Alltagsobjekte wie Jeans, Handys, die Mikrowelle oder die Ray Ban-Brille zählen trotz massenhafter Verbreitung zu den unbekanntesten Dingen. Manfred Russo rekonstruiert die unbekannten Geschichten globaler Kultobjekte und ihrer Entstehung und kommt zu überraschenden Einsichten: Warum Naomi Campbell gleich vier Handys bei sich trägt; was Cornflakes mit den puritanischen Geboten des Dr. Kellog zu tun haben; die Mikrowelle als Zufallserfindung der Radarabwehr, der Nadelstreif - Superzeichen des Vertikalen, von den gotischen Kathedralen bis zum linientreuen Gentleman, die Personalunion von Nadelstreif und Wolkenkratzer: Philipp Johnson; wie der bayrische Jude Levi Strauss die zweite Haut konstruiert, warum ohne Tweed-Sakko Sigmund Freud die Psychoanalyse nicht hätte erfinden können, und weshalb der eleganteste Schuh Englands Löcher hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 18.05.2000
Endlich einer, der über das "Quengeln der Handys", über schmierige Hamburger und protzige Edelkarossen nicht nur mäkelt: Manfred Russo schaffe es irgendwie, so Rezensent Stephan Schurr, Fortschrittsmüde mit den lästigen Kultobjekten des Alltags zu versöhnen. In kurzen, oft "brillant" geschriebenen Essays sei es dem Autor Russo gelungen, das "Netz von Bedeutungen zu lüften, die den Reiz von Tupperdosen, Sonnenbrillen oder Nadelstreifenanzügen ausmachen. "Unkompliziert und kurzweilig" beleuchte das Buch einerseits psychologisch die "Kurzschlüsse des Begehrens" oder die Zwänge des Fetischismus und andererseits führe es leichtfüßig die Ästhetisierung der Massenkultobjekte vor. Geschichtlich Interessantes - wie z. B. die wahren Gründe für den Siegeszug von Coke oder Kelloggs - kommt da ebenfalls nicht zu kurz. Selbst der Trabant finde sich zwischen Smarties und Tupperware, freut sich Schurr.
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