dtv, München 2026
ISBN
9783423285223 Gebunden, 400 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Aus dem Französischen von Maja Ueberle-Pfaff und Alexandra Baisch. Ein Jahr nachdem er den Élysée-Palast verlassen hat, ist der ehemalige Präsident Dan Lehman ein Schatten seiner selbst. Seine Ehe mit einer Schauspielerin ist nur noch Fassade. Er trinkt, wird in Gerichtsverfahren verwickelt und versucht mit einem Buch in die Medien zurückzukehren, während seine Frau die Rolle ihres Lebens spielt. Ihr Film ist ein Erfolg, wird für die Goldene Palme in Cannes nominiert. Und dort, in diesem Tempel des Kinos, in dem alles Illusion ist, vermischen sich Realität und Fiktion auf verheerende Weise. Ein Roman über die zerstörerischen Auswirkungen der Medienwelt auf Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen - aber vor allem über die Liebe.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.05.2026
Machtverlust kann ganz schön belastend sein, lernt Dan Lehman schnell, der Protagonist von Karine Tuils neuem Roman, der bis vor kurzem noch französischer Staatspräsident war und jetzt seine deutlich jüngere Ehefrau Hilda langweilt, wie Kritiker Christian Mayer liest. Amüsant, mit "einer gehörigen Portion Boshaftigkeit" schildert Tuil, wie Lehman ziemlich ins Straucheln kommt, sich die öffentlichen Auftritte schön trinkt, aber trotzdem auch ein liebender Vater ist, so der Kritiker. Die eigentliche Heldin ist für Mayer Marianne, Lehmans Ex-Frau, die einen Roman über eine misshandelte Frau geschrieben hat, der nun ausgerechnet mit Hilda in der Hauptrolle verfilmt wurde. Highlight sind für den Rezensenten die Kapitel, die Tuil über Cannes schreibt. Dort kochen alle Eitelkeiten besonders hoch, nirgendwo sind Triumph und Absturz der verschiedenen Figuren so nah beieinander: Ein Roman, der diese Gratwanderung grandios zeigt, lobt Mayer.
Rezensent Cornelius Wüllenkemper fühlt sich von Karine Tuils neuestem Roman gut unterhalten: Die Pariser Hautevolée bekommt hier in Gestalt des früheren Präsidenten Dan Lehmann ihr Fett weg. Nach seiner Präsidentschaft versinkt er als Autor in der Bedeutungslosigkeit, auch seine halb so alte Frau zieht ihn nicht aus dem Selbstmitleid und den intellektuellen Kreisen, in denen man sich den Schmutz unter den Fingernägeln nicht gönnt, resümiert Wüllenkemper. Nun wird seiner Frau ausgerechnet in der Verfilmung des Buches seiner Ex eine Rolle angeboten, was sein fragiles Ich-Konzept weiter ins Wanken bringt, lesen. Wüllenkemper amüsiert sich köstlich über die Eitelkeiten, die hier an "egozentrischen Alphatieren" der Pariser Szene durchexerziert werden und empfiehlt das Buch auch als Analyse dieses Soziotops.
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