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Magazinrundschau
Spione der Diözese
Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
24.06.2008. The New Republic porträtiert den jüngsten Helden von Tienanmen, den Notfall-Chirurgen Jiang Yanyong. In Tygodnik Powszechny erklärt der Historiker Jochen Staadt, warum die Aufarbeitung der Stasiakten alles, aber keine Hexenjagd ist. In HVG vermisst der Dichter Zoltan Poos Vergangenheitsbewältigung in Sachen 1956. Lustration war gestern, jetzt sind die Polen in der Stimmung, einen drauf zu machen, meint Polityka. Der Spectator fürchtet einen Bürgerkrieg in der Katholischen Kirche. Der Espresso porträtiert die zwei berühmtesten Flüchtigen vor der italienischen Justiz. Das TLS liest die Tagebücher Sergej Prokofjews. Die besten englischsprachigen Bücher kommen derzeit aus Pakistan, hält Outlook India fest.
The New Republic | Tygodnik Powszechny | HVG | Elet es Irodalom | Polityka | The Spectator | L'Espresso | ADN cultura | The New Yorker | The Times Literary Supplement | Le point | Outlook India | Die Weltwoche | The New York Times
The New Republic (USA), 09.07.2008
Die neues Ausgabe der New Republic ist dem neuen China gewidmet, das sich kein bisschen vom alten unterscheidet, wie das Heft zeigt.
Philip P. Pan poträtiert in einer sehr ergreifenden Geschichte den "letzten Helden von Tienanmen": Den Notfall-Chirurgen Jiang Yanyong, der die chinesischen Behörden erst dazu gezwungen hat, die Verbreitung von SARS offenzulegen und im darauf folgenden Jahr, 2004, in einem Brief an die chinesische KP festhielt, wie er als Chirurg des Krankenhauses PLA No. 301 den 4. Juni 1989 miterlebt hat: "'Ich habe zuvor verwundete Soldaten behandelt, während meines Einsatzes als Arzt im Eisenbahn-Korps der Volksbefreiungsarmee , das die Chengdu-Kunming-Strecke baute. Deren Verletzungen resultierten aus unvermeidbaren Unfällen während der Konstruktionsarbeiten, doch hier in Peking, der wunderbaren Hauptstadt Chinas, lagen vor meinen Augen unsere eigenen Leute, getötet von unserer Volksarmee, mit Waffen, die wir dem Volk verdanken.' Jian schrieb auch darüber, wie er darum gekämpft hatte, einen jungen Athleten zu retten, der jedoch auf dem Operationstisch starb, weil das Krankenhaus nicht genügend Blutreserven hatte." Wie Pan weiter berichtet, dauerte es nur wenige Monate, bis Jiang Yanyong "zu seinem eigenen Schutz" von Militärs abgeholt wurde und in einem Gästehaus "auszuruhen, zu studieren und sein Verständnis zu verbessern".
Das Editorial diagnostiziert ein China-Syndrom, nach dem Präsidentschaftskandidaten immer recht harte Töne gegenüber Peking anschlagen, jedoch leisetreten, sobald sie im Amt sind.
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Tygodnik Powszechny (Polen), 22.06.2008
Beim Thema Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit wird in Polen oft die Tätigkeit der Birthler-Behörde als Beispiel angeführt. Dabei wurden dort bisher nur etwa 40 Prozent der Stasi-Akten geordnet, bemerkt der Historiker Jochen Staadt. Vehement widerspricht er der Feststellung, die Aufarbeitung gleiche einer Hexenjagd: "Mit diesem Vergleich tun wir den Hexen Unrecht - unschuldigen Frauen, die von religiösen Fanatikern verfolgt wurden. Würde man diese Analogie auf heute übertragen, wären die Stasimitarbeiter die Hexenjäger. Leider wurde diesen, genau wie den IMs nach 1989 kaum ein Haar gekrümmt. Nur die wenigsten wurden nach der Wende verurteilt."
Ähnliche Erfahrungen beschreibt der deutsch-rumänische Schriftsteller Richard Wagner. Aus den Akten des rumänischen Geheimdienstes Securitate erfuhr er, dass ihm seine Zugehörigkeit zur deutschen Minderheit die Etiketten Faschist und Staatsfeind einbrachten. Einer der Spitzel, die Wagner ausspionierten, sei heute bei der Landsmannschaft der Banatschwaben in München aktiv!
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HVG (Ungarn), 19.06.2008
Der Dichter Zoltan Poos vermisst die Vergangenheitsbewältigung auch in Sachen 1956: "Die neueste Geschichte Ungarns beginnt mit 1956 - noch heute definieren sich die Ungarn in ihrem Verhältnis zu diesem Datum. 1956 ist eine Frage der Identität. Kann man mit Leuten zusammen feiern, die vor 1989 in parteieigenen Ferienheimen Eiskaffee schlürfend in Gelächter ausbrachen, wenn jemand leise den Namen Imre Nagys erwähnte? Unsere Losungsworte damals waren: Geschmack, Eleganz, Gerechtigkeitssinn. 1989 hatte das Land, das die zähen Merkmale des Verfalls aufwies, einen Kompromiss mit der die Revolution von 1956 im eigenen Blut erstickenden Macht geschlossen, und die Traumata von 1948 bis 1989 bis heute nicht aufgearbeitet. Die Entschuldigungen blieben aus, nicht einmal ein leises Pardon war zu hören."
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Elet es Irodalom (Ungarn), 20.06.2008
In Ungarn sind jüngst die Tonbänder des Schauprozesses gegen Imre Nagy im Jahr 1958 veröffentlicht worden. Der Historiker Janos M. Rainer hört sie sich genau an und erkennt in den Stimmen der "schrecklichen Juristen" die neue gesellschaftliche Basis, die sich der Stalinismus in Ungarn nach dem Krieg geschaffen hatte: "Die Stimme des Staatsanwalts zischt so inquisitorisch, als käme sie aus einer spätmittelalterlichen Folterkammer. Die unkontrollierten Wutausbrüche des Richters, der die Angeklagten in einer erbärmlichen Mischung aus Juristen- und Aktivistensprache niederbrüllte, lassen eher einen knüppelschwingenden Offizier der Staatssicherheit als einen Richter vermuten. Diese Leute verlangten nach Rache und nach Blut - weil sie während des Prozesses der Machtübernahme der ausgehenden vierziger Jahre im Zeichen dieser Kultur in die Elite aufgestiegen waren."
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Polityka (Polen), 21.06.2008
Der Fünfjährige Krieg ist vorbei, stellt Jacek Zakowski (auch auf Deutsch) fest, und meint damit die innenpolitischen Auseinandersetzungen der letzten Jahre. Jetzt wollen die Polen Spaß haben! "Der starke Zloty, der schwächer werdende Dollar und die niedrigen Zölle geben Millionen Polen endlich Konsumchancen, an welche sich keine lebende Generation erinnert. Doch wenn man unsere Verhaltensweisen etwas näher betrachtet, kann man bemerken, dass es hier nicht allein um den traditionellen Konsum geht, sondern um viel mehr - um Freude. Um die Befreiung von der Last der Unsicherheit, des Transformationsstresses, der Entsagungen und Ängste. Nach fast zwanzig schweren Jahren, nach dem düsteren Fünfjährigen Krieg und nach den spannungsgeladenen zwei Jahren der Vierten Republik müssen wir um beinahe jeden Preis den Stress abreagieren und das erleben, worauf wir früher verzichten mussten oder was uns unerreichbar schien. Jeder tut das auf seine Weise und je nach seinen Möglichkeiten, aber zum ersten Mal nimmt die Mehrheit der Gesellschaft daran teil." Das ist nicht einfach nur eine Veränderung, meint Zakowski, "das ist eine Revolution".
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The Spectator (Großbritannien), 23.06.2008
In England steht es Spitz auf Knopf zwischen den konservativen Befürwortern der tridentinischen Messe, die Papst Benedikt im vergangenen Jahr wieder erlaubt hatte, und den eher liberalen englischen Bischöfen, glaubt Damian Thompson. Ein vorläufiger Höhepunkt war die Einladung an Kardinal Dario Castrillon Hoyos, die Messe in Westminster Kathedral zu halten. "Er akzeptierte, was liberalen Bischöfen nur eine Antwort ließ: sie schützten wichtige Angelegenheiten anderswo vor. Deshalb war keiner der Bischöfe von Westminster bei der pontifikalen Messe anwesend, auch wenn Spione der Diözese ihre Hälse verrenkten, um zu sehen, ob sich Mitglieder der örtlichen Priesterschaft eingeschlichen hatten (und damit ihre Beförderungschancen ruinierten). Als ich den Mittelgang entlangschritt, wurde ich von einem jungen Priester begrüßt, der ganz hinten saß, in Zivil. 'Ich kann es mir eigentlich nicht leisten, hier zu sein, aber ich konnte einfach nicht widerstehen.' Vielen Kirchenbesucher mag es nicht bewusst sein, aber die katholische Kirche in England und Wales schlittert auf einen Bürgerkrieg zu."
Wir erleben die Dämmerung eines neuen Hippie-Zeitalters, beobachtet Reihan Salam und bringt Beispiele von Familien wie dieser, die all ihr Hab und Gut verkaufen und aufs Land ziehen.
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L'Espresso (Italien), 20.06.2008
Ein Schwurgericht in Neapel hat am Donnerstag die Haftstrafen gegen mehrere Mitglieder der neapolitanischen Camorra bestätigt. Mit 16 lebenslänglichen Gefängnisstrafen war der Spartacus-Prozess einer der größten Mafia-Prozesse in der Geschichte Italiens. Fünf Zeugen oder deren Verwandte wurden im Laufe des Verfahrens ermordet. Grund genug für den Espresso, seine Berichterstattung über die Mafia noch einmal in einem Schwerpunkt zusammenzufassen. Der Casalesi-Clan ist in Aufruhr, berichten Gianluca Di Feo und Claudio Pappaianni. Jetzt hängt alles von den beiden weiterhin flüchtigen Bossen Antonio Iovine und Michele Zagaria ab. "Zagaria ist ein ungewöhnlicher Casalesi, der nach Angaben von Informanten auch eine Spur Kokain nicht verschmäht, was im Clan eigentlich verboten ist. Er besteht darauf, wie ein Priester behandelt zu werden: 'Du sollst tun, was ich sage, und nicht machen, was ich tue.' Er weiß, wie man das Image bedient: Seine Angestellten empfängt er in prunkvollen Villen und begrüßt sie mit einem Tiger an der Leine. So ist er zusammen mit seinem Bruder Pasquale der König der Ausschreibungen geworden: der Hochgeschwindigkeitszug Tav, das neue Gefängnis, die lokale Eisenbahnlinie, und schließlich die Radarbasis der Nato."
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ADN cultura (Argentinien), 21.06.2008
EM, was für eine EM? Juan Villoro (s. a. hier) erzählt, wie er das erste Mal dabei sein durfte, "wenn in der Welt des Fußballs Weihnachten ist: beim 'Superclasico' Boca - River in der 'Bombonera', dem Sonderfall, den Canetti in 'Masse und Macht' ausgelassen hat: einzig in seiner Art, wie der Mount Everest oder die Mona Lisa, einer dieser Orte, an denen sich die Japaner ablichten. Und das einzige Stadion, wo man sich nicht vom Spielfeld entfernt, während man die - schwindelerregend steilen - Ränge hinaufsteigt: Es empfiehlt sich, vorher einen Trainingskurs gegen Höhenangst zu absolvieren. Die Bezeichnung '12. Mann' für das Publikum wurde in Argentinien erfunden, und einer der Boca-Fan-Clubs heißt dementsprechend 'Die 12'. Aber seine Mitglieder kommen nicht, um das Spiel zu sehen, sondern um es schreiend selbst auszutragen. Die Argentinier sind heute allerdings die großen Nomaden des Fußballs: 'Wenn sie gut wären, würden sie nicht hier spielen. Veron ist wieder da, weil er alt ist, und Riquelme, weil er seltsam ist', meint ein Taxifahrer. Nur die Fans harren aus in der Bombonera."
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The New Yorker (USA), 30.06.2008
Als "zweifelhaften Segen" empfindet Paul Goldberger die neuen architektonischen Visionen in der Pekinger Skyline. "Die Einheimischen nennen Peking Tan Da Bing, was sich ausbreitender Pfannkuchen bedeutet. (?) Das alte Peking, ausgelegt für Fußgänger und Militäraufmärsche, hat sich als schlechter Rahmen für den Ausbau in eine moderne Stadt erwiesen. In den Tagen, als Peking berühmt für sein Gewimmel aus Fahrrädern, seine Unangemessenheit für Autos war, machte das nichts; heute gibt es Autos, und binnen einer Generation hat sich Peking von einer Stadt, die den alten Geist ausstrahlte, zu etwas entwickelt, das sich wie Houston anfühlt. (?) Gedränge, Luftverschmutzung und Zersiedelung prägen die Stadt noch immer, doch die neue Architektur, weit entfernt davon, einen amerikanischen Fehler zu wiederholen, übersteigt, was die meisten amerikanischen Städte je willens oder imstande zu tun wären. Das hat Auswirkungen auf die Stimmung der Stadt: Die Menschen sprechen über die neuen Gebäude und erkennen, ob sie diese nun gut finden oder nicht, dass derartig gewagte Konstruktionen nirgendwo anders gebaut werden würden."
Weitere Artikel: Atul Gawande stellt eine neue Theorie vor, die Jucken beziehungsweise Kratzen nicht mehr als Leiden, sondern als Gefühlsempfindung erklärt. Connie Bruck porträtiert den Immobilien-Milliardär Sheldon Adelson, der nach weltweitem Einfluss strebt. Lauren Collonis informiert über die Aktivitäten der Anti-Ginkgo Tolerance Group, die etwas gegen die nach "altem Käse" und "Kotze" stinkenden New Yorker Ginkgo-Bäume unternehmen will. Zu lesen sind außerdem die Erzählung "Deep-Holes" von Alice Munro und Lyrik von Charles Wright (das zweite Gedicht hier) und Karl Kirchwey.
Pankaj Mishra rezensiert den Roman "Beijing Coma" (Farrar, Straus & Giroux) von Ma Jian. Die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem dem ebenso komischen wie unheimlichen Debütroman "Personal Days" von Ed Park (Random House). Und Anthony Lane sah im Kino den Thriller "Wanted" von Timur Bekmambetov und den Scinece-Fiction-Film "The Happening" von M. Night Shyamalan.
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The Times Literary Supplement (Großbritannien), 20.06.2008
G.S. Smith preist die Tagebücher Sergej Prokofjews, von denen gerade der zweite Band auf Englisch erschienen ist und deren Prosa den gleichen Sinn für Nuancen und Timing aufweise wie seine Musik. "Dass die Tagebücher die politischen Umstände überlebten, verdanken wir der selbstloser Entschlossenheit einiger mutiger Individuen und einer gehörigen Portion reinen Glücks. Prokofjew hatte die Tagebücher in den USA deponiert, nachdem er sie überraschenderweise bei seiner ersten Rückkehr nach Russland 1927 zurückbekommen hatte. Nach seinem Tod wurden sie von der sowjetischen Regierung beschlagnahmt und in ein Archiv gegeben, das undurchdringbar sein sollte. Die Entwicklungen nach 1991 erleichterten den Zugang zu den Tagebüchern durch die Familie des Komponisten aus erster Ehe. Dann kam die gewaltige Aufgabe, aus dem Manuskript einen lesbaren Text zu gestalten, den der Komponist nach 1914 kodiert hatte, indem er die Vokale strich. Diese Arbeit wurde von Prokofjews ältestem Sohn Swjatoslaw geleistet, mit Hilfe von dessen Sohn Sergej und Sergejs Frau Irina."
George Fitzherbert bespricht eine Reihe neuerer Bücher zu Tibet und seiner Geschichte. Für eine "chinesische Version" hält er Darstellungen, nach denen Tibet von 1950 eine grausame, feudale Tyrannei gewesen sei und stellt klar: "Die tibetische Kultur produziert ihre eigene Führung. Die Chinesen täten gut daran, anzuerkennen, dass sie in Tibet keine Macht verleihen können. Sie können sie nur anerkennen."
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Le point (Frankreich), 19.06.2008
Bernard-Henri Levy kommentiert das irische "Nein" zur europäischen Verfassung als Quittung an die Politiker, die Europa nicht mehr um Europas willen wollen: "Keiner unserer Staatsmänner, und seien sie im Herzen und aus Überzeugung Europäer, wagt es seit Jahren, anders darüber zu sprechen als unter dem Aspekt konkreter, unmittelbarer, materieller Vorteile, welche die unter Europas Farbe vereinten Nationen daraus ziehen können. Alle, fast alle, stimmen langsam aber sicher in jene Grundhaltung ein, die darin besteht, ihren jeweiligen Völkern ins Ohr zu flüstern: ,Lasst uns Europa machen, nicht weil es Europa ist, nicht weil es ein neues, begeisterndes, großartiges, politisches Projekt mit eigenen Werten ist, sondern weil es gut für die Nationen ist und vor allem für die unsrige.' Wie sollte angesichts dessen dieses oder jenes Volk, wie in diesem Fall die Iren, nicht jeden Nutzen, den es daraus zu ziehen erhoffte, einstreichen und im Spiel bleiben?"
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Outlook India (Indien), 23.06.2008
Die meisten international bekannten auf Englisch schreibenden Autoren Südasiens kommen aus Indien. Nun annonciert William Dalrymple aber geradezu eine Welle englischsprachiger Bücher aus Pakistan - dazu gehören sowohl Romane als auch Reportagen. Als eines der bemerkenswertesten Bücher nennt Dalrymple den Roman "A Case of Exploding Mangoes" (Auszug) von Mohammed Hanif: "Das Buch leistet etwas Neues für die südasiatische Literatur: Es ist ein unterhaltsamer, finster komischer politischer Thriller und eine satirische Farce über die Brutalität, Dummheit und Heuchelei pakistanischer Militärdiktatoren. Tief verwurzelt in Hanifs eigener Geschichte - er war zunächst pakistanischer Luftwaffenkadett, dann politischer Journalist und leitet heute den Urdu-Service der BBC - weist das Buch einige der besten Tugenden der neuen pakistanischen Literatur auf. Wie Mohsin Hamids 'Der Fundamentalist, der keiner sein wollte', dem es in mancher Hinsicht ähnelt, ist es intelligent, witzig und bodenständig und nie elitär."
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Die Weltwoche (Schweiz), 19.06.2008
In der Weltwoche lesen wir den Anfang des Interviews, das Andre Müller mit Jonathan Littell geführt hat. An einer Stelle geht es um Michel Houellebecq:
"Müller: Was Sie mit Houellebecq verbindet, ist die Betonung des Sexuellen.
Littell: Darüber können wir gerne reden, solange es nicht persönlich wird.
Müller: In Ihrem Roman beschreiben Sie ausführlich die homosexuellen Praktiken der Hauptfigur, eines SS-Offiziers im Zweiten Weltkrieg. Ich habe mich gefragt, woher Sie Ihre Kenntnisse haben.
Littell: Darauf antworte ich nicht. Chacun sa merde, wie die Franzosen sagen. Das ist privat. Sie sollten mich nicht fragen, mit wem ich ficke. Ich frage Sie ja auch nicht, mit wem Sie ficken.
Müller: Ich ficke nicht.
Littell: Dann tun Sie mir leid. Mögen Sie Käse?
Müller: Käse?
Littell: Es gibt hier eine französische Käseplatte.
Müller: Ich teile alles mit Ihnen."
Das ganze Interview kann man heute online in der FR lesen.
Weitere Artikel: Andreas Kunz skizziert die Gefahren chinesischer Cyberspionage. Franziska K. Müller hörte eine Lesung aus der Autobiografie Pippin Wigglesworths.
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The New York Times (USA), 22.06.2008
Noah Feldman, Harvard-Jurist und New York Times-Kolumnist beklagt im Sunday Magazine eine Welle der Islamophobie in Europa. Anders als die Vereinigten Staaten hätte Europa seine eigene Geschichte des Rassismus nicht verarbeitet. "Hitlers grausiger Erfolg bei der Ermordung der Juden führte dazu, dass den entstehenden Nachkriegsgesellschaften die Erfahrung der Differenz verlorenging, denn die Differenz war zum großen Teil ausgelöscht. Heute, da die Geburtenrate der europäischen Muslime die ihrer Nachbarn bei weitem übertrifft, scheint es, als würde Europa zum ersten Mal eine Differenzerfahrung machen. Theoretisch erinnert sich Europa an den Holocaust. Aber man mag an der Tiefe dieser Erinnerung zweifeln. Viele Europäer scheinen vergessen zu haben, das ihr Kontinent die Heimat anderer Außenseiter war, bevor die Muslime kamen."
In der Sunday Book Review wird unter anderem David R. Prices Buch über die Erfolge Steve Jobs mit der Trickfilmfirma Pixar besprochen (hier ein Auszug aus dem Buch). Im ausufernden Aufmacher des Sunday Magazines schreibt Alex Witchel über die neue Kult-TV-Serie "Mad Men".
Archiv: Magazinrundschau
Morbid-intimes Sentiment
07.02.2012. Der Economist und Himal schildern die unerfreuliche Lage Homsexueller in islamischen Ländern. Wired porträtiert die Pariser Untergrundbewegung Urban eXperiment. Dem Guardian läuft in Wien ein Proustscher Schauer über den Rücken. Caffe Europa betrachtet die verführerische Unordnung in Japan. In Russland können Linke, Rechte und sogar Liberale Nationalisten sein, notiert Nicu Popescu in Open Democracy. Sony untergräbt die langsame Liberalisierung der indischen Zensur, fürchtet Outlook India. Die NYRB fühlt mit kleinen mutlosen Italienern. Mehr lesen
Pakt des Nicht-Lesens
31.01.2012. In der französischen Huffington Post erklärt die Philosophin Catherine Clement, warum der Griot Youssou N'Dour kaum Chancen hat, Präsident des Senegal zu werden. Womit haben wir Pitchfork verdient, fragt N+1. Businessweek porträtiert den Albtraum amerikanischer Verleger, Amazons Larry Kirshbaum. Peter Sloterdijk (in Le Monde) und Umberto Eco (im Espresso) denken über das Vergessen nach. Al Ahram begutachtet die Depression der jungen Revolutionäre in Ägypten. Das New York Magazine findet die neuen Dekabristen auch nicht gerade in Hochstimmung vor. Das TLS flüchtet zu den Kaminfeuern des britischen Landadels. Mehr lesen
So roch die Welt der Männer
24.01.2012. Wie schnell man sogar als Ingenieur arbeitslos werden kann, lernt die NYT. Eh alles nur bezahlte Bourgeoisie, schnaubt Slavoj Zizek in der London Review. Il Sole weint über einen lachenden Vincenzo Consolo. In Newsweek warnt Simon Schama die Amerikaner vor der kulturellen Nekrophilie der Briten. In Babelia ruft Javier Goma Lanzon: Lobt mich! Outlook India ärgert sich über die Feigheit indischer Politiker vor religiösen Fanatikern. GQ erzählt von einem gruseligen Fall von Webcam-Hijacking. In der NYRB sucht Simon Leys mit Liu Xiaobo die Wurzeln des heutigen Zynismus. Quo vadis, Hungaria, fragt Osteuropa. Mehr lesen
Ständige Verwirrung
17.01.2012. Im Guardian blicken arabische Autoren nach vorn. The Atlantic betrachtet eine Jammergestalt im Chanelkostüm. In Nepszabadsag erkennt der Dramatiker György Spiro im heutigen Ungarn das Frankreich des 19. Jahrhunderts. In Open Democracy wünschen sich Boris Akunin und Alexej Nawalnyj, Russland hätte die gleiche Anziehungskraft wie Amerika - oder China. Businessweek findet Microsofts Steve Ballmer nicht so irrelevant wie Steve Jobs. The Awl verkündet das grünste Ding in Sachen Bestattung. Mehr lesen
Archiv: Magazinrundschau
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Archiv: Magazinrundschau
Hm, das ist komisch
10.01.2012. Werden Bücher bald eine Art Wiki von Autor und Übersetzer, fragt Il Sole 24 Ore. Rue 89 berichtet aus dem Tangokrieg in Buenos Aires. Wie wurde Luther populär? Mit Hilfe sozialer Netzwerke, weiß der Economist. In Guernica spricht die koreanische Dichterin Kim Hyesoon mit der Stimme des Außenseiters. Die Boston Review denkt mit Michael Nielsen über wissenschaftliche Evidenz nach. In Vanity Fair lässt Christopher Hitchens ein, zwei Dostojewskis fallen. Der New Yorker schildert den Einstieg Youtubes ins TV-Geschäft. Mehr lesen
Das Ohr des Präsidenten
03.01.2012. Es ist ja doch was dran an diesem französischen Philosophen mit der üppigen Haarmähne, staunen New York Magazine und TLS. Die Revista Piaui porträtiert einen irakischen Geologen, der die Norweger vor ihrer Ölindustrie beschützt hat. Die New York Review of Books stellt nach Lektüre der Briefe von Georgia O'Keefe und Alfred Stieglitz fest: schlechte Behandlung macht die Frau zum Charakter. Al Ahram veröffentlicht das Manifest eines ehrenwerten Bürgers. Slate.fr meldet: Auf kanadischen Webseiten kann man jetzt legal und kostenlos Celine runterladen. Wired begutachtet das United Artists des Internets. Mehr lesen
Blicken Sie ins Dunkel
20.12.2011. In der Lettre erklärt Peter Nadas, an welcher Station die Ungarn auf ihrem langen Marsch in die Demokratie gerade angekommen sind. Im New Statesman rühmt Slavoj Zizek die Mordmaschine Coriolanus. Im Guardian staunt Julian Barnes über den Unterschied zwischen Essay und Essai. In Elet es Irodalom erkennt Adam Michnik keinen Unterschied zwischen lechts und rinks mehr. Nonfiction.fr fordert eine Liberalisierung der Migration. Prospect skizziert die Zukunft der Literatur: Sie ist kurz, aber ernst. Mehr lesen
Die Treppe für Texte
13.12.2011. Alles hat sich in den letzten dreißig Jahren verändert, nur in den Künsten herrscht Stillstand, meint Vanity Fair. Manchmal ändern sich die Dinge auch im Untergrund, meint die NYT mit Blick auf das Alphabet N'Ko. In der LRB meldet Jenny Turner den Tod der Schwesterlichkeit. Guernica stellt das Festival LagosPhoto vor. Der Kindle ist ein Buch, freut sich Martin Caparros in Letras Libres. In The Nation setzt sich Jorge Volpi mit dem Liberalismus Enrique Krauzes auseinandern. In Le monde diplomatique feiert Tim Parks die mobilisierende Kraft des Wuchers. Mehr lesen
Diese glühbirnenköpfige Kreatur
06.12.2011. Wired porträtiert den neuen Steve Jobs: Jeff Bezos. Telerama empfiehlt eine neue Lektüre von Frantz Fanon. Die Columbia Journalism Review verteidigt den institutionellen Journalismus. In MicroMega geißelt Roberto Saviano die Omerta in Norditalien. Für Salon.eu.sk blickt Viktor Jerofejew in den Kreml-Himmel. In der NYRB setzt Daniel Kahnemann ganz klar auf System Zwei. Im Guardian erzählt der Kinderbuchautor Shaun Tan, was Australier mit Finnen gemeinsam haben. Und in Guernica erklärt Occupy-Erfinder Kalle Lassn, warum er heute eher die Zionisten als die Juden der Kriegstreiberei bezichtigen würde. Mehr lesen
Lesen, aber nicht berühren
29.11.2011. Marokkaner sind genauso freiheitshungrig wie Tunesier, erklärt der Aktivist Hisham Almiraat in open Democracy. Aber ihre Eliten sind feige, fürchtet der marokkanische Journalist Driss Ksikes in Le Monde. Im Merkur verabschieden sich Karl Heinz Bohrer und Kurt Scheel. Die LRB reist nach Griechenland. El Pais Semanal unterhält sich mit dem Sohn des letzten spanischen Scharfrichters. Der New Yorker bescheinigt der Fantasyliteratur einen Sinn für Verlust. Mehr lesen
Ein veritabler Brocken
22.11.2011. Die Columbia Journalism Review erzählt am Beispiel der Zeitung San Jose Mercury News, wie man kämpfen und trotzdem verlieren kann. Capital New York erzählt, wie die Huffington Post zum journalistischen Schwergewicht werden will. Prospect überlegt, wie man Computerspiele für den Film fruchtbar machen kann. Elet es Irodalom warnt vor der Vertreibung des sozialistischen Fußballs aus der ungarischen Geschichte. Der Berlusconismus funktioniert auch ohne Berlusconi, fürchtet MicroMega. Vorsicht vor pakistanischen Kleintransportern, warnt The Atlantic. Mehr lesen
Aber man vibriert
15.11.2011. Den Buchhandlungen geht es gut, meldet Bloomsberg Businessweek, solange sie klein sind. Telerama stellt französische Pioniere des Internetjournalismus vor. Im New Yorker geht Jane Kramer ihr Essen sammeln. In El Espectador denkt Hector Abad positiv, John Gray in The New Republic negativ. In Eurozine beruhigt Charles Taylor einen polnischen Linkskatholiken: der Klassenkampf ist ausgetragen. In der Boston Review möchte Lawrence Lessig, dass die Amateure regieren. Im Walrus Magazine sucht Toni Jokinen mit Richard Strauss den Italiener in sich. Mehr lesen
Das Kulturerbe der Muppets
08.11.2011. Eltern können sich ändern, sogar, wenn sie irisch-katholisch sind, erzählt Anne Enright in der Montreal Gazette. Im Iran redet man, um zu schweigen, erklärt Amir Hassan Cheheltan in Guernica. Das TLS liest, wie sich Samuel Beckett gegen James Joyce behauptete. 1000 Belgier schaffen mehr als eine Regierung, behauptet das Manifest des G1000. "Das System gefällt uns nicht!" ruft Magyar Narancs. Mehr lesen
Die Früchte der Revolution
01.11.2011. Der New Yorker reist nach Libyen. Ohne Universalismus gibt es keine Menschenrechte, erklärt Caroline Fourest in Le Monde. Der Grüne ist klassenlos, behauptet der Merkur. Il Sole 24 Ore findet nur noch Italiener, aber kein Italien mehr. Die New York Times erklärt am Beispiel von Pauline Kael, wann es für Kritiker Zeit ist aufzuhören. Mehr lesen
Warum nicht alles?
25.10.2011. In Ägypten ist die Opposition mit dem Beifahrersitz zufrieden, erzählt The Daily Beast. Al Ahram plädiert dafür, dass die Kopten nicht so für sich bleiben. Haaretz interviewt Salman Rushdie. Fast Company kündigt den Großen Krieg 2012 an. In Babelia erklärt der Philosoph Jose Luis Pardo, wie wir ganz leicht aus der Finanzkrise herauskommen. Die NYT besucht Haruki Murakami. Mehr lesen








