Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Ewige Werte
- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
- Domenico Scarlatti
- Olaf Sundermeyer und der Perlentaucher: Richtigstellungen
- Die Perlentaucher-Affäre und das System Schirrmacher
- Der sogenannte neue Übersetzerstreit
- Die Zeitungen und die Freien
- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
- Anna Politkowskaja
- Politkowskaja
- Wikipedia und der Google Juice
- Andre Müller interviewt Arno Breker
- Canfora, Stalin, Le Goff
- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
- Adam Michnik
- Seyran Ates: Antwort auf Jutta Limbach
- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
- Thomas Kling
- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
- Marie-Luise Scherer
- Das Ende der Berliner Seiten
- Gustav Seibt über Götz Aly
- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
31.03.2005. In der Zeit beklagt Salman Rushdie die Rückkehr der Religionen - und ihrer Intoleranz. Außerdem bringt die Zeit ein langes Gespräch mit Jörg Immendorff. Die NZZ greift eine französische Debatte über schwarzen Rassismus gegen Weiße auf. Die FR erinnert sich selig an das West-Berlin der Achtziger. Die taz polemisiert gegen Dogma. Die FAZ verabschiedet die Buchpreisbindung in der Schweiz.
Die Zeit | Neue Zürcher Zeitung | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Zeit, 31.03.2005
"Überall dort, wo die Religion den Kurs einer Gesellschaft bestimmt, kommt es zu Tyrannei. Zur Inquisition. Zu den Taliban", stellt der einschlägig erfahrene Schriftsteller Salman Rushdie klar und fordert eine Stärkung des säkularen Denkens vor allem in den USA, aber auch in Großbritannien, wo Tony Blair gerade versucht, "ein Gesetz durchzudrücken, das die 'Aufwiegelung zu religiösem Hass' unter Strafe stellt - ein zynischer, populistischer Versuch, die Repräsentanten der britischen Muslime zu besänftigen, in deren Augen praktisch jedes kritische Wort über den Islam eine Beleidigung darstellt."
""Den Begriff Malerfürst finde ich lächerlich, außerdem diskreditierend, denn wo ein Fürst ist, muss es auch einen Kaiser geben": Auf zwei Seiten schreibt Erwin Koch über einen Besuch bei Jörg Immendorff, der sehr bewegend über sich, seine Kunst und seine Krankheit spricht: "Es ist nun nicht so, dass ich jeden Tag mit dem Gedanken an den Tod verbringe. Eher ist es auch etwas Befreiendes, ich meine / bin da irgendwie / glaube ich / auch privilegiert, weil ich, den Tod so nahe, mich mit ihm beschäftigen muss. Es gibt ja dumme Tode, wo man denkt, was soll der Quatsch? / Aber / ja / ich bin zu sehr noch hier, und je mehr ich dieses Hier bejahe, macht das Jenseits mehr Sinn. Es ist ja nicht eine Treppe, die immer goldener wird, die unten hölzern anfängt und oben mit Gold endet / vielleicht ist ja die erste Stufe aus Gold und die letzte aus Holz / mit sehr viel Mist dazwischen, ich weiß es nicht / aber ich denke, je intensiver man lebt / wenn ein Tag intensiv ist, speist sich etwas Anderes, ich meine, warum habe ich das Foto von Beuys über meiner Tür hängen? Oder den Mao? Sicher nicht als religiöse Veranstaltung, sondern / weil mich das an Dinge erinnert, die mich weiterhin befassen / und ausmachen, aber doch auch sie, den Beuys und den Mao, weiter aufladen. Ja / selbst die jenseitigen Energien speisen sich von den Eindrücken, die man hinterlässt. Das wäre auch ein guter Grund, sich halbwegs anständig zu benehmen auf der Erde, damit / damit man / gute Chancen hat, für sich weiter zu glühen."
Weiteres: Einen sehr interessanten Bericht liefert Henrike Thomsens über die ägyptische Filmindustrie, die den gesamten Nahen und Mittleren Osten versorgt und sich dabei zwischen Zensur, islamischer Propaganda und panarabischen Nation bewegt. Gar keinen Spaß hatte Hanno Rauterberg trotz Robotern und Mammut auf der Expo im japanischen Nagoya. Theaterredakteur Peter Kümmel beurteilt die päpstliche Passion, die inzwischen mehrmals in der Woche in Rom vorgeführt wird. Der Anwalt Jörg Nabert schildert den Streit um die Verwertungsrechte der Himmelsscheibe von Nebra, die der Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt für sich reklamiert. Claudia Herstatt kündigt für den Kunstmarkt an, dass das ehrwürdige Haus Vacheron Constantin zu seinem 250. Bestehen 250 wertvolle Taschenuhren versteigern will.
Besprochen werden Botho Strauß' Divenspiel "Die eine und die andere" am Berliner Ensemble", Andrew Horns Dokumentarfilm über den schwulen Punk-Countertenor Klaus Sperber "The Nomi Song" und die Jazz-Konzerte, die Altmeister Heinz Sauer zusammen mit der jungen Hoffnung Michael Wollny gibt. In der "Discothek" preist Jens Jessen Michelangelo Antonionis Klassiker "La Notte", Thomas Groß entnimmt der CD "Ukraina- Songs of the Orange Revolution", dass der wilde Osten "die Klischeeproduktion über sich selbst in die eigene Hand" genommen hat. Wolfram Goertz stellt Emilio de Cavalieris Renaissance-Oper "Rappresentatione di Anima" vor.
Im Aufmacher des Literaturteils rühmt Michael Maar die Märchen von Hans Christian Andersen als eines der sieben literarischen Weltwunder. Im Dossier berichten Charlotte Wiedemann und Daniel Steinvorth, wie sich die Frauen im Jemen gegen eine Rückkehr ins Mittelalter wehren.
Die Zeit | Neue Zürcher Zeitung | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Neue Zürcher Zeitung, 31.03.2005
Marc Zitzmann greift die Debatte aus Frankreich über Rassismus auf, der sich gegen Weiße richtet. Nach Ausschreitungen schwarzer Jugendliche gegenüber weißen hatten unter anderen Alain Finkielkraut, Jacques Julliard, Bernard Kouchner und Pierre-Andre Taguieff einen Appell lanciert, der sich gegen einen Rassismus gegen Weiße richtet und das Land in helle Aufregung versetzt hat (mehr hier): "Interessant jedoch mutet an, dass ein hierzulande lange Zeit totgeschwiegenes Problem derzeit anscheinend salonfähig wird. Der Ombudsmann von Le Monde schrieb am Montag: 'Auch in Le Monde, geben wir es zu, verbot eine Art Tabu, von manchen Dingen zu sprechen. Auf keinen Fall sollte dem Front national in die Hände gearbeitet werden. Also hat man, mit den besten Vorsätzen, verschwiegen, was im Detail hätte beschrieben und - anders als durch gutmenschliche Soziologen - hätte analysiert werden sollen."
In einem Interview mit Uwe Stolzmann spricht der Schriftsteller Jorge Semprun über die Erinnerung an den Spanischen Bürgerkrieg und sein Buch "Zwanzig Jahre und ein Tag": "Heute können wir uns den Luxus einer wahrhaftigen und vollständigen Erinnerung leisten. Wir können an die Opfer des Franco- Regimes erinnern, ohne damit, sagen wir, ein Chaos in der Gesellschaft hervorzurufen. Es gibt diese Literatur, es gibt eine offene Debatte - und ganze Dörfer verlangen, dass endlich die Massengräber geöffnet werden, um die Opfer der Repression zu identifizieren. Nur dank allgemeiner Amnestie und Amnesie konnte die Demokratie wiederhergestellt werden. Jetzt müssen wir diese Gedächtnisschwäche überwinden."
Weiteres: Nein, es ist nicht nur ein Medienhype, es tut sich wirklich was in Münchens Kunstszene, versichert Birgit Sonna: "Auch wenn man hier im Bereich Gegenwartskunst rund 40 Jahre hinterherhinkt, ist die Animationswirkung der Pinakothek der Moderne unbestreitbar. Mehr und mehr siedeln sich in dem Museumsviertel der Maxvorstadt junge Galerien an." Joachim Güntner berichtet von einem seltsamen Rechtsstreit: Danach verklagt die Witwe von Friedrich Dürrenmatt, Charlotte Kerr, den Autor Hugo Loetscher, weil die FAZ in einer Rezension Abträgliches über sie geschrieben hat. Hanspeter Künzler stellt nach dem Reunion-Konzert fest: Queen ohne Freddie Mercury ist höchstens eine gute Queen-Tribute-Band.
Die Zeit | Neue Zürcher Zeitung | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Süddeutsche Zeitung, 31.03.2005
"Es ist als ob die Popwelt einen verschütteten Urahnen entdeckte," kommentiert Jonathan Fischer das Jack-Johnson-Revival (mehr hier) in den USA. " Einen Rebellen, noch bevor Rebellion sich vermarkten ließ. In einer parteiensprengenden Koalition bemühen sich Jesse Jackson, Stanley Crouch, Polit-Rapper Chuck D. Ken Burns und eine Gruppe Senatoren um eine posthume Rehabilitation für den 1920 aufgrund 'rassistischer Willkür' inhaftierten Boxer. 'Ein Freispruch für Jack Johnson durch den Präsidenten' sagt Senator Edward Kennedy, 'sollte uns daran erinnern, dass die Bürgerrechte immer noch zum ungelösten Problem des Amerikas von heute gehören.'"
Weiteres: Christoph Schultheiss gratuliert dem großen Theaterschauspieler Rolf Boysen (mehr hier) zum 85. ("Wenn Boysen vormacht, wie er in seiner Heimatstadt Hamburg für seine Mitschüler die Disney-Maus gab, pantomimisch ein imaginäres Barthaar zwischen Daumen und Zeigefinger in die Länge zieht, um daran mit metallischem 'Poing' wie an einer Gitarrensaite zu zupfen, bringen seine listig aufblitzenden Knopfaugen die Jahrzehnte zum Schmelzen wie ein kurzer Feuerstoß.") Gerhard Matzig fordert angesicht der Diskussionen um Feinstaub und City-Maut ein politisch klug gesteuertes Nachdenken über zukunftsfähige urbane Lebensmodelle. Petra Steinberger stellt uns die "Iraq Culture Smart Cards" vor, mit deren Hilfe das Pentagon die Kommunikation zwischen GIs und Einheimischen im Irak erleichtern will. Jürgen Otten malt ein düsteres Bild von der kulturellen Ausdünnung in Brandenburg. Frank Arnold unterhält sich mit Paul Weitz über dessen Film "Reine Chefsache" sowie Vorbilder und Ideale,
Gemeldet wird außerdem, dass die Schweizer Wettbewerbskommission (Weko) die Buchpreisbindung in der Schweiz untersagt.
Besprochen werden Till Schweigers Film "Barfuß" (der für Anke Sterneborg unentschlossen zwischen filmischer Herzensangelegenheit und großem Unterhaltungskino hängen geblieben ist.) Thomas Crecelius' Film "Andiamo", F. Gary Grays "Get-Shorty"-Fortsetzung "Be Cool" mit John Travolta und Uma Thurman, das Gastspiel der Limon Dance Company im Münchner Nationaltheater im Rahmen der Ballettwoche, und Bücher, darunter Neuausgaben von Märchen und Romanen Hans Christian Andersens (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).
Die Zeit | Neue Zürcher Zeitung | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Frankfurter Rundschau, 31.03.2005
"Wir schreiben die achtziger Jahre und West-Berlin ist eine Insel, auf der man vom Bafög-Regelsatz leben kann, eine Insel der Seligen, die vor lauter demonstrativem Schlechtdraufsein vergessen hatten, wie das eigentlich geht mit dem Glücklichsein. Schön waren die Menschen damals nicht, auch nicht die Mode und erst recht nicht die Musik", lässt Thomas Winkler die seligen Achtziger Jahre in Westberlin an seinem inneren Auge (und Ohr) vorüberziehen, die derzeit überall in Kulturprojekten und Kunstzeitschriften wieder auferstehen.
Weiteres: Peter Iden feiert noch einmal den verstorbenen Schauspieler Hermann Lause als einen der ganz Großen, Daniel Kothenschulte wundert sich, warum Billy Wilder, der seine Familie im Holocaust verlor, 1946 Hanus Burgers Dokumentarfilm "Die Todesmühlen" von ursprünglich 93 Minuten Laufzeit (in der er für Kothenschulte das umfassendste filmische Holocaust-Mahnmal seiner Zeit gewesen wäre) auf 22 Minuten kürzen ließ. In der Kolumne Times Mager meditiert Ina Hartwig heute über Staub, Staubsauger und Spunk. In der FR-Plus macht sich Martk Obert sehr lesenswerte Gedanken über die zivilisatorischen Einflüsse von MacDonalds auf die St. Petersburger Eremitage und fordert: "Ein Toiletten-Weltkongress muss her!" Klaus Lüber beschwert sich über die Invasion des Niedlichen in Werbspots, Internet oder Bedienungsanleitungen für Bürosoftware. Besprochen werden F. Gary Grays "Schnappt-Shorty"-Fortsetzung "Be Cool" (den Jochen Stremmel leider gar nicht cool findet), Mira Nairs Verfilmung des berühmten englischen Romans "Vanity Fair", Susanne Biers Film "Brothers" und Andres Woods Film "Machuca, mein Freund". Eine einsame Buchbesprechung widmet sich der Autobiografie der japanischen Geigerin Midori (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).
Die Zeit | Neue Zürcher Zeitung | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Tageszeitung, 31.03.2005
Kurz nach dem zehnten Jubiläum des Dogma-Manifests (mehr hier) und knapp drei Jahre nach ihrer Selbstauflösung feuert Dietmar Kammerer noch einmal eine volle Breitseite auf die skandinavischen Dogma-Filmer: "It is an idea and not a brand: 'Branding' kommt von 'brandmarken', dem Kennzeichnen der eigenen Herde in Abgrenzung zu den anderen Tieren, die keinem gehören oder jemand anderem. Die Lektion der Kuhherde: Weil ein Rindvieh wie das andere aussieht, muss man das eigene mit einem Zeichen versehen, das so seinen eigenen Mehrwert bildet... Schon der erste Auftritt war auf maximale Medienwirksamkeit hin inszeniert. Am 20. März 1995, auf einer Pressekonferenz zum 100. Geburtstag des Films im Pariser Odeon-Theater, präsentierte Lars von Trier vor versammelter Medienöffentlichkeit ein feuerrotes Flugblatt, das nichts weniger aussagte, als dass es nichts zu feiern gab. Mit dem Kampfruf 'Dogma 95 ist eine Rettungsaktion!' wandten sich die Unterzeichner gegen ein Kino, das an "gewissen Tendenzen" zu ersticken drohe.... Eine kühl kalkulierte Wut: Nicht das Kommerzkino aus Hollywood wurde angegriffen - an dessen Publikum ist eh nicht ranzukommen -, die eigentliche Konkurrenz im Wettbewerb um die Kinokassen erkannte man zielsicher im Autorenkino."
Ekkehard Knörer hätte sich von Mira Nairs "Vanity-Fair"-Verfilmung mehr Feuer erwartet: "Es gibt 'scharf' und 'indisch scharf'. Mira Nair hat der Mut zu 'indisch scharf' bisher gefehlt. In Zukunft würde man gerne mal auf eine richtige Pfefferschote beißen müssen." Besprochen wird außerdem F. Gary Grays "Get-Shorty"- Sequel "Be Cool". Und Matthias Echterhagen porträtiert den kirgisischen Schriftsteller Scherboto Tokombajew (mehr hier).
Und Tom.
Die Zeit | Neue Zürcher Zeitung | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.03.2005
Der große Theaterkritiker Gerhard Stadelmaier zeigt sich ergriffen vom Schauspiel (aber nicht dem Drama) des siechen Papstes an seinem Fenster im Vatikan: "Nie hat man einen Mächtigen, einen Herrscher so klein, so niedrig, so hilflos, so krank, so erbarmungswürdig gesehen. Vor aller Augen. Aber auch noch nie so sich aufbäumend in seiner Kleinheit, so groß in seiner Ohnmacht, so beredt in seiner Stummheit." Stadelmaier bekennt auch, dass das Christentum auch Einfluss auf seine Berufsauffassung hat: "Wer daran glaubt, wird zum Beispiel Regisseure, die Gott spielen, aber an Menschenkindern nicht interessiert sind, nicht ganz für voll nehmen."
Die Schweizer Wettbewerbskommission hat zum Entsetzen der Branche die Buchpreisbindung verboten, berichtet Jürg Altwegg: "Die verbindlichen Ladenpreise werden nicht nach den üblichen Wechselkursen zwischen Euro und Franken umgerechnet, und die Schweizer haben den nicht ganz falschen Eindruck, für Bücher aus Deutschland zuviel bezahlen zu müssen." Einem Widerspruch gegen die Etnscheidung räumt Altwegg keine allzu großen Chancen mehr ein.
Weitere Artikel: Christian Geyer glossiert die Feinstaubdiskussion. In einem langen Gespräch mit Thomas Wagner und Heinrich Wefing erhält der Generaldirekter der Staatlichen Museen zu Berlin Peter Klaus Schuster Gelegenheit, die großen Linien seiner Berliner Museumspolitik zu erläutern - die Gemäldegalerie im Kulturforum soll sich künftig der klassischen Moderne widmen. Hansgeorg Hermann berichtet, dass albanische Moslems die Dreharbeiten zu einem Film verhinderten, der von einem sich verliebenden Muezzin handeln sollte, und er führt dies auf einen wachsenden Einfluss ausländischer Islamisten zurück. Kerstin Holm berichtet in russische Zeitschriften, die sich mit dem Thema des Bevölkerungsschwunds auseinandersetzen.
Auf der Filmseite erinnert Renate Klett an das Filmfestival von Ouagadougou. Michael Althen freut sich über eine DVD-Kassette mit dem Gesamtwerk von Wim Wenders. Und Andreas Kilb hat im Guardian aus Anlass des britischen Filmstarts von "Der Untegang" Gespräche mit Schauspielern gelesen, die mal den Hitler spielten (mehr hier).
Auf der Medienseite präsentieren die Medienwissenschaftler Rudolf Gerhardt, Hans Matthias Kepplinger und Marcus Maurer die Ergebnisse einer Umfrage unter Redakteuren von Regionalzeitungen über die "innere Pressefreiheit" und die Auswirkungen der Zeitungskrise: "Nur knapp die Hälfte der Redakteure hat generell das Gefühl, 'innerhalb der Zeitung genug Freiheit als Journalist zu besitzen'. Und fast genauso viele (41 Prozent) fühlen sich als Journalist 'eingeengt'." (Gerne hätten wir hier auch die Ergebnisse für die FAZ gewusst!) Und Jochen Buchsteiner schildert seinen Eindruck vom Deutsche-Welle-TV: "sympathisch bemüht, harmlos verbindlich, ungewollt zweitklassig".
Auf der letzten Seite wird Tilman Spreckelsens Laudatio auf die Verleger Stefan Weidle und Mark Lehmstedt abgedruckt, die in Leipzig den Kurt-Wolff-Preiss erhielten. Heinrich Wefing zitiert die Ergebnisse einer Umfrage unter deutschen Vormundschaftsrichtern zum Thema der Sterbehilfe. Und Thomas David hat einer Lesung Muriel Sparks in Berlin zugehört,.
Besprochen werden eine Giovanni-Boldini-Ausstellung in Padua, Susanne Biers Film "Brothers", Rossinis Oper "Il turco in Italia" in Hamburg ud Neil LaButes neues Stück "This is How it Goes" in New York.
Archiv: Heute in den Feuilletons
Vom Verenden des Verstehens
26.05.2012. Pfingstereignis Feuilleton! In der FAZ überlegt Durs Grünbein, warum Dichtung unerlässlich ist. In der SZ schreibt Günter Grass ein erlässliches Gedicht. In der NZZ beschreibt Botho Strauss den Idioten als freien Geist. In der Welt droht der Künstler Gregor Schneider Documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev mit Kunst. Im Tagesspiegel wünscht sich Johannes Schneider etwas mehr Ehrlichkeit in der Urheberrechtsdebatte. In der taz schlägt Ulrich Kühne vor: Nur noch sechs Prozent für die Verwerter. Mehr lesen
Grenzen spielen eine ambivalente Rolle
25.05.2012. Heise Online und die Welt melden: Die Urheberrechtsabgaben für USB-Sticks steigen um bis zu 1850 Prozent. Die FR bewundert in ihrer Cannes-Kolumne Nicole Kidman in der Rolle ihres Lebens. Die FAZ resümiert die spanische Debatte um Mario Vargas-Llosas jüngstes Buch "La civilización del espectáculo". Mehr lesen
Belebung der Leiber
24.05.2012. In der NZZ beschreibt die Schriftstellerin Mansura Eseddin die Situation kurz vor den Wahlen in Ägypten. In der taz erzählt Wes Anderson, was ihn an den 60er Jahren interessiert. In der FAZ erklärt Peer Steinbrück dem Genossen Thilo Sarrazin noch einmal, warum wir den Euro brauchen. In der Zeit erklärt FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher dem Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo: Die Piraten sind keine Modeerscheinung. SZ, Welt und taz feiern den neuen Film von Leos Carax und seinen Hauptdarsteller mit dem hässlichen und wunderschönen, bösen und romantischen Gnomengesicht: Denis Lavant. Mehr lesen
Pragmatische Theorie der Tücke
23.05.2012. Die Welt erzählt, was man in der großen Ausstellung über den jungen Dürer in Nürnberg lernen kann. Und sie spricht sich gegen die Vorschläge der Piratenpartei zum Urheberrecht aus. In der SZ begrüßt der Historiker Michael Wildt neue Blicke auf die Gewaltzusammenhänge des 20. Jahrhunderts. Und Georg Klein zerschneidet Schnecken. Slate.fr fragt: Wie frauenfeindlich darf ein Festival wie Cannes sein? Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Gelegentlich auch finster und bizarr
22.05.2012. Die Inszenierung von "The Rake's Progress" in Frankfurt ist zwar ein bisschen bieder, findet die FR, aber ansonsten: tolle Oper! Die FAZ stellt erstaunliche Parallelen zwischen den Urheberrechtspositionen der SPD und der Piraten fest. Die SZ versucht mithilfe der Nobeltpreisträgerin Elinor Ostrom Urban Gardening und Filesharing zu verstehen. Alle trauern um Robin Gibb. Und die NZZ meint zur Position der deutschen Sarrazin-Kritiker: "Hilflos strampeln sie mit im System der Vermarktung, das sie verdammen." Mehr lesen
Figur der Jederzeitlichkeit
21.05.2012. Wie können die Europäer eigentlich in ein Land kommen, wo gefoltert wird, um ein Fußballfest zu feiern?, fragt Juri Andruchowytsch in der FR. Aber sie singen ja auch in Baku, notiert die taz. Im sonnigen Cannes hebt sich die Düsternis dänisch-österreichischer Autorenfilme besonders vorteilhaft ab, findet die Welt. Im Perlentaucher plädiert Katharina Hacker für das Teilen von Texten - und gegen "Geistiges Eigentum". Die NZZ lernt in Japan: Wer hundert werden will, muss lernen, lernen, lernen. Mehr lesen
Auch bei geringsten dynamischen Graden
19.05.2012. In der Welt gratuliert Kontatin Grcic dem Designerkollegen Dieter Rams, der ihn auf den Pfad der Tugend zurückführte. Die taz überlegt, ob die Geschichte von kino.to als Hollywoodfilm nachzuerzählen wäre, und welche Rolle dabei den Verbänden der Filmindustrie zukäme. Die SZ kritisiert in der Urheberdebatte den Autoren-Aufruf und fordert konstruktive Lösungen. Die FAZ bewegt sich mit Grausen durch spanische Investitionsruinen. Alle trauern um Dietrich Fischer-Dieskau. Mehr lesen
Das Theater, es lebt, es lebt
18.05.2012. Die Berliner Volksbühne ist wieder auferstanden, meldet die taz nach dem Berliner Theatertreffen. Die Welt ist beglückt von Wes Andersons Film "Moonrise Kingdom", der das Festival von Cannes eröffnete. Das Blog Movie Morlock hat passend zum Anlass Glamour-Fotos aus den besseren Jahren des Festivals zusammengestellt. In der FAZ macht Frank Rieger vom CCC einen Vorschlag zur Steuerrevolution. In deutschen Blogs wird immer noch recht heftig über den Urheber-Aufruf diskutiert. Gibt es ein Menschenrecht auf "Geistiges Eigentum"? Mehr lesen
Sie rezensieren, loben und verbreiten auch
16.05.2012. Der Urheber-Aufruf sorgt weiter für Debatten - nun melden sich allerdings auch Autoren, die ihn kritisieren. Cora Stephan will in der Welt die Front gegen die Leser aufbrechen. Benjamin Stein fordert in der Jüdischen Allgemeinen die Anpassung des Urheberrechts an das digitale Zeitalter. Alle Zeitungen begrüßen den Büchner-Preis für Felicitas Hoppe. Nur die SZ überlegt, wer ihr lieber gewesen wäre. Mehr lesen
Viel mit der Hand abgeschrieben
15.05.2012. Die taz kritisiert die Bild: Denn die macht keinen soliden Journalismus, wie er zum Beispiel von Elke Heidenreich verkörpert wird. Jörg Lau kritisiert in seinem Zeit-Blog die taz und erinnert sie daran: Auch wer provoziert, ist nicht selbst schuld, wenn er am Ende dafür umgebracht wird. Die FR ist traurig über die Gentrifizierung Hamburgs. Und Sibylle Lewitscharoff plädiert in der FAZ fürs Urheberrecht. Mehr lesen
Von bürgerlichen Medien empfohlen
14.05.2012. Heftig herumgedruckst wird bei der Berichterstattung über den Eklat bei der Verleihung des Henri-Nannen-Preises: Eigentlich missgönnt SZ-Redakteur Hans Leyendecker den Kollegen von der Bild den Preis gar nicht, schreibt die Bild. Und die SZ zitiert lieber eine Stellungnahme des Netzwerks Recherche - als wäre das nicht Leyendeckers Club. Die taz findet trotzdem: Die SZ-Kollegen sind Helden. Die FAZ ist empört über eine Aktion anonymer Hacker, die die Adressen von Unterzeichnern der Aktion "Wir sind die Urheber" veröffentlichen und mit weiteren Aktionen drohen. Mehr lesen
Unbeeindruckt vom Hohn der Kunstwelt
12.05.2012. Die Urheberrechtsdebatte tost und rumpelt weiter: "Ihr seid nicht (mehr) systemrelevant", ruft Udo Vetter den "Wir sind die Urheber"-Urhebern zu. Euer Geschäftsmodell ist von gestern, bedauert die FR. Vor kurzem protestierten Urheber doch noch gegen Verwerter, wundert sich die SZ. Auf Spiegel Online erinnert Volker Kauder daran, dass auch die Freiheit der Kommunikation Schutz verdient. Die NZZ befasst sich mit dem Dackel in der Kunst. Die FAZ bewundert die Erektion eines Möhrenmännleins. Und: die SZ schlägt den Nannen-Preis für die Bild-Zeitung aus. Mehr lesen
Auch das Spiel folgt Regeln
11.05.2012. Im Tagesspiegel fordert der Drehbuchautor Thomas Bohn: Künstler, erfüllt die Bedürfnisse eures Publikums. Carta fürchtet, dem Künstler geht es bald wie der Milchkuh. Die FAZ dankt für die Würdigung der Verwerter. Die taz findet die Vorstellung von Liquid Democracy naiv: Politik brauche Profis. Die SZ begutachtet die weißen Elefanten in Kiew und Warschau. Die NZZ durchforstet das Angebot der Multioptionsgesellschaft. Mehr lesen
Man versucht, die Revolution herauszuhalten
10.05.2012. In der Zeit pochen hundert Urheber auf ihr Recht. Und Peter Sloterdijk bezweifelt, dass André Rieu in der Lage ist, eine Philosophie-Sendung im ZDF zu moderieren. Die Urheberrechtsdebatte reißt auch in weiteren Medien Gräben auf: Im Freitag fordert der Konzertagent Berthold Seliger eine Reform, die eine Verkürzung der Schutzfristen einschließt. Der Urheberrechtsexperte Till Kreutzer fordert im WDR, dass man die Gegebenheiten der Digitalisierung zur Kenntnis nimmt. Und Foreign Policy meldet: die Prediger der Christenverfolgung haben jetzt schon eine Million Follower. Mehr lesen
Wie eine Kühlbox mit Deckel obendrauf
09.05.2012. Der Tagesspiegel ist froh, dass Berlin nur einen Flughafen eröffnen will. Es hätte noch peinlich kommen können. Der Perlentaucher schaut mit Mitleid auf die narzisstische Kränkung, die das Netz dem Liberalismus zufügt. Die taz druckt schon wieder einen Europa-Appell mit Daniel Cohn-Bendit. In der Welt fragt Ralf Fücks von der grünen Böll-Stifung, ob aus den Piraten je was werden kann. Die NZZ wirft einen Blick auf das neu erblühende Kulturleben in Simbabwe. In der FAZ telefoniert Michael Krüger über Skype mit einem griechischen Freund. Mehr lesen








