Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 10.02.2012, 17.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

24.09.2007. Manche Feuilletons finden die Stammheim-Spektakel in Stuttgart großartig, andere ein bisschen narzisstisch. Die NZZ fragt: gibt es eine Opferpflicht des Staatsbürgers? Die FAZ porträtiert die Mafia-Fotografin Letizia Battaglia. Für die taz trifft Gabriele Goettle eine Zaubereiexpertin.

Die Tageszeitung, 24.09.2007

Gabriele Goettle trifft sich mit Mona Schmidt, die in Berlin-Neukölln einen traditionsreichen Laden für Zauberwaren betreibt. "Der 'Zauberkönig' ist kaum einen Meter höher als die efeubewachsene Friedhofsmauer. Die zwei Schaufenster sind mit all dem dekoriert, was schwarze Kinderseelen erfreut, und auch Erwachsene können schwelgen. Da gibt es zum Beispiel Wurmpillen; Stinkbomben; Eiswürfel mit Fliege; Zigaretten, die explodieren oder zu glühen scheinen; eine Wanduhr, die verkehrt herum geht; ein Salzfass mit Geräusch; Seife, die die Hände färbt; Pups-Kissen; Zauberwasser; schwarze Schlangen; Vogelpfeifen; Zaubermasken; erotische Scherzartikel; einen feuchten Händedruck; schön geschliffene Gläser, die die Flüssigkeit nicht halten können; eine hölzerne Guillotine; Zaubertusche; acht Scheißhaufen in verschiedener Form, Farbe und Größe; und wunderbare kleine Magnet-Tänzerinnen, die sich unentwegt auf einem Spiegel drehen."


In der zweiten taz versucht Robert Misik, die Mechanismen der konsumbestimmten Identitätsfindung zu skizzieren. Christian Füller wohnt dem ersten Treffen der "Schulerneuerer" in Hamburg bei. Michael Brake meldet, dass wegen eines japanischen Videospiels die Hirschkäfer in der Südtürkei dezimiert werden. Auf der Meinungsseite erklärt die Soziologin Christa Wichterich, warum die beruflichen Erfolgen von Frauen in der Dritten Welt nicht den Geist der wahren Frauenbewegung widerspiegeln: "Dem Feminismus der zweiten Frauenbewegung ging es .. um Kritik an Herrschaftsverhältnissen. Ihr Ziel war die Veränderung dieser Strukturen, nicht Geschlechtergleichheit in ihnen."

Und Tom.

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Frankfurter Rundschau, 24.09.2007

Selbst für jene, denen der RAF-Rummel schon über den Kopf steigt, ist beim Schwerpunkt des Stuttgarter Theaters etwas dabei, verspricht Peter Michalzik. Claus Peymann liest die an ihn wegen seines Spendenaufrufs für die Zahnbehandlung Gudrun Ensslins gerichteten Schmähbriefe zwar allzu triumphierend vor. "Trotzdem hat das 'Training' von Rimini-Protokoll dank der zahlreichen Vertreter des Turnvereins Stammheim etwas Großartiges. Diverse Tanzabteilungen von HipHop bis Paartanz, die Männer vom Tischtennis, die Yogadamen und Wirbelsäulengymnastiker geben auf der Bühne Kostproben ihrer Arbeit und erzählen, was beim Joggen um die JVA herum alles passiert. Und der Rüstmeister des Staatstheaters rekonstruiert in breitem lokalem Dialekt die Geschichte der Zahnspendenaffäre. Alle bis auf Peymann arbeiten sie von verschiedenen Seiten an einer Vergegenwärtigung, die in dem schroffen Nebeneinander von schäumendem Hass, JVA-Mauern und der guten Laune des TV Stammheim wahrscheinlich kongenial ist: Da prallen deutscher Alltag und Wahnsinn aufeinander, und Stammheim steht wieder, normal, banal, mental, vor uns."


Weiteres: Franz Anton Cramer würdigt den verstorbenen französischen Pantomimen Marcel Marceau. Harald Keller schreibt zum Tod des Fernsehregisseurs Jürgen Roland. In einer Times mager geht Christian Thomas auf die Querelen um das Arp-Museum, den Arp-Verein und nicht klar deklarierte Duplikate ein.

Eine Besprechung widmet sich Jan Bosses Inszenierung von Heinrich von Kleists "Amphitryon" am Berliner Gorki Theater.

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Neue Zürcher Zeitung, 24.09.2007

Uwe Justus Wenzel macht sich Gedanken über die mögliche rechtliche Regelung einer Opferpflicht des Staatsbürgers im Falle, er sitzt in einem Flugzeug, das von Terroristen zur Bombe umfunktioniert wird: "Max Weber, der verstehende Soziologe, glaubte zu wissen, woher der politischen Gemeinschaft 'ihr spezifisches Pathos' zuwachse: von dem 'Ernst des Todes, den eventuell für die Gemeinschaftsinteressen zu bestehen' den Einzelnen zugemutet werde. Das mag im 'Ernstfall' noch immer so sein. Ist die politische Gemeinschaft aber liberal und rechtsstaatlich verfasst, wird sie sich diesem Pathos nicht fraglos hingeben. Der Ernst des Ernstfalls könnte dann darin bestehen, nicht sicher zu wissen, was das Richtige ist."


Weitere Artikel: Joachim Güntner war beim zweitägigen Kolloquium zum zehnjährigen Bestehen des deutschen Übersetzerfonds, bei dem auch der Bundespräsident und Umberto Eco zu Gast waren. Markus Jakob denkt über katalanische Sprache und katalanische Kultur nach. Auf derselben Seite erklären sich der auf katalanisch schreibende katalanische Autor Quim Monzo und der auf spanisch schreibende katalanische Autor Javier Cercas zur Sprache ihres Vertrauens. Andreas Oplatka hat den österreichischen Schriftsteller Alois Brandstetter besucht und mit ihm über seinen neuen Roman "Ein Vandale ist kein Hunne" gesprochen. Mark Zitzmann schreibt zum Tod des Pantomimen Marcel Marceau.

Besprochen wird die Berner Zweitaufführung Georges Aperghis spectacle musical "Zeugen" mit Texten von Robert Walser und Handpuppen von Paul Klee.

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Die Welt, 24.09.2007

Eckhard Fuhr berichtet vom Saison-Auftakt am Theater Stuttgart, das sich in mehreren Produktionen mit der RAF und dem Deutschen Herbst befasst. Von der ersten Produktion, der "Peymannbeschimpfung" durch das Rimini-Protokoll, zeigt er sich bereits nicht ganz überzeugt: "Ein gewaltiges historisches Aufarbeitungsbedürfnis, dem sich das Theater als Ort der Aufklärung und moralische Anstalt zu stellen habe, scheint auf den ersten Blick hinter all dem zu stehen. Der Stuttgarter Auftakt vom Wochenende aber zeigt, dass das Theater sich vor allem mit sich selbst beschäftigt. Der Jahrestag des 'Deutschen Herbstes' ist für Autoren, Regisseure und Schauspieler vor allem ein Anlass zu der Frage: Was machen wir hier überhaupt?"


Weitere Artikel: Hendrik Werner begrüßt in der Leitglosse die Meldung, dass die New York Times seit neuestem fast ganz kostenfrei im Netz steht. Manuel Brug würzt die Meldung, dass Katharina Wagner und Christian Thielemann Bayreuth im Tandem übernehmen wollen, mit dem Gerücht, dass auch Nike Wagner und Eva Wagner-Pasquier künftig als Team auftreten wollen. Manuel Brug wirft auch einen Blick auf die ersten Produktionen des Bremer Theaters unter der Intendanz von Hans-Joachim Frey. Wieland Freund berichtet von der Feier zum zehnjährigen Bestehen des deutschen Übersetzerfonds in Berlin, bei der auch bekanntgegeben wurde, dass an der FU Berlin eine Gastprofessur für die Poetik des Übersetzens gegründet wurde (erster Professor ist der Shakespeare-Übersetzer Frank Günther). Kai Luehrs-Kaiser erinnert an Glenn Gould, der in diesen Tagen 75 Jahre alt geworden wäre. Und Monika Nellissen schreibt zum Tod des Krimiregisseurs Jürgen Roland.

Besprochen wird außerdem eine "Iphigenie"-Produktion nach Euripides und Goethe von Nicolas Stemann am Hamburger Thalia Theater.

Auf der DVD-Seite geht's unter anderem um das DVD-Label Filmgalerie 451 (mehr hier), das Erstlingsfilme deutscher Regisseure sammelt, und um eine Chantal-Akerman-Box.

Im vorderen Teil schreibt Matthias Heine zum Tod Marcel Marceaus. Antje Hildebrandt berichtet, dass bei Dreharbeiten zu Tom Cruises Stauffenberg-Film im Bendlerblock Schüsse zu hören waren, die auf ein Nachstellen der Hinrichtung hindeuten. Und auf der Forumsseite rät Henry Kissinger von einem unbedachten Abzug der Amerikaner aus dem Irak ab.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.09.2007

Andreas Rossmann hat in Palermo die für ihre Mafia-Bilder berühmte Fotografin Letizia Battaglia (Bilder) getroffen, die findet, dass die Ehrenwerte Gesellschaft kaum mehr wiederzuerkennen ist: "Wahr ist, dass die Mafia nicht mehr so brutal auftritt wie früher, aber nur, weil es eine stille Übereinkunft gibt: 'Wir töten keine Richter, Journalisten und Politiker mehr, und dafür lässt der Staat uns in Ruhe machen.' Die Mafia ist heute überall, sie hat die Verwaltungen, Medien und Parteien, die Rechte, aber auch Teile der Linken, infiltriert, sie sitzt in den Köpfen der kleinen Leute und an den Schaltstellen der Macht. Natürlich gibt es immer noch mutige Beamte, Politiker, Journalisten und Geschäftsleute, aber die Grenzen verschwimmen. Die Mafia ist unsichtbar geworden." Battaglia wird am 29. September mit dem Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie ausgezeichnet.


Weitere Artikel: Richard Kämmerlings resümiert die Popkomm in Zeiten schwindender Einkünfte: "Das Popgeschäft kommt und geht, die Musik bleibt." Dieter Bartetzko war beim Gründungskonvent der "Bundesstiftung Baukultur" und konstatiert ratlos, dass die dort Versammelten vom Volk die Leidenschaft für Architektur forderten, die es doch längst an den Tag legt. Eleonore Büning fasst die zwiespältigen Reaktionen auf Katharina Wagners und Christian Thielemanns Bayreuth-Bewerbung zusammen. "thom" sagt in der Glosse "Tschüss" zur Deutschen Bahn. Beim Blick in französische Zeitschriften hat Jürg Altwegg viel übers Rugby-Spiel gelernt. Helmut Mayer gratuliert dem Romanisten Harald Weinrich zum Achtzigsten. Joseph Hanimann schreibt zum Tod des Pantomimen Marcel Marceau. Auf der letzten Seite berichtet Catrin Lorch über Boris Sieverts künstlerische Kölner Stadtbesichtigungen.

Der höchst renommierte Sprachwissenschaftler David Crystal hat ein funktionierendes System eines "semantischen Webs" entwickelt, das Inhalte "versteht" und nicht nur Wörter findet. Bisher wird es nur in der Werbung eingesetzt, dabei wäre es, wie er im Interview auf der Netzwirtschaft-Seite meint, auch für eine Suchmaschine ideal: "Google müsste nur unsere Daten nutzen, dann würden die Suchergebnisse sofort besser."

Besprochen werden Theater von Cesare Lievi in Wiesbaden ("anderthalb amüsante Stunden" findet Gerhard Stadelmaier) und Postdramatisches von Rene Pollesch in Stuttgart (da versteht Stadelmaier natürlich keinen Spaß), das neue Album "I Ran" der Schauspielerin und Sängerin Jasmin Tabatabai. und Bücher, darunter Augustus Browns Expeditionen in die Kuriositäten des Tierreichs "Warum Pandas Handstand machen" und ein Band mit den Briefen Gustav Mahlers an die ihm privat wie beruflich nahe stehende Sängerin Anna von Mildenburg (mehr dazu in der Bücherschau ab 14 Uhr).

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Süddeutsche Zeitung, 24.09.2007

Reinhard J. Brembeck argwöhnt, dass es sich bei dem neuen Bayreuther Bündnis aus Katharina Wagner und Christian Thielemann um eine "perfid ausgedachte Augenwischerei" handelt. Ralf Dombrowski schreibt zum Tod des französischen Pantomimen Marcel Marceau. Jens Bisky ist nach der Berliner Tagung "Soldatentod und demokratische Gedenkkultur" der Überzeugung, das geplante Ehrenmal im Berliner Bendlerblock setze sich nur ungenügend mit den Auslandseinsätzen der Bundeswehr auseinander. Die in Berlin zu Ende gegangenen Popkomm ist eine wahrlich preußische Arbeitsmesse geworden, stellt Dirk Peitz fest. Thomas Steinfeld überbringt dem Romanisten und Autor Harald Weinrich Glückwünschen zum achtzigsten Geburtstag. Thomas von Steinaecker besucht den urmünchner Schriftsteller Ernst Augustin in seinem Refugum nahe des Nymphenburger Schlosses. In der großzügigerweise online gestellten Netzdepsche fragt  Jean-Michel Berg: "Was macht eigentlich Yahoo?"


Auf der Medienseite schreibt Hans Hoff den Nachruf auf den Fernsehregisseur Jürgen Roland, der mit Krimis und Kriminaldokus bekannt wurde. Hans-Jürgen Jakobs meldet überdies, dass die FAZ ab dem 5. Oktober mit Fotos auf der Titelseite und ohne Frakturschrift über den Kommentaren präsentieren will, um sich den Anschein von Modernität zu geben.

Besprochen werden eine Ausstellung mit echten Fälschungen von Grafiken bekannter Künstler im Graphikmuseum Pablo Picasso Münster, der "durchwachsene" RAF-Schwerpunkt mit Stücken von Rene Pollesch und Rimini-Protokoll am Stuttgarter Staatstheater, D. J. Carusos Thriller "Disturbia", Anna Viebrocks Inszenierung von Paul Dukas' Fin de Siecle-Oper "Ariane et Barbe-Bleue" an der Pariser Bastille-Oper, das Album ("umwerfend") und ein Berliner Auftritt (uninteressant) des französischen Gainsbourg-Erbes Benjamin Biolay, neue DVD-Veröffentlichungen wie Budd Boettichers Western "Seminola", und Bücher, darunter ein von Michael von Prollius herausgegebenes Brevier zum Erfinder des Begriffs Neoliberalismus Alexander Rüstow.

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

Die Augenbrauen des Holofernes

25.01.2012. Die Welt lernt das Alphabet des Umsturzes. Die Frankfurter Rundschau fürchtet, dass die Berliner High Society nicht mit der Provinz mithalten kann. Die Japaner verlieren ihren Glauben an die Technik, beobachtet die NZZ. Die SZ konstatiert: Leistung lohnt sich nicht, wenn keiner hinsieht. Die FAZ versammelt Beispiele der französischen Liebe zu Amerika. Mehr lesen

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