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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Ewige Werte
- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
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- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
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- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
30.01.2006. Die FAZ findet die deutschen Theater theaterblutrünstig. Die FR mochte Roland Schimmelpfennigs Stück "Auf der Greifswalder Straße" dagegen sehr. Für die Welt scheitert Michael Hanekes Hyperrealismus im Pariser "Don Giovanni" an Mozarts Surrealismus. In der SZ schreiben ein israelischer und ein palästinensischer Autor über die neue Lage nach dem Wahlerfolg der Hamas. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Präparatorin Navena Widulin. Außerdem streiten hier Nadeem Elyas, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, und die Frauenrechtlerin Seyran Ates über den baden-württembergischen Fragebogen für einwanderungswillige Muslime.
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Neue Zürcher Zeitung, 30.01.2006
Michael Hanekes "Don Giovanni"-Inszenierung hat das Pariser Publikum in Wallung versetzt, berichtet Peter Hagmann: "Hat der Palais Garnier in den knapp anderthalb Jahrhunderten seines Bestehens je eine heftigere Saalschlacht erlebt als an diesem 27. Januar 2006, dem 250. Geburtstag Wolfgang Amadeus Mozarts? Ein erstes Geplänkel war vor der Pause ausgebrochen. Am Ende gab es rauschenden Applaus für die Sänger, schmerzende Hiebe für den Dirigenten. Als aber das Inszenierungsteam auf der Bühne erschien, sanft und scheu, erhob sich ein Pro und Contra, dass man geradewegs an den Untergang der wunderbaren Opern-Titanic glauben konnte. Allein, Besseres für Mozart hätte Gerard Mortier, der derzeitige Kapitän, nicht anrichten können."
Weitere Artikel: Jürgen Tietz denkt über die Bedeutung von Architektur-Ikonen nach. Ulf Meyer beschreibt den 800 Millionen teuren Umbau Turins, wo im Februar die Olympischen Winterspiele stattfinden sollen. Christine Wolter stellt das dazugehörige Kulturprogramm Turins vor. Andrea Gnam war bei einem Symposion in Karlsruhe über "Das Bild in der Gesellschaft. Neue Formen des Bildgebrauchs". Andreas Oplatka berichtet, dass der Regisseur Istvan Szabo während seines Studiums Informant des Staatssicherheitsdienstes gewesen sein soll. Georges Waser diagnostiziert ein Bestsellerfieber in Großbritannien.
Besprochen wird die Aufführung von Roland Schimmelpfennigs Stück "Auf der Greifswalder Straße" am Deutschen Theater in Berlin.
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Die Tageszeitung, 30.01.2006
Gabriele Goettle besucht die Museumskonservatorin und Präparatorin am Berliner Medizinhistorischen Museum der Charite (mehr), Navena Widulin, die auch in Bosnien schon gearbeitet hat. "2000 und 2001 bin ich über die UNO hingefahren, in die Nähe von Sarajevo. Dort wurden Massengräber ausgehoben. Man hatte plötzlich mit 200 Leichen zu tun, die alle erschossen oder durch Handgranaten hingerichtet worden waren. Fast nur Männer, Zivilisten. Kaum Frauen und Kinder. Ein Rechtsmediziner und einer von uns, haben die Leichen auseinander genommen, soweit das möglich war. Die waren oft schon sehr skelettiert. Wir haben sie entkleidet, und da wurden übrigens plötzlich Gallensteine gefunden bei einigen. Die waren schon so zersetzt, dass die Gallensteine quasi aus der Galle rausgefallen sind in die Kleidung. Die Anthropologen und sogar die Rechtsmediziner haben mir erst nicht geglaubt, die dachten, es ist Schmuck. Dann haben sie sich aber überzeugt und gesehen, es sind Gallensteine. Ich war ganz stolz, dass ich es gleich erkannt habe."
Nadeem Elyas, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, und die Anwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ates diskutieren auf den Tagesthemenseiten über den Fragebogen für einwanderungswillige Muslime. Ates hat keine grundsätzlichen Bedenken. "Wir können nicht jedes Mal die Rassismuskeule rausholen, nur wenn über Probleme gesprochen wird und über Instrumente, mit denen man sie bekämpfen will. Es gibt gute Gründe, warum dieses Misstrauen gegenüber Muslimen existiert."
In der zweiten taz überprüft Georg Blume das touristische Potenzial des chinesischen Neujahrfeuerwerks. Jan Feddersen glaubt, dass der Begriff der Minderheit hierzulande ausgedient hat. Susanne Lang trifft den Kollegen Peter Hahne. Im Medienteil verkündet Peter Luley, dass David Montgomery nach dem Berliner Verlag nun auch die Hamburger Morgenpost übernommen hat, was die taz dort zur "einzigen unabhängigen Tageszeitung" macht.
Und Tom.
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Die Welt, 30.01.2006
Ein Schwerpunkt ist Mozart-Aufführungen gewidmet: Ulrich Weinzierl war beim Festkonzert der Wiener Philharmoniker in Salzburg, die unter Riccardo Muti "Langeweile auf höchstem Niveau" produzierten - bis Kanzler Schüssel nach der Pause zu spät in den Saal kam: "Das lässt sich der Maestro assoluto nicht bieten. Brüsk kehrt er dem Publikum den Rücken und stürzt sich ins 'Allegro con spirito' der Haffner-Symphonie, während das Ehepaar Schüssel verschämt in die erste Reihe huscht. Eine fulminante, zugleich herrlich musikantische Darbietung. Muti scheint wie ausgewechselt, plötzlich steht ein raffinierter körpersprachlicher Klangmodulator am Pult. Mutis Rache ist zu Mozarts Triumph geworden."
Zwiespältig hat Manuel Brug Michael Hanekes Inszenierung des "Don Giovanni" in Paris aufgenommen. Haneke hat die Handlung in die Konzernetagen des Filmmilieu verlegt. "Don Giovanni, ein von sich selbst angeekelter Frauenflüsterer. Der seinen Opfern die blanke Brust bietet, um selbst angegriffen zu werden. Der vor der Champagnerarie aus dem Fenster springen will. Der sich später, Schutz und Zärtlichkeit suchend, in Elviras noch warmen Trenchcoat hüllt. Das funktioniert in seinem Hyperrealismus lange glänzend, bis die Oper den ihr eignen Surrealismus - arioses Innehalten - fordert. Dann wird der souveräne Regisseur Haneke zum Erfüllungsgehilfen, der nur das Libretto paraphrasiert. Natürlich gibt es keinen Friedhof, keine Hölle. Der steinerne Gast ist nur eine blutige Leiche im Rollstuhl. Elvira sticht Giovanni ab, dann entsorgen ihn die Putzteufel mit den Mickey-Maus-Masken (wie in 'Bennys Video') aus dem Fenster."
Außerdem: Kai Luehrs-Kaiser erlebte bei Dietrich Hilsdorfs "Entführung" in Leipzig "rebellische Schnitzkunst von Meisterhand", Peter Schneeberger hörte Willy Deckers "Idomeneo" in Wien, Stefan Keim war bei Vincent Boussards "Cosi fan tutte" an der Oper Brüssel und Uwe Wittstock bei Christof Loys "Titus" in Frankfurt/Main.
Weitere Artikel: Warum bloß lieben die Deutschen Bollywoodfilme, diese "überlangen, überbunten Schinken", fragt sich Peter Zander und vermutet, es liegt an ihrer Nähe zum deutschen Heimatfilm der fünfziger Jahre. Berlinale-Chef Dieter Kosslick freut sich im Interview, dass er vier deutsche Filme im Wettbewerbsprogramm hat: "Die Filme sind alle sehr unterschiedlich - und starke Schauspielerfilme." Sascha Westphal berichtet von einer Initiative zahlreicher DVD-Produzenten aus aller Welt, die sich unter dem Namen dvdvideointernational.com zusammengeschlossen haben, um die von Hollywood durchgesetzte Parzellierung des DVD-Marktes in sechs Zonen zu unterlaufen: "Damit die DVDs in möglichst vielen Ländern verkauft werden können, werden die Filme auf codefreie DVDs im NTSC-Format gepreßt und mit zahlreichen optionalen Untertiteln versehen." Hellmuth Karasek schreibt über Heinz Rühmanns "Feuerzangenbowle" auf DVD.
Nach neun Jahren Renovierungsarbeit und einem Skandal um Kunstwerke zweifelhafter Herkunft ist am Wochenende die Villa Getty in Kalifornien wieder eröffnet worden, berichtet Nina Wachenfeld. Vorgestellt wird schon mal die Runde des Literarischen Quartetts zu Ehren von Heinrich Heine - die Diskussion wird am 3. und 4. Februar im Fernsehen ausgestrahlt.
Im Magazin wirft Inge Griese einen kritischen Blick auf Berlin als frisch gekürte Welthauptstadt des Designs: "Das gefühlte Berlin ist bunt, kreativ, inspirierend, cool, das etwas andere Deutschland eben. An guten Tagen. Wird man älter, ist nicht so ausgeruht und weniger nachsichtig, dann nervt dieses Berlin-Gefühl wie ein Student, der sich nach 24 Semestern Sozialkunde immer noch nicht so recht zur Abschlussprüfung durchringen mag. Trotz aller Chancen, sie zu bestehen. In Berlin sind die Menschen stets Teil des Aufbruchs. Wer wirklich mal ankommen will, muss wahrscheinlich umziehen."
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2006
In Berlin war Premierenwochenende: Roland Schimmelpfennigs Stück "Auf der Greifswalder Straße" wurde im Deutschen Theater in der Regie von Jürgen Gosch uraufgeführt, und am Berliner Ensemble lief Botho Strauß' neues Stück "Schändung", inszeniert von Thomas Langhoff. Gerhard Stadelmaier fragt sich zum wiederholten Male, warum unsere an sich doch recht behagliche Gesellschaft in ihren Staatstheatern in Blut ersäuft:"Wenn wir jetzt an beide Aufführungen zurückdenken, sehen wir vor allem: rot. Rot wie Blut. Es scheint unaufhörlich zu fließen, spritzen, sprühen. Als habe das Theater unseren Augen einen schmutzigen, schlierigen, gallertartigen Verband auferlegt. Theaterblut zwar, aber Theaterblut meint so gut Blut, wie ein Theatertoter unser aller Tod meint, wenn er auf der Bühne liegt und es ihm ernst ist. So dass also auch unser Blut vergossen wird. Aber dann müsste dieses Blut da droben auch mit uns zu tun haben."
Weitere Artikel: Mark Siemons hat sich zusammen mit einer halben Milliarde Chinesen die Fernsehgala zum Neujahrsfest angesehen und zieht Rückschlüsse auf das offizielle Selbstbild der Nation. Auf einer ganzen Seite werden Kritiken von Mozart-Ereignissen an europäischen Bühnen geboten: "Don Giovanni" in der Regie von Michael Haneke in Paris (Eleonore Büning bleibt skeptisch), "La clemenza di Tito" in Frankfurt, "Lucio Silla" in Hannover, die "Entführung" in Leipzig, "Cosi fan tutte" in Brüssel und noch ein "Titus" in Oldenburg. Jordan Mejias liest amerikanische Zeitschriften, in denen sich selbst gestandene Konservative über die Selbstherrlichkeit von George W. Bushs Amtsführung beschweren. Auf der Sachbuchseite erprobt Jürgen Kaube die ganze Schlagkraft seines Humors an einem schmalen Kolumnenband der freien Journalistin Hilal Sezgin.
Auf der Medienseite beschließt der Rundfunkhistoriker Hans-Ulrich Wagner die Reihe "Stimmen" mit einem Stück über Peter von Zahn. Auf der letzten Seite lässt Richard Kämmerlings Ereignisse eines Heine-Wochenendes (denn es ist nicht nur Mozartjahr!) in Hamburg Revue passieren. Andreas Rosenfelder lauschte an der Uni Witten/Herdecke einem Vortrag Michel Friedmans über Religion, und Dirk Schümer porträtiert Romano Prodis ehemalige italienische Kulturministerin Giovanna Melandri, die nach Abwahl Berlusconis ihrAmt neu antreten will und schon mal ein diesbezügliches Manifest verfasste.
Besprochen werden Peter Thorwarths Film "Goldene Zeiten", Daniel Rademachers Theaterprojekt "Nur für Arbeitslose" in Düsseldorf, ein Auftritt der Band Art Brut in Köln, die Ausstellung "Splendeurs de la cour de Saxe" in Versailles und Sachbücher, darunter die Übersetzung von Alain de Liberas Standardwerk "Der Universalienstreit".
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Frankfurter Rundschau, 30.01.2006
Peter Michalzik sieht Roland Schimmelpfennigs Stück "Auf der Greifswalder Straße" in der Regie von Jürgen Gosch am Deutschen Theater ganz anders als Gerhard Stadelmaier: "Wirklich alles ist nackt bei Gosch (auch der sehr gut gebaute Schauspieler Ingo Hülsmann als Träumer, der hier, im Deutschen Theater, sonst den Faust spielt), alles liegt offen vor uns, so offen, dass ein doppelter Boden gar keinen Platz haben kann. Und doch ist alles opulentes und richtiges Theater: Bilderbogen, Szenenstrauß, Schauspielergala."
Lars von Trier wehrt sich gegen eine Aufnahme in den dänischen "Kanon" berichtet Harry Nutt in der Kolumne Times mager und knüpft daran eine kleines Spekulation über die kanonische Inflation auch in Deutschland: "Wenn aus dem Etikett 'Made in Germany' kein Selbstbewusstsein mehr zu beziehen ist, weil es schon morgen in Malaysia hergestellt werden kann, reüssiert das Kulturgut als letzte Ressource mit Herkunftsgewissheit."
Besprochen werden Mozarts Oper "La clemenza di Tito" unter Paolo Carignani und Christof Loy in Frankfurt und die Heine-Ereignisse in Hamburg.
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Süddeutsche Zeitung, 30.01.2006
Hassan Khader, Herausgeber der palästinensischen Literaturzeitschrift Al Karmel, befürchtet nach dem Wahlsieg der Hamas einen Exodus der Intellektuellen aus Ramallah, dem kulturellen Zentrum der Autonomiegebiete. "Vorstellbar ist ein Szenario des gegenseitigen Argwohns und der Feindschaft. Die moderne nationale Kultur wird von Fundamentalisten als eine Art Zersetzung der überkommenen Werte und Ideensysteme angesehen. Selbst die Nationalflagge gilt als problematisch. Ein führender Vertreter der Hamas versuchte sich vor kurzem in Literaturkritik und entschied, dass man nun mal Gedichte und Erzählungen schreiben sollte, um so den zukünftigen Generationen vom Kampf für ihr Vaterland zu berichten."
Auch der israelische Schriftsteller David Grossmann kann es noch nicht fassen. "In diesem entscheidenden Moment, in dem die meisten Israelis sich endlich zu gemäßigteren und realistischeren Ansichten durchgerungen haben, in dem Moment, in dem sie - mehr oder weniger - erkennen, wo die Machtgrenzen liegen, und einsehen, dass religiöse und territoriale Herzenswünsche notgedrungen aufgegeben werden müssen, in diesem Moment ist das palästinensische Volk in abgrundtiefe Verzweiflung verfallen und hat eine extreme, fundamentalistische Bewegung gewählt, die jeden Kompromiss ablehnt und totalen religiösen und territorialen Wunschträumen nachhängt."
In seinem Stück "Die Schändung", die am Berliner Ensemble von Thomas Langhoff inszeniert wurde, konzentriert sich Botho Strauß vor allem auf die Bluttat, merkt ein mäßig beeindruckter Gustav Seibt an. "Also muss Christina Drechslers Lavinia schnalzen und röcheln, silberne Armprothesen über ihren Stümpfen tragen und sich in eine geile Überlebende verwandeln, die Entschädigung im Sex mit einem ihrer vor Schuldgefühlen schlotternden Vergewaltiger sucht. Nicht einmal die Imagination eines Zungenkusses mit der Zungenlosen bleibt einem erspart. Opfer sind ekelhaft, sagt das Stück, und wir sind aufgefordert, dafür die Resonanz in unserem Herzen zu finden."
Weiteres: Martin Wagner resümiert ein Treffen von 300 Politikern, Wissenschaftlern und Künstlern in Salzburg, auf dem unter dem seltsamen Titel "The Sound of Europe" über die EU diskutiert wurde. Tobias Timm hat Regisseur David Lynch in Berlin über Yoga und Frieden reden hören. Jens Malter Fischer gratuliert dem Bassbariton Benno Kusche zum Neunzigsten.
Besprochen werden Michael Hanekes erste Opernarbeit, eine Aktualisierung von Mozarts Oper "Don Giovanni" an der Pariser Garnier-Oper ("Wirkungsvoll ist es schon, wenn zuletzt die Rächer den Toten mit einem Papierdeckel über dem Kopf, auf dem seine Racheschwüre zu lesen sind, auf die Bühne schieben", urteilt Reinhard J. Brembeck.), Thomas Langhoffs Version der "Die Schändung" von Botho Strauß am Berliner Ensemble, das Sprechstück "Herbst 77. Sechs Wochen im Kanzleramt" über die Schleyer-Entführung im Theater Bonn, die Uraufführung eines Stücks von Wolfgang Rihm auf den Mozart-Feierlichkeiten in Augsburg, der Auftakt von Udo Jürgens 40. Deutschland-Tournee in Köln, Peter Thorwarths "total verrückter" Film "Goldene Zeiten", und Bücher, darunter zwei neue Einführungen zur Designgeschichte, Radjo Monks Wendekommentar "Blende 89" sowie zwei Neuerscheinungen zu Dietrich Bonhoeffer (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Für Ohrfeigen geboren
11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen
Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase
10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen
Wegfall von Arbeit
09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen
Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren
08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
201212345678910111220111234567891011122010123456789101112200912345678910111220081234567891011122007123456789101112200612345678910111220051234567891011122004123456789101112200312345678910111220021234567891011122001123456789101112
Archiv: Heute in den Feuilletons
Der Graf von Sandwich war in Gefahr
07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen
2000PutIN, 2012PutOUT
06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen
Die ganze Welt inventarisieren
04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen
Hunde und Katzen, Liebe und Tod
03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen
Einschlusslöcher am Gebäudesockel
02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen
So sehr ich Warhol schätze
01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen
Also, Bürger, auf zur Wacht!
31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen
Weil es dem Franz so gefallen hat
30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen
Das korrekte Verfahren für Anarchisten
28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen
Und die Emotionen suchen blind
27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen. Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen
Ein irrer Cut
26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen





