Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
30.01.2006. Die FAZ findet die deutschen Theater theaterblutrünstig. Die FR mochte Roland Schimmelpfennigs Stück "Auf der Greifswalder Straße" dagegen sehr. Für die Welt scheitert Michael Hanekes Hyperrealismus im Pariser "Don Giovanni" an Mozarts Surrealismus. In der SZ schreiben ein israelischer und ein palästinensischer Autor über die neue Lage nach dem Wahlerfolg der Hamas. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Präparatorin Navena Widulin. Außerdem streiten hier Nadeem Elyas, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, und die Frauenrechtlerin Seyran Ates über den baden-württembergischen Fragebogen für einwanderungswillige Muslime.
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Neue Zürcher Zeitung, 30.01.2006
Michael Hanekes "Don Giovanni"-Inszenierung hat das Pariser Publikum in Wallung versetzt, berichtet Peter Hagmann: "Hat der Palais Garnier in den knapp anderthalb Jahrhunderten seines Bestehens je eine heftigere Saalschlacht erlebt als an diesem 27. Januar 2006, dem 250. Geburtstag Wolfgang Amadeus Mozarts? Ein erstes Geplänkel war vor der Pause ausgebrochen. Am Ende gab es rauschenden Applaus für die Sänger, schmerzende Hiebe für den Dirigenten. Als aber das Inszenierungsteam auf der Bühne erschien, sanft und scheu, erhob sich ein Pro und Contra, dass man geradewegs an den Untergang der wunderbaren Opern-Titanic glauben konnte. Allein, Besseres für Mozart hätte Gerard Mortier, der derzeitige Kapitän, nicht anrichten können."
Weitere Artikel: Jürgen Tietz denkt über die Bedeutung von Architektur-Ikonen nach. Ulf Meyer beschreibt den 800 Millionen teuren Umbau Turins, wo im Februar die Olympischen Winterspiele stattfinden sollen. Christine Wolter stellt das dazugehörige Kulturprogramm Turins vor. Andrea Gnam war bei einem Symposion in Karlsruhe über "Das Bild in der Gesellschaft. Neue Formen des Bildgebrauchs". Andreas Oplatka berichtet, dass der Regisseur Istvan Szabo während seines Studiums Informant des Staatssicherheitsdienstes gewesen sein soll. Georges Waser diagnostiziert ein Bestsellerfieber in Großbritannien.
Besprochen wird die Aufführung von Roland Schimmelpfennigs Stück "Auf der Greifswalder Straße" am Deutschen Theater in Berlin.
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Die Tageszeitung, 30.01.2006
Gabriele Goettle besucht die Museumskonservatorin und Präparatorin am Berliner Medizinhistorischen Museum der Charite (mehr), Navena Widulin, die auch in Bosnien schon gearbeitet hat. "2000 und 2001 bin ich über die UNO hingefahren, in die Nähe von Sarajevo. Dort wurden Massengräber ausgehoben. Man hatte plötzlich mit 200 Leichen zu tun, die alle erschossen oder durch Handgranaten hingerichtet worden waren. Fast nur Männer, Zivilisten. Kaum Frauen und Kinder. Ein Rechtsmediziner und einer von uns, haben die Leichen auseinander genommen, soweit das möglich war. Die waren oft schon sehr skelettiert. Wir haben sie entkleidet, und da wurden übrigens plötzlich Gallensteine gefunden bei einigen. Die waren schon so zersetzt, dass die Gallensteine quasi aus der Galle rausgefallen sind in die Kleidung. Die Anthropologen und sogar die Rechtsmediziner haben mir erst nicht geglaubt, die dachten, es ist Schmuck. Dann haben sie sich aber überzeugt und gesehen, es sind Gallensteine. Ich war ganz stolz, dass ich es gleich erkannt habe."
Nadeem Elyas, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, und die Anwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ates diskutieren auf den Tagesthemenseiten über den Fragebogen für einwanderungswillige Muslime. Ates hat keine grundsätzlichen Bedenken. "Wir können nicht jedes Mal die Rassismuskeule rausholen, nur wenn über Probleme gesprochen wird und über Instrumente, mit denen man sie bekämpfen will. Es gibt gute Gründe, warum dieses Misstrauen gegenüber Muslimen existiert."
In der zweiten taz überprüft Georg Blume das touristische Potenzial des chinesischen Neujahrfeuerwerks. Jan Feddersen glaubt, dass der Begriff der Minderheit hierzulande ausgedient hat. Susanne Lang trifft den Kollegen Peter Hahne. Im Medienteil verkündet Peter Luley, dass David Montgomery nach dem Berliner Verlag nun auch die Hamburger Morgenpost übernommen hat, was die taz dort zur "einzigen unabhängigen Tageszeitung" macht.
Und Tom.
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Die Welt, 30.01.2006
Ein Schwerpunkt ist Mozart-Aufführungen gewidmet: Ulrich Weinzierl war beim Festkonzert der Wiener Philharmoniker in Salzburg, die unter Riccardo Muti "Langeweile auf höchstem Niveau" produzierten - bis Kanzler Schüssel nach der Pause zu spät in den Saal kam: "Das lässt sich der Maestro assoluto nicht bieten. Brüsk kehrt er dem Publikum den Rücken und stürzt sich ins 'Allegro con spirito' der Haffner-Symphonie, während das Ehepaar Schüssel verschämt in die erste Reihe huscht. Eine fulminante, zugleich herrlich musikantische Darbietung. Muti scheint wie ausgewechselt, plötzlich steht ein raffinierter körpersprachlicher Klangmodulator am Pult. Mutis Rache ist zu Mozarts Triumph geworden."
Zwiespältig hat Manuel Brug Michael Hanekes Inszenierung des "Don Giovanni" in Paris aufgenommen. Haneke hat die Handlung in die Konzernetagen des Filmmilieu verlegt. "Don Giovanni, ein von sich selbst angeekelter Frauenflüsterer. Der seinen Opfern die blanke Brust bietet, um selbst angegriffen zu werden. Der vor der Champagnerarie aus dem Fenster springen will. Der sich später, Schutz und Zärtlichkeit suchend, in Elviras noch warmen Trenchcoat hüllt. Das funktioniert in seinem Hyperrealismus lange glänzend, bis die Oper den ihr eignen Surrealismus - arioses Innehalten - fordert. Dann wird der souveräne Regisseur Haneke zum Erfüllungsgehilfen, der nur das Libretto paraphrasiert. Natürlich gibt es keinen Friedhof, keine Hölle. Der steinerne Gast ist nur eine blutige Leiche im Rollstuhl. Elvira sticht Giovanni ab, dann entsorgen ihn die Putzteufel mit den Mickey-Maus-Masken (wie in 'Bennys Video') aus dem Fenster."
Außerdem: Kai Luehrs-Kaiser erlebte bei Dietrich Hilsdorfs "Entführung" in Leipzig "rebellische Schnitzkunst von Meisterhand", Peter Schneeberger hörte Willy Deckers "Idomeneo" in Wien, Stefan Keim war bei Vincent Boussards "Cosi fan tutte" an der Oper Brüssel und Uwe Wittstock bei Christof Loys "Titus" in Frankfurt/Main.
Weitere Artikel: Warum bloß lieben die Deutschen Bollywoodfilme, diese "überlangen, überbunten Schinken", fragt sich Peter Zander und vermutet, es liegt an ihrer Nähe zum deutschen Heimatfilm der fünfziger Jahre. Berlinale-Chef Dieter Kosslick freut sich im Interview, dass er vier deutsche Filme im Wettbewerbsprogramm hat: "Die Filme sind alle sehr unterschiedlich - und starke Schauspielerfilme." Sascha Westphal berichtet von einer Initiative zahlreicher DVD-Produzenten aus aller Welt, die sich unter dem Namen dvdvideointernational.com zusammengeschlossen haben, um die von Hollywood durchgesetzte Parzellierung des DVD-Marktes in sechs Zonen zu unterlaufen: "Damit die DVDs in möglichst vielen Ländern verkauft werden können, werden die Filme auf codefreie DVDs im NTSC-Format gepreßt und mit zahlreichen optionalen Untertiteln versehen." Hellmuth Karasek schreibt über Heinz Rühmanns "Feuerzangenbowle" auf DVD.
Nach neun Jahren Renovierungsarbeit und einem Skandal um Kunstwerke zweifelhafter Herkunft ist am Wochenende die Villa Getty in Kalifornien wieder eröffnet worden, berichtet Nina Wachenfeld. Vorgestellt wird schon mal die Runde des Literarischen Quartetts zu Ehren von Heinrich Heine - die Diskussion wird am 3. und 4. Februar im Fernsehen ausgestrahlt.
Im Magazin wirft Inge Griese einen kritischen Blick auf Berlin als frisch gekürte Welthauptstadt des Designs: "Das gefühlte Berlin ist bunt, kreativ, inspirierend, cool, das etwas andere Deutschland eben. An guten Tagen. Wird man älter, ist nicht so ausgeruht und weniger nachsichtig, dann nervt dieses Berlin-Gefühl wie ein Student, der sich nach 24 Semestern Sozialkunde immer noch nicht so recht zur Abschlussprüfung durchringen mag. Trotz aller Chancen, sie zu bestehen. In Berlin sind die Menschen stets Teil des Aufbruchs. Wer wirklich mal ankommen will, muss wahrscheinlich umziehen."
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2006
In Berlin war Premierenwochenende: Roland Schimmelpfennigs Stück "Auf der Greifswalder Straße" wurde im Deutschen Theater in der Regie von Jürgen Gosch uraufgeführt, und am Berliner Ensemble lief Botho Strauß' neues Stück "Schändung", inszeniert von Thomas Langhoff. Gerhard Stadelmaier fragt sich zum wiederholten Male, warum unsere an sich doch recht behagliche Gesellschaft in ihren Staatstheatern in Blut ersäuft:"Wenn wir jetzt an beide Aufführungen zurückdenken, sehen wir vor allem: rot. Rot wie Blut. Es scheint unaufhörlich zu fließen, spritzen, sprühen. Als habe das Theater unseren Augen einen schmutzigen, schlierigen, gallertartigen Verband auferlegt. Theaterblut zwar, aber Theaterblut meint so gut Blut, wie ein Theatertoter unser aller Tod meint, wenn er auf der Bühne liegt und es ihm ernst ist. So dass also auch unser Blut vergossen wird. Aber dann müsste dieses Blut da droben auch mit uns zu tun haben."
Weitere Artikel: Mark Siemons hat sich zusammen mit einer halben Milliarde Chinesen die Fernsehgala zum Neujahrsfest angesehen und zieht Rückschlüsse auf das offizielle Selbstbild der Nation. Auf einer ganzen Seite werden Kritiken von Mozart-Ereignissen an europäischen Bühnen geboten: "Don Giovanni" in der Regie von Michael Haneke in Paris (Eleonore Büning bleibt skeptisch), "La clemenza di Tito" in Frankfurt, "Lucio Silla" in Hannover, die "Entführung" in Leipzig, "Cosi fan tutte" in Brüssel und noch ein "Titus" in Oldenburg. Jordan Mejias liest amerikanische Zeitschriften, in denen sich selbst gestandene Konservative über die Selbstherrlichkeit von George W. Bushs Amtsführung beschweren. Auf der Sachbuchseite erprobt Jürgen Kaube die ganze Schlagkraft seines Humors an einem schmalen Kolumnenband der freien Journalistin Hilal Sezgin.
Auf der Medienseite beschließt der Rundfunkhistoriker Hans-Ulrich Wagner die Reihe "Stimmen" mit einem Stück über Peter von Zahn. Auf der letzten Seite lässt Richard Kämmerlings Ereignisse eines Heine-Wochenendes (denn es ist nicht nur Mozartjahr!) in Hamburg Revue passieren. Andreas Rosenfelder lauschte an der Uni Witten/Herdecke einem Vortrag Michel Friedmans über Religion, und Dirk Schümer porträtiert Romano Prodis ehemalige italienische Kulturministerin Giovanna Melandri, die nach Abwahl Berlusconis ihrAmt neu antreten will und schon mal ein diesbezügliches Manifest verfasste.
Besprochen werden Peter Thorwarths Film "Goldene Zeiten", Daniel Rademachers Theaterprojekt "Nur für Arbeitslose" in Düsseldorf, ein Auftritt der Band Art Brut in Köln, die Ausstellung "Splendeurs de la cour de Saxe" in Versailles und Sachbücher, darunter die Übersetzung von Alain de Liberas Standardwerk "Der Universalienstreit".
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Frankfurter Rundschau, 30.01.2006
Peter Michalzik sieht Roland Schimmelpfennigs Stück "Auf der Greifswalder Straße" in der Regie von Jürgen Gosch am Deutschen Theater ganz anders als Gerhard Stadelmaier: "Wirklich alles ist nackt bei Gosch (auch der sehr gut gebaute Schauspieler Ingo Hülsmann als Träumer, der hier, im Deutschen Theater, sonst den Faust spielt), alles liegt offen vor uns, so offen, dass ein doppelter Boden gar keinen Platz haben kann. Und doch ist alles opulentes und richtiges Theater: Bilderbogen, Szenenstrauß, Schauspielergala."
Lars von Trier wehrt sich gegen eine Aufnahme in den dänischen "Kanon" berichtet Harry Nutt in der Kolumne Times mager und knüpft daran eine kleines Spekulation über die kanonische Inflation auch in Deutschland: "Wenn aus dem Etikett 'Made in Germany' kein Selbstbewusstsein mehr zu beziehen ist, weil es schon morgen in Malaysia hergestellt werden kann, reüssiert das Kulturgut als letzte Ressource mit Herkunftsgewissheit."
Besprochen werden Mozarts Oper "La clemenza di Tito" unter Paolo Carignani und Christof Loy in Frankfurt und die Heine-Ereignisse in Hamburg.
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Süddeutsche Zeitung, 30.01.2006
Hassan Khader, Herausgeber der palästinensischen Literaturzeitschrift Al Karmel, befürchtet nach dem Wahlsieg der Hamas einen Exodus der Intellektuellen aus Ramallah, dem kulturellen Zentrum der Autonomiegebiete. "Vorstellbar ist ein Szenario des gegenseitigen Argwohns und der Feindschaft. Die moderne nationale Kultur wird von Fundamentalisten als eine Art Zersetzung der überkommenen Werte und Ideensysteme angesehen. Selbst die Nationalflagge gilt als problematisch. Ein führender Vertreter der Hamas versuchte sich vor kurzem in Literaturkritik und entschied, dass man nun mal Gedichte und Erzählungen schreiben sollte, um so den zukünftigen Generationen vom Kampf für ihr Vaterland zu berichten."
Auch der israelische Schriftsteller David Grossmann kann es noch nicht fassen. "In diesem entscheidenden Moment, in dem die meisten Israelis sich endlich zu gemäßigteren und realistischeren Ansichten durchgerungen haben, in dem Moment, in dem sie - mehr oder weniger - erkennen, wo die Machtgrenzen liegen, und einsehen, dass religiöse und territoriale Herzenswünsche notgedrungen aufgegeben werden müssen, in diesem Moment ist das palästinensische Volk in abgrundtiefe Verzweiflung verfallen und hat eine extreme, fundamentalistische Bewegung gewählt, die jeden Kompromiss ablehnt und totalen religiösen und territorialen Wunschträumen nachhängt."
In seinem Stück "Die Schändung", die am Berliner Ensemble von Thomas Langhoff inszeniert wurde, konzentriert sich Botho Strauß vor allem auf die Bluttat, merkt ein mäßig beeindruckter Gustav Seibt an. "Also muss Christina Drechslers Lavinia schnalzen und röcheln, silberne Armprothesen über ihren Stümpfen tragen und sich in eine geile Überlebende verwandeln, die Entschädigung im Sex mit einem ihrer vor Schuldgefühlen schlotternden Vergewaltiger sucht. Nicht einmal die Imagination eines Zungenkusses mit der Zungenlosen bleibt einem erspart. Opfer sind ekelhaft, sagt das Stück, und wir sind aufgefordert, dafür die Resonanz in unserem Herzen zu finden."
Weiteres: Martin Wagner resümiert ein Treffen von 300 Politikern, Wissenschaftlern und Künstlern in Salzburg, auf dem unter dem seltsamen Titel "The Sound of Europe" über die EU diskutiert wurde. Tobias Timm hat Regisseur David Lynch in Berlin über Yoga und Frieden reden hören. Jens Malter Fischer gratuliert dem Bassbariton Benno Kusche zum Neunzigsten.
Besprochen werden Michael Hanekes erste Opernarbeit, eine Aktualisierung von Mozarts Oper "Don Giovanni" an der Pariser Garnier-Oper ("Wirkungsvoll ist es schon, wenn zuletzt die Rächer den Toten mit einem Papierdeckel über dem Kopf, auf dem seine Racheschwüre zu lesen sind, auf die Bühne schieben", urteilt Reinhard J. Brembeck.), Thomas Langhoffs Version der "Die Schändung" von Botho Strauß am Berliner Ensemble, das Sprechstück "Herbst 77. Sechs Wochen im Kanzleramt" über die Schleyer-Entführung im Theater Bonn, die Uraufführung eines Stücks von Wolfgang Rihm auf den Mozart-Feierlichkeiten in Augsburg, der Auftakt von Udo Jürgens 40. Deutschland-Tournee in Köln, Peter Thorwarths "total verrückter" Film "Goldene Zeiten", und Bücher, darunter zwei neue Einführungen zur Designgeschichte, Radjo Monks Wendekommentar "Blende 89" sowie zwei Neuerscheinungen zu Dietrich Bonhoeffer (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Notschrei eines blutjungen Originalgenies
09.02.2010. Das Wall Street Journal attackiert das "German Cultural Appeasement". Das Chinese Law Prof Blog bringt Liu Xiaobos Rede vor dem Gericht, das ihn zu elf Jahren verurteilte: eine Weigerung zu hassen. Die FR bejubelt das Comeback des Gil Scott-Heron. Die FAZ bringt: Hegemann - Hermeneutik und Kritik. Die NZZ bilanziert die Auswirkungen des Erdbebens auf die Kulturlandschaft Haitis. Und die Welt fragt: Was machen Niall Ferguson und Ayaan Hirsi Ali denn da? Schmusen die? Mehr lesen
Härteste Türpolitik
08.02.2010. Das Blog Gefühlskonserve hat herausgefunden, dass Helene Hegemanns Roman "Axolotl" ein bisschen arg von dem Untergrundroman "Strobo" des Bloggers Airen inspiriert ist. Große Aufregung! Vielleicht lernen die aus dem Internet jetzt auch, was Urheberrecht ist, hofft die FAZ. In der FR beschreibt der italienische Staatsanwalt Roberto Scarpinato, wie Zersetzung des Staats und Aufstieg der Mafia zusammenhängen. Inszenierung des Wochenendes: Koltes' "Quai West" in der Regie von Andrea Breth in Wien. Mehr lesen
Verhängt die Fenster
06.02.2010. In der FAZ sieht Stephen Baker das menschliche Gehirn auf dem Rückzug. Die NZZ fragt, ob Apple das Internet in kleine herstellerabhängige Netze zerschlagen wird. Die Welt trifft die Deutschen in der Kälteregion des Daseins. Die taz erkennt mit Thea von Harbou auf die List der Geschichte. In der FR beklagt Ulrich Beck die McDonaldisierung der Universitäten. Der Tagesspiegel begibt sich auf die Spur des Clans, der Hatun Sürücü ermorden ließ. Und im Perlentaucher unterstützt Herta Müller die Forderung nach dem Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo. Mehr lesen
Pneumatische Prozesse
05.02.2010. Die Welt staunt über Pat Metheny, der sich mit großem Tüftleraufwand ein Orchestrion zusammenbauen ließ. In der NZZ denkt Thomas Hettche über das Soldatische, aber auch über den Pergamon-Altar nach. Die FR fordert ein Wahlrecht für Migranten. Die FAZ begleitet Österreich in seinem verzweifelten Ringen um Restsouveränität. Die SZ erklärt, wie man Regeln der Scharia übernimmt, ohne den Rechtsstaat zu verraten. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Wie Einbrecher in der Nacht
04.02.2010. Im Tagesspiegel erklärt der Pädophilie-Experte Klaus Beier, warum die katholische Kirche eine solche Anziehung auf Pädophile hat. Immer schon, wie die SZ vermerkt. Der Freitag bemüht sich um Differenzierung beim Islam: Dschihad heißt sich abmühen. Die taz wäre gegen die Burka, wenn es nicht islamfeindlich wäre, gegen die Burka zu sein. In der Zeit erklärt Werner Herzog, warum er keine andere Wahl hat als Filme zu machen. Die FAZ ermisst den realen Ernst der virtuellen Lage. Mehr lesen
So viel wie ein junges Nashorn
03.02.2010. Wie uralt ist diese Bundesrepublik!, ruft die Welt nach Ansehen einer DVD-Edition mit Kulturfilmen von Bernhard Grzimek. Ebenfalls in der Welt empfiehlt Zafer Sencoak in der aktuellen Islamdebatte einen Blick auf die Türkei. Die FR berichtet vom Fajr Film Festival in Teheran, das von den Juroren boykottiert wird. Auf den Seiten des amerikanischen PEN Clubs schlägt Kwame Anthony Appiah den Autor und Dissidenten Liu Xiaobo für den Friedensnobelpreis vor. Die chinesische Regierung warnt vor dieser Idee. Mehr lesen
Irgendwo in einer fernen Wolke
02.02.2010. Anders als die Kritikophoben gehen die Islamkritiker ein persönliches Risiko ein, meint die NZZ. Nichts ist wohlfeiler als Kritik am Islam, meint dagegen Stefan Weidner im Rheinischen Merkur. Die FR fühlt sich von der Islamdebatte verstört. Spiegel Online berichtet über die geheimen Verhandlungen zum internationalen Copyright-Abkommen ACTA. In der FAZ sieht der New York Times-Redakteur John Markoff den Ipad auch als ein Statement gegen die sozialen Netze. Mehr lesen
Vermutlich wurde er ermordet, vermutlich in Tokio
01.02.2010. Die Washington Post enthüllt, wie viele CDs man verkaufen muss, um auf Platz 1 der amerikanischen Klassikcharts zu landen. Die Beliebigkeit der Literaturkritik ist nicht nur ökonomischem Druck geschuldet, findet die Jungle World. In der NZZ erzählt Angelika Overath von der Verfertigung eines Schulhausromans in Sankt Moritz. Die Zerstörung in Haiti bestürzt mehrere Feuilletons. Die SZ legt nach im Islam-Streit. Die Berliner Zeitung bekennt in der gleichen Sache ihre Ratlosigkeit. Mehr lesen
Circa anderthalb goddamns pro Seite
30.01.2010. In der Welt polemisiert Ulrike Ackermann gegen einen Staat, der uns aus lauter Liebe lauter Freiheiten nimmt. Die NZZ erinnert an den brasilianischen Journalisten Euclides da Cunhas, dessen Buch "Krieg im Sertao" von 1902 die Schrecken des 20. Jahrhunderts ankündigte. In der FAZ verteidigt Sonja Margolina das Recht auf Islamkritik. Die FR bringt einen Essay Salman Rushdies über die siebte Tosünde - die Trägheit. In der SZ staunt Joachim Kaiser über Maurizio Pollini, der alles richtig macht. Außerdem wird in einigen Zeitungen noch J.D. Salinger gewürdigt. Mehr lesen
Und am Ende siegt immer diese Traurigkeit
29.01.2010. Im Hinblick auf den kommenden Tory-Sieg in Großbritannien informiert die NZZ schon mal über die angesagten Gummistiefelmarken zum Abschreiten der Landsitze. In der Berliner Zeitung wünscht sich Berlinale-Chef Dieter Kosslick Slow Filmfood. Für die FAZ ist jetzt ganz klar: Netz ändert Hirn. Carta fragt: Wer zahlt eigentlich Hotel und Jahrgangswein, wenn Vattenfall "Führende Medienmacher" zum Plausch einlädt? Die SZ bringt eine Sonderseite zu Ruhr 2010. Mehr lesen
Ein Fünkchen Leben, ein bisschen Idiotie
28.01.2010. Der Freitag polemisiert gegen den "postkolonialen Feminismus", der einen Abbau von Frauenrechten gutheißt, jedenfalls in anderen Kulturen. Das Ipad ist da: Gizmodo gibt Tipps für den Gebrauch. Im Tagesspiegel sieht die Juristin Sibylle Tönnies das Verbot der Burka in öffentlichen Gebäuden als Maßnahme in der Nachfolge des französischen Revolutionsterrors. Die Zeit geht in Dantes Hölle spielen. Mehr lesen
Nur Frankfurt kam mit keinem Wort vor
27.01.2010. Für die Welt ist Andrzej Stasiuk nach Belzec gefahren, wo es kaum noch Spuren des ehemaligen Todeslagers gibt. Im Guardian erklärt Chefredakteur Alan Rusbridger, warum er eine Paywall ablehnt: Seine Zeitung würde Millionen Leser verlieren. In der New Republic plädiert Lawrence Lessig gegen das Google Book Settlement. Alle waren beim Suhrkamp-Empfang in Prenzlauer Berg. Auch Martin Walser. Bei Spiegel Online erklärt Henryk Broder, dass er seine Karriere als Hassprediger aufgeben und jetzt Taliban werden will. Mehr lesen
Mit einem Martini und einem Orden
26.01.2010. Die FR bringt eine Diskussion über den Afghanistan-Einsatz. Die New York Times staunt über die Diskriminierung arbeitender Mütter in Deutschland. Netzpolitik und das 1 & 1-Blog diskutieren geplante Jugendschutzmaßnahmen, die es den Anbietern auferlegen, ausnahmslos jederzeit sämtliche Inhalte zu kontrollieren. Die Welt staunt über Brecht, der einen Kult für Kälte mit einer Abneigung gegen harte Butter in Einklang brachte. In der SZ spricht Jimmy Wales über die Erzeugung von Objektivität in der Wikipedia - dank der englischen Sprache. Die taz-Feministinnen zupfen weiter am Kopftuch. Stephan Grigat fordert in der Presse eine linke Kritik an der islamischen Menschenzurichtung. Mehr lesen
Menschenfreundliche Wortwundverbände
25.01.2010. In der Berliner Zeitung klagt Wolfgang Benz über den "Hass", der ihm entgegenschlug. Im Tagesspiegel erklärt Henryk Broder, warum er es als Kompliment begreift, wenn ihn deutsche Feuilletonisten als "Hassprediger" bezeichnen. Die SZ berichtet über eine Kontroverse um Yannick Haenels Roman "Jan Karski". Die FAZ bringt einen Lobgesang auf den Jungdramatiker Nis-Momme Stockmann. Und die Welt stellt den Autor Markus Albers vor, der sich künftig selbst verlegt. Mehr lesen
Tempel des digitalen Zeitalters
23.01.2010. Die taz erklärt, warum Feminismus und Islamkritik sich vielleicht doch nicht ausschließen müssen. Die FR fordert nach Lektüre von Seyran Ates neuem Buch mehr Differenzierung bei der Betrachtung des Islam. Die NZZ feiert Conlon Nancarrows hochkomplexe Musik für mechanische Klaviere. In der Welt begrüßen Berliner Suhrkamp-Autoren ihren Verlag im neuen Domizil und geben Überlebenstipps für die Hauptstadt. In der SZ warnt Jaron Lanier vor dem maoistischen Google. In der FAZ erkennt Frank Schirrmacher in Google eine Akademie der Aufklärung. Mehr lesen



