Katrin Zipse

Moosland

Roman
Cover: Moosland
DuMont Verlag, Köln 2026
ISBN 9783755800712
Gebunden, 224 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Als Elsa im Sommer 1949 in Island ankommt, ist sie eine von vielen. Knapp dreihundert junge Frauen aus Deutschland sind dem Aufruf der isländischen Bauernpartei gefolgt, um dort ein Jahr auf Höfen zu arbeiten. Die Bauern hoffen auf Arbeitskräfte sowie Heiratskandidatinnen, nachdem viele Isländerinnen in die Städte abgewandert sind. Sprachkenntnisse können die Frauen nicht vorweisen, aber oft haben sie nichts zu verlieren. Auch Elsa schweigt. Sie ist nicht hier, um zu bleiben, sie trauert um ihre Freundin Sola, und mit den Bauersleuten kann sie sich zunächst ohnehin nicht verständigen. Dennoch entsteht zwischen Grassodenhaus, leuchtenden Wiesen und endlosem Meer ein Zusammenleben, das sich Elsa irgendwann nicht mehr vom Leibe halten kann. Allein ihre Anwesenheit verändert die Dynamik auf dem Hof - besonders die der Bauernsöhne. Es gibt Erwartungen, ausgesprochene und unausgesprochene. Und dann ist da auch noch die verschwundene Tochter der Familie, über die niemand spricht und die für Elsa immer wichtiger wird … 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.06.2026

"Einen stillen, einprägsamen Roman" hat Rezensent Oliver Jungen hier vor sich. Es ist das erste Buch für Erwachsene, das Jugendbuchautorin Kathrin Zipse verfasst hat und der Kritiker ist mit kleinen Einschränkungen angetan. Schon die historische Situation, die Zipse schildert, ist spannend: im Jahr 1949 holt der isländische Bauernverband etwa dreihundert deutsche Gastarbeiterinnen ins Land, darunter ist im Roman die Protagonistin Elsa, die ihre Familie und Freundin im Krieg verloren hat und die deshalb in der Heimat nichts mehr hält. Wie Elsa, die kein Wort Isländisch spricht, sich langsam an die Bauernfamilie und die rauen Sitten in der neuen Umgebung gewöhnt, schildert die Autorin nahezu filmisch durch die Augen der Heldin, so Jungen. Mitreißend und berührend findet er vor allem die zarte Annäherung zwischen Elsa und den knorrigen Isländern, die die "grenzenlose Einsamkeit" der Heldin immer kleiner und Island immer mehr zur Heimat werden lassen. Ein paar Beschreibungen weniger, dafür mehr sprachliche Experimentierfreude hätte sich Jungen zwar gewünscht. Aber allein wie Zipse "das Ursprüngliche und Erhabene" der isländischen Landschaft einfängt, auch dank "authentischer historischer Details", macht den Roman für ihn auch zum spannenden Gesellschaftsporträt. Dieses Buch über Trauer, Fremdheit und "Kulturverständigung" kann der Kritiker daher nur empfehlen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.04.2026

Rezensentin Judith von Sternburg ist fasziniert von den Schicksalen, die in diesem Roman aufgearbeitet werden: 1949 warb der Bauernverband Islands 300 junge deutsche Frauen an, die auf einem isländischen Hof arbeiten sollten - Heirat mit einem Isländer ausdrücklich erwünscht. Katrin Zipse hat daraus einen Roman gemacht, der sich um zwei Frauen dreht, Gerda und Elsa, die zu den 300 gehören und mit der für sie neuen Situation auf der einsamen Insel im Norden unterschiedlich umgehen: Elsa ist traumatisiert und schweigt beharrlich, Gerda hingegen wird schnell neugierig auf das Land und die paar Menschen, denen sie hier begegnet. Wie Katrin Zipse Fremdheit erzählt, nämlich indem sie den Lesenden selbst auf Distanz hält, wenig erklärt, eher zeigt, findet Sternburg gelungen, gleichzeitig sind auch die Schilderungen des "kargen Bauernlebens" interessant. Eine besondere, weitgehend vergessene historische Erfahrung, die erzählt werden musste, so das Fazit. 

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