Seit Langem überfallen den Autor und Musiker Thorsten Nagelschmidt in der Vorweihnachtszeit Depressionen. Seine Familie besucht er zu dieser Zeit schon seit über 20 Jahren nicht mehr. Stattdessen bilden Partys und Exzesse ein probates Mittel zur Ablenkung. Die Depression aber ließ sich dadurch nie aufhalten, allenfalls verzögern. Um den Bann zu brechen, beschließt er, die Feiertage in einem All-Inclusive-Hotel auf Gran Canaria zu verbringen. Mehr noch: Er wird den Eskapismus auf die Spitze treiben und endlich die berühmteste Serie der Fernsehgeschichte gucken. Die 'Sopranos', alle 7 Staffeln am Stück, 8 Stunden täglich, 11 Tage lang. In der Tradition von Foster Wallaces Kreuzfahrt-Reportage 'Schrecklich amüsant, aber in Zukunft ohne mich' begibt sich Nagelschmidt freiwillig in eine Extremsituation, um persönlich, kulturgeschichtlich und nicht ohne Humor zu ergründen, was es mit diesen Nicht-Orten der Urlaubsindustrie und dieser vielleicht seltsamsten Zeit des Jahres auf sich hat.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 15.10.2025
Der Ich-Erzähler von Thorsten Nagelschmidt sitzt elf Tage auf Gran Canaria rum und schaut sich "The Sopranos" an, resümiert Kritiker Matthias Kalle: Den Impuls, Fernsehen als der Literatur ebenbürtige Kunst zu verstehen, findet er erst einmal gut. Es handelt sich bei dem Buch um ein langes Protokoll dieser Fernseh-Sehens, bei dem Nagelschmidt seine Depressionen bei Tony Soprano widergespiegelt sieht, bei denen er aber auch Referenzen zu Bourdieu und Foster Wallace einbaut, erfahren wir. Leider ist der Text der Serie in all ihrer "existenziellen Schwere" doch unterlegen, aber Kalle nimmt es nicht so schwer, denn für ihn ist vor allem der Impuls überzeugend, dass sich ein literarischer Text derart ernst mit einer Fernsehserie auseinandersetzt.
Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Botho Strauß: Bleiben und Blicken In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen,… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…