Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 21.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

18.07.2006. Die NZZ lässt drei Schriftsteller aus dem Nahen Osten zu Wort kommen: den Libanesen Hassan Dawud, die Palästinenserin Sahar Khalifa und den Israeli Natan Sznaider. In Spiegel Online erklärt Dan Diner, warum Israel verrückt spielt. In der SZ erklärt der libanesische Filmemacher Ghassan Salhab, dass Israel sogar am Entstehen der Hisbollah schuld ist. Und Volker Braun bedichtet Zidane, den Nischel senkend wie ein weidwunder Stier. Die FAZ stieß beim Besuch von Bob Wilsons "Watermill Center" auf rechte Winkel. Die FR beschreibt Ur-Frankfurt: Geld und Geist, das eine vom anderen zu scheiden wie im Marmorkuchen.

Spiegel Online, 18.07.2006

Im Interview erklärt der israelisch-deutsche Historiker Dan Diner, warum Israel mit solcher Härte gegen die Hisbollah zurückschlägt. "Diese Regierung verteidigt mit diesem Krieg gewissermaßen die Grenzen von 1948. An die Stelle der räumlichen Tiefe - so wie einst in Gaza und noch in der Westbank - ist im Falle von Rückzügen eine noch größere israelische Bereitschaft zur Gewaltanwendung bei jedweder Verletzung einer Liniengrenze getreten.... Es gibt kein konkretes militärisches Ziel, das Israel erreichen müsste, um seine verloren geglaubte Abschreckungsfähigkeit wieder zu gewinnen. Israel spielt im Moment einfach das Image aus, das es in der Region ebenso hat und gefürchtet wird: Es spielt gleichsam verrückt - mit dem Ergebnis gesteigerter Abschreckungsfähigkeit. Seine Feinde sollen geradezu davon überzeugt werden, dass Israel ein verrückter, ja, ein durchaus unberechenbarer Staat ist."

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Neue Zürcher Zeitung, 18.07.2006

Das NZZ-Feuilleton lässt drei Autoren zum neuen Nahostkonflikt zu Wort kommen, den Libanesen Hassan Dawud, die palästinensische Schriftstellerin Sahar Khalifa und den israelischen Autor Natan Sznaider.


Hassan Dawud schildert die Plötzlichkeit des Kriegseinbruchs und kritisiert die politischen Kräfte im eigenen Land, die es nicht wagen, die Kriegstreiber von der Hisbollah zu bremsen: "Der Libanese sagt, der Zeitpunkt sei falsch gewählt, weil er nicht sagen darf, was er sagen will. Es handelt sich um eine kollektive Furchtsamkeit, von der nur diejenigen ausgenommen sind, die den Slogan vom Krieg und von der bewaffneten Auseinandersetzung hochhalten. Sie dürfen seit Jahrzehnten bestimmen, was verboten und was erlaubt ist. Und so wiederholt sich das immer Gleiche: plattgewalzte Häuser, tiefe Bombenschneisen, endlose Flüchtlingsströme."

Sahar Khalifa sagt angesichts der Verzweiflung in der arabischen Welt eine immer stärkere Hinwendung zum Islamismus voraus: "Die arabischen Länder wurden ärmer, trotz Ölvorkommen, trotz unvorstellbarem Reichtum. Korruption, Misswirtschaft und Orientierungsverlust waren Synonyme für jede arabische Regierung. Wo ist da die Lösung? Ein Feind außen, ein Feind innen und wir die Beute von beiden. Insbesondere der Westen scheint uns zu hassen. Warum? Wegen unserer Hautfarbe, unserer Rasse, unserer Religion? Oder einfach weil wir schwach sind?"

Der Soziologe Natan Sznaider beschreibt die Verzweiflung aus israelischer Sicht: "Tritt Israel gemäßigt auf, so radikalisieren sich die anderen. Die Palästinenser haben die Hamas in die Regierung gewählt und damit angekündigt, dass sie an Rückzugsplänen der israelischen Regierung nicht interessiert sind. Die israelischen Bürger haben als Antwort auf dieses Wahlresultat die israelische Rechte in die Ecke gestellt und eine Regierung gewählt, die den territorialen Kompromiss als klares Regierungsprogramm aufstellte. Aber kaum war diese israelische Regierung im Amt, da wurde der Süden Israels täglich mit Raketen beschossen."

Weitere Artikel: Thomas Fischer berichtet von der 50-Jahr-Feier bei der Gulbenkian-Stiftung in Lissabon. Besprochen werden ein Konzert von Keith Jarrett und Gerhard Schulzes Buch "Die Sünde - Das schöne Leben und seine Feinde".

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Die Tageszeitung, 18.07.2006

Abdel Mottaleb El-Husseini analysiert die innenpolitische Situation im Libanon: "Das in Konfessionen gegliederte politische System in Libanon hat sich bisher als unfähig erwiesen, die Hisbollah zu integrieren. Zudem hat der Abzug der syrischen Armee nach der Ermordung des ehemaligen Premiers Rafik Hariri dazu beigetragen, die Hisbollah zum Gravitationszentrum des syrisch-iranischen Einflusses zu machen. Ihre Entwaffnung aufgrund der UN-Resolution 1559 übersteigt die Möglichkeiten ihrer innenpolitischen Gegner im Libanon und kann nicht ohne Mithilfe ihrer Mentoren im Ausland geschehen." In einem zweiten Artikel auf der Meinungsseite plädiert der libanesische Publizist Rami G. Khouri für Verhandlungen.


Auf den Kulturseiten schreibt Cristina Nord einen Grundsatzartikel über Filmkritik nach den heroischen Zeiten der Nouvelle Vague und der dazugehörigen Autoren und setzt ihre Hoffnung auf die Entdeckung des "Anderen" und "Fremden" im Kino, welches sie mit dem Instrumentarium der queer theory herauszuziselieren hofft. Ekkehard Knörer hat sich beim Festival "Bollywood & Beyond" neue indische Filme angesehen und konstatiert die Rückkehr des Politischen. In der Rubrik Warenkunde stellt Wolfgang Ullrich fest, dass die Devise "Form Follows Function" angesichts der schieren Möglichkeiten elektronischer Kleingeräte heutzutage ihren Sinn eingebüßt hat. David Denk berichtet vom Melt-Festival mit Gitarren- und elektronischer Musik im ehemaligen sachsen-anhaltinischen Braunkohlegebiet. Besprochen wird außerdem William Nicholsons Roman "Die Gesellschaft der Anderen". In der tazzwei interviewt Kerstin Speckner den Tel Aviver Schwulenaktivisten Shahar Abramovic, der trotz der jüngsten Krise eine Gay Pride-Parade in Jerusalem organisieren will.

Und Tom.

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Die Welt, 18.07.2006

Michael Schindhelm, Chef der Stiftung Oper in Berlin, schildert die dramatische Lage der drei Opernhäuser: "Wenn die Zuschussabsenkungen so bleiben, wie sie vor drei Jahren beschlossen worden sind, gibt es einen Crash."


Weitere Artikel: Stefan Tolksdorf erzählt, wie die Familie Grässlin zu ihrer Kippenberger-Sammlung kam: Für "jede überzogene halbe Stunde" in der Kneipe "versprach er ihnen ein halbes Bild". Wenig glücklich ist Peter Zander mit der Retouchierung einiger Details von Spielbergs "E.T.": "So verfolgen Polizisten die Kids nicht mehr mit geladenen Pistolen, sondern - gezückten Walkie-Talkies." D.W. berichtet von einem Hilferuf der RBB-Intendantin Dagmar Reim, die einen Ausgleich für drastische Gebührenausfälle von anderen ARD-Anstalten fordert. Wieland Freund erzählt, wie es der Bush-kritische Jurist Glenn Greenwald dank seines Netz-Tagebuchs auf die Bücherliste der New York Times schaffte. Dankwart Guratzsch berichtet von Protesten gegen die geplante Einbetonierung des Schiffshebewerks Rothensee am Magdeburger Wasserkreuz. Paul Badde packt sein Wissen über das Karmel-Gebirge bei Haifa aus, wo jetzt die Katjuschas der Hisbollah einschlagen. Bai schreibt zum Tod des Fotografen Heinrich Heidersberger.

Besprochen werden das Münchner Auftaktkonzert zur Deutschlandtournee der Rolling Stones (Michael Pilz nutzt seine Besprechung zu einer Hymne auf Ron Wood: "Bessere Gitarristen als Ron Wood spielen in vielen Gymnasiastengruppen. Glamourösere spielen in nur wenigen Großrockbands." Hm.) und Hans Steinbichlers Film "Winterreise" mit Josef Bierbichler und Sibel Kekilli.

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Berliner Zeitung, 18.07.2006

Nicholas Shakespeare erzählt im Interview, warum Leipzig in seinem neuen Roman "In dieser einen Nacht" die Hauptrolle spielt: "Als ich 1990 auf Lesungstour in Deutschland war, stellte ich fest, dass weder mein Hamburger Verleger noch andere westdeutsche Freunde daran interessiert waren, Ostdeutschland zu besuchen. Die winkten alle ab. 'Ach, die wollen bloß unser Geld, es ist langweilig da drüben, hässlich, dreckig.' In Leipzig ging ich ins Stasi-Museum. Dort sah ich zwei Honiggläser mit gelben Filzstücken drin. Man erklärte mir, sie enthielten Geruchsproben von 'Protagonisten', wie im Roman. Ich dachte, was für eine außergewöhnliche Kultur, in der man den Geruch einer Person kidnappt und jahrelang in einem Glas aufbewahrt. Wie eine pervertierte Version von Prousts Madeleines. Vielleicht kann man Erfahrung auch so einwecken? Und vierzig Jahre später macht man den Deckel auf ... vielleicht ist das ein typisch deutsches Motiv? Ich bin zugegebenermaßen nicht mit einem starken Interesse an Deutschland aufgewachsen. Nun entdeckte ich plötzlich, dass wir alle Sachsen sind. So ging ich wieder nach Leipzig, und fragte die Leute, was es heißt, in einem verschollenen Land zu leben."

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Frankfurter Rundschau, 18.07.2006

Ulf Erdmann Ziegler liefert köstlich kuturkritische Erwägungen zum Frankfurter Schwurbelfestival "Kulturzone 06": "Im Prinzip war das alles Ur-Frankfurt, Geld und Geist, das eine vom anderen zu scheiden wie im Marmorkuchen. Die Messe wollte etwas für sich tun, und die Schirn half dabei aus."


Sylvia Staude staunt über den Tänzer Miguel Gutierrez, einen hoffnungsvollen Newcomer, den Sylvia Staude beim Wiener ImPulsTanz-Festival gesehen hat. "Der amerikanische Tänzer und Choreograf zündet ein Teelicht an, zieht die Unterhose runter, geht über dem Flämmchen in die Brücke und verharrt so, während vier Mitspieler je ein Buch unter das Teelicht stellen und dieses also Gutierrez' nacktem Po immer näher kommt. Ein nachdrückliches Bild zum Start der 'Young Choreographers Series', des Nachwuchsforums beim Wiener ImPulsTanz-Festival."

In Times mager schreibt Daland Segler über das Wetter ("Das Hoch heißt Buno"). Adam Olschewski hat sich das erste Konzert der Stones in Deutschland angehört und fand zumal Keith Richards ein wenig lädiert. Und Martin Wein liest den Duden in seiner 24. Auflage.

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Süddeutsche Zeitung, 18.07.2006

Der libanesische Filmemacher Ghassan Salhab hält die Hisbollah für das Kind der Invasion Israels 1982, "das Kind, das sich der Verblendung eines großen Teils der westlichen Welt gegenüber der israelischen Politik verdankt. Die fast systematische Übereinstimmung mit den verschiedenen israelischen Aktionen, das unvermeidliche amerikanische Veto, mit dem jede Resolution des Weltsicherheitsrats zu Fall gebracht wurde, mit der die zahlreichen Übergriffe Israels verurteilt werden sollten, sind letzten Endes die Ursache dafür, dass so viele Menschen aus dieser Gegend in die Arme der unterschiedlichen islamischen Organisationen getrieben oder doch wenigstens zu deren Sympathisanten wurden." Die Vorstellung, sich für "eine Ordnung im Sinne der amerikanisch-israelischen Interessen" oder "die islamisch-arabische Option" entscheiden zu müssen, erscheint Salhab unzumutbar.


Kathrin Passig erzählt, wie es ist, wenn einem unvermutet ein Literaturpreis verliehen wird, "der vielleicht für den eingereichten Text verliehen worden war, vielleicht aber auch für eine Idee, einen Moment der glücklichen Fügung. Sicher hatten viele Faktoren eine Rolle gespielt: der vor der Lesung gezeigte Film, der günstige Zeitpunkt der Lesung selbst, womöglich das Wetter. Jedenfalls war dieser kurze Augenblick an einem Samstagvormittag jetzt in allen Medien festgehalten, und ich mit ihm, wie ein Insekt, das gerade noch seinen Verrichtungen nachgegangen ist und unerwartet von einem Tropfen Baumharz überrollt wird. Die Sonne scheint durch den Harztropfen, das Insekt guckt ein wenig dumm aus der Wäsche, und Fachleute erklären es zum Musterbeispiel für irgendeinen Sachverhalt."

Stefan Koldehoff ist gegen die geplante Schweriner Ausstellung von Arno Brekers Werk. Denn "Breker aufzuarbeiten, ist zur Zeit schlicht unmöglich, weil die nötigen Grundlagen dafür - Werk und Primärquellen - nicht zur Verfügung stehen." Das ist Brekers Witwe Charlotte vor. Zu ihren Archivschränken, "so berichtet ein an der Schweriner Ausstellung beteiligter Wissenschaftler, habe er keinen Zugang erhalten: 'Denen durfte ich mich nicht einmal auf zehn Meter nähern.'"

"Wer könnte einem Mann widerstehen mit einer handgeschriebenen Website?" Fritz Göttler nicht, der Jeff Bridges in die Reihe der "Unbeugsamen" aufnimmt.

Weitere Artikel: Bernd Graff behauptet, die neuen Handys würden unser Leben verändern: "Keine Geschäftsanrufe mehr daheim!" Gerhard Matzig macht sich Gedanken über den Umstand, dass 1,3 Millionen Arbeitsstellen in Deutschland nicht vergeben werden können, weil der Deutsche nicht zu seinem Arbeitsplatz zieht, sondern gern bleibt, wo er geboren wurde. In der "Zwischenzeit" ärgert sich Claus Heinrich Meyer mordsmäßig über die üblichen Verdächtigen, "Bundesregierung, Senat, Scholz & Friends, Fifa, BDI", die während der WM Berlin mit ihrem Werbemüll verschandelten. H.G. Pflaum berichtet vom Münchner Filmfest. Alex Rühle hat die CD "Klangraum Berlin" gehört und will sofort wieder zurück in die sommerheiße Stargarder Straße. Jens Christian Rabe berichtet vom Brecht-Festival in Augsburg.

Besprochen werden die Ausstellung "Mythos Troja" in den Staatlichen Antikensammlungen und der Glyptothek München (website), das Münchner Konzert der Rolling Stones (Fan Karl Bruckmaier kann angesichts von 500 Euro für zwei Karten nur äußerst gedämpfte Begeisterung verbreiten), die deutsche Erstaufführung von Stockhausens "Himmelfahrt" in Kürten und John F. Jungclaussens Buch über den Verfall des hanseatischen Bürgeradels "Risse in weißen Fassaden" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Und Volker Braun hat ein Gedicht geschrieben:

"Der große Zidane.

Als der Fußballer Zidane
Vor dem Eingang in die Unsterblichkeit stand
Beendete er seine Karriere
Mit einem Kopfstoß. Nicht unüberlegt
Sondern sich umwendend
und den Nischel senkend wie ein weidwunder Stier
..."

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.07.2006

Jordan Mejias besucht Bob Wilsons Watermill Center auf Long Island. Ganz ernst nehmen kann er es nicht, aber schön ist es doch: "Helle, am Tag lichtdurchflutete Räume mit Glaswänden und roh gemauerte, sorgfältig gefugte Kammern beherbergen, was Bob, der ewige Weltenwanderer, aus einer meist weit entfernten Gegend mitgebracht hat. In einem Untergeschoss streckt sich seine Sammlung von Stammeskunst, Keramik und Textilien in die Museumsdimension. Immer wieder nimmt Kunst die Form von Stühlen an, von Modellen bekannter Designer, unbekannter Handwerksmeister sowie Kreationen aus Bobs eigener Produktion. Und über all dem walten gut sichtbar die ordnende Hand des Tempelherrn und der rechte Winkel."


Weitere Artikel: Rose-Marie Gropp hat ein Konzert der Rolling Stones auf Deutschlandtournee gehört und gesehen. Joachim Müller-Jung begleitete die Stifter Bill und Melinda Gates beim Besuch eines tbc-verseuchten Armenviertels in Kapstadt ("Das Stiftungsvermögen der Gates allein ist nicht nur annähernd so groß wie das aller 14.000 deutschen Privatstiftungen. Mit der horrenden Summe von mehr als drei Milliarden Dollar übertreffen die Jahresausgaben mittlerweile auch deutlich das Budget der Weltgesundheitsorganisation") In der Leitglosse greift Andreas Rossmann die aufdringliche Plakatierung für die Guggenheim-Ausstellung vor der Bonner Bundeskunsthalle auf. Teresa Grenzmann informiert recht metaphernreich über beginnende Brecht-Festivitäten in Augsburg. Jordan Mejias meldet, dass das Metroplitan Museum seinen Eintrittspreis von 12 auf 20 Dollar erhöht. Melanie Mühl berichtet über die Eröffnung eines Shops der Dessous-Marke Agent provocateur in Berlin. Martin Kämpchen schildert die Auswirkungen des beginnenden Monsuns auf Land und Leute in Indien ("Die Natur beginnt sofort, grün zu wuchern, und der Mensch auf dem Land erhebt sich aus seiner Lethargie, um die Felder für die Aussaat vorzubereiten").

Auf der Medienseite befasst sich Jörg Becker in seiner Serie über das Internet in China mit dem Thema Sex im chinesischen Netz. Nina Rehfeld betrachtet eine Online-Talkshow nur fürs Internet, mit der Amazon hofft, noch mehr seiner Produkte loszuschlagen. Auf der letzten Seite porträtiert Vincenzo Velella den Chorleiter Hans-Jakob Gerlings. Und Swantje Karich zeichnet den Streit um antike persische Tontafeln nach, die sich leihweise in den USA befinden und die nun zur Entschädigung amerikanischer Terror-Opfer versteigert werden sollen.

Besprochen werden eine Einspielung von Berlioz' "Requiem" unter Roger Norrington, die kleine Ausstellung "Tinte und Gold" im Berliner Museum für Islamische Kunst, ein "Rheingold" in Weimar, die Ausstellung "Speaking with Hands - Fotografien aus der Sammlung Buhl" im Museum Folkwang und eine Ausstellung über die Geschichte des Klosterlebens in Freiburg.

Abgedruckt wird ein Gedicht von Sabine Schiffner:

"wenn der wind mal weht

in meinem garten da
geht der wind
lockt rabenvögel herein und ratten
in meinem garten da
weht eine halbvergessene melodie
im kirschbaum und über die mauer die
kommt von dem eiswagen der an sonnigen
tagen vor dem haus hält
..."

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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