Drift

aki Verlag, Zürich 2024
ISBN
9783311350187
Gebunden, 320 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Dorothee Elmiger. Drift erzählt von der Unmöglichkeit des Schreibens, vom Mysterium der Kreativität, von der Besessenheit, das Jetzt auf dem Papier einfangen zu wollen. Die Erzählerin arbeitet an einem längst überfälligen Roman, verbringt lange Tage zu Hause, streift mit ihrem ruhelosen Terrier Genet durch die Straßen der Nachbarschaft und korrespondiert mit Schriftstellerkolleginnen, die ihre Schreibkrise teilen, ihr aber dennoch nicht helfen können. Sie ist besessen von der Herausforderung, die Gegenwart zu schreiben, die Zeit selbst literarisch zu erfassen. Fasziniert von den Werken von Rainer Maria Rilke, Robert Walser oder Chantal Akerman spaziert sie, fotografiert die Bewohnenden und Streuner ihres Viertels und hält ihre Gedanken in einem gelben Notizbuch fest. Sie will schreiben, aber immer wird sie abgelenkt. Dann wird sie schwanger mit ihrem ersten Kind und dieser Zustand verleiht ihrem Denken und Schreiben plötzlich eine neue Dringlichkeit. Sie findet eine literarische Form für ihre intellektuellen Spaziergänge, eine Sprache, die beschreiben will, "was es heißt, in einem Körper herumzulaufen" und wie es gelingen könnte, die Textur eines Gefühls festzuhalten. Als ihre Tochter zur Welt kommt, beendet sie das Buch und gibt ihm den Titel Drift.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 25.10.2024
Rezensentin Gisa Funck liest mit "Drift" ein "unmögliches Buch", das Zeugnis eines Scheiterns, doch dieses Scheitern ist hochspannend! Einen autobiografischen Roman soll die Erzählerin Kate Zambreno schreiben, lesen wir. Doch die Autobiografie, die immer Autofiktion, immer Selbstkonstruktion ist, interessiert Zambreno gerade nicht. Statt zu konstruieren, die Illusion eines Ichs und seiner Geschichte zu schaffen, will sie lieber dekonstruieren, indem sie die Brüche und Lücken ihrer Erzählung, die ihr Ich ist, ausleuchtet, so Funck. "Driften" - so lautet das Programm, sich treiben lassen, Zufälle, Begegnungen, Gedankengänge - Reflexionen über die Bedeutung von Kunst im Allgemeinen und im Speziellen, für die Gesellschaft und für sich selbst, aber auch die banalsten Sorgen und Beobachtungen - literarisch festhalten, in all ihrer Gleichzeitigkeit und Ambivalenz: Unmöglich, wie sie bald feststellen muss. Doch es ist der Versuch, der zählt, meint die Rezensentin, der Versuch, der Literatur ist, der Dekonstruktion ist. Nur selten ist die Direktheit und Schamlosigkeit, mit der Zambreno auch von privaten Konflikten, von Geldsorgen, Neid, Versagensängsten usw. berichtet, der Rezensentin etwas "allzu intim". Im fragmentarischen Großen und Ganzen jedoch bietet dieses Buch eine faszinierend offene, anregende Lektüre.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.10.2024
Ganz begeistert ist Rezensentin Meike Feßmann von Kate Zambrenos Buch, einem Roman, der zwischen literarischem Tagebuch und Autofiktion angesiedelt ist. Besonders, wie der Text, den Feßmann unter anderem mit einem Hund vergleicht, der schnüffelnd eine Spur verfolgt, sich andauernd selbst reflektiert, auch in der Gefahr des Scheiterns, begeistert die Rezensentin. Feßmann zufolge spielt der Roman in den Jahren 2015 und 2016, hauptsächlich in Brooklyn. Die Autorin lebt dort mit ihrem Mann und arbeitet an Texten, die Beschäftigung mit Literaten und Filmemachern wie Rilke, W. G. Sebald und Chantal Akerman steht gleichberechtigt neben Beschreibungen von Spaziergängen. Körperlich geht es außerdem zu, freut sich Feßmann, Menstruation wird thematisiert, Masturbation ebenfalls. Das ist oft ziemlich lustig, freut sich die Rezensentin, auch, wenn es etwa um die Tücken der Online-Kommunikation geht. Ein Buch, das den Blick auf die Literaturgeschichte verändert, jubelt Feßmann abschließend.