Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
30.01.2006. Die FAZ findet die deutschen Theater theaterblutrünstig. Die FR mochte Roland Schimmelpfennigs Stück "Auf der Greifswalder Straße" dagegen sehr. Für die Welt scheitert Michael Hanekes Hyperrealismus im Pariser "Don Giovanni" an Mozarts Surrealismus. In der SZ schreiben ein israelischer und ein palästinensischer Autor über die neue Lage nach dem Wahlerfolg der Hamas. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Präparatorin Navena Widulin. Außerdem streiten hier Nadeem Elyas, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, und die Frauenrechtlerin Seyran Ates über den baden-württembergischen Fragebogen für einwanderungswillige Muslime.
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Neue Zürcher Zeitung, 30.01.2006
Michael Hanekes "Don Giovanni"-Inszenierung hat das Pariser Publikum in Wallung versetzt, berichtet Peter Hagmann: "Hat der Palais Garnier in den knapp anderthalb Jahrhunderten seines Bestehens je eine heftigere Saalschlacht erlebt als an diesem 27. Januar 2006, dem 250. Geburtstag Wolfgang Amadeus Mozarts? Ein erstes Geplänkel war vor der Pause ausgebrochen. Am Ende gab es rauschenden Applaus für die Sänger, schmerzende Hiebe für den Dirigenten. Als aber das Inszenierungsteam auf der Bühne erschien, sanft und scheu, erhob sich ein Pro und Contra, dass man geradewegs an den Untergang der wunderbaren Opern-Titanic glauben konnte. Allein, Besseres für Mozart hätte Gerard Mortier, der derzeitige Kapitän, nicht anrichten können."
Weitere Artikel: Jürgen Tietz denkt über die Bedeutung von Architektur-Ikonen nach. Ulf Meyer beschreibt den 800 Millionen teuren Umbau Turins, wo im Februar die Olympischen Winterspiele stattfinden sollen. Christine Wolter stellt das dazugehörige Kulturprogramm Turins vor. Andrea Gnam war bei einem Symposion in Karlsruhe über "Das Bild in der Gesellschaft. Neue Formen des Bildgebrauchs". Andreas Oplatka berichtet, dass der Regisseur Istvan Szabo während seines Studiums Informant des Staatssicherheitsdienstes gewesen sein soll. Georges Waser diagnostiziert ein Bestsellerfieber in Großbritannien.
Besprochen wird die Aufführung von Roland Schimmelpfennigs Stück "Auf der Greifswalder Straße" am Deutschen Theater in Berlin.
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Die Tageszeitung, 30.01.2006
Gabriele Goettle besucht die Museumskonservatorin und Präparatorin am Berliner Medizinhistorischen Museum der Charite (mehr), Navena Widulin, die auch in Bosnien schon gearbeitet hat. "2000 und 2001 bin ich über die UNO hingefahren, in die Nähe von Sarajevo. Dort wurden Massengräber ausgehoben. Man hatte plötzlich mit 200 Leichen zu tun, die alle erschossen oder durch Handgranaten hingerichtet worden waren. Fast nur Männer, Zivilisten. Kaum Frauen und Kinder. Ein Rechtsmediziner und einer von uns, haben die Leichen auseinander genommen, soweit das möglich war. Die waren oft schon sehr skelettiert. Wir haben sie entkleidet, und da wurden übrigens plötzlich Gallensteine gefunden bei einigen. Die waren schon so zersetzt, dass die Gallensteine quasi aus der Galle rausgefallen sind in die Kleidung. Die Anthropologen und sogar die Rechtsmediziner haben mir erst nicht geglaubt, die dachten, es ist Schmuck. Dann haben sie sich aber überzeugt und gesehen, es sind Gallensteine. Ich war ganz stolz, dass ich es gleich erkannt habe."
Nadeem Elyas, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, und die Anwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ates diskutieren auf den Tagesthemenseiten über den Fragebogen für einwanderungswillige Muslime. Ates hat keine grundsätzlichen Bedenken. "Wir können nicht jedes Mal die Rassismuskeule rausholen, nur wenn über Probleme gesprochen wird und über Instrumente, mit denen man sie bekämpfen will. Es gibt gute Gründe, warum dieses Misstrauen gegenüber Muslimen existiert."
In der zweiten taz überprüft Georg Blume das touristische Potenzial des chinesischen Neujahrfeuerwerks. Jan Feddersen glaubt, dass der Begriff der Minderheit hierzulande ausgedient hat. Susanne Lang trifft den Kollegen Peter Hahne. Im Medienteil verkündet Peter Luley, dass David Montgomery nach dem Berliner Verlag nun auch die Hamburger Morgenpost übernommen hat, was die taz dort zur "einzigen unabhängigen Tageszeitung" macht.
Und Tom.
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Die Welt, 30.01.2006
Ein Schwerpunkt ist Mozart-Aufführungen gewidmet: Ulrich Weinzierl war beim Festkonzert der Wiener Philharmoniker in Salzburg, die unter Riccardo Muti "Langeweile auf höchstem Niveau" produzierten - bis Kanzler Schüssel nach der Pause zu spät in den Saal kam: "Das lässt sich der Maestro assoluto nicht bieten. Brüsk kehrt er dem Publikum den Rücken und stürzt sich ins 'Allegro con spirito' der Haffner-Symphonie, während das Ehepaar Schüssel verschämt in die erste Reihe huscht. Eine fulminante, zugleich herrlich musikantische Darbietung. Muti scheint wie ausgewechselt, plötzlich steht ein raffinierter körpersprachlicher Klangmodulator am Pult. Mutis Rache ist zu Mozarts Triumph geworden."
Zwiespältig hat Manuel Brug Michael Hanekes Inszenierung des "Don Giovanni" in Paris aufgenommen. Haneke hat die Handlung in die Konzernetagen des Filmmilieu verlegt. "Don Giovanni, ein von sich selbst angeekelter Frauenflüsterer. Der seinen Opfern die blanke Brust bietet, um selbst angegriffen zu werden. Der vor der Champagnerarie aus dem Fenster springen will. Der sich später, Schutz und Zärtlichkeit suchend, in Elviras noch warmen Trenchcoat hüllt. Das funktioniert in seinem Hyperrealismus lange glänzend, bis die Oper den ihr eignen Surrealismus - arioses Innehalten - fordert. Dann wird der souveräne Regisseur Haneke zum Erfüllungsgehilfen, der nur das Libretto paraphrasiert. Natürlich gibt es keinen Friedhof, keine Hölle. Der steinerne Gast ist nur eine blutige Leiche im Rollstuhl. Elvira sticht Giovanni ab, dann entsorgen ihn die Putzteufel mit den Mickey-Maus-Masken (wie in 'Bennys Video') aus dem Fenster."
Außerdem: Kai Luehrs-Kaiser erlebte bei Dietrich Hilsdorfs "Entführung" in Leipzig "rebellische Schnitzkunst von Meisterhand", Peter Schneeberger hörte Willy Deckers "Idomeneo" in Wien, Stefan Keim war bei Vincent Boussards "Cosi fan tutte" an der Oper Brüssel und Uwe Wittstock bei Christof Loys "Titus" in Frankfurt/Main.
Weitere Artikel: Warum bloß lieben die Deutschen Bollywoodfilme, diese "überlangen, überbunten Schinken", fragt sich Peter Zander und vermutet, es liegt an ihrer Nähe zum deutschen Heimatfilm der fünfziger Jahre. Berlinale-Chef Dieter Kosslick freut sich im Interview, dass er vier deutsche Filme im Wettbewerbsprogramm hat: "Die Filme sind alle sehr unterschiedlich - und starke Schauspielerfilme." Sascha Westphal berichtet von einer Initiative zahlreicher DVD-Produzenten aus aller Welt, die sich unter dem Namen dvdvideointernational.com zusammengeschlossen haben, um die von Hollywood durchgesetzte Parzellierung des DVD-Marktes in sechs Zonen zu unterlaufen: "Damit die DVDs in möglichst vielen Ländern verkauft werden können, werden die Filme auf codefreie DVDs im NTSC-Format gepreßt und mit zahlreichen optionalen Untertiteln versehen." Hellmuth Karasek schreibt über Heinz Rühmanns "Feuerzangenbowle" auf DVD.
Nach neun Jahren Renovierungsarbeit und einem Skandal um Kunstwerke zweifelhafter Herkunft ist am Wochenende die Villa Getty in Kalifornien wieder eröffnet worden, berichtet Nina Wachenfeld. Vorgestellt wird schon mal die Runde des Literarischen Quartetts zu Ehren von Heinrich Heine - die Diskussion wird am 3. und 4. Februar im Fernsehen ausgestrahlt.
Im Magazin wirft Inge Griese einen kritischen Blick auf Berlin als frisch gekürte Welthauptstadt des Designs: "Das gefühlte Berlin ist bunt, kreativ, inspirierend, cool, das etwas andere Deutschland eben. An guten Tagen. Wird man älter, ist nicht so ausgeruht und weniger nachsichtig, dann nervt dieses Berlin-Gefühl wie ein Student, der sich nach 24 Semestern Sozialkunde immer noch nicht so recht zur Abschlussprüfung durchringen mag. Trotz aller Chancen, sie zu bestehen. In Berlin sind die Menschen stets Teil des Aufbruchs. Wer wirklich mal ankommen will, muss wahrscheinlich umziehen."
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2006
In Berlin war Premierenwochenende: Roland Schimmelpfennigs Stück "Auf der Greifswalder Straße" wurde im Deutschen Theater in der Regie von Jürgen Gosch uraufgeführt, und am Berliner Ensemble lief Botho Strauß' neues Stück "Schändung", inszeniert von Thomas Langhoff. Gerhard Stadelmaier fragt sich zum wiederholten Male, warum unsere an sich doch recht behagliche Gesellschaft in ihren Staatstheatern in Blut ersäuft:"Wenn wir jetzt an beide Aufführungen zurückdenken, sehen wir vor allem: rot. Rot wie Blut. Es scheint unaufhörlich zu fließen, spritzen, sprühen. Als habe das Theater unseren Augen einen schmutzigen, schlierigen, gallertartigen Verband auferlegt. Theaterblut zwar, aber Theaterblut meint so gut Blut, wie ein Theatertoter unser aller Tod meint, wenn er auf der Bühne liegt und es ihm ernst ist. So dass also auch unser Blut vergossen wird. Aber dann müsste dieses Blut da droben auch mit uns zu tun haben."
Weitere Artikel: Mark Siemons hat sich zusammen mit einer halben Milliarde Chinesen die Fernsehgala zum Neujahrsfest angesehen und zieht Rückschlüsse auf das offizielle Selbstbild der Nation. Auf einer ganzen Seite werden Kritiken von Mozart-Ereignissen an europäischen Bühnen geboten: "Don Giovanni" in der Regie von Michael Haneke in Paris (Eleonore Büning bleibt skeptisch), "La clemenza di Tito" in Frankfurt, "Lucio Silla" in Hannover, die "Entführung" in Leipzig, "Cosi fan tutte" in Brüssel und noch ein "Titus" in Oldenburg. Jordan Mejias liest amerikanische Zeitschriften, in denen sich selbst gestandene Konservative über die Selbstherrlichkeit von George W. Bushs Amtsführung beschweren. Auf der Sachbuchseite erprobt Jürgen Kaube die ganze Schlagkraft seines Humors an einem schmalen Kolumnenband der freien Journalistin Hilal Sezgin.
Auf der Medienseite beschließt der Rundfunkhistoriker Hans-Ulrich Wagner die Reihe "Stimmen" mit einem Stück über Peter von Zahn. Auf der letzten Seite lässt Richard Kämmerlings Ereignisse eines Heine-Wochenendes (denn es ist nicht nur Mozartjahr!) in Hamburg Revue passieren. Andreas Rosenfelder lauschte an der Uni Witten/Herdecke einem Vortrag Michel Friedmans über Religion, und Dirk Schümer porträtiert Romano Prodis ehemalige italienische Kulturministerin Giovanna Melandri, die nach Abwahl Berlusconis ihrAmt neu antreten will und schon mal ein diesbezügliches Manifest verfasste.
Besprochen werden Peter Thorwarths Film "Goldene Zeiten", Daniel Rademachers Theaterprojekt "Nur für Arbeitslose" in Düsseldorf, ein Auftritt der Band Art Brut in Köln, die Ausstellung "Splendeurs de la cour de Saxe" in Versailles und Sachbücher, darunter die Übersetzung von Alain de Liberas Standardwerk "Der Universalienstreit".
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Frankfurter Rundschau, 30.01.2006
Peter Michalzik sieht Roland Schimmelpfennigs Stück "Auf der Greifswalder Straße" in der Regie von Jürgen Gosch am Deutschen Theater ganz anders als Gerhard Stadelmaier: "Wirklich alles ist nackt bei Gosch (auch der sehr gut gebaute Schauspieler Ingo Hülsmann als Träumer, der hier, im Deutschen Theater, sonst den Faust spielt), alles liegt offen vor uns, so offen, dass ein doppelter Boden gar keinen Platz haben kann. Und doch ist alles opulentes und richtiges Theater: Bilderbogen, Szenenstrauß, Schauspielergala."
Lars von Trier wehrt sich gegen eine Aufnahme in den dänischen "Kanon" berichtet Harry Nutt in der Kolumne Times mager und knüpft daran eine kleines Spekulation über die kanonische Inflation auch in Deutschland: "Wenn aus dem Etikett 'Made in Germany' kein Selbstbewusstsein mehr zu beziehen ist, weil es schon morgen in Malaysia hergestellt werden kann, reüssiert das Kulturgut als letzte Ressource mit Herkunftsgewissheit."
Besprochen werden Mozarts Oper "La clemenza di Tito" unter Paolo Carignani und Christof Loy in Frankfurt und die Heine-Ereignisse in Hamburg.
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Süddeutsche Zeitung, 30.01.2006
Hassan Khader, Herausgeber der palästinensischen Literaturzeitschrift Al Karmel, befürchtet nach dem Wahlsieg der Hamas einen Exodus der Intellektuellen aus Ramallah, dem kulturellen Zentrum der Autonomiegebiete. "Vorstellbar ist ein Szenario des gegenseitigen Argwohns und der Feindschaft. Die moderne nationale Kultur wird von Fundamentalisten als eine Art Zersetzung der überkommenen Werte und Ideensysteme angesehen. Selbst die Nationalflagge gilt als problematisch. Ein führender Vertreter der Hamas versuchte sich vor kurzem in Literaturkritik und entschied, dass man nun mal Gedichte und Erzählungen schreiben sollte, um so den zukünftigen Generationen vom Kampf für ihr Vaterland zu berichten."
Auch der israelische Schriftsteller David Grossmann kann es noch nicht fassen. "In diesem entscheidenden Moment, in dem die meisten Israelis sich endlich zu gemäßigteren und realistischeren Ansichten durchgerungen haben, in dem Moment, in dem sie - mehr oder weniger - erkennen, wo die Machtgrenzen liegen, und einsehen, dass religiöse und territoriale Herzenswünsche notgedrungen aufgegeben werden müssen, in diesem Moment ist das palästinensische Volk in abgrundtiefe Verzweiflung verfallen und hat eine extreme, fundamentalistische Bewegung gewählt, die jeden Kompromiss ablehnt und totalen religiösen und territorialen Wunschträumen nachhängt."
In seinem Stück "Die Schändung", die am Berliner Ensemble von Thomas Langhoff inszeniert wurde, konzentriert sich Botho Strauß vor allem auf die Bluttat, merkt ein mäßig beeindruckter Gustav Seibt an. "Also muss Christina Drechslers Lavinia schnalzen und röcheln, silberne Armprothesen über ihren Stümpfen tragen und sich in eine geile Überlebende verwandeln, die Entschädigung im Sex mit einem ihrer vor Schuldgefühlen schlotternden Vergewaltiger sucht. Nicht einmal die Imagination eines Zungenkusses mit der Zungenlosen bleibt einem erspart. Opfer sind ekelhaft, sagt das Stück, und wir sind aufgefordert, dafür die Resonanz in unserem Herzen zu finden."
Weiteres: Martin Wagner resümiert ein Treffen von 300 Politikern, Wissenschaftlern und Künstlern in Salzburg, auf dem unter dem seltsamen Titel "The Sound of Europe" über die EU diskutiert wurde. Tobias Timm hat Regisseur David Lynch in Berlin über Yoga und Frieden reden hören. Jens Malter Fischer gratuliert dem Bassbariton Benno Kusche zum Neunzigsten.
Besprochen werden Michael Hanekes erste Opernarbeit, eine Aktualisierung von Mozarts Oper "Don Giovanni" an der Pariser Garnier-Oper ("Wirkungsvoll ist es schon, wenn zuletzt die Rächer den Toten mit einem Papierdeckel über dem Kopf, auf dem seine Racheschwüre zu lesen sind, auf die Bühne schieben", urteilt Reinhard J. Brembeck.), Thomas Langhoffs Version der "Die Schändung" von Botho Strauß am Berliner Ensemble, das Sprechstück "Herbst 77. Sechs Wochen im Kanzleramt" über die Schleyer-Entführung im Theater Bonn, die Uraufführung eines Stücks von Wolfgang Rihm auf den Mozart-Feierlichkeiten in Augsburg, der Auftakt von Udo Jürgens 40. Deutschland-Tournee in Köln, Peter Thorwarths "total verrückter" Film "Goldene Zeiten", und Bücher, darunter zwei neue Einführungen zur Designgeschichte, Radjo Monks Wendekommentar "Blende 89" sowie zwei Neuerscheinungen zu Dietrich Bonhoeffer (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Dass er zu einem Eis am Stiel wird, dann splittert
15.03.2010. In der Welt warnt Ibn Warraq vor den Scharia-Gerichten in England. In der SZ schreibt Richard Swartz über Korruption in Kroatien. Die FAZ erinnert an Zeiten, als zum Frommen der Kunst Knaben kastriert wurden. Gawker findet Ian McEwans Satire auf den Klimawandel gar nicht komisch und deckt eine von Sean Penn begangene Ungerechtigkeit auf. Und im Tagesspiegel gratuliert Jürgen Neffe dem Perlentaucher zum Zehnten. Mehr lesen
Ich war verstört
13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas. Mehr lesen
Zeitung lebt
12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen
Damals war die Zukunft heute
11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen
10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter, meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen
Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel
09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen
Schwirren und fliegen und sausen
08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen
Denken Sie an Klaviersaitendraht
06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen
Antipathie gegen Beton und Stahl
05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen
Ein Fingernagel in ihrer Suppe
04.03.2010. In der FR erzählt Liao Yiwu, wie ihn das Gefängnis zum Reportageschriftsteller machte. Golem meldet: Die Telekom löscht 19 Terabyte Vorratsdaten. In der NZZ trägt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf zur weiteren Ernüchterung Margot Käßmanns bei. Die Welt warnt: Man kann Joanna Newson nicht einfach den New Weird Americana zuordnen. In der taz kritisiert Ralf Bönt das neue Prestige der Religionen. Mehr lesen
Ein Trost am Rand meines Grabes
03.03.2010. Liao Yiwu schickt seinen deutschen Lesern einen Trauergesang für die Dongxiao - die taz bringt ihn. Philip Gourevitch trägt außerdem im New Yorker einige sehr interessante Links zu Liao bei. Der NZZ geht das Urteil zur Vorratsdatenspeicherung nicht weit genug: Sie fragt, was aus dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung geworden ist. In Sachen Leistungsschutzrechte spielt die Bundesjustizminsterin im Magazin promedia auf Zeit.In der FR schreibt der chilenische Autor Ariel Dorfman über das Erdbeben. Mehr lesen
Ich saß bereits im Flugzeug
02.03.2010. Die Debatte über Ryszard Kapuscinski geht weiter. Laut Welt war er ein parteilicher Autor, der es mit der Wahrheit nicht so genau nahm. In der NZZ erklärt Martin Pollack, warum er die Biografie nicht übersetzen will - nicht wegen ihrer Wahrheiten, sondern wegen ihres Tons. Die FAZ beklagt den Einfluss der Sammler auf den heutigen Kunstbetrieb. In der SZ fordert Ulrich Johannes Schneider: Digitalisiert die Bücher! Die taz präsentiert die furiose Geigerin Patricia Kopatchinskaja und NPR das neue Album der Gorillaz. Mehr lesen
Eine Kultur der Jetzigkeit
01.03.2010. Die SZ berichtet über die Demontage eines Denkmals in Polen: Ryszard Kapuscinski wird vorgeworfen, dass er nicht nur dem Regime recht nahe stand, sondern auch ganz schön geflunkert hat. Die NZZ ist auf dem Quivive und hat herausgefunden, dass Brooklyn inzwischen angesagter ist als Manhattan, vor allem bei den "Helicopter Moms". Die FAZ liest mit Staunen Cory Doctorows Roman "Little Brother". Das Blog Carta meldet, dass die SZ 21 Stellen in der Redaktion streicht. Mehr lesen
Tack, und der Ton ist weg
27.02.2010. In der NZZ erklärt der Pianist Krystian Zimerman den Unterschied zwischen Lautstärke und Dynamik. Die taz war dabei als Frank Schirrmacher Martin Walser pathologisch nannte und Walser Schirrmacher quotensüchtig. In der Welt polemisiert Sonja Margolina gegen die Gesinnungskontrolle der liberalen Mainstream-Medien. Sascha Anderson (im ND) und Josef Haslinger (im Standard) nehmen Stellung zu Helene Hegeman. Die FR beobachtet, wie She She Pop auf der Bühne mit ihren Väter diskutieren. In der FAZ erklärt die "Human-Resources-Managerin" Anke Maruschka, wie man seinen Mitarbeitern kündigt. Die SZ weiß auch nicht, warum sie gerade beim Computerspiel "Heavy Rain" Probleme hat, jemanden zu erschießen. Mehr lesen
Nicht an das Große rühren
26.02.2010. Von jenseits des Grabes erklingt nochmal die Stimme Johnny Cashs und lässt den einen oder anderen Feuilletonisten erschauern. Die NZZ präsentiert eine gute Idee für einen großen Teil der neuesten Kunst: Michael Landys' Kunstabfallcontainer. Die Welt bringt ein Gespräch mit dem Historiker Norbert Leithold, der einst das Pornokino reformieren wollte. Die FAZ feiert Michael Lentz' Sprache der Liebe, die SZ den Architekten Ole Scheeren, der den Westen schon hinter sich hat. Mehr lesen



