Ketil Bjoernstad

Villa Europa

Roman
Cover: Villa Europa
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783458171904
Gebunden, 536 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger. Von der Belle Epoque bis zum Fall der Berliner Mauer: der Autor erzählt die Geschichte einer Familie, deren dramatisches Schicksal zugleich die Geschichte des 20. Jahrhunderts widerspiegelt. Beschrieben aus der Sicht der Familienmitglieder, die durch ganz Europa ziehen und immer wieder in jene Villa über dem Fjord zurückkehren, als ob nur dort die Welt noch Bestand hätte. Erik Ulven und seine Frau gehören zur wohlhabenden Osloer Gesellschaft. Doch das Leben der Reichen beginnt Erik zu langweilen. So verschwindet er eines Tages, ohne Abschied, um anderswo sein Glück zu machen. Auch die Söhne, Töchter und Enkel der Familie verlassen, in den folgen Jahrzehnten, ihr Land, freiwillig oder unfreiwillig, und doch kehren fast alle in das Haus über dem Fjord zurück, das in Kriegs- und Nachkriegswirren auch Flüchtlinge aus aller Welt beherbergt und das sie "Villa Europa" nennen. Vor allem von den Frauen der Familie bewahrt, wird es mehr und mehr zum Schauplatz der Auseinandersetzungen zwischen den Generationen und den Geschlechtern.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.09.2004

Klaus Böldl sieht diesen Familienroman von ketil Björnstad ein wenig im Fahrwasser der skandinavischen Erfolgsautorin Marianne Fredriksson segeln, hält ihn allerdings nicht für ganz so provinziell. Björnstad erzählt darin die Geschichte der ausgesprochen reisefreudigen Familie Ulven über fünf Generationen hinweg. Dabei nehmen die Abenteuer von Laura den breitesten Raum im Buch ein, die in Griechenland von einem Faschisten vergewaltigt wird, das Kind in Bari bei einem Kirchendiener gebärt, um dann in ihrer Heimat Oslo die Tradition der Villa Europa als "ein Refugium des Gequälten und Entrechteten dieser Welt" weiterzuführen. Der Rezensent findet es "erstaunlich", wie souverän der Autor auf den 530 Seiten die Ereignisfülle verwaltet, denn die Prosa bleibt immer atmosphärisch dicht und spannungsreich. Doch leider, so der Rezensent, wurde die Leichtigkeit des Romans mit "gelegentlichen Vereinfachungen" erkauft, wie etwa die Bestätigung der "üblichen Klichees" in Lauras Reiseabenteuern. Überzeugender, so findet der Rezensent, seien dafür die Berichte aus Norwegen, die auf höchst subtile und dezente Weise die historischen Entwicklungen in die Biografien seiner Heldinnen und Helden einfließen lasse.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.08.2004

Familienromane sind "herrlich altmodisch" und trotzdem nicht totzukriegen, weil sie alles Neue, alle Umwälzungen, und dazu die Ereignisse der großen Welt ins familiäre Anwesen holen können. Weil Ketil Björnstad keinen Deut von der Konvention abweicht und die "Villa Europa" zur Allegorie von einhundert Jahren norwegischer wie auch Weltgeschichte gestaltet, kommt Ernst Osterkamp nicht umhin, ihm erzählerisch eine "geradezu rührende Hilflosigkeit" zu bescheinigen. Dennoch hat sich der Rezensent gern von der vier Generationen umspannenden Familienhistorie einwickeln lassen, was er erstens der "Weltläufigkeit" des Roman zuschreibt - die Protagonisten kommen viel herum und tragen die Ereignisse von anderswo heim nach Oslo - und zweitens dem großen Herz des Autors für seine hinreißenden Charaktere. Vor allem den Frauen der Familie, so Osterkamp, ist er in großer erzählerischer Liebe verbunden - starken Frauen, denen von ihren schwachen Männern viel Gewalt angetan wird. Alles in allem: ein Roman mit Mängeln (während die Übersetzung ausdrücklich gelobt wird), den man dennoch mit berührter Hingabe liest.
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