Michael Cunningham

Die Schneekönigin

Roman
Cover: Die Schneekönigin
Luchterhand Literaturverlag, München 2015
ISBN 9783630874586
Gebunden, 288 Seiten, 21,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Eva Bonné. Der New Yorker Stadtteil Bushwick liegt jenseits von Brooklyn. In dieser Gegend sind die Mieten noch einigermaßen bezahlbar, die Häuser alt und die Leute nicht ganz so schick. Hier teilen sich die Brüder Tyler und Barrett eine Wohnung mit Tylers großer Liebe Beth, die unheilbar an Krebs erkrankt ist und um die sie sich beide aufopferungsvoll kümmern. Sie sind in den sogenannten besten Jahren und können es noch nicht ganz glauben, dass sich ihre Träume niemals erfüllen werden: Tyler, ein genialer Musiker, steht immer noch ohne Band und ohne Erfolg da. Aber er wird, das nimmt er sich vor und dafür sucht er sich heimlich Inspiration beim Kokain, das ultimative Liebeslied für Beth komponieren, ja, er wird es ihr bei der geplanten Hochzeit vorsingen... Barrett, fast Literaturwissenschaftler, fast Startup-Unternehmer, fast Lord Byron, verkauft Secondhand-Designerklamotten in Beths Laden und trauert seinem letzten Lover nach, der ihn gerade schnöde per SMS abserviert hat. Als Beth sich wider alle Erwartungen zu erholen scheint, glaubt Tyler umso mehr an die Kraft der Liebe, während der Exkatholik Barrett sich fragt, ob das merkwürdige Licht, das er eines Nachts im Central Park am winterlichen Himmel sah, nicht doch irgendwie eine göttliche Vision gewesen sein könnte…

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.08.2015

Schade, dass Michael Cunningham seinen neuen Roman "Die Schneekönigin" derart überlädt, seufzt Rezensent Thorsten Gräbe. Denn eigentlich hätte der Kritiker die mit Motiven aus Hans Christian Andersen gleichnamigem Märchen spielende Geschichte um ein eng verbundenes Brüderpaar, die mit der an Krebs sterbenden Beth zusammenleben, nicht ungern gelesen. Dass Cunningham sein zwischen Künstler-, Krebs- und Kokainroman mäanderndes Buch dann aber auch noch mit Themen wie der amerikanischen Präsidentenwahl, der Suche nach der Weltformel oder der Gentrifizierung in New York vollpackt, und all dem auch sprachlich leider nicht gerecht werden kann, hat dem Rezensenten die Lektüre leider verdorben.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 16.05.2015

Viel kann Tim Berressem dem Roman von Michael Cunningham nicht abgewinnen, fast gar nichts, denn Cunningham scheint seinen Text direkt aus der Schreibwerkstatt zu funken. Seminaristenprosa, findet Berressem, mehr nicht. Adjekte, die sich auf die Füße steigen, wie der Rezensent meint, "hüftsteife" Dialoge, auch Kitsch. Es geht um Liebe und Tod und ein Leuchten über dem Central Park, das der Autor nicht erklären kann. Nicht viel Bewegung im Text, meckert der Rezensent, dafür Bilder wie Pappmotive und nur ganz selten ein einem Pulitzerpreisträger gemäßer Satz.