Katharina Wesselmann

Die abgetrennte Zunge

Sex und Macht in der Antike neu lesen
Cover: Die abgetrennte Zunge
WBG Theiss, Darmstadt 2021
ISBN 9783806243420
Gebunden, 224 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Was Götter uns lehrten: Waren Zeus und Co. Vorreiter der toxischen Männlichkeit? Sie stellen schönen Nymphen nach, verführen unter Aufbietung aller Tricks Jungfrauen und hinterlassen eine Spur von halbgöttlichen Kindern: Wer kennt sie nicht, die Abenteuer der antiken Götter? Dass die griechischen Sagen und Legenden weit mehr als nur Unterhaltungswert besitzen, zeigt sich in dem beträchtlichen Einfluss, den die antike Literatur auf die abendländische Kultur ausübte - und weiterhin ausübt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.11.2021

Rezensentin Melanie Möller verwendet sehr viel Text und viele Zitate darauf, die ihrer Meinung nach offenkundige Problematik von Katharina Wesselmanns Ansatz in "Die abgetrennte Zunge " zu verdeutlichen. Zu "gesellschaftsfähig" sei Möllers Kritik, allzu erzieherisch ihr Vorhaben, allzu ahistorisch ihre Interpretationen antiker Kunstwerke und allzu simpel ihre Schlussfolgerungen in Bezug auf die Prägung heutiger Ideale, Normen, Rollenbilder durch diese Kunstwerke und das darin transportierte Frauenbild. Anhand zahlreicher Beispiele aus Wesselmanns Buch zeigt Möller die Kurzschlüsse auf zwischen Ovids "Liebeskunst" und den modernen "Pick-up-Artists", zwischen Catulls anstößigen Versen und den Lyrics von Kollegah oder K.I.Z, zwischen antiken Elegikern und modernen Incels. Das große Missverständnis dahinter: Kunst und Realität würden einander eins zu eins abbilden. Dass Möller Wesselmanns Arbeit am Ende dennoch eine "an sich anregende Untersuchung" nennt, kann man dann kaum noch nachvollziehen.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 06.09.2021

Rezensentin Ramona Westhof hätte sich die Altsprachlerin Katharina Wesselmann als Lateinlehrerin gewünscht. Der mit Humor gewürzte didaktische Duktus im Buch über Rollenmuster in antiken Texten sagt ihr zu. Aufschlussreich findet sie Wesselmanns Vergleiche zwischen Frauenfiguren bei Homer und solchen in aktuellen Netflix-Produktionen. Die Erkenntnis, dass die Frauen heute charaktervoller dargestellt werden, trifft leider nicht immer zu, erfährt Westhof. Klischees wie das der sexuell passiven Frau und des aktiven Mannes findet Wesselmann bei Terenz, aber auch in Rap-Texten von heute, staunt die Rezensentin. Die "unprätenziöse", zupackende Schreibweise der Autorin gefällt ihr gut.

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