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Essay

Das Erbe der Solidarnosc

Vor 25 Jahren wurde in Polen eine unabhängige Gewerkschaft gegründet. Heute werden die Helden von einst mit Dreck beworfen. Von Adam Michnik

08.09.2005. Am Sonntag wird in Polen gewählt. Zu Ende geht ein Wahlkampf, in dem auch heftig über die Solidarnosc gestritten wurde. Wir dokumentieren einen Essay von Adam Michnik, in dem der Herausgeber der Gazeta Wyborza davor warnt, die alten Rechnungen mit neuem Eifer zu begleichen.

Vor 25 Jahren, im August 1980, veränderte Polen das Gesicht der Welt. Ich schließe die Augen und sehe: Die Zeit war schön, und schön waren in Polen die Menschen. Ich war damals 34 und überzeugt, dass meine Generation ein wichtiges Kapitel Geschichte schreibt. Um mich an jene wunderbaren Tage zu erinnern, greife ich nach meinen damaligen Notizen -dem eigenen Gedächtnis vertraue ich heute nicht mehr. Zuviel Bitterkeit und Wehmut hat sich in den letzten Jahren darin angesammelt. Daher weiß ich nicht, ob ich gut daran tue, diese bitteren Bemerkungen niederzuschreiben, die zu einem feierlichen Jubiläum nicht recht passen. Mein Freund Władysław Frasyniuk, im August 1980 der Kopf des Arbeiterprotests in Breslau, später ein legendärer Untergrundführer der "Solidarność" und Häftling während des Kriegszustands, appellierte kürzlich für einen harmonischen Verlauf der Jubiläumsfeiern, man möge "den Groll beiseite schieben" und "nicht von Verrätern sprechen" . So würde ich gerne schreiben, bringe es aber nicht fertig. Ich glaube nicht an jene Eintracht, ich will und kann nicht gemeinsam mit denjenigen feiern, die heute ihr Wissen über die demokratische Opposition und die "Solidarność" aus den Archiven des Sicherheitsdienstes (SB) schöpfen und dabei polizeiliche Denunziationen wie eine Bibel behandeln. Ich fühle mich von ihnen besudelt.

Die damalige Erfahrung, die historische wie die persönliche, lässt sich nicht in der Sprache polizeilicher Denunziationen erzählen. Deshalb müssen wir selbst versuchen zu begreifen, was wir zu tun wagten. Wir müssen den Sinn unserer Lebensläufe wiederfinden.


I.

Im vergangenen Jahr erhielt Wojciech Kuczok für den Roman "Jauche" den Nike-Preis, den wichtigsten polnischen Literaturpreis. Der junge, etwas über dreißig Jahre alte Schriftsteller schilderte in seinem Buch die "Geschichte einer familiären Hölle", also die Geschichte einer polnischen Durchschnittsfamilie aus der Provinz. In diesem - scheinbaren Erziehungs- und Sittenroman kann man jedoch, wie bei Balzac oder Flaubert, ein Bild Polens erkennen, über das die Polen ungern sprechen oder nachdenken, sondern gewöhnlich schweigen. In diesem Polen gibt es keine großen Ideen, keine Klassenkämpfe und keine lichte Zukunft, noch gibt es Gott, Ehre und Vaterland. Dieses Polen ist ein trauriges Land trauriger und uninteressanter, - in den Worten des Schriftstellers - "hohler" Menschen: "Sie haben ihre Wurzeln und Äste, aber im Innern sind sie leer; in dieser Leere schließen sie sich ein" und kapseln sich vor der Welt ab. Die Welt wiederum wird von der Peitsche regiert, mit der der Vater den Sohn zu erzieherischen Zwecken schlägt; der Peitsche, die "schrecklichen Schmerz zufügte", der Peitsche, mit der der Alte den Jungen bearbeitete, der Starke den Schwachen Mores lehrte. Und der Junge, Geprügelte und Schwache konnte nichts tun außer schreien: "Papa, nicht schlagen!"

Anschließend hörte sich der mit der Peitsche verprügelte Junge Vorträge an, dass er der "von der Geschichte verwöhnten Generation" angehöre, da er - anders als der Alte - keinen Krieg erlebt hat. An Stelle der Kriegserlebnisse erhielt der Junge die Lektion des Speichels. Schon in der Schule war Spucken die Norm; "Geifer war der wirkungsvollste Lehrmeister". Bespuckt zu werden, "von allen Seiten direkt ins Gesicht", hatte man zu erwarten, wenn dem Gegner die Worte fehlten. Die Spuckenden waren allgegenwärtig: "ich spürte ihren Atem im Rücken", "sie spuckten mir hinterher, wenn ich über die Straße ging", "sie zeichneten mich".

Zu Hause - die Peitsche; draußen - Geifer. Das ging lange so - so war das polnische Heim.

Und dann alterte dieses Haus. Hässlich, hässlicher als Menschen. "Häuser altern verräterisch, das Alter zieht verstohlen in sie ein und nimmt unmerklich eine Fläche nach der anderen in Beschlag, das Alter von Häusern entzieht sich der Kontrolle, es ist für die Hausinsassen nicht mehr sichtbar, wohingegen empfangene Gäste es schon auf der Schwelle, schon im Flur am Modergeruch spüren."

Im diesem Mief siechte das Haus des kommunistischen Polen, genannt Volkspolen, dahin. Es war ein Land, dessen Außenpolitik, Armee und Polizei den Entscheidungen der Sowjetunion unterlagen; in dem eine kommunistische Nomenklatur, polizeiliche Bespitzelung, eine aufgezwungene Ideologie, Angst und Heuchelei regierten. Das Produkt dieses Systems war der geprügelte und begeiferte Mensch, der erst Mut fasste, wenn er Alkohol getrunken hatte, um dann seinen Hass auf alles und jeden zum Ausdruck zu bringen. Das kommunistische System züchtete diese heimliche Wut; es beutete geschickt aus, was in jedem Menschen schlecht und schwach ist. Ängstlicher Kleinmut, Opportunismus, Apathie und Zynismus waren gang und gäbe. Von Tag zu Tag schwand der Ekelreflex gegen den allgegenwärtigen moralischen Sumpf. Ja, der Modergeruch war spürbar.


II.

Im August 1980 atmete Polen frische, saubere Luft - mit beiden Lungen. Eine mächtige Streikwelle erfasste das ganze Land; der Streik in der Danziger Werft, inspiriert von der demokratischen Opposition und unterstützt von Intellektuellen und der Katholischen Kirche, führte wiederum zu den berühmten Danziger Vereinbarungen und der Gründung von Gewerkschaften, die unabhängig vom kommunistischen Regime waren. Das war kein Gelegenheitskompromiss, wie man ihn aus der Vergangenheit kannte - es war die vollständige Delegalisierung des Systems der kommunistischen Diktatur. Das System, das sich zur Diktatur des Proletariats ausgerufen hatte, wurde durch den Massenprotest der streikenden Arbeiter moralisch disqualifiziert. Wenn man mit dem Begriff "Revolution" einen großen Umschwung bezeichnet, dem ein massenhafter gesellschaftlicher Aufruhr und eine faktische Lähmung des Machtapparats vorausgeht, dann kann man von der "Augustrevolution der Solidarność" sprechen. Der August `80 war jedoch vor allem ein Fest der polnischen Demokratie: Er gab dem menschlichen Gefühl für Freiheit, Würde und Wahrheit seinen Sinn zurück.

Die Zeit des Auguststreiks verbrachte ich im Gefängnis, nachdem der Sicherheitsdienst mich zusammen mit vielen Menschen aus der demokratischen Opposition präventiv verhaftet hatte. Wie in allen Diktaturen glaubte man noch immer, die Polizei könne die Geschichte regieren.

Am 31. August wurden die Vereinbarungen unterzeichnet, die den Streik beendeten. Am 1. September wurden wir freigelassen und fanden uns in einem anderen Land wieder. Anstatt des Modergeruchs spürten wir den wunderbaren Duft der Freiheit. Ich notierte damals ad hoc: "die ruhige Entschlossenheit der Streikenden, die spontane Disziplin, die Reife der Forderungen der Arbeiter". Ich notierte, dass die Streikenden "eine wesentliche Veränderung im System der Machtausübung" verlangten, "aber vor der Grenze Halt machten, die durch die militärische Präsenz der Sowjets gezogen wurde". Ich vermerkte: "die Arbeiter kämpften für die Rechte und Interessen der gesamten Gesellschaft, für soziale Rechte und die Hebung des Lebensstandards, für Bürgerrechte und Redefreiheit, für das Recht auf Subjekthaftigkeit und für unabhängige Gewerkschaften, für moralische Rechte und die Freilassung der politischen Gefangenen".

Ich konstatierte "mit Anerkennung die Tatsache, dass die Machthaber den Verhandlungsweg gewählt hatten, und keine Demonstration der Stärke". Ich bemerkte, ebenfalls ad hoc, die polnische "Quadratur des Kreises". Die jüngsten Ereignisse, schrieb ich, hätten bewiesen, dass die polnische Gesellschaft nicht weiter unter Bedingungen fortschreitender Verlogenheit, Entmündigung und Pauperisierung leben konnte und wollte. Es sei ein berechtigter Anlass zu nationalem Stolz, dass wir es verstanden hätten, unsere Rechte auf die vernünftigst mögliche Art und Weise zurückzufordern. Doch die Lebensform der Polen hänge nicht nur von ihren Aspirationen ab, sondern auch von der vom Westen akzeptierten sowjetischen Dominanz. Daraus folgere, dass "die unveräußerlichen Aspirationen der Polen nach Freiheit und Subjekthaftigkeit so verwirklicht werden müssen, dass es für die sowjetische Politik schädlicher wäre, in Polen militärisch zu intervenieren, als davon abzusehen."

Kurz gesagt, ich glaubte an irgendeine Form weitgehender Autonomie und demokratischer Freiheiten im Rahmen der Breschnjew-Doktrin. Ich denke, das war der damalige Horizont der ganzen "Solidarność".
Jene Tage, jene Gespräche? Die freudestrahlenden und nach Wahrheit dürstenden Menschenmengen bei den Treffen in Fabrikhallen und Universitätsaulen - es war wie ein wunderschöner Traum.
Für uns Menschen der demokratischen Opposition, die die Studentenrebellion, die antiintellektuelle und antisemitische Hetze und schließlich die Repressionen der Polizei im März 1968, danach das Massaker an den Arbeitern der Küste im Dezember 1970 und dann die Repressionen gegen die Arbeiter im Juni 1976 erlebt und sich im Komitee zur Verteidigung der Arbeiter (KOR) und anderen oppositionellen Initiativen engagiert hatten, war das der lang erwartete Moment der Genugtuung. Nach Jahren der Peitsche und der Begeiferung, der Niedertracht, der Verzweiflung und des Zynismus erhielten unsere Aktivitäten einen existentiellen und historischen Sinn - ohne KOR und die demokratische Opposition hätte es den herrlichen, unblutigen, siegreichen August `80 nicht gegeben. Zu einem großen Teil leiteten den Danziger Streik Menschen, die mit KOR verbunden waren.

Denn wir hatten es nicht leicht - der Sicherheitsapparat vergiftete uns das Leben mit Verhaftungen, Misshandlungen, Berufsverboten, Erpressungen und Verleumdungen. Man sammelte "Fanghaken" gegen uns, fabrizierte kompromittierendes Material, besudelte uns, entzweite uns mit Lügenintrigen, drangsalierte uns mit Provokationen. Viele hielten diesen Druck nicht aus - sie zogen sich von den Aktivitäten zurück, brachen zusammen, verließen Polen. Die Tüchtigsten von uns wurden ununterbrochen verunglimpft - mit den Materialien, die über Jacek Kuroń oder Jan Jozef Lipski fabriziert wurden, um sie zu diskreditieren, könnte man sicher den Kulturpalast tapezieren. Niemand von uns hätte damals gedacht, dass diese Geheimdienstarchive Jahre später, als es schon keinen Sicherheitsdienst, kein Volkspolen, ja sogar keine Sowjetunion mehr gab, ein Eigenleben gewinnen würden; dass die schöne Zeit schöner Menschen sich in einen Morast von Geheimdienstdenunziationen verwandeln würde.

Denn diese unblutige polnische Revolution der "Solidarność" war wirklich schön - sie war ein Karneval der Freiheit, des Patriotismus und der Wahrheit. Diese Bewegung förderte bei den Menschen das Wertvollste in ihnen zutage: Uneigennützigkeit, Toleranz, Edelmut, Freundlichkeit gegenüber anderen. Diese Bewegung war kreativ und nicht destruktiv; sie gab den Menschen ihre Würde wieder und zehrte nicht vom Bedürfnis nach Rache. Nie zuvor und nie danach war Polen ein so sympathisches Land und waren die Menschen so frei, gleich und brüderlich.


III.

Es war die Zeit dreier polnischer Wunder: der Wahl Johannes Pauls II. und seines Besuchs in Polen im Juni 1979, des August-Streiks, Lech Wałęsas und der "Solidarność" und schließlich des Literaturnobelpreises für Czesław Miłosz. Über Jahre hatten wir uns immer wieder gesagt, dass es nicht reicht, auf ein Wunder zu warten - dass man für ein Wunder arbeiten muss. 1980 erblickten die Polen die Ergebnisse ihrer Arbeit.

Am Ende des Papst-Besuchs im Juni 1979 notierte ich: "etwas Merkwürdiges ist geschehen. Dieselben im Alltag frustrierten und beim Schlangestehen nach Besorgungen aggressiven Menschen verwandelten sich in eine heitere und freudestrahlende Gemeinschaft, sie wurden zu Bürgern voller Würde. Diese Würde fanden sie in sich wieder und mit ihr das Bewusstsein ihrer Subjekthaftigkeit und Stärke. Die Miliz war von den Hauptstraßen verschwunden, und es herrschte auf ihnen mustergültige Ordnung. Die über so viele Jahre entmündigte Gesellschaft fand plötzlich die Freude an der Selbstbestimmung wieder."

Johannes Paul II. hatte gesagt: "Habt keine Angst!" - und die Menschen hörten auf, sich zu ängstigen.

Der Juni ´79 war die erste Schwalbe des August ´80. Deshalb fand die Arbeiterrevolution unter dem Zeichen des Kreuzes und dem Portrait Johannes Pauls II. statt. "So treibt die Geschichte unbarmherzigen Spott mit der Theorie", schrieb Leszek Kołakowski ironisch.

Der polnische Papst und später der polnische Werftarbeiter bauten die ersten Ziegel aus der Berliner Mauer aus. Außerdem noch ein polnischer Schriftsteller. Der Nobelpreisträger Czesław Miłosz, ein Dichter und Emigrant, legte scharfsichtig den Mechanismus des "verführten Denkens" bloß, erzählte der Welt vom entmündigten heimischen Europa1 und trat vernehmlich für die von der Sowjetunion unterjochten baltischen Nationen ein. 30 Jahre lang kursierten seine Bücher in illegalen Abschriften und in Untergrund- oder Exilausgaben, war Miłosz eine Ikone der demokratischen Opposition.
Johannes Paul II. symbolisierte das beste Gesicht der polnischen Katholischen Kirche, der Streik in Danzig mit Lech Wałęsa an der Spitze die Rebellionen der polnischen Arbeiter und Czesław Miłosz die unbotmäßige polnische Intelligenz.

Es waren die drei Erkennungszeichen dreier Tendenzen innerhalb der "Solidarność": die eine betonte den nationalen und katholischen Charakter der Bewegung, die andere die Forderungen der Arbeiter und die dritte schließlich die demokratischen und humanistischen Werte. Diese Strömungen widersprachen einander nicht, sie lagen auch nicht im Konflikt miteinander - wir sahen sie eher als komplementär an. Doch sie bargen in sich den - damals nicht bewusst gewordenen - Keim künftiger Spaltungen. All das veränderte das Bild Polens in der Welt. Polen, das man gemeinhin als ein Land draufgängerischer Kavalleristen sah, die Attacken gegen Panzer ritten, darüber hinaus aber als ein Land von Säufern und Obskuranten, Antisemiten und Banausen, wurde zu einem wichtigen, aufmerksam beobachteten und geachteten Land. Man bewunderte nicht nur den polnischen Mut, sondern auch die polnische Besonnenheit, nicht nur Patriotismus und Ehrgefühl der Polen, sondern auch ihre Selbstdisziplin und ihren Realitätssinn.

Die sich selbst beschränkende polnische Revolution griff nicht nach der Macht im Staat. Die "Solidarność" postulierte das Modell einer selbstverwalteten Republik: vom Betrieb bis zur Stadt, von der Stadt bis zu den zentralen Institutionen des Staates. Das zeigte viel Realismus - schrittweise vorzugehen und eine offene Konfrontation zu vermeiden -, aber auch viele Illusionen - denn ein solches Demokratiemodell funktionierte nirgends auf der Welt. Wichtig ist jedoch, dass die "Solidarność" offen für die Suche nach Kompromisslösungen. Das kommunistische Regime dagegen - das allerdings weiterhin unter dem ständigen brutalen Druck Moskaus stand - konnte kein vernünftiges Modell einer Koexistenz vorschlagen, es wurde von Tag zu Tag schwächer. Um sich - und vielleicht auch das Land vor einer sowjetischen Intervention - zu schützen, griff es nach dem letzten Argument. In der Nacht vom 12. auf den 13. Dezember rief es den Kriegszustand aus. Die führenden Vertreter der "Solidarność" wurden verhaftet, sie selbst wurde für illegal erklärt.

In den Untergrund abgedrängt, hielt die "Solidarność" sieben lange Jahre durch; sie überstand Repressionen, dramatische Kapitulationen von Aktivisten und zahlreiche Abwanderungen ins Exil. Sie hielt durch dank der Haltung ihrer Sprecher, zumal Lech Wałęsas, dank der Haltung ihrer Untergrundführer, zumal Zbigniew Bujaks, dank der kategorischen Weigerung der Inhaftierten - Jacek Kuroń, Karol Modzelewski, Bronisław Geremek, Tadeusz Mazowiecki - zu kapitulieren; dank der Haltung von Papst Johannes Paul II. und mutigen katholischen Priestern, dank der Unterstützung der internationalen Öffentlichkeit und dank den Hunderttausenden Menschen, die ihren Traum von einem freien Polen nicht aufgeben wollten.

Sie hielt auch dank ihrer Vernunft durch - die "Solidarność" hatte den Kampf mit einer Absage an die Gewalt begonnen und hörte nicht auf, ihre Kompromissbereitschaft zu erklären; sie ließ sich weder brechen, noch in den Extremismus einer fanatischen Sekte abdrängen, die vom Gefühl des erlittenen Unrechts und dem Bedürfnis nach Rache zehrt. Darin war sie konsequent - seit dem August `80 hatte sie erklärt, etwas aufbauen und nicht irgend jemanden vernichten zu wollen. Es waren sieben Jahre voller Untergrundarbeit und Repressionen, alltäglichen Risiken und Ratlosigkeit. Damals erzählten wir uns immer wieder einen Witz, den wir wohl von unseren tschechischen Freunden in Prag gehört hatten. Was muss geschehen, damit die sowjetischen Truppen aus Polen abziehen? Es gibt zwei Möglichkeiten: eine rationale und eine wunderbare. Die rationale Möglichkeit ist die, dass der Hl. Georg, der Drachentöter, an die Weichsel kommt und die sowjetische Armee verjagt. Und das Wunder? Das Wunder wäre, wenn sie von selbst gingen.

Aus unserer Sicht betrachtet, war Gorbatschows Perestrojka ein wirkliches Wunder. Zuerst weckte sie Argwohn - wir hatten keinen Grund, den Erklärungen sowjetischer Führer zu vertrauen. Dann beobachteten wir sie mit Skepsis, schließlich kam Hoffnung auf. Das Ferment in Russland schuf eine neue Aussicht auf Veränderungen in Polen und in anderen Ländern.

Der Zusammenhang zwischen der "Perestrojka" und der "Solidarność" war für mich offensichtlich, auch wenn ich nicht annehme, dass er für Michail Gorbatschow ähnlich offensichtlich war. Die Revolution der "Solidarność" war für das sowjetische System das, was für die katholische Kirche die Reformation war - die Infragestellung sämtlicher Dogmen der Institution, wenn auch nicht der Dogmen des Glaubens. Deshalb reagierte das sowjetische System mit einer Art Gegenreformation - einer Replik, die sich die Kritikpunkte der Reformation zu eigen macht, um die Institution selbst zu beschützen. In den sowjetischen Debatten tauchten Themen auf, die vom August ´80 und den nachfolgenden Monaten wohlbekannt waren: die Forderung nach der Wahrheit über die stalinistische Vergangenheit und über die wirtschaftliche Lage; die Forderung nach Redefreiheit und Pluralismus, nach Reformen und Rechtstaatlichkeit.

Die volkspolnischen Politiker lasen sorgfältig die sowjetischen Zeitungen. Die neue Sprache musste sie beunruhigen und ihnen zu denken geben. Zugleich begriffen sie, wie sehr sich ihr eigener Spielraum erweiterte. Zwei Streikwellen 1988 waren für sie die letzte Alarmglocke. Damals schlugen sie Gespräche am Runden Tisch vor. Als Resultat dieser Gespräche kam es zur Legalisierung der "Solidarność" und zu freien - wenn auch nicht völlig demokratischen - Wahlen im Juni 1989. Bei diesen Wahlen triumphierte die "Solidarność". Die Kommunisten gaben die Macht ab - ohne eine einzige Barrikade, ohne einen einzigen Schuss, ohne ein einziges Opfer. Der Geist des August `80 lebte wieder auf - das Streben nach Freiheit ohne Gewalt und ohne fanatischen Hass.

Die "Solidarność"- Revolution war zu Ende - es begann die Zeit der Transformation.

Der Historiker und Essayist Jerzy Jedlicki schrieb einige Jahre später: "Die historische Meisterschaft der polnischen antikommunistischen Opposition der 70er und 80er Jahre bestand im maßvollen Setzen der sofortigen Ziele des zivilen Kampfes in seinen aufeinanderfolgenden Phasen und in der Fähigkeit, taktische Kompromisse zu schließen, wofür - geben wir es zu - ein Teil des Verdienstes auch der anderen Seite zukommt, weil bei einem rücksichtslosen Regime eine derartige Methode nicht wirkt. Heute, da jeder x-beliebige sich erlaubt, auf den "Runden Tisch" zu spucken, äußere ich gern meine Überzeugung, dass diese Vereinbarung ein Meisterwerk politischer Kunst und Ethik war und dass ihr Beispiel Osteuropa möglicherweise Ströme von heroisch vergossenem Blut erspart hat."

Ich teile Jerzy Jedlickis Ansicht. Doch jene "Geiferer" sind heute Legion. Warum? - fragen Ausländer oft. Wahrlich - schwer zu begreifen?


IV.

Denn bedenken wir: Am 1. August 1944 begann der Warschauer Aufstand, der nach 63 Tagen heldenhaften Kampfes mit der polnischen Kapitulation und einer völligen Katastrophe endete. Die Blüte der jungen Generation wurde niedergemacht, Zehntausende Zivilisten kamen ums Leben, die Hauptstadt Polens wurde restlos zerstört, und der politische Nutzen war gleich Null. Dennoch würdigen wir heute öffentlich diesen so blutig erkauften und politisch vergeblichen Akt des polnischen Patriotismus, wir halten ihn in Ehren und setzen ihm Denkmäler.

Der Erfolg des Runden Tisches dagegen, der den Polen - und nicht nur ihnen - den friedlichen Weg zur Freiheit eröffnete, wird häufig als eine niederträchtige Verschwörung und als ein Verrat an der Nation betrachtet.
Warum - fragen Ausländer - können die Polen nicht stolz sein auf das, was sie in den Augen der ganzen Welt an Großartigem und Mutigem, Klugem und Vernünftigem zustande gebracht haben? Können die Polen nur Gescheiterte, Gefallene und Ermordete in Ehren halten?

Alexis de Toqueville bemerkte einmal: "Obgleich wir an die Unbeständigkeit der menschlichen Charaktere gewöhnt sein sollten, mag uns doch eine solch große Veränderung in den moralischen Anlagen eines Volkes verwundern, so großer Egoismus anstelle so großer Opferbereitschaft, so große Gleichgültigkeit anstelle so großer Leidenschaft, so große Furcht anstelle so großem Heldenmut, soviel Verachtung für das, was Gegenstand solch heftigen Verlangens gewesen war und so teuer zu stehen kam".

Ich habe oft über die Worte des großen Franzosen nachgedacht, wenn ich die Mäander der polnischen Geschichte der letzten 15 Jahren verfolgte, als der Kampf um die Freiheit beendet und die Zeit der Spaltungen und des Machtkampfs gekommen war. Es war eine Zeit der demagogischen Versprechungen und niederträchtigen Verratsvorwürfe, der Korruptionsskandale und des Konkurrenzkampfs mit allen Mitteln, der Intrigen und des Klientelismus, der Verachtung für die Wahrheit und der Dreckschleuderei gegen die Verdientesten.

Zugleich waren es die besten 15 Jahre in den letzten drei Jahrhunderten der polnischen Geschichte. Denn wie sieht die Bilanz der polnischen Transformation aus?

Die Arbeiter, die im August `80 die Bürgerrechte forderten, besitzen heute alle Rechte, auch wenn ihre Lebensumstände mitunter dramatisch schwierig sind und die Gepflogenheiten privater Unternehmenseigentümer nicht selten an die Epoche des Wolfskapitalismus erinnern. Doch die Arbeiter besitzen insbesondere das Recht auf eigene, vom Machtapparat unabhängige Gewerkschaften. Auf einem anderen Blatt steht, ob die Gewerkschaften diese Rechte geschickt zu nutzen wissen, ob sie es fertig bringen, für immer auf Träume von ihrer einstigen Macht und das Kopieren von Formen des Protest zu verzichten, die in der Epoche des Kampfs gegen die Diktatur entwickelt wurden. In jenen Jahren war jeder Streik, jede Demonstration, jede Straßenblockade ein Mittel zur Schwächung und Demontage der Diktatur; heute muss man nach anderen Mitteln suchen, um unter den Bedingungen eines demokratischen Staates seine Rechte durchzusetzen. Werden die Gewerkschaften der Versuchung populistischer Rhetorik, unmöglich zu erfüllender Forderungen und absonderlicher politischer Bündnisse mit fremdenfeindlichen Parteien und Feinden der Europäischen Union widerstehen? Sind sie imstande, ein Programm zum Schutz der Arbeitnehmerinteressen in den Realitäten der privaten Wirtschaft, hohen Arbeitslosigkeit und fortschreitenden Globalisierung zu formulieren? Lassen wir diese Fragen offen. Natürlich ist das kein ausschließlich polnisches Phänomen. Die gesamte europäische Gewerkschaftsbewegung ist ohne Orientierung auf der Suche nach einer Formel für ihre Funktion im vereinten Europa.

Alle Rechte haben auch die Bauern, aber ihre Stimmung beherrscht die Furcht vor ausländischer Konkurrenz und dem unausweichlichen Strukturwandel des polnischen Dorfes.

Auch die Intellektuellen und die Künstler haben alle Rechte erlangt: kein ideologisches Gebot und keine Zensur sitzt ihnen im Nacken, sie schreiben, was sie wollen, und publizieren, was sie wollen, aber sie empören sich, wenn sie die abnehmenden Ausgaben für Wissenschaft und Kultur beobachten. Ihre - in der Epoche der Diktatur so wichtige und vernehmbare - Stimme verhallt heute in der Kakophonie von Worten und Klängen der Massenkultur.
Die Katholische Kirche erhielt alle Rechte und auch gewisse Privilegien - die sie in den Jahren der Diktatur gefordert hatte. Die Hirten beklagen jedoch, dass ihre Herde nicht nach den Geboten der Kirche lebt. Auch in der Politik ist die Stimme der Kirche nicht mehr ausschlaggebend: Die Gläubigen hören nicht auf die Aufrufe der Bischöfe und Pfarrer vor den Wahlen und stimmen gemäß ihren eigenen Interessen und Vorlieben ab. Obwohl alle die Rechte erhalten haben, für die die Menschen des August `80 kämpften, ist also niemand zufrieden mit dem freien Polen.

In Wojciech Kuczoks Roman findet sich der Monolog des alten K.: "Was sind das nur für diebische Zeiten, sie betrügen einen frech am hellichten Tag (?), ach, wenn ich an der Regierung wäre, würde ich diese Pest ausrotten, mit Stumpf und Stiel?"


V.

Jede weitere Welle der Unzufriedenheit illustrieren die Ergebnisse der folgenden Parlamentswahlen. Das belegt im übrigen, dass das demokratische System regelgerecht funktioniert: Die Gesellschaft hat das Recht erhalten, die Regierung friedlich auszuwechseln, und sie nutzt es. Das Problem ist nur, dass nach jeder Auswechslung ein Wunder erwartet wird, die Zeit der Wunder aber mittlerweile vorbei ist. Zuerst sollte der Sturz der Regierung von Tadeusz Mazowiecki und die Wahl von Wałęsa zum Präsidenten ein Wunder bewirken; dann sollte die Rückkehr der Postkommunisten an die Macht die Sehnsucht nach Vollbeschäftigung und der sozialen Sicherheit der volkspolnischen Epoche verwirklichen. Die Frustration über die Arbeitslosigkeit und den Verlust der sozialen Sicherheit geht einher mit einer Frustration anderer Art: Der Gerechtigkeit wurde nicht Genüge getan.

Viele ehemalige, oft sehr verdienstvolle Aktivisten der demokratischen Opposition und der "Solidarność" werden zornig, wenn sie sich die finanziellen Blitzkarrieren von Leuten des alten Regimes anschauen. Sie sehen eine Welle organisierter Kriminalität, um sich greifende Korruption, die Selbstzufriedenheit und den Zynismus von Lakaien des alten Regimes - und sie suchen nach den Schuldigen. Oft sagen gerade sie, die "Solidarność"- Revolution sei verraten oder nicht vollendet worden; ein Rezept sehen sie darin, SB-Agenten nachzuspüren und in den Polizeiarchiven ausfindig zu machen. Sie wiederholen immer wieder, die Rechnungen für das begangene Unrecht seien nicht beglichen und der Gerechtigkeit sei nicht Genüge getan worden.

In vielem haben sie recht: diese Rechnungen wurden nicht beglichen; Schuld wurde im allgemeinen nicht gesühnt und Unschuld nicht belohnt.

Schlimmer noch, die grundlegende Idee der "Solidarność"-Revolution, das Projekt einer sich selbst verwaltenden Republik - vom Betrieb über die Kommune bis zu den zentralen staatlichen Institutionen - wurde ersetzt durch das System einer parlamentarischen Demokratie und einer auf Privateigentum beruhenden Marktwirtschaft. Die Zeit uneigennützigen Heldenmuts ist vorbei - das Ethos der Solidarität wurde von Unternehmer- und Konkurrenzgeist verdrängt. Großherziges soziales Engagement, bravouröser Mut und ritterliches Ehrgefühl wurden zu Waren, die auf dem polnischen Markt nicht nur selten sind, sondern auch wenig geschätzt. Gerissenheit und Brutalität, Rücksichtslosigkeit und Dreistigkeit sind in den neuen Zeiten unvergleichlich wirkungsvoller und populärer geworden. Die Intrige tarnt sich mitunter geschickt als Edelmut, und Fanatismus hüllt sich in das Gewand der Verteidigung von Grundsätzen. Kann es dann verwundern, dass Menschen, die dem Kampf für ein freies Polen ihre besten Jahre gaben, frustriert sind?

Aber es ist nun einmal so, dass jeder große revolutionäre Umschwung Hoffnungen und Erwartungen weckt, die sich nicht erfüllen lassen. In diesem Sinne bleibt jede Revolution unvollendet oder wird verraten; keine bewirkt, dass die Sünder bestraft und die Gerechten belohnt werden. Und mögen uns gute Geister vor Revolutionen beschützen, die die Rechnungen von Tugend und Untugend begleichen, die vollendet sind. Denn das Ende ist dann die Guillotine oder das Erschießungskommando. Die Egalisierung vergangenen Unrechts bringt unweigerlich neues Unrecht mit sich, das oft grausamer ist als das vorige. Es genügt, die Geschichte der Revolutionen der letzten beiden Jahrhunderte zu durchforschen? Wer vollendete Gerechtigkeit möchte, sollte daran denken, dass nur Exekutionen vollendet sind.


VI.

Zu Beginn dieses Jahres erregte die polnische Öffentlichkeit die Bekanntgabe einer langen Liste mit den Namen von offiziellen und inoffiziellen Mitarbeitern des SB sowie von Personen, die der SB erfolglos anzuwerben gewünscht oder versucht hatte. Die Namen waren bunt gemischt - es war unmöglich herauszufinden, nach welchem Prinzip sie zusammengestellt wurden. Zehntausende Menschen fühlten sich besudelt, doch das war erst der Beginn Anfang des Spektakels. Denn von diesem Augenblick an enthüllten Presse und Fernsehen unter Berufung auf Daten aus Polizeiarchiven unablässig weitere Namen vermeintlicher Mitarbeiter.

Geschockt schrieb Władysław Frasyniuk, ein unstreitiger Held der "Solidarność"- Revolution: "Ich konnte nicht schweigen, als Lech Wałęsa am Pranger stand, weil man ihn einer Zusammenarbeit mit dem SB bezichtigte; als eine wilde Lustration mehrerer Politiker einsetzte, darunter des Präsidenten sowie des gegenwärtigen und eines ehemaligen Ministerpräsidenten, die zuvor die Durchleuchtungsprozeduren erfolgreich bestanden hatten; als behauptet wurde, Zbigniew Bujak wäre eine ?undichte Stelle des SB? im Untergrund gewesen."

Wojciech Kuczok beendet "Jauche" mit dem bezeichnenden Ruf: "Soll doch der Blitz reinfahren und das alles für immer verbrennen!"

"Aber an diesem Tag", schreibt Kuczok, "traf sie statt eines Blitzschlags die Jauche: plötzlich spürten sie den Gestank im ganzen Haus, bis zum Dachgeschoß, spürten ihn plötzlich und waren beunruhigt, sie begannen zu rufen und herumzufragen, was da so stinkt, als ängstigten sie sich plötzlich, dass es vielleicht ihre Gewissen sind, die zu faulen beginnen. (?) Sie gingen hinunter und öffneten die Tür einen Spalt, und das Wasser mit der Scheiße ergoss sich über den Nachbarn, weil er der Kleinste war; der Gestank schlug ihnen mit doppelter Kraft entgegen. Die Frauen stöhnten matt: O Jesus, die Faulgrube ist übergelaufen?"

Die Entehrung der "Solidarność"-Revolution und ihrer Helden durch die SB-Archive ist für die einen eine Heldentat, für andere dagegen eine in ein Faulbecken geschleuderte Granate: die einen tötet sie, andere verwundet sie, alle übergießt sie mit der stinkenden Brühe.

Und genau so verletzt, frustriert und besudelt werden wir den 25. Jahrestag der Augustrevolution der "Solidarność" feiern.

Bleibt nur zu hoffen, dass der polnische Organismus das Gift der verfälschten Geschichte und der erbärmlichen Axiologie des öffentlichen Lebens abwehrt. Und daran zu glauben, dass sich nach diesem Dreckschwall ein Weg findet, den verloren Sinn wieder zu entdecken, dass wir lernen, vernünftig über das zu sprechen, was wir zu tun wagten.

Die Demontage der kommunistischen Diktatur ohne Blutvergießen, der Aufbau einer parlamentarischen Demokratie und der Marktwirtschaft, die Wiedererlangung der Souveränität, Wirtschaftswachstum, der Beitritt zur NATO und zur Europäischen Union, stabile Grenzen, gute Beziehungen zu den Nachbarn und den nationalen Minderheiten - das ist doch wohl nicht wenig? Deshalb sage ich zu mir 25 Jahre nach dem August `80, was mich der unvergessene Antoni Słonimski gelehrt hat. Polen ist ein Land wunderbarer und überraschender Ereignisse; im polnischen Kessel rühren Teufel und Engel immer abwechselnd.

In Polen ist alles möglich - sogar Wendungen zum Besseren.

*

Aus dem Polnischen von Silke Lent.

Dieser Text erschien erstmals in der Gazeta Wyborcza am 27. August 2005, auf Deutsch und in gekürzter Fassung in der Zeit vom 1. September 2005.

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Monotheismus-Debatte im Perlentaucher

10.09.2013. Alle Artikel der von Jan Assmann angestoßenen Debatte zu Monotheismus und Gewalt im Perlentaucher, aktualisiert am 10. September. Mehr lesen

Reinhard Schulze: Religion, Wahrheit und Gewalt

09.09.2013. Religion als Wahrheitsordnung übernahm ein Prärogativ der Götter, nämlich zornig zu sein und strafen und vergelten zu können. Der Islam ging hier einen eigenen Weg. Mehr lesen

Dorothea Weltecke: Müssen Religionen intolerant sein?

26.08.2013. Die "mosaische Unterscheidung" ist nicht statisch. In der Praxis haben Religionen gelernt, miteinander zu leben. Nur atheistische und religiöse Fundamentalisten suchen noch nach dem "Eigentlichen". Mehr lesen

Marie Luise Knott: Das Erhabene und das Schöne

12.07.2013. Beim Literaturfestival im Thermalbadeort Leukerbad wird die Kränkung des Schöpfers zum Glück des Lesers. Mehr lesen

Daniele Dell'Agli: Die Matrix und ihre Feinde

17.06.2013. Erstaunlich, mit welchem Aufwand davon abgelenkt wird, dass die Unterscheidung zwischen dem einen wahren Gott und den vielen falschen Göttern uns noch nach 2000 Jahren ihre finstere Exekutivlogik unter Beweis stellt. Wider die Entschärfung von Jan Assmanns These. Mehr lesen

Marie Luise Knott: Ein Turm aus sieben Eiern

11.06.2013. Biennale Venedig: Artur Zmijewski lässt Blinde sich selbst malen. Fischli-Weiss präsentieren kritische Momente der Weltgeschichte in ungebranntem Ton. Tino Sehgal arbeitet mit Tänzern in gleichem Rhythmus, ohne sich je zu vereinigen. Flüchtige Impressionen einer Kunst, die nie statisch sein will. Mehr lesen

Matthias Küntzel: Erstaunliche Nonchalance

10.06.2013. Die Zeit ist liberal - besonders im Umgang mit dem iranischen Regime. Gegen die beschönigende Wahlberichterstattung aus dem Gottesstaat, der die Opposition seit den Aufständen vor vier Jahren brutaler unterdrückt als je.
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