2 CDs, ca. 106 Minuten. Gesprochen von Leslie Malton u. Felix von Manteuffel. Die Überraschung ist perfekt. An seinem 41. Geburtstag bekommt der berühmte Schriftsteller R. einen sonderbaren Brief. Der Absender: eine ihm unbekannte Dame. Sie erzählt ihm darin die Geschichte ihres Lebens, die, wie er mit ungläubigem Staunen feststellen muss, auch seine Geschichte ist. Seit sie ihm als Kind zum ersten Mal begegnet war, verliebte sie sich mehr und mehr in den Schwarm aller Frauen. Unrettbar. Nach einer gemeinsamen Liebesnacht viele Jahre später bringt sie seinen Sohn zur Welt, von dessen Existenz R. nichts ahnt. Als sie sich, wiederum Jahre später, erneut begegnen, erkennt er sie nicht. Für ihn ist sie, die nur für diese Liebe lebt, nichts als ein namenloses Abenteuer. Erst der frühe Tod des Sohnes enthüllt ihr die Sinnlosigkeit ihrer Leidenschaft. Stefan Zweig, ein Leben lang fasziniert von den unbändigen Naturen, zeichnet in seiner 1922 erschienenen Novelle meisterlich das bewegende Psychogramm einer heillosen Passion.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2009
Stefan Zweigs "Brief einer Unbekannten", eine kurze Erzählung aus dem Jahr 1922, ist die Geschichte einer Stalkerin avant la lettre. Eine Frau verliebt sich in einen Schriftsteller, der im selben Haus wohnt; zwar nimmt er sie wahr, zwar kommt es zu zwei Liebesnächten (mit Folgen), aber dann vergisst er sie wieder. Sie ihn jedoch nicht. Obsessiv bleibt sie auf ihn fixiert, was er aber nach ihrem Tod erst aus einem an ihn adressierten Brief erfährt. Diesen Brief, der den größten Teil der Erzählung ausmacht, liest Leslie Malton in diesem Hörbuch ein, und zwar, wie die faszinierte Rezensentin Sandra Kegel betont, "fesselnd" und mit "großer Meisterschaft", mit der sie die psychologische Subtilität dieser Erzählung ins andere Medium zu übertragen verstehe.
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