzutage sein Gesicht zeigen und seine Entscheidungen verteidigen. Denn schon bald werden Lektoren auf eben die Weise als 'Markenzeichen' funktionieren, wie das bisher die Verlage selbst getan haben."
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Twitterfeed der Verlage

Archiv: Jot Down

Elet es Irodalom (Ungarn), 23.11.2012

Kürzlich ist in den ungarischen Kinos der Film "Dies ist kein Film" des iranischen Regisseurs Jafar Panahi angelaufen und der Aussage dieses Titels will der Filmkritiker György Báron nicht widersprechen. Und zwar nicht, um einer gattungstheoretischen Debatte aus dem Weg zu gehen, sondern weil der Widerspruch einer Anklageschrift vor dem iranischen Strafgericht gleichkäme, das, sollte es das Werk als Film werten, die sechsjährige Gefängnisstrafe und das zwanzigjährige Filmverbot verschärfen könnte, die gegen Panahi, der derzeit unter Hausarrest auf eine Strafminderung hofft, verhängt wurden: "Das ist kein Film? Um darüber nachdenken zu können, müssten wir uns die einfache aber wesentliche Frage André Bazins stellen: Was ist Film? Die Antwort Panahis ist unter den veränderten Umständen dieselbe wie die Bazins: Für einen Film benötigt man nicht unbedingt viel Geld, einen riesigen Apparat und Technik, wenngleich all das auch von Nutzen sein kann. Das Einzige aber, was unentbehrlich ist, ist die Kreativität, ein schöpferischer Geist. Ist das nicht vorhanden, helfen hunderte Millionen nichts, hat man das aber, reicht auch ein lausiges Handy. Panahi wird immer, unter allen Umständen, Filme machen, auch dann, wenn er keine Kamera mehr haben wird, im Gegensatz zu denen, die für Unsummen von Geld und mit riesigem Apparat hintereinander ihre Nichtfilme drehen. Da können wir nur hoffen, dass das Strafgericht in Teheran Bazins 'Was ist Film?' nicht gelesen hat."
Stichwörter: Geld

Outlook India (Indien), 03.12.2012

Pranay Sharma unterhält sich mit Israels früherem Außenminister Shlomo Ben-Ami über die jüngste Eskalation im Nahen Osten. Eine Konzentration auf militärische Mittel alleine hält zwar auch dieser für falsch, doch der Ansicht, Israel verhalte sich unverhältnismäßig, kann er nur widersprechen: "Die Frage nach der Verhältnismäßigkeit ist, offen gesagt, fehl am Platz. Verhältnismäßigkeit entspricht im modernen Kriegswesen keinem biblischen Konzept wie 'Auge um Auge'. Man nutzt militärische Kraft im Hinblick auf das Ziel, in diesem Fall also den Willen der Hamas zu brechen, die Bevölkerung Israels selbst noch im entfernten Tel Aviv solchen Attacken auszusetzen. Der Luftschlag ist dabei die chirurgisch präziseste Form der Durchführung; und wenn Israel bislang davor scheute, Bodentruppen einzusetzen, dann wegen der zivilen Opfer, die damit einhergingen. Kriege sind hässlich und ich kenne keine vergleichbare Art und Weise der Konfrontation wie der in Gaza, wo die Zivilisten nicht unter den Folgen leiden, vor allem auch, wenn man die Strategie der Hamas kennt, deren gesamter Militärapparat mit voller Absicht mitten unter Zivilisten untergebracht ist. [...] Ich kenne das israelische System mit seinen Vorzügen und Mängeln. Zivilisten absichtlich anzuvisieren gehört nicht dazu."
Stichwörter: Hamas, Tel Aviv

Bloomberg Businessweek (USA), 21.11.2012

Damien Hirst ist keine gute Kapitalanlage mehr. Seit dem Tag im Jahr 2008, an dem Lehman Brothers pleite ging und Hirst auf einer Auktion 200 Millionen Dollar einsammelte, geht es mit ihm den Bach runter, berichtet Andrew Rice und listet kühl ein paar Zahlen auf, die er bei artnet gefunden hat: "2009 erzielte eine kleine Statue, Trust, die zwei Jahre zuvor für 450.000 Dollar ersteigert worden war, beim Verkauf nur noch 150.000 Dollar. 2008 erzielte ein Gemälde, das in einer von Hirst und Bono gemeinsam organisierten Wohltätigkeitsveranstaltung versteigert wurde, 1.1 Millionen Dollar. Nach einem erfolglosen Versuch, es zu verkaufen, erzielte es 2011 nur noch 600.000 Dollar. Ein Schmetterlingsgemälde, erworben 2008 für 1,5 Millionen Dollar, hatte beim Verkauf letztes Jahr mehr als ein Drittel seines Wertes verloren. All diese Verluste sind noch viel größer, zählt man die Auktionsgebühren hinzu. Und der Markt für seine ambitionierteren Werke hat sich quasi in Nichts aufgelöst. Nur vier Hirsts wurden dieses Jahr für mehr als eine Million Dollar versteigert, keiner für mehr als zwei."

Hingewiesen sei auch auf einen Artikel von Jacob Willer, der in Standpoint gleich den Niedergang der ganzen zeitgenössischen Kunst diagnostiziert und zur Bekräftigung Artikel von Charles Saatchi (hier) und Hari Kunzru (hier) zitiert.
Stichwörter: Damien Hirst, Hari Kunzru

Smithsonian Magazine (USA), 01.12.2012

Als eine Mischung aus Steve Jobs und Leonardo da Vinci beschreibt sich Yoshiro Nakamatsu, der behauptet, unter anderem die Floppy Disk und die CD, das Faxgerät und die Karaokemaschine, die Digitaluhr und sogar ein Perpetuum Mobile erfunden zu haben. Franz Lidz hat den exzentrischen Erfinder, der sich Dr. NakaMats nennt und dreimal so viele Patente wie Thomas Edison hält, in Tokio getroffen und stellt ihn in einem amüsanten Porträt vor: "Dr. NakaMats hält strikt seine tägliche Routine ein. Jede Nacht zieht er sich in seinem Naka-Penthouse in den Ruheraum, eine mit 24-Karat Gold gekachtelte Toilette, zurück. 'Das Gold hält die Radio- und Fernsehwellen ab, die die Vorstellungskraft schädigen', sagt er. Der Ruheraum wurde ohne Nägel erbaut, denn 'Nägel lenken das Denken um'."
Stichwörter: Thomas Edison, Steve Jobs

Nepszabadsag (Ungarn), 19.11.2012

Mit dem jüngsten Pädophilie-Skandal hat sich die BBC, diese "Titanic der weltweiten Presseöffentlichkeit", in ihre seit Jahrzehnten größte Glaubwürdigkeitskrise manövriert, findet der Journalist Róbert Friss. Nicht weniger erschreckend sei jedoch, dass sich dadurch manche Politiker veranlasst fühlen, die Presse an die Kandare zu nehmen - ein verschärftes Mediengesetz in Großbritannien, mit Behördenvorschriften und Geldstrafen, zeichnet sich bereits ab: "Und was unter dem Beifall der empörten Öffentlichkeit im freien Großbritannien möglich ist, wird man andernorts als Argumentationsgrundlage verwenden und - natürlich 'den lokalen Gegebenheiten angepasst' - anwenden können, ja sogar müssen. Es besteht kein Zweifel, dass dieser Skandal die Politik dazu bewegen wird, ein Exempel zu statuieren und die Presse gefügig zu machen."
Archiv: Nepszabadsag

Rue89 (Frankreich), 24.11.2012

Finanziert von den Saudis breitet sich immer mehr ein radikaler Islam in Bosnien-Herzegowina aus, klagt die bosnische, zum Teil in Frankreich lebende Autorin Jasna Samic im Interview mit Etienne Baldit. Der Islamismus findet einen um so leichteren Zugang, als sich im ehemaligen Jugoslawien die Identitäten ohnehin religiös definierten: "Die Religion dominiert. Die Nationalität existiert nicht, sie ist 'verschmolzen' seit die Türken das Serbentum anerkannten und die Serben selbst ihren Nationalismus mit der Religion ineinssetzten: Serbentum bedeutet zugleich Angehörigkeit zu einem Volk, einer Nation und der orthodoxen Religion. Diese Gleichsetzung existierte immer schon und heute umso mehr: Die so genannten Bosniaken sind Muslime, die Serben orthodox, die Kroaten katholisch."
Archiv: Rue89
Stichwörter: Bosnien

Economist (UK), 24.11.2012

Nur zwei islamisch geprägte Nationen - Türkei und Libanon - stellen Atheismus, insbesondere im Fall von gottesungläubigen Ex-Muslimen, nicht unter Strafe, erfährt man hier. In den meisten Ländern erfolgt jedoch eine Anklage wegen Blasphemie oder wegen Anstiftung zum Religionshass, in manchen Ländern bleibt den Gottesunfürchtigen oft nur die Flucht. "Der Machtgewinn islamistischer Parteien nach den arabischen Revolutionen dürfte das Leben jener, die den Islam hinter sich lassen, wahrscheinlich noch schwerer machen. Die neuen Herrscher in Tunesien und Ägypten haben diverse junge Leute inhaftiert, die offen über ihren Mangel an Glauben sprachen. Dies kam auch schon vor den Revolutionen vor, doch scheint es heute üblicher zu sein. Alber Saber Ayad, ein ägyptisch-christlicher Aktivist, der eine Facebook-Seite für Atheisten betrieb, befindet sich seit September wegen 'Religionsbeleidigung' in Untersuchungshaft."
Archiv: Economist
Stichwörter: Tunesien

Wired (USA), 19.11.2012

Stephen Levy schaut sich den Patente-Wahnsinn genauer an: Was einst einen sinnvollen Schutz für Unternehmertum und Innovation dargestellt haben mag, hat sich längst in ein Schlachtfeld verwandelt: "Die Technologieindustrie ist voller  ausgedehnter Patente. Schon viel zu viel Energie und Geld wird darauf verwendet, sie zu erwerben und durchzusetzen. Amazon 'besitzt' den Prozess, der es Leuten gestattet, Sachen mittels eines einzigen Klicks zu erwerben. Apple beansprucht nun das exklusive Recht, Kommunikationsgeräte in Form eines Rechtecks mit abgerundeten Ecken, auf denen Icons in einem Raster und mit einer Reihe feststehender Icons am unteren Bildschirmrand angeordnet sind, zu verkaufen. Und eine kleine Firma in Tyler, Texas, verlangt einst mehr als 600 Millionen Dollar von Google - wegen des Designs der Ränder um deren Anzeigen." (Mehr zum Thema hier.)

Außerdem: Faktisch stellen Passwörter heute einen kaum mehr verlässlichen Schutz für Online-Accounts dar, mahnt Mat Honan, der die unterschiedlichen Strategien und Manöver zum Passwort-Hacking ausgiebig recherchiert hat. Noah Shachtman erklärt, wie es Kryptologen gelang, ein mysteriöses Manuskript zu dechiffrieren. Bill Wasik blickt hinter die Kulissen von TEDx, dem unabhängigen, internationalen Ableger von TED. In der "Icons"-Gesprächsreihe unterhält sich Shoshana Berger mit dem Designer James Dyson. Joel Warner amüsiert sich unterdessen prächtig bei japanischer Comedy.
Archiv: Wired
Stichwörter: Geld

spiked (UK), 26.11.2012

Der polnische Architekt Jakub Szczesny hat für den israelischen Kurzgeschichten-Autor Etgar Keret in Warschau das kleinstmögliche Haus gebaut: Eingezwängt in eine Baulücke zwischen einem Vorkriegs- und einem Nachkriegsbau liegt das Keret House genau dort, wo einst die Fußgängerbrücke die beiden von den Nazis errichteten Teile des Warschauer Ghettos verband. Kerets Mutter schmuggelte über diese Brücke Lebensmittel für ihre Familie ins Ghetto, wie er im Interview mit Nathalie Rothschild erzählt: "Das Haus, in dem meine Mutter lebte, wurde komplett zerstört - jetzt steht dort eine Bank. Kein Mitglied ihrer Familie ist mehr am Leben, niemand ist mehr in Polen. Mit dem Keret-Haus kommt es mir vor, als hätten wir uns durch diese kleine Lücke wieder in das kollektive Gedächtnis dieses Ortes quetschen können, als eine Art, das Vermächtnis meines Großvaters zu erfüllen. Unser Name wurde nicht ausgelöscht. Wir haben ihn lebendig gehalten. Nicht durch Kämpfen und nicht durch Gewalt, sondern durch Kunst."
Archiv: spiked
Stichwörter: Etgar Keret, Mutter

New Statesman (UK), 26.11.2012

Julian Assange versteht viel vom Netz, aber wenig von Menschen, stellt die Kolumnistin und Autorin Laurie Penny nach Lektüre von Assanges neuem Buch "Cypherpunks" fest. Wenn er vom Überwachungsstaat schreibt, der uns mit Google, Facebook und den Geheimdiensten droht, gibt sie Assange recht, die Lösung aber liegt ihrer Ansicht nach nicht in einer besseren Verschlüsselung, solange wir freiwillig unsere persönlichsten Dinge online ausbreiten: "Niemand hat Ihnen ein Messer an die Gurgel gehalten. Sie haben diesen Teil Ihrer selbst aus freien Stücken preisgegeben, weil Sie fürchteten, dass Sie nicht mehr dazugehören, wenn Sie es nicht tun; und solange nicht jemand kommt und Ihnen freundlich und verständnisvoll eine Hand auf Ihren Arm legt, werden Sie weiter und weiter alles von sich herausgeben, bis es keinen Teil Ihres Privatlebens mehr gibt, der nicht verkauft werden kann. Wenn die 'globale totalitäre Überwachungsgesellschaft', die Assange vor Augen hat, wahr wird, dann wird sie von dem angetrieben werden, was sie schon hervorgerufen hat: Nicht Angst vor Gewalt, sondern ein gruseliger Konformismus."

Point (Frankreich), 22.11.2012

BHL wundert sich in seiner Kolumne über die Propagandaerfolge der Hamas in Frankreich: "Die kommunistische Partei fordert 'Sanktionen' gegen Israel. Die Grünen, deren Stimmen man beim Thema Syrien oder Libyen oder den Hunderttausenden Toten vergessener Kriege in Afrika und dem Kaukasus kaum hörte, fordern, dass 'Israel sanktioniert wird'. 'Pazifistische' Demonstranten, die kaum zu motivieren sind, wenn Gadhafi oder Assad töten, gehen auf die Straße - und bekennen ihre Solidarität mit der einzigen Partei, die in Palästina die Zweistaatenlösung, also den Frieden, ablehnt."
Archiv: Point
Stichwörter: Hamas

Guardian (UK), 26.11.2012

David Runciman hatte wenig Freude an Nassim Nicholas Talebs neuem Buch "Antifragile: How to Live in a World We Don't Understand". Denn "antifragil" - darunter versteht Taleb die Fähigkeit, Druck nicht nur Stand zu halten, sondern durch ihn zu wachsen - ist für den Rezensenten am Ende keine menschliche Kategorie. "Wir leben in einer zerbrechlichen Welt, verletzlich durch extreme Schocks. Aber Antifragilität ist nicht die Lösung. Es ist als Idee zu krass und Taleb, trotz all seiner vielgepriesenen intellektuellen Neugierde, ist nicht wirklich neugierig auf das Leben all derer, die nicht wie er leben. Er sagt, es sei besser als Taxifahrer zu leben denn als Aktienhändler, weil man dann weniger den Launen anderer ausgesetzt sei. Soll er es doch mal versuchen. Er glaubt, es sei besser ein Mitglied der Mafia zu sein als ein approbierter Akademiker. Nochmal: Soll er es doch selbst versuchen. Das Problem mit 'Antifragile' ist, dass es ein zutiefst unsoziales Buch ist."

Außerdem: Helen Dunmore ist sehr beeindruckt von Herta Müllers "Atemschaukel" (The Hunger Angel), das jetzt ins Englische übersetzt wurde. Lizzy Davies meldet, dass fast die Hälfe der Laienstimmen, die sich bei einer Abstimmung der Church of England gegen Frauen als Bischöfe aussprachen, von Frauen kamen. Und Sean O'Hagan stellt die Shortlist für den Fotografiepreis Deutsche Börse 2013 vor: Nur einer auf der Liste ist ein etablierter Fotograf.
Archiv: Guardian
Stichwörter: England

Newsweek (USA), 26.11.2012

Bis 2009 die Gerichtsentscheidung 377 dies änderte, war der homosexuelle Akt in Indien strafbar. Seitdem erleben Indiens Schwule und Lesben einen ersten Frühling, berichtet Marta Franco. Läden und Nachtclubs für Homosexuelle eröffnen, Homosexuelle verdecken nicht mehr ihre Gesichter, wenn sie für Gleichberechtigung demonstrieren. Es gibt einen regen schwulen Tourismus, und die Scheidungsrate bei schwulen Männern, die in eine Ehe gezwungen wurden, steigt. "Das Internet ist eine große Hilfe, wenn es darum geht einen Partner zu finden. Es ersetzt langsam die Suche in Parks und auf öffentlichen Toiletten. Webseiten wie Facebook und guys4men.com sind der beste Weg, einen schwulen Partner zu finden und an den Veranstaltungen einer LGBT Community teilzunehmen, die keine Lust mehr hat, sich zu verstecken. Shobhna Kumar lernte ihre Partnerin in einer lesbischen Gruppe bei Yahoo kennen und zog schließlich von Australien zu ihr nach Mumbai."

Und: Lawrence Osborne geht einen trinken in Kairo.
Archiv: Newsweek
Stichwörter: Yahoo

Motherboard (USA), 23.11.2012

1963 filmte der Kleiderfabrikant Abraham Zapruder in Dallas das Attentat auf John F. Kennedy. Alex Pasternack erzählt die hochinteressante Geschichte dieses Films, die auch eine Geschichte des Copyrights ist. Zapruder verkaufte den Film an das Life Magazin, entschied aber nach einem Alptraum - "See the President's head explode!" - dass Bild 313 nicht gezeigt werden dürfe. In der Woche darauf veröffentlichte Life 30 Bilder aus dem Film, 1967 ließ es den Film von der Copyright-Büro registrieren. 1969, sechs Jahre nach dem Attentat, wurde der Film erstmals vorgeführt und das auch nur bei einer Gerichtsverhandlung, dafür zirkulierten schlechte Kopien, die die Mystik um den Originalfilm noch erhöhten. Pasternack zitiert Don DeLillo, der in einem Interview mit der Paris Review dazu sagte: "Kennedy wurde auf Film erschossen, Oswald im Fernsehen. Bedeutet das etwas? Vielleicht nur, dass Oswalds Tod sofort wiederholbar wurde. Er gehörte jedem. Der Zapruder-Film, der Film von Kennedys Tod, wurde verkauft, gehortet und nur wahlweise gezeigt. Er war exklusives Filmmaterial. So blieben die sozialen Unterschiede bestehen - man konnte Oswald sterben sehen, während man vor dem Fernseher zu abend aß, und er starb immer noch, wenn man ins Bett ging. Aber wenn man den Zapruder Film sehen wollte, musste man sehr wichtig sein oder man musste warten, bis er in den Siebzigern einmal im Fernsehen gezeigt wurde, oder man musste jemandem 30.000 Dollar zahlen, um ihn sehen zu dürfen - ich glaube, das war der handelsübliche Preis."

Heute kann man ihn auf Youtube sehen:


Archiv: Motherboard
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Archiv: Magazinrundschau

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