Bücher der Saison
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Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
18.07.2006. Die NZZ lässt drei Schriftsteller aus dem Nahen Osten zu Wort kommen: den Libanesen Hassan Dawud, die Palästinenserin Sahar Khalifa und den Israeli Natan Sznaider. In Spiegel Online erklärt Dan Diner, warum Israel verrückt spielt. In der SZ erklärt der libanesische Filmemacher Ghassan Salhab, dass Israel sogar am Entstehen der Hisbollah schuld ist. Und Volker Braun bedichtet Zidane, den Nischel senkend wie ein weidwunder Stier. Die FAZ stieß beim Besuch von Bob Wilsons "Watermill Center" auf rechte Winkel. Die FR beschreibt Ur-Frankfurt: Geld und Geist, das eine vom anderen zu scheiden wie im Marmorkuchen.
Spiegel Online | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung | Die Welt | Berliner Zeitung | Frankfurter Rundschau | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Spiegel Online, 18.07.2006
Im Interview erklärt der israelisch-deutsche Historiker Dan Diner, warum Israel mit solcher Härte gegen die Hisbollah zurückschlägt. "Diese Regierung verteidigt mit diesem Krieg gewissermaßen die Grenzen von 1948. An die Stelle der räumlichen Tiefe - so wie einst in Gaza und noch in der Westbank - ist im Falle von Rückzügen eine noch größere israelische Bereitschaft zur Gewaltanwendung bei jedweder Verletzung einer Liniengrenze getreten.... Es gibt kein konkretes militärisches Ziel, das Israel erreichen müsste, um seine verloren geglaubte Abschreckungsfähigkeit wieder zu gewinnen. Israel spielt im Moment einfach das Image aus, das es in der Region ebenso hat und gefürchtet wird: Es spielt gleichsam verrückt - mit dem Ergebnis gesteigerter Abschreckungsfähigkeit. Seine Feinde sollen geradezu davon überzeugt werden, dass Israel ein verrückter, ja, ein durchaus unberechenbarer Staat ist."
Spiegel Online | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung | Die Welt | Berliner Zeitung | Frankfurter Rundschau | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Neue Zürcher Zeitung, 18.07.2006
Das NZZ-Feuilleton lässt drei Autoren zum neuen Nahostkonflikt zu Wort kommen, den Libanesen Hassan Dawud, die palästinensische Schriftstellerin Sahar Khalifa und den israelischen Autor Natan Sznaider.
Hassan Dawud schildert die Plötzlichkeit des Kriegseinbruchs und kritisiert die politischen Kräfte im eigenen Land, die es nicht wagen, die Kriegstreiber von der Hisbollah zu bremsen: "Der Libanese sagt, der Zeitpunkt sei falsch gewählt, weil er nicht sagen darf, was er sagen will. Es handelt sich um eine kollektive Furchtsamkeit, von der nur diejenigen ausgenommen sind, die den Slogan vom Krieg und von der bewaffneten Auseinandersetzung hochhalten. Sie dürfen seit Jahrzehnten bestimmen, was verboten und was erlaubt ist. Und so wiederholt sich das immer Gleiche: plattgewalzte Häuser, tiefe Bombenschneisen, endlose Flüchtlingsströme."
Sahar Khalifa sagt angesichts der Verzweiflung in der arabischen Welt eine immer stärkere Hinwendung zum Islamismus voraus: "Die arabischen Länder wurden ärmer, trotz Ölvorkommen, trotz unvorstellbarem Reichtum. Korruption, Misswirtschaft und Orientierungsverlust waren Synonyme für jede arabische Regierung. Wo ist da die Lösung? Ein Feind außen, ein Feind innen und wir die Beute von beiden. Insbesondere der Westen scheint uns zu hassen. Warum? Wegen unserer Hautfarbe, unserer Rasse, unserer Religion? Oder einfach weil wir schwach sind?"
Der Soziologe Natan Sznaider beschreibt die Verzweiflung aus israelischer Sicht: "Tritt Israel gemäßigt auf, so radikalisieren sich die anderen. Die Palästinenser haben die Hamas in die Regierung gewählt und damit angekündigt, dass sie an Rückzugsplänen der israelischen Regierung nicht interessiert sind. Die israelischen Bürger haben als Antwort auf dieses Wahlresultat die israelische Rechte in die Ecke gestellt und eine Regierung gewählt, die den territorialen Kompromiss als klares Regierungsprogramm aufstellte. Aber kaum war diese israelische Regierung im Amt, da wurde der Süden Israels täglich mit Raketen beschossen."
Weitere Artikel: Thomas Fischer berichtet von der 50-Jahr-Feier bei der Gulbenkian-Stiftung in Lissabon. Besprochen werden ein Konzert von Keith Jarrett und Gerhard Schulzes Buch "Die Sünde - Das schöne Leben und seine Feinde".
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Die Tageszeitung, 18.07.2006
Abdel Mottaleb El-Husseini analysiert die innenpolitische Situation im Libanon: "Das in Konfessionen gegliederte politische System in Libanon hat sich bisher als unfähig erwiesen, die Hisbollah zu integrieren. Zudem hat der Abzug der syrischen Armee nach der Ermordung des ehemaligen Premiers Rafik Hariri dazu beigetragen, die Hisbollah zum Gravitationszentrum des syrisch-iranischen Einflusses zu machen. Ihre Entwaffnung aufgrund der UN-Resolution 1559 übersteigt die Möglichkeiten ihrer innenpolitischen Gegner im Libanon und kann nicht ohne Mithilfe ihrer Mentoren im Ausland geschehen." In einem zweiten Artikel auf der Meinungsseite plädiert der libanesische Publizist Rami G. Khouri für Verhandlungen.
Auf den Kulturseiten schreibt Cristina Nord einen Grundsatzartikel über Filmkritik nach den heroischen Zeiten der Nouvelle Vague und der dazugehörigen Autoren und setzt ihre Hoffnung auf die Entdeckung des "Anderen" und "Fremden" im Kino, welches sie mit dem Instrumentarium der queer theory herauszuziselieren hofft. Ekkehard Knörer hat sich beim Festival "Bollywood & Beyond" neue indische Filme angesehen und konstatiert die Rückkehr des Politischen. In der Rubrik Warenkunde stellt Wolfgang Ullrich fest, dass die Devise "Form Follows Function" angesichts der schieren Möglichkeiten elektronischer Kleingeräte heutzutage ihren Sinn eingebüßt hat. David Denk berichtet vom Melt-Festival mit Gitarren- und elektronischer Musik im ehemaligen sachsen-anhaltinischen Braunkohlegebiet. Besprochen wird außerdem William Nicholsons Roman "Die Gesellschaft der Anderen". In der tazzwei interviewt Kerstin Speckner den Tel Aviver Schwulenaktivisten Shahar Abramovic, der trotz der jüngsten Krise eine Gay Pride-Parade in Jerusalem organisieren will.
Und Tom.
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Die Welt, 18.07.2006
Michael Schindhelm, Chef der Stiftung Oper in Berlin, schildert die dramatische Lage der drei Opernhäuser: "Wenn die Zuschussabsenkungen so bleiben, wie sie vor drei Jahren beschlossen worden sind, gibt es einen Crash."
Weitere Artikel: Stefan Tolksdorf erzählt, wie die Familie Grässlin zu ihrer Kippenberger-Sammlung kam: Für "jede überzogene halbe Stunde" in der Kneipe "versprach er ihnen ein halbes Bild". Wenig glücklich ist Peter Zander mit der Retouchierung einiger Details von Spielbergs "E.T.": "So verfolgen Polizisten die Kids nicht mehr mit geladenen Pistolen, sondern - gezückten Walkie-Talkies." D.W. berichtet von einem Hilferuf der RBB-Intendantin Dagmar Reim, die einen Ausgleich für drastische Gebührenausfälle von anderen ARD-Anstalten fordert. Wieland Freund erzählt, wie es der Bush-kritische Jurist Glenn Greenwald dank seines Netz-Tagebuchs auf die Bücherliste der New York Times schaffte. Dankwart Guratzsch berichtet von Protesten gegen die geplante Einbetonierung des Schiffshebewerks Rothensee am Magdeburger Wasserkreuz. Paul Badde packt sein Wissen über das Karmel-Gebirge bei Haifa aus, wo jetzt die Katjuschas der Hisbollah einschlagen. Bai schreibt zum Tod des Fotografen Heinrich Heidersberger.
Besprochen werden das Münchner Auftaktkonzert zur Deutschlandtournee der Rolling Stones (Michael Pilz nutzt seine Besprechung zu einer Hymne auf Ron Wood: "Bessere Gitarristen als Ron Wood spielen in vielen Gymnasiastengruppen. Glamourösere spielen in nur wenigen Großrockbands." Hm.) und Hans Steinbichlers Film "Winterreise" mit Josef Bierbichler und Sibel Kekilli.
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Berliner Zeitung, 18.07.2006
Nicholas Shakespeare erzählt im Interview, warum Leipzig in seinem neuen Roman "In dieser einen Nacht" die Hauptrolle spielt: "Als ich 1990 auf Lesungstour in Deutschland war, stellte ich fest, dass weder mein Hamburger Verleger noch andere westdeutsche Freunde daran interessiert waren, Ostdeutschland zu besuchen. Die winkten alle ab. 'Ach, die wollen bloß unser Geld, es ist langweilig da drüben, hässlich, dreckig.' In Leipzig ging ich ins Stasi-Museum. Dort sah ich zwei Honiggläser mit gelben Filzstücken drin. Man erklärte mir, sie enthielten Geruchsproben von 'Protagonisten', wie im Roman. Ich dachte, was für eine außergewöhnliche Kultur, in der man den Geruch einer Person kidnappt und jahrelang in einem Glas aufbewahrt. Wie eine pervertierte Version von Prousts Madeleines. Vielleicht kann man Erfahrung auch so einwecken? Und vierzig Jahre später macht man den Deckel auf ... vielleicht ist das ein typisch deutsches Motiv? Ich bin zugegebenermaßen nicht mit einem starken Interesse an Deutschland aufgewachsen. Nun entdeckte ich plötzlich, dass wir alle Sachsen sind. So ging ich wieder nach Leipzig, und fragte die Leute, was es heißt, in einem verschollenen Land zu leben."
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Frankfurter Rundschau, 18.07.2006
Ulf Erdmann Ziegler liefert köstlich kuturkritische Erwägungen zum Frankfurter Schwurbelfestival "Kulturzone 06": "Im Prinzip war das alles Ur-Frankfurt, Geld und Geist, das eine vom anderen zu scheiden wie im Marmorkuchen. Die Messe wollte etwas für sich tun, und die Schirn half dabei aus."
Sylvia Staude staunt über den Tänzer Miguel Gutierrez, einen hoffnungsvollen Newcomer, den Sylvia Staude beim Wiener ImPulsTanz-Festival gesehen hat. "Der amerikanische Tänzer und Choreograf zündet ein Teelicht an, zieht die Unterhose runter, geht über dem Flämmchen in die Brücke und verharrt so, während vier Mitspieler je ein Buch unter das Teelicht stellen und dieses also Gutierrez' nacktem Po immer näher kommt. Ein nachdrückliches Bild zum Start der 'Young Choreographers Series', des Nachwuchsforums beim Wiener ImPulsTanz-Festival."
In Times mager schreibt Daland Segler über das Wetter ("Das Hoch heißt Buno"). Adam Olschewski hat sich das erste Konzert der Stones in Deutschland angehört und fand zumal Keith Richards ein wenig lädiert. Und Martin Wein liest den Duden in seiner 24. Auflage.
Spiegel Online | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung | Die Welt | Berliner Zeitung | Frankfurter Rundschau | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Süddeutsche Zeitung, 18.07.2006
Der libanesische Filmemacher Ghassan Salhab hält die Hisbollah für das Kind der Invasion Israels 1982, "das Kind, das sich der Verblendung eines großen Teils der westlichen Welt gegenüber der israelischen Politik verdankt. Die fast systematische Übereinstimmung mit den verschiedenen israelischen Aktionen, das unvermeidliche amerikanische Veto, mit dem jede Resolution des Weltsicherheitsrats zu Fall gebracht wurde, mit der die zahlreichen Übergriffe Israels verurteilt werden sollten, sind letzten Endes die Ursache dafür, dass so viele Menschen aus dieser Gegend in die Arme der unterschiedlichen islamischen Organisationen getrieben oder doch wenigstens zu deren Sympathisanten wurden." Die Vorstellung, sich für "eine Ordnung im Sinne der amerikanisch-israelischen Interessen" oder "die islamisch-arabische Option" entscheiden zu müssen, erscheint Salhab unzumutbar.
Kathrin Passig erzählt, wie es ist, wenn einem unvermutet ein Literaturpreis verliehen wird, "der vielleicht für den eingereichten Text verliehen worden war, vielleicht aber auch für eine Idee, einen Moment der glücklichen Fügung. Sicher hatten viele Faktoren eine Rolle gespielt: der vor der Lesung gezeigte Film, der günstige Zeitpunkt der Lesung selbst, womöglich das Wetter. Jedenfalls war dieser kurze Augenblick an einem Samstagvormittag jetzt in allen Medien festgehalten, und ich mit ihm, wie ein Insekt, das gerade noch seinen Verrichtungen nachgegangen ist und unerwartet von einem Tropfen Baumharz überrollt wird. Die Sonne scheint durch den Harztropfen, das Insekt guckt ein wenig dumm aus der Wäsche, und Fachleute erklären es zum Musterbeispiel für irgendeinen Sachverhalt."
Stefan Koldehoff ist gegen die geplante Schweriner Ausstellung von Arno Brekers Werk. Denn "Breker aufzuarbeiten, ist zur Zeit schlicht unmöglich, weil die nötigen Grundlagen dafür - Werk und Primärquellen - nicht zur Verfügung stehen." Das ist Brekers Witwe Charlotte vor. Zu ihren Archivschränken, "so berichtet ein an der Schweriner Ausstellung beteiligter Wissenschaftler, habe er keinen Zugang erhalten: 'Denen durfte ich mich nicht einmal auf zehn Meter nähern.'"
"Wer könnte einem Mann widerstehen mit einer handgeschriebenen Website?" Fritz Göttler nicht, der Jeff Bridges in die Reihe der "Unbeugsamen" aufnimmt.
Weitere Artikel: Bernd Graff behauptet, die neuen Handys würden unser Leben verändern: "Keine Geschäftsanrufe mehr daheim!" Gerhard Matzig macht sich Gedanken über den Umstand, dass 1,3 Millionen Arbeitsstellen in Deutschland nicht vergeben werden können, weil der Deutsche nicht zu seinem Arbeitsplatz zieht, sondern gern bleibt, wo er geboren wurde. In der "Zwischenzeit" ärgert sich Claus Heinrich Meyer mordsmäßig über die üblichen Verdächtigen, "Bundesregierung, Senat, Scholz & Friends, Fifa, BDI", die während der WM Berlin mit ihrem Werbemüll verschandelten. H.G. Pflaum berichtet vom Münchner Filmfest. Alex Rühle hat die CD "Klangraum Berlin" gehört und will sofort wieder zurück in die sommerheiße Stargarder Straße. Jens Christian Rabe berichtet vom Brecht-Festival in Augsburg.
Besprochen werden die Ausstellung "Mythos Troja" in den Staatlichen Antikensammlungen und der Glyptothek München (website), das Münchner Konzert der Rolling Stones (Fan Karl Bruckmaier kann angesichts von 500 Euro für zwei Karten nur äußerst gedämpfte Begeisterung verbreiten), die deutsche Erstaufführung von Stockhausens "Himmelfahrt" in Kürten und John F. Jungclaussens Buch über den Verfall des hanseatischen Bürgeradels "Risse in weißen Fassaden" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
Und Volker Braun hat ein Gedicht geschrieben:
"Der große Zidane.
Als der Fußballer Zidane
Vor dem Eingang in die Unsterblichkeit stand
Beendete er seine Karriere
Mit einem Kopfstoß. Nicht unüberlegt
Sondern sich umwendend
und den Nischel senkend wie ein weidwunder Stier
..."
Spiegel Online | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung | Die Welt | Berliner Zeitung | Frankfurter Rundschau | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.07.2006
Jordan Mejias besucht Bob Wilsons Watermill Center auf Long Island. Ganz ernst nehmen kann er es nicht, aber schön ist es doch: "Helle, am Tag lichtdurchflutete Räume mit Glaswänden und roh gemauerte, sorgfältig gefugte Kammern beherbergen, was Bob, der ewige Weltenwanderer, aus einer meist weit entfernten Gegend mitgebracht hat. In einem Untergeschoss streckt sich seine Sammlung von Stammeskunst, Keramik und Textilien in die Museumsdimension. Immer wieder nimmt Kunst die Form von Stühlen an, von Modellen bekannter Designer, unbekannter Handwerksmeister sowie Kreationen aus Bobs eigener Produktion. Und über all dem walten gut sichtbar die ordnende Hand des Tempelherrn und der rechte Winkel."
Weitere Artikel: Rose-Marie Gropp hat ein Konzert der Rolling Stones auf Deutschlandtournee gehört und gesehen. Joachim Müller-Jung begleitete die Stifter Bill und Melinda Gates beim Besuch eines tbc-verseuchten Armenviertels in Kapstadt ("Das Stiftungsvermögen der Gates allein ist nicht nur annähernd so groß wie das aller 14.000 deutschen Privatstiftungen. Mit der horrenden Summe von mehr als drei Milliarden Dollar übertreffen die Jahresausgaben mittlerweile auch deutlich das Budget der Weltgesundheitsorganisation") In der Leitglosse greift Andreas Rossmann die aufdringliche Plakatierung für die Guggenheim-Ausstellung vor der Bonner Bundeskunsthalle auf. Teresa Grenzmann informiert recht metaphernreich über beginnende Brecht-Festivitäten in Augsburg. Jordan Mejias meldet, dass das Metroplitan Museum seinen Eintrittspreis von 12 auf 20 Dollar erhöht. Melanie Mühl berichtet über die Eröffnung eines Shops der Dessous-Marke Agent provocateur in Berlin. Martin Kämpchen schildert die Auswirkungen des beginnenden Monsuns auf Land und Leute in Indien ("Die Natur beginnt sofort, grün zu wuchern, und der Mensch auf dem Land erhebt sich aus seiner Lethargie, um die Felder für die Aussaat vorzubereiten").
Auf der Medienseite befasst sich Jörg Becker in seiner Serie über das Internet in China mit dem Thema Sex im chinesischen Netz. Nina Rehfeld betrachtet eine Online-Talkshow nur fürs Internet, mit der Amazon hofft, noch mehr seiner Produkte loszuschlagen. Auf der letzten Seite porträtiert Vincenzo Velella den Chorleiter Hans-Jakob Gerlings. Und Swantje Karich zeichnet den Streit um antike persische Tontafeln nach, die sich leihweise in den USA befinden und die nun zur Entschädigung amerikanischer Terror-Opfer versteigert werden sollen.
Besprochen werden eine Einspielung von Berlioz' "Requiem" unter Roger Norrington, die kleine Ausstellung "Tinte und Gold" im Berliner Museum für Islamische Kunst, ein "Rheingold" in Weimar, die Ausstellung "Speaking with Hands - Fotografien aus der Sammlung Buhl" im Museum Folkwang und eine Ausstellung über die Geschichte des Klosterlebens in Freiburg.
Abgedruckt wird ein Gedicht von Sabine Schiffner:
"wenn der wind mal weht
in meinem garten da
geht der wind
lockt rabenvögel herein und ratten
in meinem garten da
weht eine halbvergessene melodie
im kirschbaum und über die mauer die
kommt von dem eiswagen der an sonnigen
tagen vor dem haus hält
..."
Archiv: Heute in den Feuilletons
Notschrei eines blutjungen Originalgenies
09.02.2010. Das Wall Street Journal attackiert das "German Cultural Appeasement". Das Chinese Law Prof Blog bringt Liu Xiaobos Rede vor dem Gericht, das ihn zu elf Jahren verurteilte: eine Weigerung zu hassen. Die FR bejubelt das Comeback des Gil Scott-Heron. Die FAZ bringt: Hegemann - Hermeneutik und Kritik. Die NZZ bilanziert die Auswirkungen des Erdbebens auf die Kulturlandschaft Haitis. Und die Welt fragt: Was machen Niall Ferguson und Ayaan Hirsi Ali denn da? Schmusen die? Mehr lesen
Härteste Türpolitik
08.02.2010. Das Blog Gefühlskonserve hat herausgefunden, dass Helene Hegemanns Roman "Axolotl" ein bisschen arg von dem Untergrundroman "Strobo" des Bloggers Airen inspiriert ist. Große Aufregung! Vielleicht lernen die aus dem Internet jetzt auch, was Urheberrecht ist, hofft die FAZ. In der FR beschreibt der italienische Staatsanwalt Roberto Scarpinato, wie Zersetzung des Staats und Aufstieg der Mafia zusammenhängen. Inszenierung des Wochenendes: Koltes' "Quai West" in der Regie von Andrea Breth in Wien. Mehr lesen
Verhängt die Fenster
06.02.2010. In der FAZ sieht Stephen Baker das menschliche Gehirn auf dem Rückzug. Die NZZ fragt, ob Apple das Internet in kleine herstellerabhängige Netze zerschlagen wird. Die Welt trifft die Deutschen in der Kälteregion des Daseins. Die taz erkennt mit Thea von Harbou auf die List der Geschichte. In der FR beklagt Ulrich Beck die McDonaldisierung der Universitäten. Der Tagesspiegel begibt sich auf die Spur des Clans, der Hatun Sürücü ermorden ließ. Und im Perlentaucher unterstützt Herta Müller die Forderung nach dem Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo. Mehr lesen
Pneumatische Prozesse
05.02.2010. Die Welt staunt über Pat Metheny, der sich mit großem Tüftleraufwand ein Orchestrion zusammenbauen ließ. In der NZZ denkt Thomas Hettche über das Soldatische, aber auch über den Pergamon-Altar nach. Die FR fordert ein Wahlrecht für Migranten. Die FAZ begleitet Österreich in seinem verzweifelten Ringen um Restsouveränität. Die SZ erklärt, wie man Regeln der Scharia übernimmt, ohne den Rechtsstaat zu verraten. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Wie Einbrecher in der Nacht
04.02.2010. Im Tagesspiegel erklärt der Pädophilie-Experte Klaus Beier, warum die katholische Kirche eine solche Anziehung auf Pädophile hat. Immer schon, wie die SZ vermerkt. Der Freitag bemüht sich um Differenzierung beim Islam: Dschihad heißt sich abmühen. Die taz wäre gegen die Burka, wenn es nicht islamfeindlich wäre, gegen die Burka zu sein. In der Zeit erklärt Werner Herzog, warum er keine andere Wahl hat als Filme zu machen. Die FAZ ermisst den realen Ernst der virtuellen Lage. Mehr lesen
So viel wie ein junges Nashorn
03.02.2010. Wie uralt ist diese Bundesrepublik!, ruft die Welt nach Ansehen einer DVD-Edition mit Kulturfilmen von Bernhard Grzimek. Ebenfalls in der Welt empfiehlt Zafer Sencoak in der aktuellen Islamdebatte einen Blick auf die Türkei. Die FR berichtet vom Fajr Film Festival in Teheran, das von den Juroren boykottiert wird. Auf den Seiten des amerikanischen PEN Clubs schlägt Kwame Anthony Appiah den Autor und Dissidenten Liu Xiaobo für den Friedensnobelpreis vor. Die chinesische Regierung warnt vor dieser Idee. Mehr lesen
Irgendwo in einer fernen Wolke
02.02.2010. Anders als die Kritikophoben gehen die Islamkritiker ein persönliches Risiko ein, meint die NZZ. Nichts ist wohlfeiler als Kritik am Islam, meint dagegen Stefan Weidner im Rheinischen Merkur. Die FR fühlt sich von der Islamdebatte verstört. Spiegel Online berichtet über die geheimen Verhandlungen zum internationalen Copyright-Abkommen ACTA. In der FAZ sieht der New York Times-Redakteur John Markoff den Ipad auch als ein Statement gegen die sozialen Netze. Mehr lesen
Vermutlich wurde er ermordet, vermutlich in Tokio
01.02.2010. Die Washington Post enthüllt, wie viele CDs man verkaufen muss, um auf Platz 1 der amerikanischen Klassikcharts zu landen. Die Beliebigkeit der Literaturkritik ist nicht nur ökonomischem Druck geschuldet, findet die Jungle World. In der NZZ erzählt Angelika Overath von der Verfertigung eines Schulhausromans in Sankt Moritz. Die Zerstörung in Haiti bestürzt mehrere Feuilletons. Die SZ legt nach im Islam-Streit. Die Berliner Zeitung bekennt in der gleichen Sache ihre Ratlosigkeit. Mehr lesen
Circa anderthalb goddamns pro Seite
30.01.2010. In der Welt polemisiert Ulrike Ackermann gegen einen Staat, der uns aus lauter Liebe lauter Freiheiten nimmt. Die NZZ erinnert an den brasilianischen Journalisten Euclides da Cunhas, dessen Buch "Krieg im Sertao" von 1902 die Schrecken des 20. Jahrhunderts ankündigte. In der FAZ verteidigt Sonja Margolina das Recht auf Islamkritik. Die FR bringt einen Essay Salman Rushdies über die siebte Tosünde - die Trägheit. In der SZ staunt Joachim Kaiser über Maurizio Pollini, der alles richtig macht. Außerdem wird in einigen Zeitungen noch J.D. Salinger gewürdigt. Mehr lesen
Und am Ende siegt immer diese Traurigkeit
29.01.2010. Im Hinblick auf den kommenden Tory-Sieg in Großbritannien informiert die NZZ schon mal über die angesagten Gummistiefelmarken zum Abschreiten der Landsitze. In der Berliner Zeitung wünscht sich Berlinale-Chef Dieter Kosslick Slow Filmfood. Für die FAZ ist jetzt ganz klar: Netz ändert Hirn. Carta fragt: Wer zahlt eigentlich Hotel und Jahrgangswein, wenn Vattenfall "Führende Medienmacher" zum Plausch einlädt? Die SZ bringt eine Sonderseite zu Ruhr 2010. Mehr lesen
Ein Fünkchen Leben, ein bisschen Idiotie
28.01.2010. Der Freitag polemisiert gegen den "postkolonialen Feminismus", der einen Abbau von Frauenrechten gutheißt, jedenfalls in anderen Kulturen. Das Ipad ist da: Gizmodo gibt Tipps für den Gebrauch. Im Tagesspiegel sieht die Juristin Sibylle Tönnies das Verbot der Burka in öffentlichen Gebäuden als Maßnahme in der Nachfolge des französischen Revolutionsterrors. Die Zeit geht in Dantes Hölle spielen. Mehr lesen
Nur Frankfurt kam mit keinem Wort vor
27.01.2010. Für die Welt ist Andrzej Stasiuk nach Belzec gefahren, wo es kaum noch Spuren des ehemaligen Todeslagers gibt. Im Guardian erklärt Chefredakteur Alan Rusbridger, warum er eine Paywall ablehnt: Seine Zeitung würde Millionen Leser verlieren. In der New Republic plädiert Lawrence Lessig gegen das Google Book Settlement. Alle waren beim Suhrkamp-Empfang in Prenzlauer Berg. Auch Martin Walser. Bei Spiegel Online erklärt Henryk Broder, dass er seine Karriere als Hassprediger aufgeben und jetzt Taliban werden will. Mehr lesen
Mit einem Martini und einem Orden
26.01.2010. Die FR bringt eine Diskussion über den Afghanistan-Einsatz. Die New York Times staunt über die Diskriminierung arbeitender Mütter in Deutschland. Netzpolitik und das 1 & 1-Blog diskutieren geplante Jugendschutzmaßnahmen, die es den Anbietern auferlegen, ausnahmslos jederzeit sämtliche Inhalte zu kontrollieren. Die Welt staunt über Brecht, der einen Kult für Kälte mit einer Abneigung gegen harte Butter in Einklang brachte. In der SZ spricht Jimmy Wales über die Erzeugung von Objektivität in der Wikipedia - dank der englischen Sprache. Die taz-Feministinnen zupfen weiter am Kopftuch. Stephan Grigat fordert in der Presse eine linke Kritik an der islamischen Menschenzurichtung. Mehr lesen
Menschenfreundliche Wortwundverbände
25.01.2010. In der Berliner Zeitung klagt Wolfgang Benz über den "Hass", der ihm entgegenschlug. Im Tagesspiegel erklärt Henryk Broder, warum er es als Kompliment begreift, wenn ihn deutsche Feuilletonisten als "Hassprediger" bezeichnen. Die SZ berichtet über eine Kontroverse um Yannick Haenels Roman "Jan Karski". Die FAZ bringt einen Lobgesang auf den Jungdramatiker Nis-Momme Stockmann. Und die Welt stellt den Autor Markus Albers vor, der sich künftig selbst verlegt. Mehr lesen
Tempel des digitalen Zeitalters
23.01.2010. Die taz erklärt, warum Feminismus und Islamkritik sich vielleicht doch nicht ausschließen müssen. Die FR fordert nach Lektüre von Seyran Ates neuem Buch mehr Differenzierung bei der Betrachtung des Islam. Die NZZ feiert Conlon Nancarrows hochkomplexe Musik für mechanische Klaviere. In der Welt begrüßen Berliner Suhrkamp-Autoren ihren Verlag im neuen Domizil und geben Überlebenstipps für die Hauptstadt. In der SZ warnt Jaron Lanier vor dem maoistischen Google. In der FAZ erkennt Frank Schirrmacher in Google eine Akademie der Aufklärung. Mehr lesen



