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Magazinrundschau
Herr Kafka war nie zu spät
Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
01.07.2008. Im American Scholar erkennt Yaleprofessor William Deresiewicz die Nachteile einer Elite-Erziehung, als er seinem Klempner gegenübersteht. Al Ahram beschreibt die Scharlatanerie postmoderner Literaturkritik. Tygodnik Powszechny besucht die "Sacroexpo". In der New York Review of Books analysiert Zadie Smith den Supra-Kafka. Im Espresso erklärt Umberto Eco italienischen Ministerialbeamten den Vokativ. Im Merkur empfiehlt Heinz Schlaffer Kunstkritikern die Lektüre von Theokrits Idyllen. Die New York Times sucht Kinder in Europa.
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The American Scholar (USA), 01.07.2008
Als William Deresiewicz, Englischprofessor in Yale, in seiner Küche stand und nicht wusste, wie er sich mit seinem Klempner unterhalten sollte, ahnte er, dass mit seiner Erziehung etwas falsch gelaufen war: "Der erste Nachteil einer Elite-Erziehung, lernte ich an diesem Tag in meiner Küche, ist, dass sie dich unfähig macht, mit Leuten zu reden, die nicht so sind wie du. Eliteschulen rühmen sich ihrer Vielfalt, aber diese Vielfalt ist fast vollkommen eine Sache von Ethnizität und Rasse. Was Klasse angeht, sind diese Schulen größtenteils - und zunehmend - homogen. Besuchen Sie einen Elite-Campus unserer großen Nation und erschauern Sie bei dem herzerwärmenden Anblick von Kindern weißer Geschäftsleute und Experten, die neben Kindern schwarzer, asiatischer und lateinamerikanischer Geschäftsleute und Experten spielen und studieren. Gleichzeitig, denn diese Schulen kultivieren liberale Einstellungen, versetzen sie ihre Studenten in die paradoxe Situation, im Namen der Arbeiterklasse zu handeln, während sie doch unfähig sind, eine simple Konversation mit einem Arbeiter zu führen. Schauen Sie sich die zwei letzten Präsidentschaftsbewerber der Demokraten an, Al Gore und John Kerry: beide waren in Harvard und Yale, beide sind ernste, anständige, intelligente Männer, und beide sind vollkommen unfähig, mit dem größten Teil des Wahlvolks zu kommunizieren."
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Al Ahram Weekly (Ägypten), 26.06.2008
Als wenig zielführendes Aneinandervorbeireden hat offenbar Rania Khallaf die erste Konferenz für arabische Literaturkritik und Literaturtheorie in Kairo empfunden. Es ging um Geschichte und Gegenwart, die einen warfen den anderen unkritische Übernahme westlicher Methoden und Scharlatanerie vor, die anderen versuchten sich in Computerphilologie. Der Libyer Hilal El-Atry etwa stellte fest: "Ich habe nichts gegen postmodernes Schreiben, sei es in literarischen oder literaturkritischen Werken. Aber Unbestimmtheit ist so sehr in Mode in der akademischen Forschung an arabischen Universitäten, dass es oft schwerer ist, die Kritiker zu verstehen als die Originaltexte, die sie eigentlich kommentieren sollen." Ganz negativ äußert sich der Nestor der ägyptischen Literaturkritik Mahmoud Amin El-Alem: "Die Krise der Literaturkritik ist nur das Symptom einer generellen Krise von Bildung, Politik und Wirtschaft. Wir erleben gegenwärtig einen der dunkelsten Momente in der modernen arabischen Geschichte."
Weitere Artikel: Hani Mustafa fragt nach den Chancen eines unabhängigen ägyptischen Kinos auf dem Weltkino- und internationalen Festival-Markt. Samir Farid stellt den jungen ägyptischen Regisseur Ibrahim El-Batout vor, der als Gewinner in Taormina und Rotterdam ein Musterbeispiel eines solchen Erfolgs wäre - hätte er nicht in Ägypten Schwierigkeiten mit der Zensur.
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The New York Review of Books (USA), 17.07.2008
In einem Literatur-Spezial begibt sich die Autorin Zadie Smith auf die Spuren des realen Kafkas, den man sich so schwer als großen, eleganten Mann mit einer Vorliebe fürs Schwimmen, Kino und Bordell vorstellen könne: "Dieser Kafka ist genauso schwer im Kopf zu behalten wie der Pynchon, der im Supermarkt einkaufen geht und Baseballspiele besucht, oder der Salinger, der älter wurde und seine Familie in Cornisch, New Hampshire aufzog. Leser sind unverbesserliche Fabulierer. Kafkas Fall geht jedoch weit über literarische Mythen hinaus. Er ist nicht nur mysteriös, er ist metaphysisch. Leser, die besonders von diesem Supra-Kafka angezogen sind, werden den alltäglichen Kafka schwer zu schlucken finden. Und umgekehrt. Ich habe mal in einer jüdischen literarischen Gesellschaft über Kafka gesprochen, über Michael Hofmanns These, dass es bei Kafka fast immer zu spät sei. Hinterher kam eine rüstige Dame in den Neunzigern und mit einem schweren Alte-Welt-Akzent auf mich zu und zupft an meinem Ärmel: 'Sie irren sich. Ich kannte Herrn Kafka in Prag. Er war nie zu spät."
Aktuell widmet sich Thomas Powers der amerikanischen Politik, deren konfrontativer Kurs gegenüber dem Iran zum Scheitern verurteilt sei: "Glaubt irgendjemand außerhalb der amerikanischen Regierung, dass es sinnvoll wäre, sich Probleme in diesem Ausmaß aufzuladen?" Besprochen werden - von Stephen Greenblatt - zwei New Yorker "Macbeth"-Inszenierungen und Bücher über Witze, die klar machen, dass Lachen zwar ein universellen menschliches Phänomen ist, aber extrem kulturell bedingt. Gern gelesen hätten wir noch Deborah Eisenbergs Artikel über "Das Genie von Peter Nadas", aber den gibt's nur im Print.
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Tygodnik Powszechny (Polen), 29.06.2008
Michal Olszewski staunt über das reichhaltige Angebot auf der Messe für Kirchenausstattung und Devotionalia "Sacroexpo" in Kielce. Es reicht vom Ornat in Tarnfarben, über Heiligenfiguren aus Bronzeimitat bis zur Friedhofsverwaltungssoftware. "Auf 250 Ständen mischen sich Schönheit und Kitsch, sacrum und profanum. Ein italienischer Verkäufer mit stark gegeltem Haar wirbt mit einer Lockerheit für seine Messekelche als wäre es Gemüse. (...) Die Messe repräsentiert eindringlich die äußere Form des polnischen Glaubens. Die Sakralkunst ist hier direkt, sie vermeidet Metaphern, komplexe Formen und Fragen. Unsere Vorstellung wird immer noch von Ablassstilistik und eindeutigen, bunten Bildern dominiert".
Eines der außergewöhnlichsten Fotografieprojekte der polnischen Nachkriegsgeschichte konnte man während des Festivals "Photomonth" in Krakau kennen lernen. "Zofia Rydets 'Soziologische Aufzeichnung' war einer der gewaltigsten Bilderzyklen mit einigen zigtausend Fotos - die genaue Anzahl kennt niemand. Im Alter von 68 begann die Arbeit daran, doch zu einer Publikation oder Ausstellung kam es nicht mehr." Fachkollegen waren dem Werk gegenüber etwas skeptisch, wegen seiner ausufernden Dimensionen und der kargen Ästhetik, schreibt Wojciech Nowicki. Gerade aber diese emotionale Ungezähmtheit und der titelgebende dokumentarische Charakter verleihen der Sammlung etwas Überzeitliches, so der Autor. (Einen deutschen Text zur polnischen Fotografie kann man hier nachlesen, einige Bilder von Rydet findet man hier).
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The New Yorker (USA), 14.07.2008
In dieser Doppelnummer schreibt Seymour M. Hersh unter der Überschrift "Das Schlachtfeld vorbereiten" über den geheimen Iran-Feldzug der amerikanischen Regierung und die verstärkten Schritte gegen das Land. "Geheimoperationen gegen Iran sind nichts Neues. Seit letztem Jahr führten US-amerikanische Spezialtruppen mit Genehmigung des Präsidenten von Südirak aus grenzüberschreitende Operationen durch. Dazu gehörten auch die Ergreifung von Al Quds-Mitgliedern, dem Kommandozweig der iranischen Revolutionsgarde, und deren Verbringung zum Verhör in den Irak, außerdem die Verfolgung 'hochrangiger Ziele' im Krieg des Präsidenten gegen den Terror, die gefangen genommen oder getötet werden sollten. Allerdings haben sich Umfang und Wirkungsbereich der Iran-Operationen, darunter der Central Intelligence Agency (CIA) und des Joint Special Operations Command (JSOC), laut gegenwärtiger und ehemaliger Beamter deutlich erweitert. Viele dieser Aktivitäten sind in einem neuen [vom Präsidenten abgezeichneten] Bericht nicht näher spezifiziert und einige führende Kongressmitglieder hatten ernsthafte Fragen nach deren Natur."
Weiteres: Elizabeth Kolbert schildert den Sieg einer Gemeinde auf der dänischen Insel Samso über den CO2-Ausstoß. Alex Ross berichtet über die boomende chinesische Musikszene. Adam Kirsch rezensiert die Studie "Posthumous Keats" (Norton) von Stanley Plumly über John Keats. Und David Denby sah im Kino die Action-Komödie "Hancock" von Peter Berg und den französischen Thriller "Ne le dis a personne" ("Tell No One") von Guillaume Canet. Zu lesen sind außerdem die Erzählung "Thirteen Hundred Rats" von T. Coraghessan Boyle und Lyrik von Jack Gilbert und Maureen N. McLane. Leider nur im Print würdigt Adam Gopnik das Genie von G.K. Chesterton.
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Literaturen (Deutschland), 01.07.2008
Der Lesespaß, den Sigrid Löffler der neue Roman "Tagebuch eines schlimmen Jahres" von J.M. Coetzee bereitet hat, hat sie selbst überrascht: "Hat man die Struktur des Buches einmal durchschaut, dann belohnt 'Tagebuch eines schlimmen Jahres' den Leser mit vielschichtigeren Freuden als Coetzees unmittelbare Vorgänger-Romane 'Elizabeth Costello' und 'Zeitlupe'. Auch die waren imprägniert von metaphysischer Selbstquälerei, aber es fehlte ihnen der Kontrapunkt, die Fähigkeit zur Selbstdistanzierung. Und eben der Kontrapunkt ist es, der die 'Festen Ansichten' dieses Romans mit sardonischem Humor so gewinnend ins Rutschen bringt."
Aus Paris berichtet Martina Meister über Lucie Ceccaldis Buch, in dem Sohn Michel Houellebecq kaum vorkommt, und über den neuen Roman von Anna Gavalda, in dem es wie üblich im Grunde um gar nichts geht. Franz Schuh informiert im "Kriminal" über seine Lektüre des wenig Österreich-freundlichen Romans "Heldensterben" Christine Grän. Sibylle Berg befasst sich in ihrer Kolumne mit neuesten Resultaten der Glücksforschung. Mit seiner Mircea-Eliade-Verfilmung "Jugend gegen Jugend" hat Daniel Kothenschulte den großen Francis Ford Coppola dialogreich scheitern sehen. In der "Was liest...?"-Rubrik schreibt Gila Lustiger über Euripides, den sie gleichzeitig mit ihrer ersten Liebe kennenlernte. Unfreundliche Worte und freundliche findet Frauke Meyer-Gosau für Ulla Berkewiczs Buch "Überlebnis". Besprochen werden außerdem Bücher über Italien und neue Hörbücher.
Nicht online sind leider der Schwerpunkt über Margaret Atwood und der Rest vom Heft, in dem es unter anderem um Georg Simmel, Paul Veyne und Annemarie Schwarzenbach geht.
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London Review of Books (Großbritannien), 03.07.2008
Der große Reporter Neal Ascherson ist begeistert vom Buch "McMafia" seines BBC-Kollegen Misha Glenny. Der war in Osteuropa, in Asien, in Afrika, in Lateinamerika und anderswo unterwegs, hat sich mit Mafiosi und ihren Opfern und ihren Bekämpfern getroffen und erklärt Netzwerke, Hintergründe und Verfahren des organisierten Verbrechens. Ascherson lobt nicht zuletzt, dass Glenny ein sehr komplexes Bild der Mafia zeichnet: "Nein, die großen Gangster sind keine netten Menschen: Sie bekommen das, was sie wollen, durch Drohungen, durch den Einsatz von Gewalt und Erpressung. Und es ist keine Frage, dass ihre Operationen die Leben von Millionen zugrunde richten, durch Sucht oder - wie auf dem Balkan oder in Kolumbien - die Ausstattung und Finanzierung lokaler Kriege. Aber sind die Mobs und Mafiosi wirklich der Öffentliche Feind Nummer Eins? Genauer sollte man sie vielleicht den Regierungsfeind Nummer Eins nennen: sie berauben den Staat seiner Einkünfte, seines Monopols der Gewalt und der Rechtsdurchsetzung und manchmal auch des Respekts in der Völkergemeinschaft. Die Öffentlichkeit wird sie im Unterschied dazu manchmal weniger schrecklich finden - ja, oft sogar weniger schrecklich als die Regierungen, die eigentlich dazu da sein sollten, ihren Bürgern zu dienen und sie zu beschützen."
Weitere Artikel: Die Schrifstellerin Jenny Diski macht in einem Bericht restlos klar, warum sie das Südafrika der Gegenwart auf ihrer Reise als zerrissenen und furchtbaren Ort erlebt hat. Ross McKibbin erzählt die Geschichte des britischen Schulsystems und macht Vorschläge zu seiner Verbesserung. Von einer Londoner David-Lean-Retrospektive erstattet Michael Wood beeindruckt Bericht.
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Babelia (Spanien), 28.06.2008
"Der Kapitalismus hat uns zerstört, man sieht es bloß noch nicht." Miguel Mora interviewt den Nestor der italienischen Kommunisten, Pietro Ingrao, geboren 1915, zeitweilig Vorsitzender des PCI, Parlamentspräsident, leitender Redakteur von L'Unita: "Bedeutet Berlusconis dritter Sieg für Italiens Kommunisten die völlige Niederlage? Nein, das hieße ja, das Spiel ist zuende, und das möchte ich nicht sagen. Der Leninismus, an den ich geglaubt habe, ist allerdings gescheitert. Wir haben verloren. Dass die Spielregeln so komplex sind, damit haben wir nicht gerechnet. Wir haben uns, zum Beispiel, zu sehr um Westeuropa gekümmert, und zu wenig um den Osten. Aber wir haben auch Großartiges zustande gebracht, Stadtregierungen erobert, eine einfallsreiche Gewerkschaft aufgebaut, sogar einen Dialog mit der Religion geführt. Aber wir haben das Land nicht verändert, nicht die Macht errungen, unser Angriff ist fehlgeschlagen. Trotzdem, verglichen mit der Niederträchtigkeit Berlusconis waren wir großartig."
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Prospect (Großbritannien), 01.07.2008
Bei der Internet-Umfrage des Magazins zum wichtigsten öffentlichen Intellektuellen der Gegenwart gelangte - dank einer Kampagne in der Türkei - der sufistische türkische Theologe Fethullah Gülen an die Spitze. Tom Nuttall lässt sich davon nicht irritieren: "Die Effizienz und Disziplin der Fethullatschis (der organisierten Anhänger von Fethullah Gülen), ist legendär - rückblickend war für sie eine Umfrage wie die unsere also leicht zu kapern. Die Versuchung der Gülen-Anhänger, ihren Mann an die Spitze einer Umfrage zu hieven, die von zwei einflussreichen westlichen Magazinen organisiert wurde, muss groß gewesen sein. Auf der einen Seite erzählt uns Gülens durchschlagender Erfolg wenig darüber, was die Welt über ihre Intellektuellen denkt; er belegt nur die Organisationstalente einer Bewegung. Auf der anderen Seite sehen wir mit Gülens Sieg vielleicht die Entstehung einer neuen Art von Intellektuellen - deren Einfluss sich durch ein persönliches Netzwerk auszeichnet, unterstützt eher durch das Internet als durch Publikationen und Institutionen." (Vielleicht sehen wir aber auch nur, dass die Netzwerke etwa der Katholischen Kirche oder der Mun-Sekte die Prospect-Liste einfach weniger wichtig finden als Gülen?)
Ehsan Masood porträtiert Fethullah Gülen: "Vom Krankenbett in der Nähe Philadelphias aus führt er eine globale Bewegung, die von Sufi-Ideen inspiriert ist. Er vertritt einen offenen Islam und beschäftigt sich ... mit der modernen Naturwissenschaft... Ungewöhnlich für einen frommen Intellektuellen ist die Vertrautheit, die er und seine Bewegung im Umgang mit Technologien, Märkten und multinationalen Geschäften an den Tag legen. Sehr gekonnt gehen sie mit modernen Kommunikationsformen und PR um, die sie wie moderne Fernseh-Evangelisten nutzen, um Konvertiten für sich zu gewinnen. Das Öffentlichkeitsmanagement gleicht dem einer westlichen Celebrity-Größe - Interviews gibt Gülen nur, wem er vertraut."
Weitere Artikel: Tom Chatfield bespricht Ma Jians großen Tiananmen-Roman "Beijing Coma", an dem ihn "eine fast orchestral zu nennende Aufmerksamkeit fürs Detail, einer verblüffende Kakophonie der Stimmen und Taten" fasziniert - Chatfield hat sich auch mit dem in London lebenden Autor unterhalten. In einem Roundtable-Gespräch diskutieren Wirtschaftsexperten, darunter der Milliardär George Soros, über die Finanzmarktkrise. Alun Anderson hat den Ökonomen und Klimawandelaktivisten Lord Nicholas Stern auf ein Gespräch getroffen.
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L'Espresso (Italien), 27.06.2008
Beim Abitur in Italien ist etwas mächtig schiefgegangen. Schuld waren aber nicht die Schüler. Bei der Gedichtinterpretation ging es diesmal um Eugenios Montales "Ripenso il tuo sorriso". Der homosexuelle Montale schrieb es als Hommage an einen russischen Balletttänzer. Die Professoren, die den Aufgabentext erstellten, wussten davon offenbar nichts und forderten die Schüler auf, sich die Frau vorzustellen, die Montale so herzzerreißend anbetet. Umberto Eco kann angesichts dieser Ignoranz nur den Kopf schütteln. "Der Text selbst deutet ja schon darauf hin, dass der Adressat ein Mann ist. 'O lontano' (oh Entrückter), das ist hundertprozentig ein Vokativ und kann nicht mal mit dem allerbesten Willen als 'von weit her' oder 'wenn Du auch weit weg bist' verstanden werden. Die Ministerialbeamten haben offenbar den Text nicht gelesen, denn dann hätten sie gewusst, um wen es sich handelt, auch ohne, wie Mario Baudino in der La Stampa vorschlägt, die kritische Edition von Contini-Bettarini zu konsultieren. Dort erscheint das Gedicht auf Seite 30, die Informationen über den Adressaten 'K' gibt es auf Seite 872."
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Wired (USA), 01.07.2008
Willkommen im Petabyte-Zeitalter! Allen, die dazu sagen, peta benenne (nach mega und giga und tera) nur eine weitere große Zahl - diese: 1,000,000,000,000,000 -, dem hält Wired entgegen, dass Quantität hier in Qualität umschlägt. Und das heißt: Die Zeit, in der man erst Theorien und Methoden brauchte, ist vorüber. Heute braucht man zuerst riesige Datenmengen, dann kann man nach Theorien suchen, erklärt Chris Anderson: "Das Petabyte-Zeitalter ist anders, weil mehr anders ist. Kilobytes haben wir auf Floppys gespeichert, Megabytes auf Festplatten. Terabytes auf Platten-Verbünden. Petabytes werden in der Wolke gespeichert. Bei der Beschreibung dieses Fortschritts bewegen wir uns von der Akten-Analogie zur Aktenschrank-Analogie zur Bibliotheks-Analogie zu - nun, bei den Petabyes gibt es keine Organisations-Analogie mehr. Hier ist Information nicht eine Sache der drei- oder vierdimensionalen Taxonomie und Ordnung, sondern der dimensionsagnostischen Statistik. Gefordert ist eine ganz neue Herangehensweise, eine, bei der wir uns von der Vorstellung lösen, dass Daten in ihrer Gesamtheit visualisierbar sind. Wir müssen Daten zunächst mathematisch betrachten, danach erst können wir Kontexte suchen."
Diese zentrale These wird dann auf den unterschiedlichsten Feldern durchdekliniert, von der Bedeutung des Data Mining im Recht, für die Vorhersage von Aufständen, für Meinungsumfragen, das Versicherungswesen (insbesondere Versicherungen gegen Anschläge) und vieles andere.
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La vie des idees (Frankreich), 26.06.2008
Ethnische Kategorien sind in französischen Statistiken tabu. Denn die Republik ist "une et undivisible", eins und unteilbar. Mirna Safi stellt die erste Ausgabe 2008 der Revue Francaise de Sociologie vor, die in einem Dossier die Verwendung ethnischer und rassischer Kategorien als wissenschaftliche demografische Werkzeuge diskutiert. Auch wenn die Beiträge im Ergebnis letztlich eher Konvergenz statt Opposition zeigten, bestehe diese Übereinstimmung doch in der Einsicht in deren unumgängliche Notwendigkeit. Die Soziologin Dominique Schnapper jedenfalls konstatiert: "Die schrittweise Einführung ethnischer Statistiken ist Teil der demokratischen Dynamik." Safi schließt: "Letzten Endes sollte man aber, wenn dieses Dossier von manchen vielleicht als eine offene Tribüne für die Verteidiger ethnischer Statistiken wahrgenommen wird, daran erinnern, dass der Koordinator Georges Felouzis den Rahmen eingangs genau abgesteckt hat: Es geht nicht um eine 'Bilanz der Streitpositionen, die die Disziplin spalten', sondern vielmehr darum, gemeinsam über die Praktiken und Anwendungen ethnischer Kategorien in einem Kontext nachzudenken und zu diskutieren, in dem deren Legitimitätszuwachs in den wissenschaftlichen und politischen Kreisen Frankreichs schwerlich zu bestreiten ist."
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The Economist (Großbritannien), 28.06.2008
Der erste Roman "Atmospheric Disturbances" der amerikanischen Autorin Rivka Galchen ist eine veritable Entdeckung, lobt der Rezensent (der mit dieser Ansicht nicht alleine steht). Vor allem der völlig unzuverlässige Ich-Erzähler hat es in sich: "Leo Liebenstein, ihr unbeholfener, misanthroper, mittelalter Held ist ein köstlicher Charakter. Herablassend auf komische Art, allem Gefühl abgeneigt, ein Psychiater, der schlecht hört und Geheimnisse schätzt ('Meine Reaktionen auf Gefühlsaufführungen sind nie sehr elegant', gibt er selber zu). Außerdem kann es gut sein, dass er psychisch krank ist. Der Roman beginnt jedenfalls mit seiner Klage, seine geliebte Frau Rema sei verschwunden. Sie kommt eines Tages einfach nicht mehr nach Hause. An ihre Stelle tritt aber eine Imitatorin, ein 'Simulakrum', das ganz genauso aussieht und spricht wie sie. Aber Leo lässt sich nicht täuschen." (Hier ein Auszug.)
Weitere Artikel: Was immer sich gegen Bill Gates, der jetzt Abschied von seinem Lebenswerk Microsoft nimmt, sagen lässt - er war der richtige Mann zur richtigen Zeit, findet der Economist. Besprochen werden unter anderem Bücher über die vom Aussterben bedrohten Mustangs der amerikanischen Steppe, der Memoirenband "Fischen in Utopia" des Briten Andrew Brown über sein Leben in Schweden und die große Cy-Twombly-Retrospektive in London.
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Merkur (Deutschland), 01.07.2008
Heinz Schlaffer plädiert dafür, den Blick auf die Kunst nicht zu verklären, und Theokrit zu lesen, der bereits in seinem fünfzehnten Idyll so lebensklug über den Kunstgenuss im ptolemäischen Alexandrien zu dichten wusste: "Kunstwissenschaftliche Abhandlungen setzen, ohne dies auszusprechen, den idealen, also wirklichkeitsfernen Fall voraus, dass ein Betrachter von eherner Konstitution sich unbegrenzt lange vor einem Kunstwerk aufhalte, um unbegrenzt viele Erkenntnisse darüber zu sammeln. Beschreibungen und Reflexionen über das wirkliche Verhalten wirklicher Betrachter finden sich kaum. Daher ist Theokrits Dichtung aufschlussreich, die ausführlich sogar die Umstände vor und nach dem Besichtigen des Bildes, vor und nach dem Anhören des Gesangs zur Sprache bringt. Gorgo erwägt bereits, ehe sie mit ihrer Freundin zum Ausstellungsort aufbricht, welchen Vorteil sie später von der Teilnahme am Fest haben werden: 'Wer was geseh'n, kann Dem und Jenem erzählen, der nichts sah.' Schon damals war es der sozialen Distinktion förderlich, bei der Präsentation von Kunst dabei gewesen zu sein."
Weiteres: Von Claudio Magris ist als Vorabdruck eines Essaybandes eine Reiseerzählung aus dem Iran zu lesen. Cord Riechelmann stellt klar, dass es in Mitteleuropa eigentlich keinen Wald mehr gibt, nur noch Forst. Bodo Mrozek widmet sich den Halbstarken der 50er Jahre. Und Dennis Dutton erklärt, warum seit dem Pleistozän Hierarchien gut für uns sind (hier der Text im englischen Original).
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Le Figaro (Frankreich), 26.06.2008
In einem kleinen Essay fragt sich Jean-Luc Marion, Philosophieprofessor in Paris und Chicago, ob auch der Sport ebenso wie Kulturen sterblich sei. Seine in Teilen durchaus nachvollziehbare These kündet vom Ende des Sports und vom Ende des Helden in der Arena. Nicht nur Kommerz sowie ökonomische und politische Aspekte hätten den Sport verzerrt, auch der zentrale Begriff der Identifikation sei ins Wanken geraten. Die Entwicklung seiner modernen Gestalt Ende des 19. Jahrhunderts beruhe auf dem Paradox, dass er aus "körperlicher Anstrengung zum Vergnügen, vor allem dem der Zuschauer" bestehe. "Alles hängt daher an dieser Identifikation. Und diese Identifikation ist heutzutage radikal gefährdet durch die zunehmende Internationalisierung der Sportler: die Bosman-Entscheidung, Mannschaften quasi ohne nationale Spieler (Chelsea etwa hat fast keine englischen Spieler mehr), missbräuchliche Einbürgerungen et cetera machen diese Übertragung immer schwieriger." Seine Prophezeiung: "Wir werden zu Sportliebhabern ohne Sport. Endlich frei." Das hätte man mal den 600.000 auf der Berliner Fanmeile mitteilen sollen!
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HVG (Ungarn), 26.06.2008
"Es ist sinnlos, auf unerreichbare Ziele zu setzen", sagt der dänische Politologe und Statistiker Bjorn Lomborg, der mit einem Team von Ökonomen der Meinung ist, dass die Summen, die für die Eindämmung des Klimawandels ausgegeben werden, besser für Forschung, Entwicklung und kosteneffektive Wohltätigkeit aufgewendet werden sollten. Auf die Frage, ob Ökonomen eine bessere Lösung für den Klimawandel haben, als Umweltforscher, antwortet Lomborg im Interview mit Norbert Izsak: "Ökonomen braucht man, um die Kosten und die Effizienz der einzelnen Programme zu berechnen. Wir behaupten lediglich, dass es billigere und praktischere Methoden gibt als die traditionellen Methoden der CO2-Reduzierung. Unser Vorschlag ist, dass die internationale Gemeinschaft 0,005 Prozent des globalen GDP für die Entwicklung von alternativen Energiequellen bereitstellen sollte. Heute ist Sonnenenergie etwa zehnmal so teuer wie kohlebasierte Energie. Einige reiche, umweltbewusste Menschen schmücken ihre Dächer mit Solarbatterien, was aber den Klimawandel kaum stoppen kann. Werden jedoch effektivere, billigere Solarkollektoren entwickelt, die sich auch Indien und China leisten können, könnten wir vielleicht das Problem des Klimawandels bis 2050 gelöst haben."
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The Wall Street Journal (USA), 25.06.2008
Kommt nach der yellow press jetzt die yellow science? Wenn er die Diskussionen über die Klimaerwärmung hört, möchte der Unternehmer und Maschinenbauingenieur James Kerian das sofort bejahen. Der Zusammenhang zwischen dem Verbrennen fossiler Brennstoffe und der Erwärmung des Klimas wurde nie bewiesen. Schlimmer: Ein Beweis ist nicht mal mehr gefragt. Warum ist das so? "Die erste und offensichtlichste Verlockung für diese absichtliche Blindheit ist finanzieller Art. Randolph Hearst hat nur einen Teil seines Nettovermögens von 140 Millionen Dollar mit der yellow press gemacht. Die globale Erwärmung andererseits hat diejenigen, die bereit sind, yellow science zu praktizieren, mit geschätzten 50 Milliarden Dollar Forschungsmitteln versorgt."
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Polityka (Polen), 26.06.2008
Adam Krzeminski denkt (hier auf Deutsch) über die deutsch-polnischen Beziehungen nach, wie sie sich seit dem Amtsantritt Donald Tusks entwickelt haben und fragt: "Wie soll die Ostpolitik der EU so konzipiert werden, dass Berlin oder Paris strategische Entscheidungen nicht ausschließlich vom eigenen Standpunkt aus treffen? Aber auch so, dass die Hauptstädte 'Zwischeneuropas' weder die Rolle eines lästigen Bremsers noch die eines Vasallen spielen, der den Senioren nach dem Mund redet? Ein deutsch-polnisch-russischer Trialog sollte in vielen Fragen möglich sein, umso mehr, als wir im Grunde auf derselben Seite des Tisches sitzen wie die Deutschen - der der EU und der NATO. Deshalb liegt eine Stärkung der EU - und nicht eine Verwässerung ihrer Strukturen - in Polens Interesse, ebenso wie die Suche nach der Interessengemeinschaft mit Deutschland."
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The New York Times (USA), 29.06.2008
In einem sehr faktenreichen und geduldig erklärenden Artikel für das Sunday Magazine setzt sich Russell Shorto mit dem demografischen Problem in Europa auseinander. Unter anderem erklärt er den von einigen Domografieforschern geprägten Begriff der "lowest-low fertility", von der einige europäische Länder betroffen sind: Gemeint ist damit eine Geburtenrate von weniger als 1,3 Kindern pro Frau, die innerhalb von 50 Jahren zu einer Halbierung der Bevölkerung führt. Betroffen sind davon vor allem die südeuropäischen Länder, unter anderem paradoxer Weise wegen eines ausgesprochen kinderfreundlichen Familienideals: "Dieser Aspekt des südeuropäischen Selbstbildes - Das 'My Big Fat Greek Wedding'-Ideal - hat eine Kehrseite. 'In all diesen Ländern', sagt der Mailänder Demograf Francersco Billari, 'ist es sehr schwierig Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen. Und das liegt zum Teil daran, dass die Geschlechterbeziehungen asymmetrisch sind." Während in anderen Ländern, wo der Anteil arbeitender Frauen hoch ist, auch die Geburtenrate besser ist.
Die theoretische Grundlegung des Begriffs der "lowest-low fertility" lässt sich im Netz als pdf nachlesen. Russell Shorto, Autor eines spannenden Buchs über die Frühgeschichte New Yorks, bringt demnächst ein Buch über "Descartes' Knochen" heraus.
In der Sunday Book Review erinnert Rachel Donadio an den israelischen Autor S. Yizhar, der schon 1958 in einer Novelle die Vertreibung von Palästinensern zehn Jahre zuvor anprangerte und gerade wieder entdeckt wird.
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Morbid-intimes Sentiment
07.02.2012. Der Economist und Himal schildern die unerfreuliche Lage Homsexueller in islamischen Ländern. Wired porträtiert die Pariser Untergrundbewegung Urban eXperiment. Dem Guardian läuft in Wien ein Proustscher Schauer über den Rücken. Caffe Europa betrachtet die verführerische Unordnung in Japan. In Russland können Linke, Rechte und sogar Liberale Nationalisten sein, notiert Nicu Popescu in Open Democracy. Sony untergräbt die langsame Liberalisierung der indischen Zensur, fürchtet Outlook India. Die NYRB fühlt mit kleinen mutlosen Italienern. Mehr lesen
Pakt des Nicht-Lesens
31.01.2012. In der französischen Huffington Post erklärt die Philosophin Catherine Clement, warum der Griot Youssou N'Dour kaum Chancen hat, Präsident des Senegal zu werden. Womit haben wir Pitchfork verdient, fragt N+1. Businessweek porträtiert den Albtraum amerikanischer Verleger, Amazons Larry Kirshbaum. Peter Sloterdijk (in Le Monde) und Umberto Eco (im Espresso) denken über das Vergessen nach. Al Ahram begutachtet die Depression der jungen Revolutionäre in Ägypten. Das New York Magazine findet die neuen Dekabristen auch nicht gerade in Hochstimmung vor. Das TLS flüchtet zu den Kaminfeuern des britischen Landadels. Mehr lesen
So roch die Welt der Männer
24.01.2012. Wie schnell man sogar als Ingenieur arbeitslos werden kann, lernt die NYT. Eh alles nur bezahlte Bourgeoisie, schnaubt Slavoj Zizek in der London Review. Il Sole weint über einen lachenden Vincenzo Consolo. In Newsweek warnt Simon Schama die Amerikaner vor der kulturellen Nekrophilie der Briten. In Babelia ruft Javier Goma Lanzon: Lobt mich! Outlook India ärgert sich über die Feigheit indischer Politiker vor religiösen Fanatikern. GQ erzählt von einem gruseligen Fall von Webcam-Hijacking. In der NYRB sucht Simon Leys mit Liu Xiaobo die Wurzeln des heutigen Zynismus. Quo vadis, Hungaria, fragt Osteuropa. Mehr lesen
Ständige Verwirrung
17.01.2012. Im Guardian blicken arabische Autoren nach vorn. The Atlantic betrachtet eine Jammergestalt im Chanelkostüm. In Nepszabadsag erkennt der Dramatiker György Spiro im heutigen Ungarn das Frankreich des 19. Jahrhunderts. In Open Democracy wünschen sich Boris Akunin und Alexej Nawalnyj, Russland hätte die gleiche Anziehungskraft wie Amerika - oder China. Businessweek findet Microsofts Steve Ballmer nicht so irrelevant wie Steve Jobs. The Awl verkündet das grünste Ding in Sachen Bestattung. Mehr lesen
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Hm, das ist komisch
10.01.2012. Werden Bücher bald eine Art Wiki von Autor und Übersetzer, fragt Il Sole 24 Ore. Rue 89 berichtet aus dem Tangokrieg in Buenos Aires. Wie wurde Luther populär? Mit Hilfe sozialer Netzwerke, weiß der Economist. In Guernica spricht die koreanische Dichterin Kim Hyesoon mit der Stimme des Außenseiters. Die Boston Review denkt mit Michael Nielsen über wissenschaftliche Evidenz nach. In Vanity Fair lässt Christopher Hitchens ein, zwei Dostojewskis fallen. Der New Yorker schildert den Einstieg Youtubes ins TV-Geschäft. Mehr lesen
Das Ohr des Präsidenten
03.01.2012. Es ist ja doch was dran an diesem französischen Philosophen mit der üppigen Haarmähne, staunen New York Magazine und TLS. Die Revista Piaui porträtiert einen irakischen Geologen, der die Norweger vor ihrer Ölindustrie beschützt hat. Die New York Review of Books stellt nach Lektüre der Briefe von Georgia O'Keefe und Alfred Stieglitz fest: schlechte Behandlung macht die Frau zum Charakter. Al Ahram veröffentlicht das Manifest eines ehrenwerten Bürgers. Slate.fr meldet: Auf kanadischen Webseiten kann man jetzt legal und kostenlos Celine runterladen. Wired begutachtet das United Artists des Internets. Mehr lesen
Blicken Sie ins Dunkel
20.12.2011. In der Lettre erklärt Peter Nadas, an welcher Station die Ungarn auf ihrem langen Marsch in die Demokratie gerade angekommen sind. Im New Statesman rühmt Slavoj Zizek die Mordmaschine Coriolanus. Im Guardian staunt Julian Barnes über den Unterschied zwischen Essay und Essai. In Elet es Irodalom erkennt Adam Michnik keinen Unterschied zwischen lechts und rinks mehr. Nonfiction.fr fordert eine Liberalisierung der Migration. Prospect skizziert die Zukunft der Literatur: Sie ist kurz, aber ernst. Mehr lesen
Die Treppe für Texte
13.12.2011. Alles hat sich in den letzten dreißig Jahren verändert, nur in den Künsten herrscht Stillstand, meint Vanity Fair. Manchmal ändern sich die Dinge auch im Untergrund, meint die NYT mit Blick auf das Alphabet N'Ko. In der LRB meldet Jenny Turner den Tod der Schwesterlichkeit. Guernica stellt das Festival LagosPhoto vor. Der Kindle ist ein Buch, freut sich Martin Caparros in Letras Libres. In The Nation setzt sich Jorge Volpi mit dem Liberalismus Enrique Krauzes auseinandern. In Le monde diplomatique feiert Tim Parks die mobilisierende Kraft des Wuchers. Mehr lesen
Diese glühbirnenköpfige Kreatur
06.12.2011. Wired porträtiert den neuen Steve Jobs: Jeff Bezos. Telerama empfiehlt eine neue Lektüre von Frantz Fanon. Die Columbia Journalism Review verteidigt den institutionellen Journalismus. In MicroMega geißelt Roberto Saviano die Omerta in Norditalien. Für Salon.eu.sk blickt Viktor Jerofejew in den Kreml-Himmel. In der NYRB setzt Daniel Kahnemann ganz klar auf System Zwei. Im Guardian erzählt der Kinderbuchautor Shaun Tan, was Australier mit Finnen gemeinsam haben. Und in Guernica erklärt Occupy-Erfinder Kalle Lassn, warum er heute eher die Zionisten als die Juden der Kriegstreiberei bezichtigen würde. Mehr lesen
Lesen, aber nicht berühren
29.11.2011. Marokkaner sind genauso freiheitshungrig wie Tunesier, erklärt der Aktivist Hisham Almiraat in open Democracy. Aber ihre Eliten sind feige, fürchtet der marokkanische Journalist Driss Ksikes in Le Monde. Im Merkur verabschieden sich Karl Heinz Bohrer und Kurt Scheel. Die LRB reist nach Griechenland. El Pais Semanal unterhält sich mit dem Sohn des letzten spanischen Scharfrichters. Der New Yorker bescheinigt der Fantasyliteratur einen Sinn für Verlust. Mehr lesen
Ein veritabler Brocken
22.11.2011. Die Columbia Journalism Review erzählt am Beispiel der Zeitung San Jose Mercury News, wie man kämpfen und trotzdem verlieren kann. Capital New York erzählt, wie die Huffington Post zum journalistischen Schwergewicht werden will. Prospect überlegt, wie man Computerspiele für den Film fruchtbar machen kann. Elet es Irodalom warnt vor der Vertreibung des sozialistischen Fußballs aus der ungarischen Geschichte. Der Berlusconismus funktioniert auch ohne Berlusconi, fürchtet MicroMega. Vorsicht vor pakistanischen Kleintransportern, warnt The Atlantic. Mehr lesen
Aber man vibriert
15.11.2011. Den Buchhandlungen geht es gut, meldet Bloomsberg Businessweek, solange sie klein sind. Telerama stellt französische Pioniere des Internetjournalismus vor. Im New Yorker geht Jane Kramer ihr Essen sammeln. In El Espectador denkt Hector Abad positiv, John Gray in The New Republic negativ. In Eurozine beruhigt Charles Taylor einen polnischen Linkskatholiken: der Klassenkampf ist ausgetragen. In der Boston Review möchte Lawrence Lessig, dass die Amateure regieren. Im Walrus Magazine sucht Toni Jokinen mit Richard Strauss den Italiener in sich. Mehr lesen
Das Kulturerbe der Muppets
08.11.2011. Eltern können sich ändern, sogar, wenn sie irisch-katholisch sind, erzählt Anne Enright in der Montreal Gazette. Im Iran redet man, um zu schweigen, erklärt Amir Hassan Cheheltan in Guernica. Das TLS liest, wie sich Samuel Beckett gegen James Joyce behauptete. 1000 Belgier schaffen mehr als eine Regierung, behauptet das Manifest des G1000. "Das System gefällt uns nicht!" ruft Magyar Narancs. Mehr lesen
Die Früchte der Revolution
01.11.2011. Der New Yorker reist nach Libyen. Ohne Universalismus gibt es keine Menschenrechte, erklärt Caroline Fourest in Le Monde. Der Grüne ist klassenlos, behauptet der Merkur. Il Sole 24 Ore findet nur noch Italiener, aber kein Italien mehr. Die New York Times erklärt am Beispiel von Pauline Kael, wann es für Kritiker Zeit ist aufzuhören. Mehr lesen
Warum nicht alles?
25.10.2011. In Ägypten ist die Opposition mit dem Beifahrersitz zufrieden, erzählt The Daily Beast. Al Ahram plädiert dafür, dass die Kopten nicht so für sich bleiben. Haaretz interviewt Salman Rushdie. Fast Company kündigt den Großen Krieg 2012 an. In Babelia erklärt der Philosoph Jose Luis Pardo, wie wir ganz leicht aus der Finanzkrise herauskommen. Die NYT besucht Haruki Murakami. Mehr lesen








