Klappentext
Mit Illustrationen von Katia Fouquet.Was, wenn wir alle sterblich sind? Mikael Vogel nähert sich in "Lonely Planet Mensch" der eigenen Mutter in ihrem Sterben - und nähert sich denen, die auftauchen, wenn jemand geht. Da erscheint die Schwester in einer falschen Erinnerung, da sind von Anfang an Tiere, da sind die Gedichte und Erzählungen, die für uns und vor uns geschrieben wurden. Die Gedichte kartieren den Lonely Planet Mensch: Sie spannen die Gegenpole unseres Daseins auf - Verlust, Trauer, Vergeblichkeit auf der einen Seite; Nähe, Lebenslust, Hoffnung auf der anderen. In unserem Zerbrechen liegt, so die Gedichte, die Poesie des Menschseins. Dieses existenzielle Universum bevölkert Mikael Vogel mit Stimmen und Figuren, die er zu uns sprechen lässt - und die er vor allem anspricht: F. Scott und Zelda Fitzgerald, das Jazz Age als Epoche der Hybris und des Zusammenbruchs. Im nicht mehr möglichen Gespräch mit der Mutter, im Versuch, ihr Leben und ihre Gewalterfahrungen zu verstehen, tauchen Lana, Amy, Sinéad, Courtney oder Stefani als Verbündete auf - jede auf eigene Weise vom Patriarchat zermürbt und dennoch widerständig.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 26.08.2026
Mikael Volgel legt hier, findet Rezensent Björn Hayer, einen fulminanten Gedichtband vor, in dem der Lyriker den Tod seiner Mutter verarbeitet. Und zwar mit Anleihen bei niemand geringerem als Dante, dessen "Göttliche Komödie" von Volgel teils allerdings auch angegriffen wird, weil es in ihr antisemitisch und islamfeindlich zugeht und Gewalt gegen Tiere nicht verurteilt wird. Überhaupt präsentiert sich der Lyriker ein weiteres Mal als ein passionierter Kritiker der Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlage unserer Erde durch den Menschen. Hayer erfreut sich an Volgels "Gedichten ohne Punkte", die vielfältige Eindrücke vom Leben der Mutter aufgreifen und außerdem diverse intertextuelle Verweise enthalten, auf Paul Celan genauso wie auf Lana Del Rey. Gerade die bildliche Sprache dieser Verse ("Wie Koalas trinken: indem sie bei Regen die Baumrinde abschlecken") hat es Hayer angetan.
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