Gibt es ein schlimmeres Gefühl, als jemanden zu lieben und nicht zurückgeliebt zu werden? Ist das dann überhaupt Liebe oder nur ein Traum, ein Wunsch, eine Flucht vor der Wirklichkeit? Und was hilft gegen Liebeskummer - Schokolade, Alkohol, Seriengucken … oder gar Philosophie? Die Philosophin Miriam Metze zeigt in ihrem Buch, dass die Erfahrung, nicht zurückgeliebt zu werden, viel mehr sein kann als bloß eine lästige Nebenwirkung unseres amourösen Daseins - nämlich der Ausgangspunkt eines produktiven Denkens, mit dem sie die Frage nach dem Wesen der Liebe neu stellt. Dabei schlägt sie einen weiten Bogen von der antiken Philosophie und biblischen Referenzen über jüdische Mystik und die Philosophie der Renaissance hin zu den jüngsten Auseinandersetzungen unserer Gegenwart. Von Sokrates bis Hannah Arendt, von Rilke bis Bachmann lernen wir, dass Liebende abenteuerlustig (und blöd) sein müssen, dass Romantik nicht immer das ist, was sie zu sein scheint und dass vielleicht letztlich doch alles nicht so schlimm ist, wenn nur die Perspektive stimmt.
Ein originelles Buch über die Liebe hat die Philosophin Miriam Metze laut Rezensentin Ann-Kristin Tlusty geschrieben. Metze beschäftigt sich ausgerechnet mit jener Form der Liebe, von der es im Allgemeinen heißt, dass man sie vermeiden soll: mit der unerfüllten. Um sich diesem Thema zu nähern, mit dem die Autorin auch persönliche Erfahrungen hat, geht sie zunächst die geläufigen Erkundungen zum Wesen der Liebe durch. Neben erwartbaren Namen von Hannah Arendt bis Niklas Luhmann kommen dabei auch weniger geläufige Positionen zu Wort, wie etwa die der Renaissance-Philosophin Tullia d'Aragona. Ausgehend von diesem Literaturüberblick verteidigt Metze die unerwiderte Liebe als eine Art Extremismus der Liebe - eben weil das Objekt der Liebe nicht verfügbar ist, beschäftigt sich der unerfüllt Liebende umso intensiver mit der eigenen Liebe, was deren fundamentale Unbegreiflichkeit offenlegt. Wie schlüssig das tatsächlich ist, möchte Tlusty nicht abschließend bewerten. Dass unerfüllt Liebende in diesem Buch etwas für sich entdecken können, glaubt die Rezensentin allerdings durchaus.
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